Im Test: Das Wärmebildgerät GPO Spectra TI 35 in Kombination mit dem Zielfernrohr Spectra 6x 2-12x50i

Bei Ansitz, Pirsch und bei der Bejagung von Schwarzwild in der Nacht hatten wir die GPO Optik-Kombi ebenso dabei, wie bei einem Schießstandbesuch. Das Wärmebildgerät sollte grundsätzlich durch Ausstattungsumfang, kompakter Bauform und einfacher Handhabung, sowohl als Handgerät wie auch als Wärmebildvorsatz gut geeignet sein. Doch bevor wir uns diesem Gerät widmen, soll es erst einmal um die optische Basis gehen: Einen Allrounder aus dem GPO-Programm, das Zielfernrohr Spectra 6x 2-12x50i: 

Vorstellung: Das kompakte GPO Spectra 6x 2-12x50i Zielfernrohr

Die Test-Ausrüstung auf dem Hochsitz.
Das GPO Spectra 6x 2-12x50i Zielfernrohr auf unserer Bergara-Kipplaufbüchse. Davor: RWS HIT Short Rifle Munition, hier im Kaliber .308

Die Sechsfach-Zielfernrohrmodellserie GPO Spectra 6x bietet insgesamt sechs Zielfernrohr-Modelle an, die alle Jagdarten abdecken. Angefangen vom Drückjagdglas Spectra 6x 1-6x24i bis hin zum Spezialisten für weite Entfernungen, dem Spectra 6x 3-18x56i. "Unser Spectra Testmodell" begleitete uns an zwei Jagdwochenenden. Es kam als Zielfernrohr für den Ansitz und als Pirschglas zum Einsatz. Mit einer Lichttransmission von über 90 % kann man mit dem Spectra 6x 2-12x50i ohne Probleme bis in die Dämmerung jagen. Die Schärfe des Glases ist gut, an den Rändern erschien das Bild nicht ganz so scharf wie im Zentrum, was allerdings nicht weiter ins Gewicht fällt. Dieses Phänomen ist in der Optik bekannt und hängt mit der Bauform von optischen Linsen zusammen. Es sei erwähnt, dass man mit der Randschärfe von Zielfernrohren auch immer das Sehfeld in den Fokus ziehen sollte, denn manch ein Hersteller macht zu Gunsten der Randschärfe etwas Abstriche beim Sehfeld. Das wird dann kleiner, die natürliche Unschärfe verschwindet so quasi aus dem Sichtfeld.  Das GPO Spectra 6x 2-12x50i bietet in der 2-fachen, geringsten Vergrößerungseinstellung ein Sehfeld von 21 Metern auf 100 Meter, in der höchsten Vergrößerung 12-fach immerhin noch 3,5 Meter auf 100 Meter. Nimmt man eine realistische Vergrößerung des mittleren Bereichs, etwa sechs für das Antragen eines Schusses auf 100 Meter, bekommt man ein Sehfeld von fast acht Metern. Genug Platz also, um beim Antragen eines Schusses das Zeichnen zu sehen.

Unser Autor gerät ins Schwärmen und verrät uns seine persönliche Sicht der Dinge, wenn es um ein Zielfernrohr geht, das man zusammen mit einem Wärmebildgerät einsetzen möchte: "Man wird vor einer Kaufentscheidung nicht umhin kommen, das Zielfernrohr von GPO mit anderen Marken und Modellen zu vergleichen. Tut man dies und schaut sich die technischen Daten entsprechender Zielfernrohre von Leica und Zeiss an, stellt man fest, dass das GPO Spectra 6x 2-12x50i mit einem Preisvorteil von derzeit knapp 850,- Euro auf die Zielgeraden einbiegt. Für das Geld bekommt man die Kipplaufbüchse Bergara BA13, die wir für unseren Praxistest im Einsatz hatten, noch obendrauf. Also, man sollte sich das Zielfernrohr von GPO genauer anschauen, denn für eine UVP von 849,99 Euro bekommt man jede Menge Optik geboten. Als leichtes Allroundglas kann es auch auf der Drückjagd zum Einsatz kommen, ebenso wie auf dem Ansitz. Darüber hinaus spielt es durch das moderate Gesamtgewicht von unter 600 Gramm, auch bei der Pirsch seine Stärken aus. Bis 200 Meter ist das Zielfernrohr Spectra 6x 2-12x50i in den meisten jagdlichen Situationen also ohne Probleme einsetzbar." Bleibt die Frage: Muss es unbedingt eine Premium-Marke sein? Eine allgemein gültige Antwort darauf gibt es sicher nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden, aber das GPO ist gerade zusammen mit einem Vorsatzgerät eine gute Wahl, wenn man bereit ist kleinere Abstriche zu machen.

