Selbstladeflinten-Duo für dynamische Action: Savage Arms Renegauge Competition und Security in 12/76

Vor drei Jahren überraschte Savage Arms auf der SHOT Show mit der kompletten Selbstladeflinten-Baureihe „Renegauge“ mit Röhrenmagazinen, die gleich ab dem Start aus den Jagdmodellen Field, Turkey (mit unterschiedlichen Tarnfarbenfinishs als Modell Turkey Bottomlands und Turkey Obsession) sowie Waterfowl bestand. Die neue Modellfamilie räumte in den USA  gleich eine ganze Reihe an Auszeichnungen ab, wie beispielsweise als „Guns&Ammo Shotgun oft the Year 2020“. Schon ein Jahr später präsentierte man die in erster Linie für dynamische IPSC/Action-Schützen interessante Matchflinte Renegauge Competition mit 24“/61 cm anstatt 28“/71 cm langem Lauf und einem verlängertem Magazinrohr mit Kapazität von 9+1 anstatt 4+1 Patronen. Anmerkung am Rande: Es stehen Magazinblockaden zur Verfügung, die die Kapazität auf zwei Patronen begrenzen  (was übrigens auch bei der Wasserwildjagd in den USA vorgeschrieben ist). Ganz frisch auf dem Markt erschienen ist die Savage Renegauge Security mit 18,5“/47-cm-Lauf und Feuerkraft von 6+1 Patronen sowie Ghost-Ring-Visierung.

Savage Renegauge Selbstladeflinten Security (oben) und Competition (unten), beide in 12/76
Wir erprobten die nun erstmals auf dem deutschen Markt erhältlichen Savage Renegauge Selbstladeflinten Security (oben) und Competition (unten), beide in 12/76.

Was zeichnet die Technik der neuen Savage Renegauge-Flinten "Competition und "Security" aus?

Herzstück der Renegauge-Baureihe ist das in dem Leichtmetall-Systemkasten wohnende, patentierte „Dual Regulating Inline Valve“ (D.R.I.V.)-Gasdruckladesystem mit einem Drehkopfverschluss mit zwei Verriegelungswarzen. Alle im Schuss beanspruchten Funktionsteile bestehen aus Stahl. Zwei parallel nebeneinander angeordnete Gaskolben/Ventile unter dem Lauf leiten im Schuss nur das für die zuverlässige Funktion benötigte Gas ins System weiter. Überflüssiges Gas wird abgezapft und aus dem System abgeführt. Das selbst regulierende System verdaut somit eine große Bandbreite an Munition unterschiedlicher Leistungsstärke von der soften Sport- bis zur leistungsstarken Jagdpatrone. Hierbei sollen zudem die Schützenschulter durch moderaten Rückstoß und die Flintenbauteile durch verringerte Energie, die im Innenleben wirkt, im Dauergebrauch geschont werden.

Savage Renegauge Competition: Großes Ladefenster, Ladehebel bedienfreundlich
Selbstverständlich weist die Savage Renegauge Competition die üblichen Features einer Matchflinte auf: Vergrößertes Ladefenster und bedienfreundlichLadehebel.

Beginnen wir mit dem Competition Modell - ihr galt das Hauptaugenmerk in unserem Test: Die im Leerzustand rund 3,7 kg schwere Sportversion mit schnittigem Design und einer stattlichen Gesamtlänge von fast 118 cm fällt wie andere Flinten ihrer Art auf den ersten Blick durch ihr auffälliges Oberflächenfinish auf. Der Systemkasten, das Röhrenmagazin, die Abzugszunge und der „Extended Skeet2 Light Modified“-Choke weisen ein rotes Cerakotefinish auf. Die Kannelierungen auf dem Lauf mit „Melonite“-Oberflächenfinish sollen für eine zehnprozentige Gewichtsreduzierung und eine bessere Wärmeableitung sorgen. Auf dem Lauf thront eine stählerne, ventilierte Visierschiene mit „Hi-Viz“-Lichtfangkorn. Viele Hersteller verwenden mittlerweile dieses Visierelement, das man mit unterschiedlichen Lichtsammlern ausstatten kann. Neben dem montierten, dreieckigen Korn mit nach oben zeigender Lichtsammlerspitze befinden sich im Lieferumfang noch Korne mit einem kleinen und einem größeren Punkt. Alternativ zu Rot sind die Visierelemente mit ihren unterschiedlichen Konturen auch in Grün im Set vorhanden. 

