Mit der Einführung der IPSC-Division Handgun Optics hat der internationale Schießsport eine Disziplin erhalten, die die klassische Standard Division konsequent weiterentwickelt und den gestiegenen Anforderungen der Wettkampfschützen Rechnung trägt. Während sich Reflexvisiere in zahlreichen dynamischen Disziplinen längst etabliert haben, blieb Schützen der Standard Division bislang lediglich der Wechsel in andere Klassen, wollten sie die Vorteile einer kompakten Optik nutzen. Die neue Division schließt diese Lücke. Die Regularien der Optics Division setzen dabei bewusst auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen technischer Freiheit und Chancengleichheit (entsprechende Links zum Regelwerk finden Sie unten unter diesem Testbericht). Für die Hersteller bedeutet diese Entwicklung gleichzeitig die Aufgabe, bestehende Modelle an die neuen Anforderungen anzupassen oder vollständig neu zu konzipieren. Einer der traditionsreichsten Vertreter dieses Segments ist der italienische Hersteller Tanfoglio, dessen Pistolen seit Jahrzehnten im Schießsport einen ausgezeichneten Ruf genießen.


hartverchromten Match-Waffe setzt sich
auch im Inneren der Tanfoglio-Pistole
fort – alles wurde akkurat geschliffen.
Mit der “T97L Limited Master OR Xtreme” präsentiert Tanfoglio nun ein Modell, das speziell auf die Anforderungen der neuen IPSC Optics Division zugeschnitten wurde. Bereits bei dem Öffnen des Transportkoffers entsteht der erste Eindruck darüber, welchen Anspruch ein Hersteller an ein solches Spitzenmodell stellt. Tanfoglio liefert das neue Modell in einem großzügig dimensionierten, stabilen Kunststoffkoffer aus, der sich deutlich von den ansonsten häufig verwendeten roten Standardkoffern des Herstellers abhebt. Neben der Pistole und der Multidot-Adapterplatte gehören insgesamt vier Magazine, Reinigungsutensilien, zwei zusätzliche Schließfedern unterschiedlicher Federstärken sowie die Bedienungsanleitung zum Lieferumfang. Insbesondere die beiden zusätzlichen Schließfedern verdienen Aufmerksamkeit. Sie ermöglichen eine Anpassung der Waffe an unterschiedliche Laborierungen und spiegeln den sportlichen Anspruch des Modells wider. Die Möglichkeit, das Rücklaufsystem ohne zusätzlichen Aufwand auf eigene Laborierungen abzustimmen, erhöht die Funktionssicherheit und trägt gleichzeitig zu einem kontrollierbaren Schussverhalten bei.
Tanfoglio T97L Limited Master OR Xtreme: Was darf man vom Design her erwarten?


Bereits beim ersten Kontakt vermittelt die Limited Master OR Xtreme genau den Eindruck, den man von einer hochwertigen Ganzstahl-Sportpistole erwartet. Die Verarbeitung bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Sämtliche Übergänge zwischen Griffstück, Verschluss und Bedienelementen wirken sauber ausgeführt, scharfe Kanten oder sichtbare Bearbeitungsspuren sucht man vergeblich. Die vorliegende Variante besitzt eine hartverchromte Oberfläche, die neben ihrer hochwertigen Optik vor allem durch eine hohe Verschleißfestigkeit überzeugt. Alternativ ist das Modell auch mit schwarzem Finish erhältlich. Das Griffstück trägt den unverkennbaren Charakter der Xtreme-Baureihe. Die strukturierten Griffschalen bieten einen ausgesprochen sicheren Halt, ohne dabei übermäßig aggressiv zu wirken. Die diagonal verlaufenden Fräsungen bilden optisch das charakteristische „X”, welches als Design-Element konsequent bei der Waffe fortgeführt wird. Trotz des sportlichen Erscheinungsbildes erfüllt diese Oberflächenstruktur in erster Linie eine funktionale Aufgabe. Gerade bei schnellen Schussfolgen, schwitzenden Händen oder widrigen Witterungsbedingungen bleibt die Pistole sicher kontrollierbar. Unmittelbar ins Auge fällt der großzügig dimensionierte Jet Funnel. Während manche Schützen ihn in erster Linie als optisches Merkmal wahrnehmen, erfüllt er im Wettkampfbetrieb eine entscheidende Funktion. Besonders unter Zeitdruck reduziert der weit ausgeformte Magazinschacht die Gefahr von Fehlansätzen beim Magazinwechsel erheblich, die serienmäßigen Magazine für 20 Patronen werden sauber geführt und rasten zuverlässig ein.