Im Praxistest: Das Wärmebildgerät GPO Spectra TI 35

GPO Spectra TI 35 komplett von rechts.
Das Spectra TI 35 ist das neue Thermalgerät von GPO.

Das zweite Produkt im Test war das GPO Spectra TI 35, ein Dual-Use-Wärmebildgerät. Es kommt für eine UVP von 2.999,- Euro. Die Stromversorgung erfolgt über zwei CR123A-Batterien (im Lieferumfang), Akkus (muss man selber kaufen) oder via mitgelieferten USB-C Kabel und Powerbank. Das Gerät verfügt über eine Aufwachfunktion und ist schnell einsatzbereit. Die Betriebszeit pro hochwertigem Batterie/ Akku-Satz (wir verwendeten Panasonic Lithium CR123 A mit 1550 mAh) beträgt laut Herstellerangaben 4,5 Stunden, abhängig von der Außentemperatur. Wärmequellen kann das Gerät bis auf 1.300 Meter identifizieren. Eine saubere Ansprache ist nach unseren Erfahrungen aus dem Praxistest jedoch nur im Bereich bis 300 Meter möglich, abhängig von der Erfahrung des Anwenders in der Ansprache und der Größe des gesichteten Stückes. Das Gerät liefert saubere und klare Bilder als Handgerät. Nutzt man es als Vorsatzgerät in Kombination mit dem Zielfernrohr ist bei 6-facher Vergrößerung Schluss mit scharfen Bildern. Wir empfehlen daher alle Schüsse die weiter als 120 Meter angetragen werden sollen, genau zu überdenken, das Risiko von möglichen Fehlschüssen steigt - und das muss  nicht sein.

Die Technik des GPO Spectra TI35 - Sensor und Auflösung

Die 17 um Pixelgröße (Pitch) in Kombination mit der Empfindlichkeit von unter 35 mK und der Detektorauflösung von 384 x 288 Pixel ist nur auf den ersten Blick ein Nachteil gegenüber anderen Modellen mit größerer Sensorgröße und kleinerem Pitch. Wie ja bekannt sein dürfte, sind Wärmebildvorsatzgeräte auch immer vom Wetter abhängig und da ist ein größerer Pitch oftmals von Vorteil. Insbesondere bei Modellen, die im Ausstattungsumfang weniger als das GPO Spectra TI 35 zu bieten haben, macht sich das schnell anhand von "Schleierbildern" bemerkbar. Vor allem bei feuchten oder nebligen Wetterlagen kann man das immer wieder beobachten. Wir hatten das "Glück als Tester" und das "Pech als Jäger", dass uns zumindest bei einem der "Nachtansitze auf Sauen", das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Der Nebel zeigte uns, dass das GPO Spectra TI 35 auch mit diesen Wetterbedingungen gut klar kommt. Dass der Wind für uns ungünstig stand, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Bei einem zweiten Einsatz auf der morgendlichen Pirsch bestätigte das Spectra TI 35 diesen Vorteil. Wir konnten Damwild im Nebel sehr gut ausmachen.

