MerkelGEAR G10: Die festehenden, jagdlichen Messer von Merkel im Praxistest

Merkel – Waffenliebhaber denken bei dem Namen weniger an die allseits bekannte Besitzerin der rautenförmig gegeneinander gehaltenen Fingerspitzen, sondern an einen dank einer gut zwölf Jahrzehnte umspannenden Historie fraglos traditionsreichen Waffenhersteller aus Suhl. So haben wir bei all4hunters.com unlängst etwa die Kipplaufbüchse K5 Black/Extreme dem umfangreichen Test unterzogen. Die hier getesteten Messer stammen aus der hauseigenen Reihe MerkelGEAR. Denn mit Blick auf einen ganzheitlichen Ansatz haben die Thüringer vor einigen Jahren ihre eigene, mit Blick auf Jagd- und Outdoor-Zwecke erstellte Ausrüstungs- und Zubehörlinie erstellt. Immerhin, so die Eigenbeschreibung, sind "viele Mitarbeiter bei Merkel (...) selbst aktive Jägerinnen und Jäger und haben genaue Vorstellungen davon, wie die perfekte Ausrüstung und Jagdbekleidung beschaffen sein muss". Dieses Sortiment enthält neben pirsch- und ansitztauglicher Bekleidung auch Gewehrriemen und -futterale, Patronentäschchen, Bergegurte, Sicherheitswesten, Berggamaschen und eben auch Messer. Das Merkel-Angebot umfasst eine Aufbruchsäge mit querstehenden G-10-Griffschalen, ausgeführt in Blaze Orange und damit dem Signal-Farbton, der sich längst neben dem altvertrauten Lodengrün als typische Jagdfarbe etabliert hat. In diesem knalligen Orange-Ton und im selben Werkstoff zeigen sich auch die Griffschalen des Klappmessers Keiler Tool, bewehrt mit den drei Werkzeugen Drop-Point- Klinge, Aufbruch- oder -Gekröseklinge und Knochensäge. Wer ein großes Jagdmesser sucht, findet derlei im Merkel BigGame Knife, dessen Klinge aus AUS-8- Stahl auf eine Länge von 115 Millimeter kommt. Um fünf Millimeter kürzer und damit exakt 110 Millimeter lang präsentieren sich die Klingen der beiden von Frankonia zu Testzwecken an all4hunters überstellten Merkel-Gear-Messer, um die es im Folgenden geht.

MerkelGEAR G10-Messer – der Stahl

Dabei handelt es sich um Schneidgeräte mit feststehenden Klingen, ausgeführt in N690 – einer Stahlsorte der österreichischen Böhler-Uddeholm AG, die heute zum voestalpine-Konzern gehört. Hier sieht sich dieser Materialtyp mit Blick auf die Verwendung so charakterisiert: "Gehärtete Werkzeuge hoher Schneidhaltigkeit wie z. B. Messerklingen, schneidende chirurgische Instrumente, Tellermesser für die Fleischindustrie, Waagenschneiden und -pfannen; korrosionsbeständige Wälzlager, Ventilnadeln und Kolben für Kältemaschinen." Es handelt sich dabei um einen sogenannten martensitischen, rostträgen Stahl, kobaltlegiert, weswegen sich gelegentlich auch die Bezeichnung N690Co dafür befindet. Die DIN-Bezeichnung dafür lautet 1.4528.

Die Bauweise und Klingenform der MerkelGEAR G10 Messer:

Beide Messer komplett von der linken Seite.
Die Klingenform der Drop-Point-Messer von Merkel sind durchaus auf derbere Arbeiten ausgelegt.

