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Test und Video: Der jagdliche Präzisions-Selbstlader Savage MSR 10 Hunter in .308 Win. und 6,5 CM

Hierzulande kennt man Savage Arms für qualitativ hochwertige, präzise Repetierbüchsen, zum Einsatz bei Sport und Jagd, aber auch bei vielen Behörden. Zudem steht Savage für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben Repetierern produziert das Werk auch Flinten. Neu im Portfolio sind die Selbstladebüchsen der MSR-Modellreihe. Das Kürzel MSR steht dabei nicht etwa für Modular Sniper Rifle oder Modular Sporting Rifle. Gemeint ist stets eine auf Präzision ausgelegte Büchse aus austauschbaren, komplexen Baueinheiten. Das Kürzel steht so gut wie immer für Halbautomaten der AR-Plattform. Die MSR-Serie von Savage umfasst 9 Versionen mit jeweils 7 Kalibern − insgesamt 63 Varianten. Das im AR-10-Stil gehaltene Gewehrmodell MSR 10 Hunter steht dabei für einen direkten Gasdrucklader und kam in den Kalibern .308 Winchester und 6,5 Creedmoor. Wie der Name erahnen lässt, ist die MSR 10 Hunter nicht nur zum Sportschießen gedacht.

Die Baugruppen der Savage MSR 10 Hunter im Detail:

Savage MSR 10 Hunter zerlegt
Zerlegt: Lauf, Handschutz und Upper Receiver samt Glas, die Blackhawk!-Stütze, Lower Receiver mit Griff und Magazin, davor Spanngriff und Verschluss.

Die Receiver, also die Verschlussgehäuseteile Upper und Lower, bestehen aus einer Aluminium-Zink-Legierung mit der Werkstoffnummer 3.4365. Der hochfeste Werkstoff lässt sich dank seiner Zugfestigkeit (bis zu 540 N/mm²) mit vielen Stählen vergleichen und wiegt trotzdem viel weniger.  Die Oberfläche ist mattschwarz eloxiert. Auf dem Upper sitzt eine durchgehende Picatinny-Schiene nach MIL-STD-1913 ohne Vorneigung. Der Magazinauswurfknopf findet sich rechts in Zeigefingerreichweite. Somit muss der Rechtsschütze die Schusshand beim Magazinwechsel nicht vom Griff nehmen. Sicherungs- und Verschlussfanghebel montiert Savage links. Die Zwei-Stellungs-Sicherung wirkt AR-15-üblich auf den Abzug. Das mitgelieferte Polymer-Magazin Gen. M3 von MagPul fasst insgesamt 10 Patronen .308 Winchester. Für einen guten Halt sorgt der Pistolengriff von Hogue.

Der Abzug der MSR 10 Hunter kommt vom US-Ausrüster Blackhawk. Der Abzug des Typs Blackhawk! AR Blaze ist eine Drop-In-Variante für AR-15-Büchsen und daher austauschbar. Als Druckpunktabzug ausgelegt, bricht er bei genau 1.600 g und kann vom Schützen nicht verstellt werden. Dank chemischer Oberflächenbehandlung haben die mechanischen Elemente eine Beschichtung aus Nickel und Bor. Das führt zu einer sehr harten, glatten Oberfläche, was für eine exakte Wiederholgenauigkeit der Abzugscharakteristik sorgt.

Magazin der Savage MSR 10 Hunter
Im Magazinschacht der Savage MSR 10 Hunter steckt ein MagPul-Magazin PMag10 Gen M3. Im Abzugsbügel ein Abzug des Typs Blackhawk! AR Blaze.

