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Kleinkaliber-Selbstlader im Test: Die Frey & Sohn Ruger 10/22 Racer

Die vom Ruger-Firmengründer William B. Ruger entwickelte Selbstladebüchse wird seit 1964 kontinuierlich gebaut und ist der meistverbreitetste Kleinkaliberselbstlader weltweit, vielleicht sogar die weitverbreitetste Kleinkaliberwaffe überhaupt. Die Büchse gibt es ab Werk in unzähligen Variationen für unterschiedliche Anwendungsgebiete. Von der Jagd, über Plinking bis hin zur sportlichen Verwendung – ein jeweils passendes Standardmodell der 10/22 wird sich in der Modellpalette von Ruger finden. Standard ist jedoch in vielen Fällen eben eines: Das, was alle haben und auch oft nicht genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Das muss sich auch die Firma Frey & Sohn Waffenwelt gedacht haben, als sie ihre Racer-Version der Ruger 10/22 entwickelt hat. Bei der Racer handelt es sich um eine sportliche Interpretation der Ruger, die, wie der Name schon sagt, auf Geschwindigkeit optimiert ist. Sie soll damit perfekt auf die Anforderungen von Fallscheiben-, Speed- und IPSC Minigunschützen getrimmt sein. Dabei ist die Idee einer Waffe speziell für die Disziplinen des Bundes Deutscher Sportschützen (BDS) kein Wunder: Dirk Frey von Waffenwelt ist 18-facher deutscher Meister und 50-facher thüringischer Meister in Disziplinen des BDS.

Der erste Eindruck zur Ruger 10/22 von Frey

Diese dynamischen Ambitionen merkt man der 10/22 Racer direkt bei den ersten Probeanschlägen an. Sie ist angenehm leicht. Während etwa das Fabrikmodell Sporter 2,8 kg auf die Waage bringt, wiegt die Racer mit nur 2,16 kg weit mehr als ein halbes Kilogramm weniger. Auch die Gewichtsverteilung der Waffe verbirgt ihre dynamischen Gene nicht: Durch die Kombination aus Kunststoffschaft und massigem Lauf ist die Waffe sofort bemerkbar sehr kopflastig. Insgesamt führt beides zu einem angenehmen, sicheren Anschlag. Ebenso stimmt die Verarbeitungsqualität. Schon eine Basis-10/22 ist als eine grundsolide und altbewährte Kleinkaliberwaffe bekannt. Das Tuning und die komplette Überarbeitung tun bei der Racer ihr Übriges. Hier gab es für die Tester an keiner Stelle einen Grund, sich zu beschweren.

Die Racer von rechts.
Der Kunststoffschaft macht die Ruger 10/22 Racer trotz des bulligen Laufes leicht und sorgt für Kopflastigkeit.

Die KK 10/22 Racer im Detail

Mündungsgewinde der Racer. Daneben die Schutzmutter.
Das Mündungsgewinde am Lauf ist massiv ausgeführt. Hier findet jeder Mündungsaufsatz Halt. Befi ndet sich kein Aufsatz an der Mündung, ist das Gewinde unter der Mutter gut gegen Beschädigung geschützt.

Der verbaute Lauf als solcher stammt vom amerikanischen Randfeuerexperten Tactical Solutions und ist aus 6061-T6-Aluminium gefertigt und besitzt einen Einlegelauf aus Stahl. Das soll dabei insbesondere die Präzision der Waffe erhöhen und auch das Gewicht reduzieren. Für letzteres sorgt neben der Materialwahl die auf der Oberseite des Laufes komplette sowie auf der Unterseite etwa auf einem Drittel der Länge durchgezogene Flutung des Laufes. Deren Vorteile können abwärmetechnisch aufgrund des Kalibers jedoch getrost ignoriert werden. Die Mündung der Racer ziert ein 1/2x28 UNF-Mündungsgewinde, von Dirk Frey mit einer Gewindeschutzmutter abgedeckt. Es ist massiv ausgeführt und ermöglicht damit die Montage einer großen Auswahl an Schalldämpfern, Mündungsdämpfern und Kompensatoren.