Beide Messer zeigten sich mit Drop-Point-Klingen, gut vier Millimeter dick, an der breitesten Stelle 37 mm breit und mit einem leicht balligen Schliff, also einem, bei dem sich die Flanken der Schneide leicht nach außen wölben. Die Betonung liegt auf "leicht", da diese Form noch gerade so zu erkennen ist. Damit liegt hier eine auf derbe Schneidarbeiten ausgelegte Klinge vor – die aber für feinere Schnitte dadurch gewinnt, dass die Schneide sich über zwei Drittel der Klingenbreite in Richtung Rücken zieht und somit in recht flachem Winkel angesetzt ist. Geschliffen ist das Ganze sehr ordentlich. Namentlich bei einem der beiden Messer ließ sich aber eine minimale Neigung zu einer Seite erkennen. Freilich handelte es sich da um nichts, was die Arbeitsfähigkeit des Messers beeinträchtigt hätte. Die Klingen mit den durchgehenden Angeln zeigten sich rundum mit sorgsam abgerundeten Flachseiten, jede wies vor dem Griffansatz auf dem Rücken eine 43 mm lange Daumenauflage mit 15 tiefen und damit sehr rutschsicheren Riffelungen auf. Gegenüber am Bauch fand sich eine aus dem Klingenmaterial gearbeitete und somit zum Handschutz verlängerte Partie – es gab also keine Beschlagelemente aus Messing, Neusilber und Ähnlichem. An jedem Griffende saß eine durch Schalen und Angeln gehende Fangriemenbohrung.

Ausstattung der G10 Messer von Merkel

Wie es sich für Jagdmesser gehört, kamen beide Testexemplare mit Flachangeln, auf denen die aufgeschraubten Griffschalen saßen. Diese bestehen aus dem zu den glasfaserverstärkten Kunststoffen gehörenden Kompositmaterial G-10, zusammengesetzt aus Glasfasern und Epoxidharz. Merkel verwendete für diese Griffschalen zwei unterschiedlich gefärbte, völlig ritzenfrei miteinander verbundene Schichten: Bei der einen Variante des Merkel G10-Messers war die untere dünne Lage olivgrün, die obere dicke zeigte sich in Blaze Orange, bei der anderen verhielt es sich genau umgekehrt. Für die Sorgfalt der Bauweise sprach, dass beide Griffschalen ritzenfrei auf den Angelflanken auflagen. Die äußere Struktur der Griffschalen wirkte wie grob geschnitzt, das erinnerte an die Oberfläche eines steinzeitlichen Faustkeils. Um vorzugreifen: Was da ebenso derb wie charakteristisch aussah, bot auch der feuchten Hand einen rutschfesten Halt.

Merkel G10 mit entfernter Griffschale.
Nach Abnehmen der Griffschalen zeigt sich der durch die beiden Aussparungen in den Schalen und in dem Angeldurchbruch gebildete Stauraum, der sich zum Unterbringen von Kleinteilen eignet.

Jede der Griffschalen kam mit zwei Schrauben, deren flache Köpfe drei kreuzweise laufende und sehr markant ausgeführte Schlitze aufwiesen. Und angesichts derer stellte sich die Frage, ob die Schalen womöglich gar nicht mit der Angel verklebt waren und sich nach Lösen der Schrauben abnehmen ließen. Gesagt, getan – und siehe da, darunter zeigte sich dann, dass die Angel in der Mitte eine Aussparung aufwies und dass auch die Griffschalen in dazu passender Weise innen ausgeschnitten war. So ergab sich im Griffinneren ein Fach, gut einen Zentimeter tief, an der Langseite zirka 44 mm lang, die Schmalseiten mit Maßen von zirka 19 beziehungsweise 14 mm. Hier lässt sich in der Wildnis gut geschützt Kleinkram mitführen, von der Angelschnur samt Haken bis hin zur Wechselknopfzelle für die auf der Jagdbüchse montierte Optik. Freilich ist das keine ganz neue Idee – die Firma Pohl Force stellte vor vier Jahren ähnlich ausgerüstete Messer vor; die Reihe trug den Namen Prepper One. Abgesehen davon bietet diese Bauweise den Vorteil, dass sich die Merkel-Messer sehr gut vollständig zerlegen und desinfizieren lassen – bei einem Jagdmesser aus wildbrethygienischer Sicht eine wichtige Sache.

Beide Versionen des Merkel G10 mit Scheide am Gürtel getragen.
Beide Scheiden des Merkel G 10 lassen sich per Schlaufe am Gürtel tragen und verfügen über eine Sicherungslasche. Die Scheide links besteht aus Kunststoff, die rechts aus Leder.

