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Airsoft-Schießen als Jugendförderung

Airsoft auf IPSC Level

Viele Schützenvereine leiden mittlerweile an schwindenden Mitgliederzahlen. Vor allem im Jugendbereich schwindet zunehmend die Bereitschaft, das Hobby zu betreiben. Sicher haben auch andere Vereine mit diesem Trend zu kämpfen, aber bei den Schützen kommen noch zwei Punkte dazu: Die unbefriedigende Lobbyarbeit und die komplizierte Gesetzeslage. Vor allem letztere macht den Einstieg ins Freizeitvergnügen schwierig. Dass es dennoch geht, lesen Sie hier:

Das Team von all4shooters.com // Oliver Huber und Alexander Orel - VISIER

Wie kann man dem Vorurteil, dass Schießen viel zu kompliziert ist, entgegenwirken? Wie könen wir die Begeisterung der Jugend für den Sport wieder entfachen? Ein Mann hat es versucht – und zwar über das Airsoft-Schießen. Vielleicht macht sein Beispiel ja Schule.

Roger Merkle, so der Name des Mannes mit den neuen Ideen, lebt am äußersten Rande unserer Republik. Genauer gesagt in Selb in Bayern. Bislang ist hier in der bayerischen Provinz alles sehr überschaubar – trotz der "Jugendlichkeit" der Veranstaltung konnte Roger Merkle ein weites Netz von Kontakten knüpfen, die ihn in seinem Vorhaben unterstützten.

Das ist auch immens wichtig, denn "ohne Nachwuchsarbeit haben viele Schützenvereine ein Zukunftsproblem. Außerdem muss man die Jugendlichen in der heutigen Zeit abholen. Einfaches Luftgewehr- oder Luftpistolenschießen ist für viele unattraktiv geworden", wie Merkle selbst ausführt.

Zukunftsperspektiven im Schießsport:

Als Sportleiter und Jugendtrainer im "Schützenclub Einigkeit Buchwald-Längenau 1911 e.V." erkannte Roger Merkle schon früh: "Das Fortbestehen des Schießsports in den Vereinen hängt an der Heranführung der jungen Menschen!". Aber wie sollte das konkret umgesetzt werden, sprich: Wie kann die Attraktivität des Sports gesteigert werden? Bei seinen Recherchen stellte er schnell fest, wie weit die gesetzlichen Regelungen der Entwicklung von Schießnachwuchs Daumenschrauben anlegen. Da müssen die Erziehungsberechtigten eingebunden werden, es muss eine besondere Befähigung erworben werden, um mit Kindern und Heranwachsenden trainieren zu können, und vieles mehr. 

Rechtlich einfacher ist der Schießsport mit Airsoft-Waffen: 

Abhängig von der Mündungsenergie unterliegen Waffen unter 0,5 Joule keinerlei Altersbeschränkungen. Doch so simpel war es natürlich auch wieder nicht: Es gibt "Airsofts", die scheinbar Spielzeug sind und trotzdem unter den Paragrafen der Anscheinswaffen fallen. Der Transport unterliegt ähnlichen Reglementierungen wie für Sportschützen, womit sich ein Jugendlicher oder ein Elternteil schnell nur durch eine Unachtsamkeit strafbar machen können. Und ein "ich habe das nicht gewusst" schützt selten vor einer Strafe.

Ein Vollautomat: Die Beretta Mod. 92 A1 Tactical als Airsoft. Da sie eine Mündungsernergie von unter 0,5 Joule hat, ist sie sogar als "Full-Auto" zugelassen.
Ein Vollautomat: Die Beretta Mod. 92 A1 Tactical als Airsoft. Da sie eine Mündungsernergie von unter 0,5 Joule hat, ist sie sogar als "Full-Auto" zugelassen.

Gegen die Konvention:

Doch auch bei den Schützenbrüdern und Verbänden galt es, Mauern einzureißen, wenn auch nur im übertragenen Sinn. Denn das Arbeiten und Werben gestaltete sich schwierig. So herrscht immer noch die weitverbreitete Angst vor dem langen und oft wirr rudernden Arm der Politik. Der Gedanke dahinter: "Wenn alle Disziplinen mit Airsoft-Waffen im sportlichen Vergleich schießbar sind, dann – ja dann ist Großkaliber an sich doch vollkommen unnötig!" Oberflächlich betrachtet ist diese Aussage durchaus plausibel – aber nur, wenn man keine Ahnung von der Materie hat. Denn z.B. die olympischen Schießdisziplinen haben mit den Airsoft-Varianten so viel gemeinsam wie im Fußball die Champions League mit der Kreisklasse. Rückstoß, Distanzen, Präzisionsverhalten der Pistolen, Revolver und Gewehre gestalten sich im Großkaliber-Bereich vollkommen anders als bei den Federdruck-, Gas- oder Elektro-Waffen. Die Handhabung ist so gut wie identisch, die Herausforderung an den Sportler, sein Equipment und seine Performance aber definitiv nicht.