Der direkte Gasdrucklader verriegelt via Drehkopfverschluss mit sieben Riegelwarzen. Im Verschlusskopf sitzt eine starke Auszieherkralle. 2 Pins sorgen für sicheren Auswurf der abgeschossenen Patronenhülsen. Der automatische Repetiervorgang erfolgt AR-15-klassisch mittels direkter Gasumleitung. Für die Präzision ist die direkte Gasumleitung gut, da keine zusätzlichen mechanischen Teile Bewegungen verursachen. Nachteil: Der erhöhte Reinigungsaufwand, mit den Gasen gelangen auch Schmauch und Pulverreste ins System.

Eine Besonderheit bei der Savage MSR 10 Hunter stellt die serienmäßig einstellbare Gasdüse dar. Das ist wichtig beim Einsatz eines Schalldämpfers – warum ist das wichtig? Nun, beim Einsatz eines Schalldämpfers entsteht an der Laufmündung ein erheblicher Widerstand. So kann der Gasdruck nicht wie gewöhnlich direkt nach der Mündung entspannen. Der dabei entstehende Staudruck führt zu einer höheren Gasmenge, die wiederum beim Repetiervorgang einen kräftigen Prellschlag verursacht. Dies sorgt für eine Überbeanspruchung des Verschlusssystems, so dass es schlimmstenfalls Schaden nehmen kann. Daher lässt sich mittels Düse die Gasmenge mindern. Vergisst man aber, die Gasdüse wieder aufzudrehen, wenn man ohne den Schalldämpfer schießt, dann führt das in der Regel zu Funktionsstörungen beim Repetieren.

Lücke in der Picatinny-Schiene der Savage MSR 10 Hunter
Die Aussparung in der Picatinny-Schiene ist zum bequemen Einstellen der Düse an der Gasabnahme bestimmt, was beim Dämpfer-Einsatz notwendig ist.

Der freischwingende, achteckige Handschutz kommt aus dem Hause M-Lok. Auf 12 Uhr sitzt eine durchgehende Picatinny Schiene nach MIL-STD-1913, die nur im Bereich der Gasabnahme ausgespart ist. Dadurch kann der Schütze die Gasdüseneinstellung vornehmen, ohne den Handschutz abnehmen zu müssen.

Mündungsbremse der Savage MSR 10 Hunter
Die Zwei-Kammer-Mündungsbremse mit den nach oben und seitlichableitenden Kammern. An ihre Stelle kann auch ein Schalldämpfer treten.

Nach Entfernen des Handschutzes fällt der geflutete Lauf auf. Dieser ist von der Laufwurzel etwa auf zwei Dritteln kanneliert. 10 relativ tiefe Rillen sorgen für einen besonders guten Wärmeabtransport und versprechen auch bei hohen Schussfolgen gleichbleibende Trefferbilder. Das Besondere am Lauf sind die inneren Werte, das Zug-Feld-Profil. Hier setzt Savage auf Läufe von Obermeyer Rifled Barrels. Sie weisen das als "5-R Rifling" bekannte Profil auf. Durch 5 Züge und angefaste Feldkanten erlauben die Läufe einen noch schnelleren Drall bei minimalem Verschleiß. Die Laufmündung endet mit einem 5/8 x 24-Gewinde, das serienmäßig eine Zweikammer-Mündungsbremse aufnimmt. Sie hat zwei Prallflächen, die den Gasdruck zur Seite und nach oben ableiten. Das soll Rückstoß und Hochschlag minimieren. Angenehm dabei, dass der Gasdruck nicht auf den Boden trifft, wo er meist Schmutz aufwirbelt. Zur Jagd ersetzt man idealerweise die Mündungsbremse durch einen Schalldämpfer mit passendem Gewinde.  

Savage verbaut einen ausziehbaren Blackhawk-Schubschaft. Die in 6 Positionen arretierbare Stütze lässt sich um insgesamt 82 mm in der Länge verstellen und schließt am Ende mit einem zirka 25 mm starken Gummipuffer ab. Auch hier kann der Schütze dank der AR-üblichen Schnittstelle auf das umfangreiche Angebot des Zubehörmarktes zurückgreifen.

