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Test & Technik: WALTHER Creed Pistole im Kaliber 9 mm Luger

WALTHER zeigte die Creed hierzulande auf der IWA OutdoorClassics 2017. Optik, Ausstattung und technisches Innenleben der WALTHER Creed lassen den Schluss zu, dass sie an die Stelle der seit 2013 gebauten WALTHER PPX tritt. 

Beide Pistolen verriegeln mittels eines Browning-Petter-SIG-Systems mit offener Steuerkulisse und per Block im Auswurffenster. Das teilvorgespannte Spannabzugs-System kombiniert mit einem im Schlitten versenkten, spornlosen Hahn haben PPX und Creed ebenfalls gemein. 

WALTHER Creed: Eigenschaften der Polymerpistole

Walther Creed 9mm Polymerpistole in einzelne Bauteile zerlegt
Die Hauptbaugruppen der WALTHER Creed von oben: Verschluss, Lauf, Schließfeder, Polymer-Griffstück und das 16-Schuss-Magazin aus Italien.

Ansonsten vertraut die WALTHER Creed auf klassenübliche Zutaten in diesem Pistolen-Segment: ein Polymer-Griffstück, doppelreihige 16-Schuss-Magazine und eine obligatorische Zubehörschiene. 

Die WALTHER Creed ist grundlegend auf eine einseitige Bedienung ausgelegt. Demontagehebel und Schlittenfangtaste finden sich nur auf der linken Seite. Die Magazintaste lässt sich auch auf die rechte Pistolenseite ummontieren. Alle 3 Bedienelemente arbeiten vorbildlich und weisen eine gelungene Ergonomie auf. Besonders die große, geriffelte Magazintaste gefällt. Das Polymer-Griffstück zeigt sich gut verarbeitet und passt für eine mittelgroße Hand gut. 

Leider wird auf auswechselbare Griffrückenmodule verzichtet. Obwohl das Griffstück für die meisten Hände gut passen sollte, fällt besonders der ebenfalls nicht modifizierbare Fingerwinkel zum Abzugszüngel auf.

Front und Laufmündung der 9 mm Pistole Walther Creed
An der Pistolenfront der Creed finden sich sinnige Repetierrillen und eine Picatinny-Schiene vom Typ MIL-STD-1913.

Die Griffstücktextur wurde augenscheinlich ebenfalls von der PPX übernommen. Diese vermittelt einen ordentlichen Grip, ohne dabei aggressiv auf die Handflächen zu wirken. Der Schlitten wird aus dem Vollen gefräst und durch eine Tenifer-Schicht geschützt. Er läuft auf 4 Führungen eines im Rahmen verstifteten Stahlgehäuses. Dieses trägt ebenfalls das Abzugs-System und den Hammer-Mechanismus. Innerhalb des Schlittens liegen wie gewohnt die Laufgruppe und die Schließfeder.

Vermutlich um Produktionskosten der Walther Creed zu senken, setzt der Hersteller bei der Laufkonstruktion auf eine dreiteilige Lösung: Lauf und Patronenlager bestehen aus einem Stück, werden jedoch vom Riegelblock als weiterem Bauteil umgeben. Der Riegelblock entsteht im MIM-Verfahren und wird anschließend über das Patronenlager gesetzt (MIM = Metal Injection Molding: ein Formgebungsverfahren aus Metallspritzguss- und Sintertechnologie). Zu guter Letzt platziert Walther eine polierte Rampe als drittes Bauteil vor dem Patronenlager. Die Lauflänge beträgt 4 Zoll (102 mm).

Abzug und Hahn-System der WALTHER Creed

Wie viele der aktuellen Polymerpistolen auf dem Markt bringt auch die WALTHER Creed einen teilvorgespannten Abzug mit. Allerdings kombiniert die Creed dies mit einem spornlosen Hammer. Dieser sitzt im Heck der Waffe eingelassen und erhebt sich nur unter Teilspannung und Drücken des Abzugs aus dem Waffenheck. 

Die Abzugcharakteristik zeigt sich für eine reguläre Gebrauchspistole recht überzeugend. WALTHER gibt das Abzugsgewicht mit 2.900 g an. Im Test wurde es mit 2.270 g jedoch weit unterboten. Rund 2 Drittel des Vorzugs bewältigt der Drücker vorbildlich, auf dem letzten Drittel kratzt er leicht. Dafür steht der Abzug recht trocken auf dem Druckpunkt und fällt auch nur minimal durch.

Walther Creed Hahn teilgespannt
Der spornlose Hahn der WALTHER Creed schließt teilgespannt mit dem Heck ab.
Walther Creed Hahn entspannt
Wenn der Hahn einige Millimeter im Inneren verborgen liegt: Die Waffe ist entspannt.

