Zunächst eher unspektakulär baut Huglu das gesamte Sortiment an Repetierbüchsen der Ovis-Baureihe auf dem etablierten 700er Short Action-System von Remington auf. Warum auch nicht? Man nehme ein robustes Waffensystem und baue es günstig, aber grundsolide nach. Heraus kommt ein 700er Klon mit unschlagbarem Preis/-Leistungsverhältnis. Die jagdliche Konfiguration des Ovis-Systembaukastens setzt auf für diesen Verwendungszweck abgestimmte Features: eine 20 Zoll (51 cm) lange Laufkontur mit schlankem 16-mm-Durchmesser an der Mündung, standardmäßig ein M14x1-Gewinde für Mündungsaufsätze, dazu eine einteilige Picatinny-Schiene auf der Systemhülse zur modularen Optikmontage.

Das Ovis G2-System wird von Huglu mit einer Reihe von Schaftvarianten angeboten: Eine jagdliche Standard-Schäftung in den Ausführungen Synthetik schwarz oder grün, zwei verschiedene Mossy Oak Camo-Muster, Walnussholz, sowie den hier getesteten "Fenris"-Schaft der norwegischen Firma GRS. Das gleiche System gibt es auch in einer "Long Range"-Ausführung mit einer schweren Laufkontur in 26 Zoll (66 cm) Lauflänge mit hauseigenem Alu-Chassis als Systemträger, die all4shooters.com bereits getestet hat. Unsere jetzige Testwaffe kam vom Importeur Huntex im Standardkaliber .308 Winchester mit einer kurzen Dralllänge von 1:10“ (254 mm). Demnächst folgen noch weitere Kaliber wie 6,5 Creedmoor (1:8"-Drall) und .223 Remington mit 1:8"-Drall.
Als klassisches Zylinderverschluss-Repetiersystem kommt ein Zweiwarzenzylinderverschluss mit 90°-Öffnungswinkel zum Einsatz. Er lässt sich leichtgängig und zuverlässig ohne Hakeln betätigen. Ein Film hochwertiges Waffenöl macht den Repetiervorgang noch geschmeidiger. Der große Öffnungswinkel erscheint heute schon ein bisschen antiquiert. Der Zylinderverschluss lässt sich aber dank der extra großen und griffig gerändelten Kammerstängelkugel zuverlässig und klar definiert bedienen. Der 20-Zoll-Lauf ist mit einer schlanken, sich konisch verjüngenden Jagdlaufkontur und einem Mündungsdurchmesser von 16,4 Millimetern bestimmungsgerecht auf die Jagd ausgerichtet.
Der Fenris-Kunststoffschaft von GRS, mit dem das Huglu Ovis G2 kommt, lässt sich werkzeuglos anpassen
Die wichtigste Zutat der Ovis G2 in der Variante GRS ist freilich der einteilige, glasfaserverstärkte Kunststoffschaft des Unternehmens GRS Riflestocks mit seiner durchdachten und robusten Konfiguration. Ergonomie, Verarbeitung und Funktion werden bei GRS großgeschrieben. Sehr markant ist der griffgünstig konturierte Pistolengriff mit Daumenaussparung zum Umgreifen des Kolbenhalses. Überall rutschfeste Oberflächenstrukturen, ergänzt durch Waben- und Rippenstrukturen an den relevanten Interaktionsflächen am Pistolengriff und der Unterseite des Vorderschafts. Die von GRS bekannte, werkzeuglose und solide Einstellmöglichkeit von Wangenauflage und Schaftbacke per Druckknopf, sind ebenso Bestandteil am Einstiegs-Schaftmodell Fenris.

Erstere lässt sich in Rastschritten um maximal bis zu 2,5 cm im Handumdrehen erhöhen: Bestens geeignet, um für verschiedene Anschlagspositionen sauber auf die optische Achse nachzujustieren oder auch im Jagdschulungseinsatz mit ständig wechselnden Nutzern. Die verstellbare Schaftkappe ermöglicht die Verlängerung des Hinterschaftes um bis zu 3 Zentimeter in der Länge. Abgerundet wird das Ganze dann noch mit linksseitig integrierten QD-Buchsen an beiden Schaftenden. Damit ist am Riemen getragen eine flache Auflage der Büchse mit der abgewandten Seite des Kammerstängels auf dem Rücken gewährleistet, ohne herumzubaumeln. Auch an eine Riemenbügelöse zur Befestigung eines Zweibeins à la Harris am vorderen Schaftende wurde gedacht. Alles in allem ist der Fenris-Schaft von GRS sehr auf Praxistauglichkeit ausgelegt.
Empfehlenswert scheint es aber doch, den Schaft vor dem Kauf einmal in die Hand zu nehmen. Der Pistolengriff ist durch seine ergonomisch grundsätzlich günstige, aber voluminöse Ausformung eher für eine mittelgroße bis große (rechte) Hand ausgelegt. Kleine Hände oder auch Hände mit kurzen Fingern könnten Schwierigkeiten haben, vom wuchtigen Pistolengriff aus den Abzug entspannt zu erreichen (eine Linksversion gibt es übrigens bei der Huglu Ovis G2 nicht)
Huglu reagierte auf Kritik am bisherigen Ovis-Abzug und besserte nach: alle aktuellen Modelle kommen mit neuem Abzugssystem

