Großer Flinten-Praxistest: Wie Lauflänge, Choke und Munition die Schrotdeckung beeinflussen

Beim Flintenschießen entscheidet das Zusammenspiel von Waffe, Choke und Munition darüber, wie sich die Schrotgarbe auf der Anschussscheibe verteilt. Gerade beim Umstieg von Blei- auf Stahlschrot entstehen dabei Fragen: Wie verändert sich die Deckung? Welche Chokestufe passt zur jeweiligen Entfernung? Und welchen Einfluss hat die Lauflänge tatsächlich? Unser Versuch mit freundlicher Unterstützung durch den Fürther Großhändler und (auch) Flintenspezialisten Waimex sollte dafür praktische Anhaltspunkte liefern. Von dort halfen Hubert Bodächtel und Michael Spannuth, die umfangreichen Testserien zu absolvieren. Geschossen wurde aufgelegt auf 30 Meter. Anschließend zählten wir die Schrottreffer innerhalb eines Kreises mit 75 Zentimetern Durchmesser. Verglichen wurden Flinten mit 56, 66, 71 und 81 Zentimetern Lauflänge sowie Viertel-, Halb-, Dreiviertel- und Vollchoke.

Vorbereitung Schussabgabe
Vorbereitung zur Schussabgabe. Insgesamt wurden knapp 100 unterschiedliche Kombinationen in diesem Versuch getestet. Kaum überraschend war der Fakt, dass die Lauflänge keinen Einfluss auf die Streuung hatte. 

Lauflänge: Kein automatischer Vorteil bei Schrotschüssen für den längsten Flintenlauf

Die durchschnittlichen Ergebnisse der untersuchten Kombinationen zeigen keinen durchgehenden Anstieg der Deckung mit zunehmender Lauflänge:

LauflängeDurchschnittlicher Anteil der Schrote im 75-cm-Kreis
56 cmrund 58 %
66 cmknapp 59 %
71 cmrund 62 %
81 cmrund 60 %
Die Auswahl der richtigen Choke-Größe ist für Sportschützen und Jäger gleichermaßen wichtig. Für den Sportschützen zählt der Treffer, für den Jäger der waidgerechte Schuss. 

Der längste Lauf brachte damit im Mittel weniger Schrote in den ausgewerteten Kreis als der 71 Zentimeter lange Lauf. Auch zwischen den beiden kürzeren Lauflängen fiel der Unterschied gering aus. Das widerlegt für die getesteten Kombinationen die einfache Vorstellung, dass ein längerer Lauf zwangsläufig eine dichtere Schrotdeckung liefert. Allerdings wurden unterschiedliche Flinten verwendet. Die Ergebnisse erlauben deshalb keine vollständig isolierte Bewertung der Lauflänge: Auch die jeweiligen Läufe, Chokes und die verwendete Munition beeinflussen das Trefferbild. Für die Auswahl einer Flinte bleibt die Lauflänge dennoch relevant. Balance, Schwungverhalten und Visierlinie können sich unterscheiden. Entscheidend ist daher, wie gut die Waffe zum Schützen, seinem Anschlag und dem vorgesehenen Einsatz passt. Aus der Lauflänge allein lässt sich keine größere wirksame Schussentfernung ableiten.

Chokes im Vergleich: Deutliche Unterschiede bei der Deckung

Wesentlich klarer zeigte sich im Versuch der Einfluss der Chokestufe. Über die gesamte Versuchsreihe lagen mit Vollchoke durchschnittlich rund 65 Prozent der Schrote im ausgewerteten 75-cm-Kreis. Mit Viertelchoke waren es rund 53 Prozent. In 22 von 23 direkt vergleichbaren Kombinationen brachte der Vollchoke mehr Treffer in den Kreis als der Viertelchoke.

Ein Beispiel liefert die Doppelflinte Fabarm Infinity RS mit 81 Zentimetern Lauflänge in Kombination mit der Schrotpatrone Rottweil Competition Spezial Steel Trap mit 2,5 Millimeter Schrotgröße:

ChokestufeSchrot-Treffer im 75-cm-Kreis auf 30 m
Vollchoke261
Dreiviertelchoke260
Halbchoke240
Viertelchoke217

In dieser Kombination hielt der Vollchoke die Schrotgarbe stärker zusammen. Mit dem offeneren Viertelchoke lagen mehr Schrote außerhalb des ausgewerteten Bereichs. Die Abstufung verlief jedoch nicht mit jeder Laborierung vollkommen gleichmäßig. Besonders zwischen Halb- und Dreiviertelchoke gab es Abweichungen. Das unterstreicht, weshalb die Bezeichnung eines Chokes allein noch kein konkretes Trefferbild garantiert.