Der Lauf schließt bündig mit dem Röhrenmagazin ab, was zum gelungenen Erscheinungsbild der Flinte beiträgt. Zugunsten einer höheren Patronenkapazität könnte man hier natürlich auch eine überstehende Magazinverlängerung verwenden. Um dem deutschen Waffengesetz Genüge zu tragen, könnte man hier ein insgesamt maximal 5 cm längeres Röhrenmagazin nutzen und somit 10+1 Patronen laden. Im internationalen Bereich wäre natürlich auch eine Verlängerung von 10 oder mehr Zentimetern möglich, sodass man die übliche Kapazität von 12+1 Patronen realisieren könnte. Der bedienfreundliche Ladelöffel im vergrößerten Eingangsbereich des Röhrenmagazins lässt sich leicht zum Laden in den Patronenschacht drücken. Routinierte, geschickte Schützen können somit in einem Handhabungsablauf zwei oder vier Patronen in das Magazin nachladen. In hoher oder in abgesenkter Ladetätigkeit können die Patronen zuverlässig geladen oder nachgeladen werden. Die vergrößerten Bedienelemente sind auch mit Handschuhen problemlos zu bedienen. Der über die Laufmündung hinausragende Choke kann nach Belieben schnell gewechselt werden.

Savage Arms-Flinte Renegauge Security mit 18,5“-Lauf
Schwarz und kompakt: Die Savage Arms  Renegauge Security mit 18,5“-Lauf und der Feuerkraft von 6+1Patronen.

Der Systemkasten mit seinen mit Kunststoffstopfen verschlossenen Gewindebohrungen ist für die Anbringung einer Montageschiene samt Leuchtpunktvisier vorbereitet. Die im Lieferumfang enthaltene Picatinny-Schiene fällt so flach aus, dass sie nicht demontiert werden muss, wenn über die lange Visierschiene geschossen wird. 

Der Abzug mit einem Abzugsgewicht von knapp unter 2 kg löst trocken aus, der Rückstellweg für eine erneute Schussauslösung beträgt etwa 2 mm. Das sind sehr ordentliche Werte und der Flintenabzug ist ab Werk für den Wettkampf geeignet. Die gleichermaßen für Rechts- wie Linkshänder geeignete, mattschwarze Schäftung aus widerstandsfähigem Kunststoff lässt sich durch wechselbare Schaftkappen und -backen sowie Distanzstücke auch in Sachen Schränkung und Senkung nachträglich an die persönlichen Wünsche des Schützen anpassen. Hier lohnt sich der Aufwand des Experimentierens, um den individuellen Idealschaft zu kreieren. Die Schaftkappen besitzen neben ihrem ansprechenden Design auch eine gel-artige Beschaffenheit, was eine effektive Rückstoßaufnahme erleichtert. Aus der verbesserten Rückstoßaufnahme resultieren schnellere und präzisere Schussfolgen, was einige Schützen sicherlich begeistern wird.

Test: Die beiden Renegauge-Flinten von Savage Arms in der Praxis

Schnittbild: Das D.R.I.V.-Gasdruckladesystem von Savage Arms
Savage Arms Renegauge-Flinten: Das patentierte, selbstregulierende D.R.I.V.-Gasdruckladesystem mit zwei nebeneinander dicht unter dem Lauf positionierten Gaskolben/Ventilen im technischen Detail.

In der Tat schießen sich die Savage Renegauge Flinten aufgrund ihres D.R.I.V.-Systems sehr angenehm bei moderatem Rückstoßverhalten. Bei unterschiedlichsten Munitionssorten fiel der gleichmäßige Hülsenauswurf bei kurzen Schuss-zu-Schuss-Zeiten (Split Times) auf. Auch mit schwachen 24-Gramm-Schrotpatronen lief die Competition absolut funktionssicher. Wir haben auf 10 und 15 m mit hoher Rasanz auf Stahlplatten geschossen und konnten nach einer kurzen Eingewöhnungsphase vier bis fünf Schuss binnen einer Sekunde ins Ziel schicken. Blieb ein Zielmedium aufrecht stehen, war der Fehler weniger der Flinte sondern eher dem Bediener anzulasten. Durch die angenehm weichen, rückstoßschluckenden Schaftkappen ermüdet die Schulter nicht so schnell während ausgedehnter Schießstand-Sessions. Das gilt auch bei Nutzung von härter geladener Jagdmunition, bei der zwar das Rückstoßniveau spürbar ansteigt, aber insgesamt bei verstärkter Mündungsauslenkung immer noch bestens zu verdauen war. Die Flinte liegt ruhig im Schuss und bietet eine sehr gute Rückstoß- und Visierkontrolle, was zusammen mit den schnell wechselbaren Chokes untermauert, dass die Savage Renegauge Competition für den Wettkampfsport entwickelt wurde. Mit dem mitgelieferten ½-Choke schossen wir auf 15/25 Meter mit sportlicher Flintenlaufgeschossmunition auf Papierscheiben, wobei die Gruppen hier auf Anhieb absolut mittig lagen, was nicht immer der Fall ist. Schließlich wechselten wir auf die 50- und 100-Meter-Bahnen, um mit jagdlichen Brenneke Slugs auf Stahlziele zu arbeiten. Auf 50 m mussten wir unseren Haltepunkt deutlich unter dem Stahlziel wählen, um unser 30 cm großes rundes Stahlziel zu treffen. Auf 100 m verwendeten wir die große 60x40 cm Stahlplatte und haben Fleck angehalten. Auch hier quittierte nach sauberer Abzugsbetätigung das stählerne Ziel den Treffer mit einem angenehmen „Pling“. 