Nach unserer geäußerten Kritik an der Abzugseinheit in vorhergehenden Test der Version Long Range haben Huglu und Importeur Huntex reagiert: Ab sofort würden alle Ovis G2-Büchsen mit dem neuen und verbesserten Abzugssystem ausgeliefert. Das System verfügt über polierte Abzugsklinken und einen Einstellbereich von zirka 450 bis 2.400 Gramm. Anhand der vorliegenden Waffe konnten die Tester das bestätigen. Angegeben ist das Abzugsgewicht der Ovis G2 GRS mit rund 650 Gramm – gemessen haben wir es mit 812 g. Bei langsamer und konzentrierter Betätigung des überarbeiteten Direktabzugs ist ein minimales Kriechen spürbar, gefolgt von einer trockenen Freigabe des Schlagbolzens: Nach der Aktualisierung findet sich hier ein in der Praxis durchaus brauchbarer Abzug mit klassischer Zweistellungs-Sicherung im 700er Stil, die (ausschließlich) auf den Abzug wirkt. Und wem das letztlich dann doch nicht gut genug ist, dem bietet der Zubehörsektor zahlreiche mit dem System der Remington 700 kompatible Abzugseinheiten zum einfachen Austausch.


Huglu produziert eigene Polymer-Magazine für die Ovis G2. Zum Lieferumfang sollte je ein dreischüssiges sowie ein Kunststoffmagazin für fünf Patronen nach AICS-Standard gehören. Zumindest der Testwaffe lag lediglich das kleinere Magazin für drei Patronen bei. Dieses schließt bündig mit dem Magazinschacht ab und gewährleistet so den schlankesten Formfaktor der Büchse im jagdlichen Gebrauch. Das Befüllen mit allen drei Patronen ist unspektakulär einfach, keine scharfen Ecken oder Kanten, die den Daumen dabei behindern. Die negative Beobachtung bei der Handhabung des mitgelieferten Magazins im Systemschacht: Es lässt sich nur schwer über die Verriegelungsraste nach oben einführen. Dank einem großen, beidseitig erreichbaren Entriegelungshebel an der Vorderkante des Abzugbügels ist es zunächst angenehm leicht zu entriegeln. Im Anschluss fiel das Magazin aber leider nicht selbstständig aus dem Schacht, weder leer noch befüllt. Da die Variante für drei Patronen wie beschrieben nicht übersteht und keine passende Griffmulde im Schaft vorhanden ist, durften die Tester es jedes Mal mühsam mit den Fingernägeln aus dem Magazinschacht pulen oder es zum Lösen durch das offene Auswurffenster mit dem Finger antippen.
Abhilfe für diesen Krampf: Einfach ein maßlich wirklich AICS-konformes Magazin verwenden. Leihweise reichte der Schützenbruder von der Nachbarpritsche diverse Alternativmagazine, beispielsweise von MDT oder Magpul. Sowohl aus Kunststoff gefertigt als auch mit Stahlblechkorpus. Drei-, fünf- oder zehnschüssig, alle fielen von Kollege Schwerkraft angetrieben nach dem Entriegeln selbstständig aus dem Magazinschacht der Huglu – geht doch, easy fix.
Auf dem Schießstand zeigte die Repetierbüchse Huglu Ovis G2 ihre Verwandschaft zum zuverlässigen Vorbild der Remington 700

Die Testwaffe verhielt sich auf dem Stand unspektakulär zuverlässig, wie von einem ausgereiften System á la Remington 700 zu erwarten. In ordentlicher Qualität und Güte von Huglu in der Türkei hergestellt, repetiert die Büchse souverän, ohne Störungen bei der Patronenzufuhr oder Ausziehfehler. Beim Erproben der Präzision mit rund 100 Patronen war eine recht schnelle Erwärmung des relativ schlanken Laufprofils schon während einer Fünf-Schuss-Gruppe wahrnehmbar. Das Credo, um den negativen Präzisionseinfluss möglichst gering zu halten, war regelmäßiges Zwischenkühlen mit Hilfe eines Pressluftkompressors.