Finger lang am Abzug; eine der wichtigsten Anweisungen - nicht nur beim Airsoft-Schießen.
Finger lang am Abzug; eine der wichtigsten Anweisungen - nicht nur beim Airsoft-Schießen.
Eine Schutzbrille gehört unbedingt zur Grundausstattung beim Airsoft-Schießen. Auch BBs können die Augen verletzten.
Eine Schutzbrille gehört unbedingt zur Grundausstattung beim Airsoft-Schießen. Auch BBs können die Augen verletzten.

Wie dem auch sei, jedenfalls fand Roger Merkle im Jahr 2013 den einzigen öffentlich ausgeschrieben Airsoft-Wettbewerb in Deutschland. Der Landesverband 4 (NRW) des Bundes Deutscher Schützen (BDS) veranstaltete seine Landesmeisterschaft in der Disziplin "Action-Air-IPSC" offen für Jedermann. Denn der BDS hatte sich damals schon entschlossen, auf eine Verbandsmitgliedschaft und einen Sicherheits- und Regeltest zur Teilnahme an Airsoft-IPSC-Veranstaltungen zu verzichten. Eine zukunftsorientierte und innovative Geste, die vieles möglich macht. Auf jeden Fall zeigt der BDS sich damit als innovativ und offen. Merkle erlebte in Düsseldorf so hautnah, was im Airsoft-Bereich möglich ist. Und für ihn stand eines schnell fest: Hier bot sich eine neue Möglichkeit, um Jugendliche an den Schießsport heranzuführen. Noch im gleichen Jahr sollte so etwas deswegen in Selb passieren.

Selbstgebaute Klappscheiben und andere Ziele gehörten zur Ausstattung der Stages in Selb.
Selbstgebaute Klappscheiben und andere Ziele gehörten zur Ausstattung der Stages in Selb.

Für den 9. und 10. November 2013 war die Veranstaltung in Bayern geplant. Damit blieb noch ein halbes Jahr Zeit, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Da Roger Merkle, geprägt vom Schießsport, nur die Innenzehn zählen lässt, machte er sich umgehend an die Entwicklung eigener elektronischer Timer (Stopp-Plates), baute eine Fallscheibenanlage für seine Bedürfnisse um, entwickelte eine eigene Einschießscheibe, konstruierte eigene Popper und Plates, eine elektronische Magnetauslösung für Flipp- und Klappziele und passte die vorhandenen Scheiben den Airsoft-Erfordernissen an. Alles hätte entspannt seiner Wege gehen können, doch bald zogen am Horizont erste dunkle Wolken auf. Das Bundesverwaltungsamt schaltete sich ein. Da keine genehmigte Sportordnung für dieses Schießen vorliege, habe die Veranstaltung zu unterbleiben. Doch so einfach wollte der Enthusiast nicht aufgeben … und konnte sich schlussendlich durchsetzen!

Neue Strukturen für das Airsoft-Event:

Ein kompletter Umbau der Matchstruktur, neue eigene Scheiben und eine andere Schirmherrschaft ermöglichten schließlich doch noch den Event. Roger Merkle fungierte dabei als Alleinausrichter und sein Verein leistete nur logistische Unterstützung. Aus dem ersten "Match" entstand so das "1. Offene Selber Softair-Schiessen" – eine Informationsveranstaltung der Schützenjugend zu sportlichem Schießen und für die Mitglieder-Akquise unter Verwendung von Airsoft-Pistolen. Die helfenden Hände von Freunden, aber auch die vorausschauende Unterstützung von German-Sport-Guns (GSG) und Höppner & Schumann (H&S), motivierten Merkle und seine Unterstützer wie der oft zitierte Amerikaner sagt: "against all odds!" weiter zu machen. So bestand am Ende der Veranstaltung 2013 der Erfolg darin, es geschafft zu haben, sieben Jugendliche und eine Handvoll Erwachsene begeistert zu haben. Alle nahmen die Airsoft-Waffen in die Hand und liefen die drei Parcours mit einer spartanischen Ausstattung ab. Ein Probelauf, der, und da waren sich alle Teilnehmer einig, 2014 eine Fortführung erfahren musste.

Airsoft Event in Selb: Die Stages in der Halle von Selb. Der Aufbau erinnert schon sehr an IPSC, doch natürlich sind die Ausmaße hier ganz andere (Bild aus 2014)
Airsoft Event in Selb: Die Stages in der Halle von Selb. Der Aufbau erinnert schon sehr an IPSC, doch natürlich sind die Ausmaße hier ganz andere (Bild aus 2014)
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