Test eines Halbautomaten mit seltenem Kaliber: Barrett REC7 DI in 6,8 mm Remington SPC

Beim Namen Barrett ist es üblich an riesige Büchsen im Kaliber .50 BMG zu denken, etwa das bei der Bundeswehr als G82 Scharfschützengewehr mit großer Reichweite geführte M82. Aber die Firma aus Murfreesboro im US-Bundesstaat Tennessee kann auch anders. Nämlich deutlich kleiner. Den Beweis dafür sehen Sie hier: Das halbautomatische Modell REC7 DI, basierend auf der AR-15-Plattform. Hier als zivile Variante für Jäger erhältlich, stellte Importeur Helmut Hofmann ein Exemplar für einen ausgiebigen Test zur Verfügung, versehen mit einem Schmankerl: Nix da mit dem AR-typischen Kaliber .223 Remington – diese Ausführung kam im Kaliber 6,8 mm Remington SPC.

Patrone, 6,8 mm Remington, .223 Remington sowie .308 Winchester.
Die Patrone 6,8 mm Remington SPC (Mitte) im direkten Vergleich zu Patronen der Kaliber .223 Remington (links) und .308 Winchester (rechts).

Das Barrett REC7 DI-System:

Die REC7 DI von Barrett zerlegt.
Die REC7 DI zerlegt: Magazin, Handschutz-Lauf-Upper, Verschlussträger, Spanngriff, Lower mit Pistolengriff und Schubschaft.

Der aus 7075-T6 Aluminium geschmiedete Lower Receiver des amerikanischen Halbautomaten besticht durch seine schwarze Cerakote-Beschichtung. Sie fasst sich zum einen sehr angenehm an und schützt die Waffe bei starker mechanischer Beanspruchung. AR-typisch zeigt sich die Flügelsicherung, die direkt auf das Abzugselement wirkt. Barrett verbaut hier eine beidseitig bedienbare Variante aus Kunststoff, die sich besonders von Linkshändern sehr angenehm bedienen lässt. Zudem reicht eine 45-Grad-Drehung, um die Waffe zu sichern respektive zu entsichern. Warum der Flügel auf der linken Seite etwas kürzer als auf der rechten Seite ist, erschließt sich den Testern nicht, stellt aber auch keine weitere Beeinträchtigung dar. Der Magpul-Pistolengriff zeichnet sich durch seine schlichte Form und optimale Profilierung aus. Das Element des Typs Magpul Original Equipment (MOE) aus schlagfestem Polymer-Kunststoff hat an der Unterseite einen kleinen Deckel, der Zugang zum Griffinneren gestattet. Dort können Werkzeug oder Batterien verstaut werden. Da es sich bei dem Gehäuseunterteil um eine Multikalibervariante handelt, sprich: ein reinrassiger AR-15-Lower vorliegt, eignen sich hier handelsübliche AR-15-Magazine für .223 Remington. Die 6,8er Patronen passen da glücklicherweise auch hinein. Oh, und der Lieferumfang der REC7 DI umfasst auch ein 30-Schuss-Stahlblechmagazin. Das originale Barrett-Teil muss in Deutschland leider in den Schrank und durch ein 10-Schuss-Magazin ersetzt werden.

Der Quality Mil-Spec Abzug von Barrett

Da wählte Barrett Firearms das Modell QMS (Quality Mil-Spec) der Firma ALG Defense. Der Drop-In-Single-Stage-Abzug ist spielfrei gearbeitet und eignet sich wegen der starken Hammerfeder auch für kräftige Zündhütchen. Der Abzug der Testwaffe bricht regelmäßig bei einem Abzugsgewicht von 2.950 g. Für das dynamische Schießen bestens geeignet, kann man für das Scheibenschießen  eventuell eine Match-Variante einbauen, wie ihn etwa der süddeutsche Maschinenbauer Uhl anbietet.

Verschluss und Kammer der Büchse in 6,8 mm Remington SPC

Verschluss der Barrett REC7 DI .
Der Verschluss für die 6,8 mm Remington SPC zusammen mit dem Spanngriff (Charging Handle), der beidseitig bedienbar ist. Gut zu
erkennen das rote Innenleben dieses Bedienelements.