Das System wurde vom Tuner komplett überarbeitet. Das kommt nicht nur zusätzlich der Präzision der Waffe zugute, auch die Handhabung zeigt sich als sehr angenehm. Das Laden der Waffe geht flüssig von der Hand. Auf dem Systemkasten sitzt eine lange und recht flach angebrachte Weaver-Schiene, welche die Montage einer großen Auswahl an Optiken erlaubt. Bei der Racer kommen hier bestimmungsgemäß insbesondere Red Dots sowie Zielfernrohre mit kleiner Vergrößerung in Betracht. Die Tester entschieden sich hier für ein Vector 1-6x24 von Noblex. Dieses Glas bietet einen guten Kompromiss aus Dynamik und der möglichen Vergrößerung.

Die technischen Daten zur 22er Tuning-Ruger auf einen Blick

Modell:
Frey & Sohn Ruger 10/22 Racer
Preis:
1.490,- Euro
Kaliber:
.22 l.r.
Lauflänge:
400 mm
Gewicht:
2164 g
Gesamtlänge:
900 mm
Abzug:
1230 g
Kapazität:
10 + 1 Patronen
Sicherung:
Druckknopf
Ausstattung:
Selbstladebüchse System Ruger 10/22 mit Masseverschluss. Komplett überarbeitetes System, Lochschaft, Lauf von Tactical Solutions (geflutet mit Mündungsgewinde 1/2x28UNF), verlängerter Magazinhebel.
Blick auf den Stoßboden der Racer.
Blick ins Auswurffenster: Das System
ist überarbeitet – wie zu sehen, geht
das Öffnen per Fingernagelspitze.

Beim Abzug handelt es sich um ein Originalteil aus dem Hause Ruger. Es handelt sich um den Match-Abzug des Unternehmens. Er löste im Test bei 1.230 g aus. Vor dem Abzugsbügel sitzt ein verlängerter Magazinlösehebel. Im Werkszustand einer Ruger 10/22 sitzt dieses tief im Gehäuse, was das Wechseln des Magazins für grobschlächtigere Schützen zur wahren Fummel-Arbeit macht. Insofern ergibt die Verlängerung durchaus Sinn und macht das Nachladen der Waffe schneller und angenehmer. Für weitere Dynamik der Waffe soll der Lochschaft aus Kunststoff sorgen. Diese Aufgabe erfüllt er gut. Er ist sehr leicht und sorgt für eine gute Kontrolle über die Waffe als Gesamtsystem. Lediglich im Griffbereich fängt die Waffe, gerade bei längerem Schießen, durchaus an zu rutschen. Hier würde eine aufgeraute Oberfläche oder die Verwendung eines griffigeren Materials Abhilfe schaffen. Die gut in der Schulter liegende Schaftkappe und die Form der Backe lassen jedoch keinen Raum zur Beanstandung und passen zum Gesamtbild der Waffe.

Auf dem Schießstand mit der Ruger in .22 l.r.

Mit montiertem Glas und einer Auswahl von spezieller Semiauto- sowie Match-Kleinkalibermunition ging es auf die 50-m-Bahn. Nur passend, dass strobl.cz just vor dem Test einen Anschussbock des Typs Caldwell The Lead Sled FCX geschickt hatte, der für besseren Ausschluss der Schützenstreuung im Präzisionstest sorgen soll. Auch dieser wurde eingepackt.

Magazin und Abzug der Frey 10/22.
Der verlängerte Hebel macht den
Wechsel des Magazins deutlich
angenehmer als beim Werksbauteil.