Das GPO TI 35 Wärmebildgerät kann Entfernungen schätzen

Mann schaut durch Wärmebildgerät.
Tester und Kameramann Mathias Haack mit dem GPO Spectra TI 35 als Handgerät.

Das Wichtigste zuerst: einen eingebauten Laserentfernungsmesser hat das Gerät nicht. Aber die Vorteile des TI 35 sind seine kompakte Bauweise und die Möglichkeit mit dem eingebauten Entfernungsmessmodus Entfernungen recht zuverlässig zu "schätzen". Das dürfte vor allem dann ein echter Pluspunkt sein, wenn man zum Beispiel als Jagdgast in ein fremdes Revier eingeladen wird und die örtlichen Bedingungen nicht kennt. Misst man die Entfernung, gibt der Hersteller eine Genauigkeit von ± 10 Prozent an. Bedeutet, dass wenn ich das Entfernungsmessmodul im Einsatz habe, auf 100 Meter mit einer Schwankung von 10 Meter nach Oben und Unten rechnen muss. Das Messen selbst ist recht simpel. Hat man den Messmodus im Hauptmenü ausgewählt, kann man aus vier Optionen (Braunbär, Hirsch, grauer Wolf, benutzerdefiniert) wählen. Die einzelnen Optionen sind jeweils in der Höhe anpassbar. Hat man zum Beispiel "Grauer Wolf" gewählt, und die Höhe auf 80 Zentimeter eingestellt, weil man zum Beispiel auf Schwarzwild in der Nacht ansitzt, misst man die Entfernung nach den eben erwähnten Einstellungen folgendermaßen: Zunächst sieht man ein dünnen Cursor, der über einer waagerechten Linie sitzt. Nun drückt man den Hauptmenü Button und misst – bei Vorstehen des Keilers zum Beispiel – das Haupt des Stückes. Der Cursor blinkt zwei Mal und springt dann unter die waagerechte Linie. Nun misst man auf der Höhe des Hufes den zweiten Punkt. Der Cursor blinkt und nach kurzer Zeit erscheint oben Links am Fensterrand die gemessene "geschätzte" Entfernung. Man muss zu dieser Methode folgendes sagen: Im Idealfall steht das Objekt ruhig, dann wird die "Schätzung" genauer. Wenn man jagdlich genug Zeit hat, kann man diese Messung ein paar mal wiederholen, um sicher zu sein, wie weit das Stück entfernt ist. Der "Entfernungsschätzer" ist eine echte Hilfe, wenn auch noch nicht 100 % ausgereift. Im Gegensatz zu anderen Produkten hat das Spectra TI  35 zumindest die Möglichkeit die Entfernung realistisch einzuschätzen. Was uns ein wenig störte war, dass man nach jeder Messung immer wieder von vorne anfängt, um die nächste Messung vorzunehmen. Man muss also immer wieder im Hauptmenü beginnen um die nächste "Entfernungsschätzung" durchzuführen. 

Das ist in Fällen, wenn Schnelligkeit gefragt ist, sicherlich ein kleiner Minuspunkt. Hat man jedoch genug Zeit, zum Beispiel auf dem Ansitz – ist dies kein Problem. Die Lösung wäre sicherlich eine frei belegbare "Hotspot Taste", um einen einzelnen Menüpunkt, wie das "Entfernungsmessmodul" − sofort aufrufen zu können. Das Prinzip "frei belegbarer Hotspot Tasten" kennt man zum Beispiel aus der Fotografie, wenn der Fotograf die am häufig genutzten Funktionen seiner Kamera, schnell abrufbar auf Tasten legt. Aber das nur am Rande.

Das GPO Wärmebildvorsatzgerät in der praktischen Anwendung

Der Autor mit der Testausrüstung.
Unsere Testkombination bestand aus der Bergara BA13 Kipplaufbüchse mit GPO Spectra TI 35 und dem Zielfernrohr Spectra 6x 2-12x50i.