Im Dustcover findet sich eine Picatinny-Schnittstelle, über die sich beispielsweise Brückenmontagen oder weiteres Zubehör unkompliziert befestigen lassen. Ergänzend hierzu hat der Hersteller beidseitig vier Gewindebohrungen vorgesehen, um alternativ auch verschraubbare Seitenmontagen aufnehmen zu können. Diese Lösung bietet dem Schützen eine bemerkenswerte Flexibilität, da unterschiedliche Montagesysteme ohne nachträgliche Bearbeitung des Griffstücks verwendet werden können. Für die Präzisionsprüfung kam an dieser Stelle ausnahmsweise anstatt der ab Werk mitgelieferten Multidot-Adapterplatte eine von der Firma Waffenfuzzi bereitgestellte Seitenmontage von Toni Systems in Verbindung mit einem Noblex 1 x 32-Leuchtpunktvisier zum Einsatz. Diese Kombination erwies sich im weiteren Testverlauf als praktikabel, wäre aber nichts für die neue Optics Division: Deren Regularien fordern, ein optisches Visier hinten im Kimmenbereich direkt im Schlitten zu montieren.
Tanfoglio T97L OR Xtreme: Das Handling und die Bedienung

Der Verschluss zeigt die für Tanfoglio typische massive Bauweise. Im hinteren Bereich sorgen ausgeprägte Texturen für ausreichend Halt beim Durchladen. Sie könnten ruhig etwas größer ausfallen, um insbesondere bei nassen Händen oder beim Tragen von Handschuhen noch mehr Griffigkeit zu bieten. Ergänzend dazu wurden im vorderen Bereich weitere schräge Greifrillen eingefräst, die alternative Lade- und Kontrolltechniken unterstützen.
Serienmäßig wird die Limited Master OR Xtreme mit einer hochwertigen LPA-Visierung ausgeliefert. Die Visierlinie von 176 Millimetern ermöglicht bereits mit offener Visierung ein sehr präzises Zielbild. Das Zusammenspiel aus einer 3,0 Millimeter breiten Kimme und einem 3,1 Millimeter starken Korn erzeugt einen harmonischen Lichtspalt, der auch bei wechselnden Lichtverhältnissen eine schnelle Zielaufnahme unterstützt. Das Korn ist von oben verschraubt und lässt sich bei Bedarf ohne größeren Aufwand austauschen. Als Optics Ready-Modell trägt die Pistole ihre Kimme auf einer separaten Montageplatte. Alternativ dazu kann man im Schlitten über die mitgelieferte Multidot-Adapterplatte ein Reflexvisier befestigen. Eine Co Witness-Lösung ist jedoch nicht vorgesehen. Dieses Konzept ist heute bei vielen Optics Ready-Systemen anzutreffen, und zwar speziell bei Sportmodellen als bewusste Priorisierung zugunsten einer möglichst tiefen Optikmontage und einem aufgeräumten Visierbild.
Auch die Bedienelemente hinterlassen einen durchdachten Eindruck. Die beidseitig ausgeführte Sicherung rastet klar definiert ein. Auf der linken Seite fällt sie bewusst breiter aus und dient gleichzeitig als ergonomische Daumenauflage. Gerade im dynamischen Schießsport unterstützt diese Auflage eine konstante Handposition und hilft dabei, den Hochschlag der Waffe besser zu kontrollieren. Der Verschlussfanghebel bleibt der klassischen Tanfoglio-Konstruktion treu und befindet sich ausschließlich auf der linken Waffenseite. Der skelettierte Hahn wirkt vergleichsweise kompakt, bietet durch seine tiefen Riffelungen jedoch jederzeit ausreichend Griffigkeit für ein sicheres manuelles Spannen.
Wie gut ist der Abzug der neuen Tanfoglio T97 OR Xtreme?