Die WALTHER Creed Pistole auf dem Schießstand

Auf dem Schießstand erfolgten neben der Präzisions- und Geschwindigkeitsmessung vom Sandsack auch noch mehrere Probeserien stehend aus der Hand. Dabei fällt sofort auf: Griff und Waffengewicht sorgen für eine gute Handlage der Pistole. 

Die Drei-Punkt-Stahlvisierung der Creed ermöglicht stets eine schnelle Zielerfassung. Das Korn ist mit dem Schlitten verschraubt und die Kimme lässt sich seitlich driften. Beide Visierelemente sind mit weißen Dämmerungsmarken in Punktform ausgestattet.

Handhabung und Bedienung der Creed gehen fast schon intuitiv einfach von der Hand. Die Repetierrillen an Front und Heck lassen sich gut greifen und bieten einen ordentlichen Halt. Im Schuss bleibt die Creed auch mit stärkeren Laborierungen noch gut kontrollierbar. Dies ist auch auf die passende Ergonomie im Griffrückenbereich zurückzuführen. 

Schütze schießt Walther Creed im Schießtest von VISIER auf Schießstand
Das Schussverhalten der neuen WALTHER Creed erinnert stark an das Vorgängermodell Walther PPX.
Polymerpistole Walther Creed im Schießtest auf der Schießbahn
Das vergleichsweise geringe Waffengewicht in Verbindung mit einer hohen Laufachse lassen die Mündung der Polymerpistole im Schuss merklich steigen.

Der Hochschlag der Mündung zeigt sich vergleichsweise ausgeprägt – ähnlich der PPX. Trotz ihres massiven Schlittens wiegt diese Polymerpistole nicht besonders viel. Darüber hinaus besitzt sie eine recht hohe Laufachse, was nicht zuletzt der Technik des Hahn-Systems geschuldet ist. Hierdurch wird naturgemäß ein stärkerer Hochschlag erzeugt als bei Systemen mit einer tieferen Laufachse.

In puncto Sicherheit und Repetierverhalten gibt es bei der WALTHER Creed nichts anzukreiden. Die Waffe arbeitete stets ohne Störungen und verdaute sämtliche Test-Laborierungen ohne Probleme.

Für eine Gebrauchs-/Verteidigungspistole erzielte die Creed im Schießtest außerdem gute Streukreise. Und auch die Energieausbeute mit dem kurzen 4-Zoll-Lauf ist vergleichsweise gut.

Bedientasten der Polymerpistole Walther Creed
Die Bedientasten der Creed liegen vorbildlich platziert und weisen eine gute Ergonomie auf. Größe und Oberflächenpunzierung der Magazintaste sind ebenfalls gelungen.

Technische Daten der WALTHER Creed

Modell:WALTHER Creed
Kaliber:9 x 19 mm
Kapazität:16 + 1 Patronen
Maße in mm: 
(L x B x H)
185 x 33 x 142
Lauflänge:102 mm
Visierlänge:156 mm
Kimme:4,5 mm, seitlich verstellbar
Korn:3,5 mm, Korn mit weißer Punkteinlage
Abzugsgewicht:2.270 g
Gewicht:755 g
Preis:590,- Euro

Die WALTHER Creed – das Fazit zur Polymerpistole

Die WALTHER Creed bringt neben dem Renommee der deutschen Marke auch eine hohe Verarbeitungsqualität mit. Schussleistung, Bedienung und Visierung passen wunderbar für Verteidigungslagen und das Preis-/Leistungsverhältnis der Waffe stimmt. Mit einem Preis von 590,- Euro liegt die Creed am unteren Ende des Preisbereichs für europäische Marken-Polymerpistolen. 

Zwar ist sie deutlich günstiger als vergleichbare Modelle, der Käufer muss aber auch bei der Ausstattung der Creed zurückschrauben. Auf der Habenseite der neuen Pistole stehen eine gediegene Verarbeitung, eine gute Schussleistung und eine einfache Bedienung. WALTHER liefert die Creed in einem abschließbaren Kunststoffkoffer, mit einer Bedienungsanleitung und 2 brünierten 16-Schuss-Magazinen aus.

Walther Creed Seitenansicht links
Die WALTHER Creed Pistole konnte im Test überzeugen: gute Schussleistung und einfache Bedienung für ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis.

Weitere Informationen zur Polymerpistole WALTHER CREED finden Sie direkt auf der Webseite des Herstellers.

Den umfangreichen Test der Kurzwaffe mit Schießtabelle finden Sie in der VISIER Ausgabe 5/2017. Im VS Medien Online-Shop können Sie die Ausgabe bequem nachbestellen.

Hier kommen Sie zur digitalen Version der VISIER 5/2017.

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