Mit Ausnahme des verlängerten Magazinhebels gestaltet sich der Ladevorgang und die Bedienung wie von einer 10/22 out of the box sowie den meisten anderen Kleinkaliberselbstladern gewohnt: Das Laden des typischen Ruger-10/22-Magazins ist nach unserer sehr pfriemelig. Das ist aber nicht der Tuning-Waffe vorzuwerfen, sondern ein allgemeines Problem der Rugers. Nach dem Durchladen und Entsichern der Druckknopfsicherung ist die Waffe schussbereit. Das Schießen der Büchse im Allgemeinen gestaltet sich angenehm. Was jedoch schon nach einigen Schuss auffällt: Die Racer macht ihrem Namen alle Ehre und möchte nicht gern aufgelegt geschossen werden. Aufgrund des geringen Gewichts springt sie immer wieder aus der Vorderschaftauflage. Das ist aus unserer Sicht aber kein Minuspunkt, da die Waffe eben dafür auch nicht gemacht ist. Der Abzug hat ein gutes, ausgewogenes Gewicht und gäbe auch nicht viel Anlass zur Kritik, wenn er nicht kurz vorm Druckpunkt noch zu kriechen anfangen würde.

Die Frey Racer im Anschussbock.
Auf der 50-m Bahn: Getestet wurde
die Frey und Sohn Ruger 10/22 Racer
aufgelegt auf dem Anschussbock.

Die Präzision erwies sich für einen Selbstlader als beeindruckend. Das beste Ergebnis wurde erwartungsgemäß mit den Premiumsorten Lapua Midas+ sowie RWS R50 erzielt. Auch die speziell für halbautomatische Waffen entwickelten Sorten von GECO und RWS schlugen sich nicht schlecht. Die Gesamtstreukreise wären bei diesen Ladungen noch viel besser, hätte es nicht immer wieder Ausreißer gegeben. Dies kann aus Testersicht aber nicht nur der Waffe angelastet werden: Das Phänomen trat vor allem durch den Sprung der aufgelegt geschossenen Waffe auf. Der leicht kriechende Abzug mag hieran jedoch auch nicht unschuldig gewesen sein. Bei bestimmungsgemäßem Einsatz der Ruger 10/22 Racer – namentlich beim dynamischen Schießen aus freihändigem Anschlag – kann man diese Punkte aber vernachlässigen. Die Rifle Match von SK und die Subsonic von RWS landeten im Mittelfeld. Alle Sorten funktionierten einwandfrei und ohne Störung, inklusive der schwach geladenen Subsonic. Der Schütze kann bei der Waffe also getrost auf die im Präzisionstest weit abgeschlagene High Velocity Laborierung verzichten, ebenso ist keine spezielle Semiauto-Munition notwendig.

Fazit: Das kann die Frey Ruger 10/22 Racer

Die Frey Ruger 10/22 Racer ist leicht, führig und schießt gut. Die Ausreißer im Präzisionstest werden in diesem Einsatzbereich nicht auftreten. Lediglich einen nachgebesserten Abzug und etwas mehr Halt am Lochschaft würden sich die Tester wünschen. Hier sei jedoch erwähnt, dass die Konfigurationen im 10/22 Shop von Frey & Sohn nicht fix sind: Abseits der fertig konfigurierten Waffen kann sich der Kunde diese noch nach eigenen Wünschen (selbstredend gegen Aufpreis) verändern. Beispielsweise werden hier andere Abzüge (etwa von Volquartsen) sowie Custom-Durchladehebel angeboten. Insgesamt ist die Racer eine großartige Waffe für dynamische Kleinkaliberdisziplinen.


Weitere Informationen über die Ruger 10/22 Racer, sowie weitere Frey-Waffen finden Sie im Ruger 10/22 Shop.

Dieser Artikel ist zuerst, auch mit den detaillierten Schießergebnissen, in der  VISIER Ausgabe 8/2019 erschienen. Dieses Heft können sie ganz bequem  im VS Medien Online-Shop bestellen. Außerdem steht es dort auch als digitale Version zur Verfügung.

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