Beim Barrett-Modell REC7 DI handelt es sich um einen direkten Gasdrucklader, der einen Teil der heißen Verbrennungsgase im Lauf abzweigt und zum automatischen Repetiervorgang nutzt. Der Drehkopfverschluss des Gewehrs verriegelt über 7 Warzen direkt im Lauf. Der Stoßboden ist natürlich passend zum Kaliber 6,8 mm Remington SPC gearbeitet und verfügt über eine starke Auszieherkralle und einen Auswerfer-Pin. Die beweglichen Teile der Kammer haben eine reibminimierende Beschichtung des Typs TB-41 DLC (DLC = diamond like carbon). Hinter dem Hülsenabweiser sitzt rechts die für die AR-15-Plattform charakteristische Schließhilfe. Das Hülsenauswurffenster lässt sich via Staubschutzklappe verschließen, die sich in bekannter Weise beim Bewegen des Verschlusses automatisch öffnet. Der Upper selbst ist ebenfalls wie der Lower aus 7075-T6 Aluminium geschmiedet und per Cerakote-Verfahren schwarz beschichtet. Der Spanngriff vom Typ Raptor kommt vom US-Hersteller Radian Weapons, ist beidseitig bedienbar und eignet sich somit ebenfalls für Linksschützen. Der Hebel trägt das Barrett-Logo und setzt durch die rote Mechanik im Inneren kleinere Farbakzente. Den Upper krönt eine durchgehende Picatinny Rail. Werkseitig besitzt die REC7 DI bereits eine offene Visierung in Form eines Magpul Back-Up Sight (MBUS). Es lässt sich solo und in Verbindung mit Optiken nutzen. Wie die Bezeichnung sagt, handelt es sich eigentlich nur um eine Notfall-Variante, die bei Ausfall der Hauptvisierung zum Einsatz kommt. Die Visierung setzt sich zusammen aus einer seitenverstellbaren Lochkimme und einem höhenverstellbaren Balkenkorn. Somit lässt sich die Barrett-Büchse REC7 DI optimal auf die Notvisierung einschießen.

Handschutz und Lauf des Modells REC7 DI

 MBUS-Korn des REC7 DI von Barrett.
Das MBUS-Korn  des REC7 DI von Barrett sitzt auf dem weit nach vorn reichenden Handschutz. Direkt davor der Feuerdämpfer mit seinen drei Prallflächen und Barrett-Logo.

Der Handschutz der Modellversion REC7 DI fällt etwas länger aus als derjenige der Ausführung REC7. Mit seinen knapp 380 mm reicht er fast über den gesamten Lauf. Somit lässt sich die Waffe speziell beim dynamischen Schießen weit vorne greifen. Hersteller des Schaftes ist wie bei den anderen Anbauteilen Magpul. Daher verfügt der Handschutz auf 3, 6 und 9 Uhr jeweils die hauseigenen M-LOK Schnittstellen. Diese Langlöcher reduzieren zum einen das Waffengesamtgewicht. Zum anderen bieten sie freie Gestaltungsmöglichkeit zum Anbringen von Zubehör, entweder direkt per Schnittstelle oder über quasi zwischengeschaltete Picatinny-Adapter. Auf 12 Uhr thront eine über die gesamte Länge durchgehende Picatinny-Schiene, an deren vorderem Ende das Korn der bereits erwähnten Notvisierung sitzt. Der 410 mm lange Match-Lauf kommt von Barrett selbst und wird werkseitig als hochpräzise beschrieben. Leider fehlt für das deutsche Waffengesetz genau 1 cm, um nicht unter den § 6 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) zu fallen. Demnach ist die Waffe nicht für das sportliche Schießen zugelassen und somit nur Jägern vorbehalten. Die Gasabnahme (umgangssprachlich: Gasblock) kann der Nutzer durch Lösen einer Kontermutter leicht abziehen und reinigen. Bleiben noch 2 Aspekte – zum ersten der Blick auf die Mündung: Hier findet sich ein hauseigener Mündungsfeuerdämpfer mit 3 Prallflächen. Und zum zweiten die inneren Werte des Laufes: Er hat eine Dralllänge von 1:10 Zoll (also 1:254 mm), de­niert über 4 Züge.

Die technischen Daten des Barrett REC7 DI:

Modell:Barrett Firearms Manufacturing REC7 DI
Preis:2.349,- Euro
Kaliber:6,8 mm Remington SPC
Kapazität:30+1 Patronen
Länge:845-928 mm (jeweils mit MFD)
Lauflänge:410 mm (ohne MFD)
Dralllänge:1:10" (250 mm)
Abzugsgewicht:2.950 g / 28,9 N
Gewicht:3.276 g, ohne Zielfernrohr/Montage, leer
Links-/Rechtsausführung:Bedingt
Ausführung:Direkter Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss, Barrett-Mündungsfeuerdämpfer (MFD), Magpul-AR15-Pistolengriff und Backup Iron Sight (Flip-Up-Visierung), M-LOK-/Picatinny-Vorderschaft, längenverstellbarer Schulterstütze und zweireihigem Stahlblech-Einsteckmagazin.