Kurzer Lauf, hohe Deckung: Ein auffälliges Einzelergebnis

Wie Sie sehen, sehen Sie hier (noch) nichts: Im Unterschied zur im Wortsinn flüchtigen Wurfscheibe, die mehr oder weniger beim Treffer zerplatzt, liefern fixierte Papierscheiben die Grundlage für eine schrotkorngenaue Auswertung der Trefferbilder. Man muss allerdings für einen so groß angelegten Test schon einige Meter zum Scheibenwechseln hin- und herlaufen.

Ein besonders dichtes Trefferbild lieferte die Rottweil Waidmannsheil HV mit 36 Gramm Bleischrot aus dem kürzesten getesteten Lauf. Mit 56 Zentimetern Lauflänge und Vollchoke lagen 168 von insgesamt 180 Schroten innerhalb des Kreises. Das entspricht einer Deckung von mehr als 93 Prozent. Dieses Einzelergebnis zeigt, dass auch ein kurzer Lauf eine sehr hohe Deckung erreichen kann. Es bedeutet allerdings nicht, dass kurze Läufe grundsätzlich überlegen sind. Ebenso sagt die Trefferzahl allein noch nicht aus, wie gleichmäßig die Schrote innerhalb des Kreises verteilt waren. Eine hohe Gesamtzahl und ein lückenarmes Trefferbild sind zwei unterschiedliche Aspekte der Auswertung.

Blei gegen Stahl: Zusätzlicher Vergleich auf kurze Entfernung

Im ergänzenden Gespräch erläuterte Michael Spannuth einen weiteren Versuch zum Skeetschießen. Dabei ging es um den Wechsel von Bleistreupatronen mit Streukreuz zu den untersuchten Stahlschrotpatronen ohne Streukreuz. Auf zehn und 15 Meter wurde verglichen, wie sich eine ähnlich offene Schrotgarbe erreichen lässt. Nach Spannuths Auswertung lieferte die getestete Stahlschrotmunition mit Zylinderchoke eine vergleichbar offene Verteilung wie die Bleistreupatrone mit Vollchoke. Damit wird deutlich: Wer die Munition wechselt, sollte auch seine bisherige Chokewahl überprüfen. Eine vertraute Kombination lässt sich nicht ohne Weiteres auf eine andere Laborierung übertragen. Das Ergebnis liefert einen Anhaltspunkt für die getesteten Patronen und Flinten; die eigene Kombination kann davon abweichen (daher haben wir hier auf die sonst übliche Tabelle mit Waffendaten verzichtet und nur Lauflängen und Chokes angegeben). Bei älteren Flinten mit festen Chokes ist die Anpassung über einen Chokewechsel nicht möglich. Vor der Verwendung von Stahlschrot muss zudem geklärt sein, ob Waffe, Choke und die konkrete Patrone in der Kombination mit diesen beiden dafür geeignet sind. Aus einer kleinen Schrotgröße allein lässt sich diese Eignung nicht ableiten.

Auswertung Choke Streuung

Was dieser ausgiebige Schrotschuss-Versuch für die Jagd- und Schießpraxis bedeutet

Ausgewertet wurden insgesamt 94 Anschussscheiben. 

Die Ergebnisse sprechen dafür, die Flinte als Gesamtsystem zu betrachten. Die Lauflänge prägt das Handling, der Choke beeinflusst die Bündelung der Schrotgarbe und die Munition bestimmt mit, welches Trefferbild tatsächlich entsteht. Für Jäger und Sportschützen lohnt sich deshalb die Prüfung der eigenen Flinte mit der tatsächlich verwendeten Munition auf einer Anschussscheibe. Dabei zählt neben der Zahl der Treffer auch deren Verteilung. Mehrere Schussbilder helfen, natürliche Schwankungen zu erkennen. Unser Versuch liefert dafür eine Orientierung: Der längste Lauf hatte in unserem Test keinen durchgehenden Deckungsvorteil, während sich zwischen Viertel- und Vollchoke deutliche Unterschiede zeigten. Eine bestimmte jagdliche Reichweite oder Wirkung lässt sich aus den Trefferzahlen allein jedoch nicht bestimmen. Entscheidend bleibt, die eigene Kombination zu kennen. Denn was auf der Scheibe tatsächlich ankommt, ist aussagekräftiger als jede pauschale Annahme über Lauflänge, Choke oder Munition.


Hier finden Sie weitere Informationen zu Großhändler Waimex und insbesondere auch zu seinem Flinten-Sortiment.