Bereits vor dem ersten Schuss fällt der ausschließlich im Single Action-Betrieb arbeitende Abzug positiv auf. Das leicht gebogene Abzugszüngel liegt angenehm am Finger an und vermittelt unmittelbar den Charakter einer konsequent auf den sportlichen Einsatz ausgelegten Match-Abstimmung. In der Werkseinstellung weist der Abzug einen Vorzugsweg von rund acht Millimetern auf, bevor nach einem weiteren Millimeter der Schuss sauber und glasklar bricht. Das mit einer Lyman-Abzugswaage gemessene Auslösegewicht beträgt lediglich 672 Gramm. Entscheidend ist dabei jedoch weniger der Messwert als vielmehr die Qualität des Auslöseverhaltens. Während des gesamten Tests zeigte der Abzug keinerlei Kriechen, Hakeln oder fühlbare Reibung. Der Druckpunkt ist klar definiert und reproduzierbar, sodass sich der Schuss exakt kontrollieren lässt. Ebenso überzeugend fällt der kurze Trigger Reset von etwa vier Millimetern aus. Dies ermöglicht sehr zügige Folgeschüsse, ohne dass der Finger dafür unnötig weit nach vorn geführt werden muss.
Einen ebenso wichtigen Beitrag zur Schussleistung leistet die Laufkonstruktion. Tanfoglio verwendet einen 125 Millimeter langen Polygonlauf mit Rechtsdrall, dessen konisches Außenprofil im Mündungsbereich in einen Bull Barrel übergeht. Durch diese Bauweise kann auf eine separate Mündungsbuchse verzichtet werden. Stattdessen erfolgt die Führung des Laufes unmittelbar im Verschluss. Zwei Verriegelungskämme im Bereich des Patronenlagers sorgen zusätzlich für eine definierte und wiederholbare Verriegelung. Im gesamten Test ließ sich keinerlei nennenswertes Spiel zwischen Lauf, Verschluss und Griffstück feststellen. Diese enge Passung ist ein deutliches Indiz für geringe Fertigungstoleranzen und bildet die konstruktive Grundlage für das hohe Präzisionspotenzial der Pistole.
Tanfoglio T97L Limited Master OR Xtreme: Wie gut war die 9-mm-Pistole auf dem Schießstand?

Für den Präzisionstest standen insgesamt elf Fabriklaborierungen zur Verfügung. Geschossen wurde sitzend aufgelegt auf eine Distanz von 25 Metern. Um den Einfluss der offenen Visierung auszuschließen und das Präzisionspotenzial möglichst objektiv beurteilen zu können, kam die bereits erwähnte Toni-System-Seitenmontage mit einem Noblex 1 x 32-Leuchtpunktvisier zum Einsatz. Die Ergebnisse bestätigten den hochwertigen Gesamteindruck der Limited Master OR Xtreme. Über alle getesteten Laborierungen hinweg ergab sich bei Fünfschuss-Gruppen ein durchschnittlicher Streukreis von lediglich 39 Millimetern. Für eine serienmäßige Sportpistole stellt dies bereits ein sehr gutes Resultat dar. Besonders überzeugen konnte die UTHP von GECO mit 124-Grain-Vollmantelgeschoss. Mit einem Streukreis von lediglich 24 Millimetern erzielte diese Laborierung das beste Ergebnis des gesamten Tests.
Diese Werte zeigen deutlich, dass die konstruktive Qualität der Limited Master OR Xtreme weit über das hinausgeht, was im dynamischen Wettkampfbetrieb üblicherweise gefordert wird. Die Pistole ist technisch ohne Weiteres in der Lage, die Innenzehn einer BDS-Kurzwaffenscheibe auf 25 Meter sicher zu halten. Damit verlagert sich der limitierende Faktor nahezu vollständig auf den Schützen selbst. Abzug, Verriegelung, Passungen und Laufkonstruktion liefern die Voraussetzungen, um das vorhandene Leistungspotenzial auch unter Wettkampfbedingungen auszuschöpfen. Während des gesamten Tests arbeitete die Tanfoglio-Pistole zuverlässig und vermittelte den Eindruck einer sehr sauber abgestimmten Matchwaffe. Lediglich ein Punkt fiel auf dem Schießstand wiederholt auf: Der Verschlussfanghebel hielt den Verschluss nach dem letzten Schuss nicht in jedem Fall zuverlässig in der hinteren Position. Vereinzelt genügte bereits ein leichter Stoß gegen die Waffe, um den Verschluss selbstständig nach vorne gleiten zu lassen.