Der Hinterschaft am AR von Barrett

Magpul-Hinterschaft MOE SL Carbine Stock an der REC7 DI.
Der Magpul-Hinterschaft MOE SL Carbine Stock verfügt über eine Gummischaftkappe und einen beidseitig bedienbaren Kipphebel zum Zweck der Längenverstellung.

Als rückwertigen Abschluss hat die REC7 DI einen verstellbaren Magpul-Schubschaft. Das Modell MOE SL Carbine Stock lässt sich in 6 Stufen um rund 80 mm in der Länge verstellen. Die Schaftkappe besteht aus einem festen Gummi, zeigt sich als sehr griffig und liegt angenehm in der Schulter. Zudem verfügt die Schulterstütze über 2 Schlitze für einen Trageriemen und eine beidseitig nutzbare QD-Schnittstelle zum Einstecken eines entsprechenden Riemenbügels.

Auf dem Schießstand mit dem REC7

Barrett REC7 DI mit Waffentasche.
Barrett REC7 DI mit Waffentasche und 30-Schuss-Stahlblechmagazin, ausgerüstet mit Leupold VX-5HD 1 – 5 x 24 für das dynamische Schießen.

Das Schießen der REC7 DI fand einmal mehr auf dem unterirdischen Schießstand Rosenberg 1 statt. Wir bestückten die Barrett dazu mit einem Zeiss V8 4,8-35x60. Mit 3 Schuss war die Waffe dann über 100 m Distanz auf die Papierscheibe eingeschossen. Wie bereits vermutet, kam dabei der etwas schwerfällige Abzug den Testern und vor allem der Präzision nicht sonderlich entgegen. Also mussten noch ein paar Schuss herhalten, um sich an den nach militärischem Standard gefertigten Abzug zu gewöhnen. Schießen lässt sich die REC7 DI sehr angenehm. Mit nur rund 2000 Joule Mündungsenergie, bedingt durch eine Mündungsgeschwindigkeit von rund 780 m/s, ist der Rückstoß sehr moderat und vor allem nicht störend. Entwickelt für kurze Kampfentfernungen, kann die 6,8er Patrone nur bis maximal 500 m wirken. Danach fallen zumindest die getesteten Ladungen in den subsonischen Bereich. Das hat ein unstabilisiertes Geschosstaumeln zur Folge. Die Präzision bleibt dabei in der Regel auf der Strecke. Lädt man die Patrone selbst, kann man sicherlich noch einiges an Energie herausholen. Die ermittelten Streukreise spiegeln etwas den harten Single-Stage-Abzug wider. Mit einem Match-Abzug sollte man sicher noch etwas bei der Präzision tun können. Patrone respektive Kaliber geben es auf jeden Fall her.

Fazit zum Barrett REC7 DI

Die Barrett REC7 DI bietet eine exzellente Verarbeitung, zu vergleichen mit anderen AR-15-Halbautomaten der Premium- Klasse. Die ausgewählten Komponenten sind hochwertig und angemessen. Schießt man die Waffe nur in dynamischen Disziplinen wie dem Europäischen Präzisions Parcours (beim BDMP) oder beim IPSC (International Practical Shooting Confederation beim BDS), dann ist der Abzug top. Präzisionsschützen brauchen aber wohl einen Match-Abzug, zumindest muss der verbaute Abzug etwas bearbeitet werden. Und zum Kaliber: 2002 für das United States Special Operations Command (USSOCOM) entwickelt, sollte es die besten Eigenschaften der 5,56x45 mm NATO und der 7,62x51 mm NATO vereinen. In den USA meist jagdlich genutzt, mag die 6,8 mm Remington SPC hier zwar als exotisch gelten, aber der Markt bietet durchaus Munition dafür. Im Wiederladesektor stehen dann zusätzlich alle Türen offen, um mit dem Kaliber und der Barrett REC7 DI eine Menge Spaß zu haben.


Text: Daniel Lang und Matthias S. Recktenwald

Weitere Informationen über die Barrett REC7 DI und auch die bekannten Waffen im Kaliber .50 BMG gibt es auf der Seite des Herstellers. Zudem bei der Helmuth Hofmann GmbH, dem deutschen Importeur.

Dieser Test erschien zuerst in der VISIER, Ausgabe 12/2019. Das Heft mit allen Schießergebnissen im Detail kann über den VS Medien-Onlineshop erworben werden. Es ist außerdem in einer digitalen Version verfügbar.

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