Im jagdlichen Einsatz, wo erstrebenswerterweise nur der eine, wirksam angetragene Schuss ausreicht, gar kein Problem. Bei der ersten Auswertung der geschossenen Präzisionsergebnisse zeichnete sich ein ungewohntes Bild ab: Die Testbüchse schien mit bleifreier Jagdmunition in der Tendenz bessere Präzision auf die 100-m-Distanz zu leisten als mit hochwertigen bleihaltigen Munitionssorten. Als "King of the Ring" unseres Munitionsvergleichs stach die Hornady ECX 165 gr deutlich hervor. Die gesamten Ergebnisse der 14 Sorten getesteter Fabrikmunition, sowie der fünf Handladungen sind in der Tabelle ersichtlich, allerdings nur in der gedruckten VISIER-Ausgabe (Links siehe unten). Im Durchschnitt aller Laborierungen fiel die Präzisionsleistung eher etwas unterdurchschnittlich aus. Jedoch sprach die getestete Ovis G2 GRS erstaunlich gut auf die initialen Handladungen mit Vihtavuori N135 und den hochwertigen TRX-Geschossen von Lapua an, sogar noch besser als die fabrikgeladene Munition mit dem neuen, bleifreien 150 gr schweren TRX-Projektil, welches die Weiterentwicklung des bekannten Lapua Naturalis darstellt.
Zusammengefasst, hier die je Top 3 der käuflichen Munitionssorten in unserem 100-Meter-Präzisionstest:
- Bleifrei: Hornady ECX 165 Grains mit einem Streukreis von 19 mm, PSMH Patronenmanufaktur Schleswig-Holstein THB JG15 142 gr mit (29 mm) sowie die Sax KGJ-SR 123,4 gr mit SK 33 Millimeter
- Bleihaltig: Hornady ELD Match 168 gr (46 mm), Nosler Partition 165 gr mit einem Streukreis von 50 mm und Lapua Open Tip Match 167 gr (54 mm)
Technische Daten und Preis der Huglu Ovis G2 GRS
Modell: | Huglu Ovis G2 GRS |
Kaliber: | .308 Winchester |
Kapazität: | 3+1 Patronen |
Länge: | 1005 - 1035 mm |
Lauflänge: | 510 mm (20 Zoll) |
Dralllänge: | 254 mm (1:10") |
Abzugsgewicht (ermittelt): | 820 g |
| Gewicht: | 3.600 g |
| Ausführung: | Nur Rechtsversion |
| Preis: | 1.249,- Euro (UVP) |
| Ausstattung: | Zylinderverschluss, zwei Verriegelungswarzen mit 90°-Öffnungswinkel, Jagdkontourlauf mit M14-Mündungsgewinde, GRS Fenris-Schaft, werkzeuglos verstellbare Wangenauflage und Schaftbacke, AICS-kompatibles Magazin. |
Unser Fazit zur jagdlichen Repetierbüchse Huglu Ovis G2 GRS
Ein zur Remington 700 kompatibles System reißt heute wohl bei niemanden mehr die Wurst vom Brot. Ein Startpreis von nur 749 Euro für die Varianten der Huglu Ovis G2 mit einfachem Synthetik-Schaft dagegen schon. Natürlich liegt die Version mit GRS-Schaft deutlich höher, aber dafür bekommt man eine rundum solide Gebrauchsbüchse mit ordentlicher Verarbeitung und Grundausstattung, welche mit entsprechender Munition auch dem Sub-MOA-Anspruch gerecht wird. Mit versiert handgeladener Munition schien uns dem anatolischen Mufflon das Präzisionsvermögen auf Anhieb leichter zu entlocken.
Text: Carsten Burfeindt
Redaktion: Hamza Malalla
Der komplette Artikel mit der Schießtabelle aller 14 Laborierungen erschien in der Oktober-Ausgabe 2026 von VISIER, die Sie hier direkt gedruckt oder auch digital als e-paper bestellen können.
Weitere Informationen zu Huglu und der Büchse erhalten Sie auf der Webseite vom Huglu-Importeur Huntex GmbH! Der Verkauf erfolgt ausschließlich über den Fachhandel.