Bevor es mit dem Gerät das erste mal zur Jagd ging, wurde es auf dem Schießstand eingeschossen und zwar mit der Kipplaufbüchse Bergara BA13 im Kaliber .308. Als Munition verwendeten wir die HIT Short Rifle mit 9,7g von RWS. Der Hersteller empfiehlt das grobe Einschießen auf 50 Meter mit späteren Kontrollschuss auf 100 Meter. Wir haben sofort bei 100 Meter angefangen. Beim Einschießen der Waffe kann es passieren, dass man die Treffpunktlage justieren muss. Auch das ist recht simpel zu bewerkstelligen. Feste, sichere Auflage wählen, Wärmepad auf einer Zielscheibe befestigen und den ersten Schuss platzieren. Beim ersten Schuss sollte man die unterschiedlichen Farbvarianten des Gerätes einmal durchspielen. So kann man für sich schon die Variante mit dem höchsten Kontrast und Abbildungsleistung aussuchen. Das Schießen selbst sollte in möglichst kleiner Vergrößerung stattfinden, so das die Schärfe im Ziel noch ausreichend ist. Wir haben festgestellt, dass man mit der Kombination aus Zielfernrohr und Wärmebildvorsatztechnik bis maximal 6-fach hochstellen kann. Schon im Bereich 4-6-fach wird das Bild unscharf, weswegen wir - jagdlich gesehen - für diese Kombination das Antragen eines Schusses bis 120 Meter empfehlen können. Alles was darüber hinaus geht, lässt das Risiko eines Fehlschusses steigen. Die Unschärfe im Bild bei Vergrößerungen von 6-fach und mehr, lässt eine realistische Einschätzung des Habitus von Wildtieren nur schwer zu. Das sollte man bedenken und im Zweifelsfall den Finger lieber gerade lassen. Es ist ratsam, bei einem Zielfernrohr mit 3x oder höherer Ausgangsvergrößerung mittels der Smartphone App "T-Vision" und über Hot-Spot-/ W-Lan Funktion den "Live-View" des TI35 im Vollformat auf dem Smartphone oder dem Tablet zu nutzen. Achten sie auf den sicheren und korrekten Sitz von Adaptern, Zwischenringen und Zielfernrohr. Falls sie nicht weiterkommen, laden sie sich die Anleitung des Herstellers herunter und lesen sie sich diese aufmerksam durch. Wenn sie den ersten Schuss platziert haben, sehen sie wo der Treffer sitzt. 

GPO Spectra TI 35 mit Waffe und ZF beim Einschießen.
Der Tester beim Einschießen des GPO TI 35 Wärmebildvorsatzgerätes auf einer Bergara Kipplaufbüchse

Bei uns lag der erste Treffer so gut, dass wir nur eine minimale Korrektur vornehmen mussten und zwar in der X-Achse. Der erste Schuss saß etwas weit rechts. Mit einem Klick nach Links war die Korrektur erfolgt. Pro Klick, egal ob nach "Rechts", "Links", "Oben" oder "Unten" – verschieben Sie den Treffpunkt auf 50 Meter um 1,25 Zentimeter. Schießen Sie auf 100 Meter, sind es 2,5 Zentimeter pro Klick. Wichtig zu wissen. Das Spectra TI 35 erkennt automatisch, ob sie es als Handgerät zum Beobachten oder als Vorsatzgerät für die Jagd verwenden. Sobald der Adapterring zur Montage auf ein Zielfernrohr montiert wurde, können Sie die X- und Y-Achse einstellen. Nutzen sie das GPO Spectra TI 35 als "Handgerät" können sie die X- und Y-Achse nicht einstellen. Das Menü zum Einstellen der X- und Y-Achse finden sie dann nicht im Hauptmenü. Um X- und Y-Achse einzustellen, müssen die beiden Tasten "ober"- und "unterhalb" der Hauptmenütaste gleichzeitig gedrückt werden. Es öffnet sich ein neues Fenster und wenn Sie die Live-View-Funktion über Smartphone oder Tablet nutzen, sehen Sie im Fenster auf der linken Seite die Werte für X und Y. Mit den "Rechts" und "Links" neben dem Hauptmenüknopf sitzenden Tasten ändern Sie die X-Achse, mit der "Oberhalb" und "Unterhalb" platzierten Taste über dem Hauptmenüknopf ändern sie die Y-Achse. Die Werte bleiben auch beim Ausschalten oder beim Zurücksetzen des Gerätes in den Werkszustand erhalten. Notieren Sie sich die Werte unbedingt für Ihre Waffenkombination. Wenn Sie dann die "Bildkalibrierung" wieder zurücksetzen und den "Standard" wiederherstellen, müssen Sie die Waffe neu einschießen.