Die technischen Daten des Savage MSR 10 Hunter auf einen Blick:

Modell: Savage MSR 10 Hunter
Preis: 1.999,- Euro
Kaliber: .308 Winchester / 6,5 Creedmoor
Kapazität: 10 + 1 Patronen
Länge: 953 bis 1.035 mm (jeweils mit MFD gemessen)
Lauflänge: 460 mm (ohne MFD)
Zugzahl: 5, rechtsdrehend
Dralllänge: 1:10" (1:254 mm)
Leergewicht:

3.890 g

Abzugsgewicht: 1.600 g / 15,7 N
Ausführung: Direkter Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss, einstellbarer Gasabnahme für Schalldämpfereinsatz,
teilgefluteter Lauf mit 5/8x24 Mündungsgewinde, Zweikammer-Mündungsfeuerdämpfer (MFD),
M-LOK-/Picatinny-Vorderschaft und längenverstellbarer Schulterstütze von Blackhawk. Mit Einschränkung
Linkshänder-tauglich.

Was leistet das Savage MSR 10 Hunter auf dem Schießstand?

Getestet haben wir die MSR 10 Hunter in .308 Winchester vom Schießtisch und mittels einer zweiteiligen Benchrest-Auflage. Nach dem Einrichten von Schaft und Zielfernrohr schossen wir die Waffe mit 5 Schuss auf 100 Meter ein. Vor dem eigentlichen Test wurde der Lauf sorgsam per Bronzebürste geputzt, eingeölt und anschließend trockengewischt. Dann folgte der eigentliche Präzisionstest, aufgeteilt in 5-Schuss Gruppen auf 100 und 300 m Entfernung.  Das Schießen selbst verlief störungsfrei. Lediglich der Verschlussfanghebel lässt sich nach einem Magazinwechsel nur sehr schwer eindrücken. Dies ist dem Hebel selbst geschuldet, der sehr weit vor den Verschlusskopf ragt. Öl oder etwas Politur kann hier relativ einfach Abhilfe schaffen. Der Einsatz mit einem Schalldämpfer funktionierte ebenfalls reibungslos. Durch die Gasdüse kann man die Gasmenge und somit den Repetierimpuls optimal einstellen. Die MSR 10 Hunter kam mit einer Jagdpatrone am besten klar: Die GECO Express mit 165-Grains-Geschoss, gekennzeichnet durch ein Deformationsgeschoss mit Plastikspitze. Die knallrote Spitze hat eine kleine Hohlspitze auf. Diese sorgt bekanntlich für sehr gute ballistische Eigenschaften. Und sie leitet sicher die Deformation des Projektils auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten ein, wie es bei der Jagd auf langen Distanzen der Fall ist.

Die Selbstladebüchse Savage MSR 10 Hunter im Video:

Unser Fazit − so beurteilen wir das Savage MSR 10 Hunter:

Die Savage MSR 10 Hunter ist eine voll gelungene Selbstladebüchse in AR-10-Manier. Preislich liegt sie im guten Mittelfeld, wie bei Savage zu erwarten. Die Komponenten wurden nach unserer Meinung sorgfältig ausgesucht. Besonders das Laufprofil lässt auf ein langes Leben der MSR10 Hunter hoffen. Sportlich kann man die 308er Büchse bis zu 600 m gut einsetzen. Wegen des kurzen Laufes dürften Ziele in 800 m Entfernung jedoch problematisch werden, da sich dort die Geschosse im Übergangsbereich zwischen Über- und Unterschall befinden. Jagdlich taugt die MSR 10 Hunter für weite Schüsse sehr gut. Bedenkt man, dass hierzulande kaum ein Jäger weiter hinauslangt als auf 200 oder 300 m, steht bei passender Munition zumindest das geeignete Material zur Verfügung. Und dank Picatinny-Schiene und M-Lok-Schnittstellen gibt es genug Möglichkeiten für optische und mechanische Anbaugeräte.

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