Technische Daten und Preis: Tanfoglio T97L Limited Master OR Xtreme
Modell: | Tanfoglio T97L Limited Master OR Xtreme |
Kaliber: | 9 mm Luger |
Kapazität: | 20 + 1 Patronen |
Maße (L x B x H): | 222 x 45 x 147 mm |
Visierlänge: | 176 mm |
Lauflänge: | 125 mm |
Abzugswiderstand: | 672 g |
Gewicht: | 1.366 g |
Ausstattung: | Kunststoffkoffer, 4 x 20-Schuss-Magazin, Reinigungszeug, |
| Preis: | 3.204,- Euro |
Fazit: Was kann die in Deutschland via Importeur Waimex erhältliche Tanfoglio T97L Limited Master in der Praxis?
Verarbeitung, Materialqualität und Fertigungspräzision bewegen sich auf einem Niveau, das den hohen Anspruch dieses Modells jederzeit erkennen lässt. Besonders hervorzuheben ist das harmonische Zusammenspiel aller Komponenten. Keine Eigenschaft drängt sich unangemessen in den Vordergrund, vielmehr entsteht der Eindruck eines durchdacht abgestimmten Gesamtkonzeptes. Genau diese Ausgewogenheit unterscheidet eine hochwertige Wettkampfwaffe von Modellen, die zwar einzelne Highlights bieten, in ihrer Gesamtabstimmung jedoch Kompromisse eingehen müssen.
Auf dem Schießstand überzeugt die Pistole durch ein kontrollierbares Schussverhalten, eine ausgezeichnete Balance und einen Abzug, der zu den stärksten Argumenten dieses Modells zählt. Zusammen mit den engen Passungen von Lauf und Verschluss sowie der hochwertigen Fertigungsqualität ergibt sich ein Präzisionspotenzial, das selbst ambitionierten Wettkampfschützen kaum Anlass zur Kritik geben dürfte. Ebenso gelungen präsentiert sich die Ausstattung. Vier Magazine, austauschbare Schließfedern, die Optics Ready-Ausführung sowie die verschiedenen Montagemöglichkeiten zeigen, dass Tanfoglio das Anforderungsprofil für die neue IPSC-Division genau analysiert hat. Statt einzelne Ausstattungsmerkmale werbewirksam hervorzuheben, überzeugt das Modell durch zahlreiche praxisorientierte Detaillösungen, die im täglichen Trainings- und Wettkampfbetrieb einen echten Mehrwert bieten.

Mit 3.204 Euro (UVP des Importeurs Waimex) bewegt sich die Limited Master OR Xtreme zweifellos im oberen Marktsegment. Betrachtet man jedoch die Fertigungsqualität, die umfangreiche Ausstattung, die hohe Präzision und die konsequente Ausrichtung auf den Wettkampfeinsatz, erscheint die Preisgestaltung nachvollziehbar. Hochwertige Sportgeräte entstehen nicht allein durch edle Materialien, sondern vor allem durch präzise Fertigung, sorgfältige Abstimmung und geringe Fertigungstoleranzen. Mit der T97L Limited Master OR Xtreme ist Tanfoglio eine Sportpistole gelungen, die den Anforderungen der IPSC Standard Optics Division in nahezu allen Bereichen gerecht wird. Sie verbindet eine ausgezeichnete Fertigungsqualität mit hoher Präzision, einem hervorragend abgestimmten Match-Abzug und einer praxisorientierten Ausstattung. Die wenigen Kritikpunkte bewegen sich auf einem Niveau, das den insgesamt sehr positiven Gesamteindruck kaum schmälert. Wer eine leistungsfähige Ganzstahlpistole für den ambitionierten Wettkampfeinsatz sucht und bereit ist, in Qualität und Präzision zu investieren, erhält mit der Limited Master OR Xtreme von Tanfoglio ein Sportgerät, das den hohen Erwartungen nicht nur auf dem Papier gerecht wird, sondern diese auch auf dem Schießstand eindrucksvoll bestätigt.
Dieser Testbericht erschien zuerst in der August-Ausgabe 2026 von VISIER. Das gedruckte Heft 8/2026 oder auch eine digitale Version erhalten Sie bequem direkt beim Verlag über den VS Medien-Shop.
Herzlichen Dank an den Tanfoglio-Importeur und Großhändler Waimex für die Testwaffe (Vertrieb nur über den Fachhandel), das Schießzentrum Unna-Hamm für die Möglichkeit zum Erproben der Waffe, die Firma Waffenfuzzi für die Toni System-Seitenmontage und an den Optikhersteller Noblex für das Leuchtpunktvisier.