Video: Die Bedienung des GPO TI 35 Wärmebildgerätes


Unsere GPO ZF/Thermal-Kombination im praktischen Jagdeinsatz

Der Autor mit dem GPO-ZF und Bergara-Büchse auf dem Hochsitz.
Insgesamt konnten in unserem Test-Revier zwei männliche Stücke Schwarzwild erlegt werden. Die Optiken von GPO konnten uns dabei absolut überzeugen

Bevor wir zum jagdlichen Einsatz kommen, möchten wir gerne auf eine Sache aufmerksam machen. Auch der all4hunters.com-Redaktion ist die Problematik bekannt, dass mit dem Einsatz von Wärmebildvorsatzgeräten sehr vorsichtig und umsichtig umgegangen werden muss. Wärmebildvorsatzgeräte und Nachtsichttechnik wurden in Deutschland erlaubt, um Schwarzwildbestände zu regulieren. Im Zuge des Fortschreitens der ASP in Brandenburg und Sachsen gibt es im Augenblick ganze Landstriche, in denen ein totales Jagdverbot herrscht. In den Puffer- und Randzonen zu den betroffenen Gebieten ist die verstärkte Bejagung von Behördenseite erwünscht. Einerseits, um das Monitoring zu unterstützen und auf der anderen Seite mittels Blutproben, um ein Gesamtbild zu erhalten, in wie weit die Ausbreitung der ASP gestoppt wurde. Das Revier, in dem wir zur Nachtjagd eingeladen waren, ist ein Feld-/ Waldrevier. Die massiven Schäden im Mais und Raps durch Schwarzwild ließen hier nur eine Bejagung in den feldnahen Waldstücken zu, um entsprechend Blutproben zu liefern und das ASP-Monitoring zu unterstützen. Die Erlegung von zwei männlichen Stück Schwarzwild erfolgte in einem Waldstück mit angrenzender Feldflur.

Erklärung: Warum eine Videofunktion im Wärmebildvorsatzgerät?

Waffe mit GPO-Optiken komplett von links auf dem Hochsitz.
Auf der Jagd machte die GPO-Optik eine gute Figur. Wärmebild: Spectra TI 35, Zielfernrohr: Spectra 6x 2-12x50i

Gerade wenn es um die Erlegung in der Nacht geht, sind Fehlschüsse fatal, da die beschossenen Stücke oftmals erst am nächsten Tag nachgesucht werden können. Dabei spielt es keine Rolle ob der Fehlschuss im Feldrevier oder im Waldrevier erfolgte. Fehlschuss bleibt Fehlschuss. Bei der Nachtjagd in Waldrevieren ist die Sicht jedoch eingeschränkter als im typischen Feldrevier. Äste, Bäume und Sträucher schränken die Sicht teilweise massiv ein. Kommt dann noch eine ungünstige Wetterlage hinzu, stößt auch Wärmebildtechnik schnell an seine Grenzen. Zudem kommt, dass ohne Entfernungsmesser Entfernungen nur sehr schwer und ohne Revierkenntnis fast gar nicht erfasst werden können. Auch sollte man das Verhalten von Waschbären, Mäusen, Ratten, Rehen und Wildschweinen kennen und vor allem die Bewegungscharakteristik von Wildtieren einzuschätzen wissen. Warum wir das sagen? Ganz einfach aus dem Grund, dass vor dem Schuss klar sein muss, was man da vor sich hat. Entscheidet man sich zur Abgabe des Schusses, sollte man im Vorfeld folgende Fragen für sich geklärt haben:

  1. Weiß ich, was da vor mir steht? Wenn ja, dann fragen Sie sich ruhig ein zweites Mal. Soviel Zeit muss sein.
  2. Wie weit steht es von mir entfernt? 
  3. Habe ich freie Sicht? Fokus nachziehen hilft, um auch kleinste Äste zu erkennen. 
  4. Habe ich schnell einen zweiten Schuss parat? Ist mein Anschlag sicher?
  5. Habe ich einen erhöhten Standpunkt, habe ich sicheren Kugelfang?
  6. Habe ich die Videoaufnahmefunktion am Wärmebildvorsatzgerät vor der  Schussabgabe gedrückt?

Die Videoaufnahmefunktion am Wärmebildvorsatzgerät ist nicht nur als Erinnerungsfunktion von Jagderlebnissen sehr wichtig, sie bekommt auch immer mehr die Funktion zur Nachschussanalyse. Im konkreten Fall konnte unser Kameramann Matze Haack einen 100  Kilo Keiler auf etwa 20 Meter strecken. Da die Erlegung und das Zeichnen des Stückes gefilmt wurde, konnte der Schütze dem Jagdführer sofort die Stelle zeigen, an der der Keiler verendete. 10 Meter vom Anschuss lag das Stück. Wäre das Stück jedoch noch weitergegangen und im Bestand aus der Sicht geraten, hätte man anhand des aufgenommenen Videos den Treffer und die Richtung analysieren können. Für eine mögliche Nachsuche wären das wertvolle Informationen gewesen. Geschossen hatte Matze übrigens mit der Kipplaufbüchse Bergara BA13 im Kaliber .308. Die HIT Short Rifle 9,7g von RWS noch zwischen Zeige- und Mittelfinger für den zweiten Schuss parat haltend, streckte ein sauberer Treffer in die Herzkammer den 100 Kilo Keiler. Nach drei kalten Nächten ohne Anblick von Schwarzwild, klappte das zu Halloween um 22:02 Uhr.  

Unser Test-Fazit zur Kombination aus GPO Spectra TI 35 Wärmebildgerät & Spectra 6x 2-12x50i Zielfernrohr

Wie am Anfang erwähnt, bieten beide Produkte jede Menge Leistung. Das Zielfernrohr überzeugt durch ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis, das Wärmebildvorsatzgerät GPO Spectra TI 35 punktet vor allem durch seine umfangreiche Ausstattung. Insgesamt stehen sieben Farb- und sechs Umgebungsfilter zur Auswahl. Dazu der abschließende Tipp der Redaktion: Nutzen Sie beim Einschießen die unterschiedlichen Farbvarianten und finden Sie dort den richtigen Modus, der Ihrem persönlichen Seherlebnis am nächsten kommt. So oder so kann man mit der von uns getesteten Optik-Kombi von GPO aber viel Waidmannsheil haben!

 Das hat uns gut gefallen:

 Das fanden wir weniger gut:

GPO Spectra TI 35
Viele Funktionen inkl. Videoaufnahme
Etwas komplizierte Bedienung bei der Entfernungsschätzung
Die Bildqualität hat uns überzeugt
Stimmiges Preis-/ Leistungsverhältnis
GPO Spectra 6x 2-12x50i
Universell einsetzbar, kompakt und leicht
Optisch hochwertig
Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis

Weitere Informationen zu den Produkten von German Precision Optics, bekommen Sie auf den Seiten von GPO.