Messer von Merkel – Die Scheiden:

Zu jedem der beiden Prüflinge gehörte eine Scheide, ausgestattet mit Gurtschlaufe, mit per Druckknopf verschließbarer Sicherheitslasche und mit der als "Keder" bekannten Nahtzwischenlage, an der die Klinge anliegt und die somit ein zufälliges Zerschneiden des Garns verhindert. Jedoch variierten die Materialien: Das Testexemplar mit dem orangefarbenen Griff kam mit einer Scheide aus graugrünem Polyamid-Webkunststoff, die Frontseite verziert eine mit weißem Garn ausgeführte Stickerei, welches das MerkelGEAR-Logo zeigte. Das Messer mit dem olivfarbenen Griff hingegen steckte in einer Scheide aus schokoladebraunem Rindsleder von zirka drei Millimeter Dicke, die umlaufende Nahtkante verziert per eingepunztem Ornament. Fans der Lederbastelei erkennen darin etwas, das aussieht wie das Muster des Schlagstempels D438 der Marke Craftool.

Das Merkel G10 Messer in unserem Praxistest:

Blaze Merkel G10 in der Hand.
Das Foto verdeutlicht die auf gute Handlage abgestellte Griffform der Merkel-Jagdmesser. Gut zu sehen: Die Schraubenköpfe mit ihren jeweils drei breiten Schlitzen.

Die Messer zeigten sich rasiermesserscharf, das belegte das mit minimalem Druck ausgeübte Zertrennen von Papier ebenso wie das unverzichtbare Rasieren des Unterarms und das vorsichtige Abschaben des Daumennagels. Auch die weiteren Tests rund um Küche und Werkstatt verliefen absolut zufriedenstellend, da die Merkel-Messer sich auch hier beim Zerschneiden von Fleisch und Gemüse sowie beim Schnitzen und Zerkleinern von Holz, dem Zuschneiden von Leder sowie dem entsorgungsgerechten Zerkleinern diverser Pappstücke als wirklich hilfreich erwiesen. Bei alldem lagen die Griffe gut in der Hand, aber die zwei befragten Kollegen (beides leidenschaftliche Jäger), sagten, dass sie sich etwa für das Aufbrechen des Schlosses an jedem Messer einen um ein, zwei Zentimeter längeren Griff wünschen würden. Das war dann aber auch der einzige Kritikpunkt an dem Kandidaten-Duo. Sehr gut gefielen daran die bereits erwähnten Verarbeitungsdetails, allen voran die sorgsam mit leichter Rundung ausgeführten Partien von Rücken und Griffbauch – das zeigte der Test: Sie drückten sich beim mit Druck ausgeführten Zertrennen eines Aststücks bei weitem nicht so unangenehm in die Hand, wie es vor allem bei plan geschliffenen und damit scharfkantigen Klingenrücken der Fall gewesen wäre.

MerkelGEAR G10: Daten und Preis des Messer im Überblick

Modell:MerkelGEAR G10 Orange Blaze/ Oliv
Preis:je € 149,-
Länge:je 222 mm
Grifflänge:je 111 mm
Klingenlänge:je 111 mm
Klingenstahlsorte:Böhler N690
Gewicht:je 198 g
Ausstattung:Drop-Point-Klingen mit aufgeschraubten G-10-Griffschalen, lieferbar in zwei Farbversionen. Mit einer Scheide aus  Rindsleder oder mit einer aus Polyamid.

Unterm Strich: Matthias Recktenwalds Fazit zum MerkelGEAR G10

Mit den MerkelGEAR-Messern der Reihe G10 erhält der Käufer konsequent aufs Jagdliche abgestellte Stücke, sauber gearbeitet, robust wirkend und funktional ausgeführt. Angesichts dessen geht der etwa von Frankonia angegebene Verkaufspreis von 149 Euro je Messer auch völlig in Ordnung.

Das hat uns gut gefallen:

  Das fanden wir weniger gut:

Hohes Verarbeitungsniveau
Der Griff könnte für den Einsatz beim Aufbrechen etwas länger sein
Robuste Konstruktion

Funktionale Features wie z.B. abnehmbare Griffschalen

Gutes Preis-/ Leistungsverhältnis


Dieser Test ist zuerst in der VISIER 06/2021 erschienen. Sie können das komplette Heft als Print- sowie als Digitalausgabe im VS Medien-Shop bestellen.

Weitere Informationen zu den Messern und weiteren Produkten, bekommen Sie auf den Seiten von MerkelGEAR.

Diesen Artikel gibt es auch in dieser Sprache:

Beide Messer sind etwa über Frankonia erhältlich:


Merkel Gear G10 oliv
149,- Euro

Merkel Gear G10 Blaze
149,- Euro