Die Savage Renegauge Security offeriert in einem weitaus kompakteren Paket alle Features der Competition, wie das sehr funktionale Gasdruckladesystem, eine anpassbare Schäftung sowie einen vergrößerten Ladeschacht und vergrößerte Bedienelemente. Hinzu gesellt sich die mechanische, verstellbare Ghost-Ring-Visierung mit einem Fiberglaskorn für eine schnelle, präzise Zielaufnahme. 

Drei Choke-Einsätze gehören zum Lieferumfang der Renegauge-Flinten von Safari Arms.
Drei bündig mit der Mündung abschließende Choke-Einsätze sind im Lieferumfang der Savage Arms Renegauge-Flinten enthalten.

Die Visiereinrichtung der Security Ausführung ist einstellbar und lässt sich so auf die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten anpassen. Durch die vier Bohrungen im Systemkasten ist es für den Anwender problemlos möglich, eine Picatinny-Schiene und ein Leuchtpunktvisier zu montieren, was den Einsatzbereich, gerade bei schlechten Lichtverhältnissen, erweitert. Drei bündig mit der Mündung abschließende Chokes (IC, M und F) gehören ebenso wie ein Kunststoffkoffer zum Lieferumfang. Wir haben die Flinte nicht nur mit Sport- und Jagdpatronen, sondern auch mit spezieller Behördenmunition (Zink- oder Edelstahlstaubpatronen) zum Öffnen von Türen geschossen. Leider wird heute zumindest in unseren Breitengraden die taktische Einsatzflinte als Multifunktionswerkzeug immer noch unterschätzt. 

Mit wenigen Handgriffen und unterschiedlichen Munitionssorten kann von Breaching-Munition über Schrot und Posten (Buckshot) auf Flintenlaufgeschosse (Slugs) gewechselt werden, was Einsatzszenarien von der absoluten Nahdistanz bis hin zu 100 Metern und darüber hinaus ermöglicht. Auch wenn im Test unser Hauptaugenmerk auf der Competition lag, leistete sich die ebenso wandelfähige, kompaktere Security in der Praxis ebenso keinerlei Schwächen.

Technische Daten und Preise der Savage Arms Renegauge-Flinten

Modell:
Savage Renegauge CompetitionSavage Reneguage Security
System:
Gasdrucklader
mit Drehkopfverschluss
Gasdrucklader
mit Drehkopfverschluss
Lauflänge:
24“ (61 c m)
18,5“  (47 cm)
Magazinkapazität:
9 +1 Patronen
6 +1 Patronen
Schaft:
verstellbarer Kunststoffschaft
in Monte-Carlo-Form
verstellbarer Kunststoffschaft
in Monte-Carlo-Form
Schaftlänge (Length of Pull):
justierbar von
36,2 bis 38,3 cm
justierbar von
36,2 bis 38,3 cm
Abzugsgewicht: 
1.980 g (gemessen)
2.150 g (gemessen)
Visierung:
Lichtsammlerkorn
Ghost-Ring
Gesamtlänge:
1.173 mm
1.016 mm
Gewicht:
3.720 g
3.180 g
Preise (UVP):
2.749 Euro
1.950 Euro

Fazit: Wie gut sind die Renegauge-Flinten von Savage Arms?

Anpassbare Hinterschäfte Safari Arms Renegauge-Flinten
Der Hinterschaft beider Renegauge-Flinten von Savage Arms lässt sich durch wechselbare Module individuell an den Nutzer anpassen.

Die Savage Renegauge Flinten sind rundherum gelungen, müssen sich allerdings auf einem hart umkämpfenden Markt behaupten und sind dabei vergleichsweise teuer. So kostet die Savage Renegauge Competition satte 2.749 Euro, während beispielsweise eine Benelli M2 Speed für 2.150 Euro (siehe Test in caliber 11-12/2022), eine Beretta 1301 Competition Pro für etwa 2.000 Euro (caliber 11-12/2019) oder eine Mossberg 940 JM Pro gar für etwa 1.500 Euro (caliber 4/2023) den Besitzer wechselt. Somit bleibt es spannend zu beobachten, ob sich die Savage Renegauge Flinten, die durch saubere Verarbeitung, Funktion, Handhabung und Schussleistung durchaus überzeugen können, auf dem Markt durchsetzen werden.

Die Savage Arms-Flinten (und andere Waffen des US-Herstellers) werden vom deutschen Importeur, dem Großhandelsunternehmen Helmut Hofmann an den Fachhandel vertrieben.


Der komplette Testbericht mit Schusstabellen erschien in caliber 7-8/2023, die Sie hier im VS Medien-Shop kaufen können.

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