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Test: SIG Sauer P210 Supertarget und P210 Legend in 9mm Luger

Die SIG Sauer Supertarget geht auf die Schweizer Sportpistole SIG P210-5 zurück. Seit 2010 lässt SIG Sauer, den bewährten Klassiker wieder auferstehen. Auch die kleinere SIG Sauer P210 Legend, sozusagen die Wiedergeburt der berühmten und als "präziseste Militärpistole der Welt" bezeichneten Ordonanzwaffe der Schweizer Armee, wird bei SIG Sauer in Deutschland produziert. Neben der sportlichen und militärischen Karriere der beiden Pistolen sollen nun ihr aktuelles Können und die Unterschiede untereinander beleuchtet werden.

SIG Sauer P210: die Technik

Das Teile-Puzzle der SIG Sauer P210 Supertarget offenbart auch das modifzierte Browning-System, mit zwei geschlossenen Steuerkurven am Laufblock.

Die beiden SIG Sauer P210er sind technisch nahezu identisch konstruiert: Ganzstahl-Pistolen mit einreihigen Magazinen und Holzgriffstücken – Plastikelemente kann man lange suchen. Ein Single-Action-Abzugssystem, ein Rampenlauf und die Laufsteuerung mittels geschlossener Doppelkurve haben beide gemeinsam. Ebenfalls besitzen sie ein einfach zu demontierendes Hahn-Schloss-Modul, das mittels einer einfachen Torx-Schraube montiert ist und noch durch den Sicherungsflügel gehalten wird. Weitere Neuerungen der SIG Sauer-Neuauflagen sind die Tenifer-QPQ-Beschichtung anstelle einer Brünierung und die Torx-Schrauben statt der damals üblichen Schlitzschrauben. Die neuen Modelle unterscheiden sich in erster Linie in ihrer Ausstattung.

Die SIG Sauer P210 Legend und Supertarget in der Hand

SIG Sauer P210: Die Bedienelemente der Supertarget sind modern und formschön, viel besser bedienen lassen sie sich aber nicht.

Die SIG Sauer P210 Supertarget ist eine elegante Erscheinung. Innerhalb der Schienen des "Heavy-Frame"-Rahmens repetiert der schlanke Verschluss. Sie besitzt einen kalt gehämmerten 6-Zoll-Lauf (150 mm) mit zwei Verriegelungskämmen. Die Mikrometerkimme mit reflexminderndem, geriffeltem Blatt sitzt solide eingelassen in der Erhebung am rückwärtigen Schlittenende. Die voluminösen Griffschalen der Supertarget wirken im Vergleich zum filigranen Verschluss recht wuchtig, doch die Ergonomie ist auch für große Hände noch gut. Die Nill-Griffschalen verfügen über eine Laser-Fischhaut mit Rautenstruktur und überragen den Magazinschacht um über einen Zentimeter. Durch ihre trichterartige Öffnung bilden sie einen brauchbaren Magazintrichter.

Checkerings finden sich zum einen an der Vorderseite des Griffstücks und am vorderen Abzugsbügel. Diese Riffelungen sind nicht allzu aggressiv ausgebildet und fühlen sich angenehm an. Bei der SIG Sauer P210 Supertarget verbreiterten die Konstrukteure den Schlittenfanghebel ergonomisch günstiger und passten auch den langen Sicherungshebel entsprechend an. Der geschwungene Sicherungsflügel hat eine Auflagefläche von gut 2,5 cm Länge und kann gut vom Daumen bedient werden. Die SIG Sauer P210 Supertarget repetiert man klassisch an der hinteren Erhebung des Schlittens. Dieser trägt beidseitig Durchladerillen.

Die Griffstücke von P 210 Legend (l.) und der Supertarget: Beide liegen gut in der Hand. Die Nill-Griffschalen der Supertarget eignen sich auch für große Hände.
Die verlängerten Nill-Holzgriffschalen der Supertarget bilden eine Art "Jet Funnel". Das erleichtert und beschleunigt den Magazinwechsel.

Die SIG Sauer P210 Legend ist insgesamt kompakter konstruiert. Im Vergleich zu modernen Polymerpistolen wirkt die Legend recht schmal. Obwohl ihre Lauflänge nur von größeren Polymerpistolen erreicht wird. Auch sie bietet ein zweiteiliges Holzgriffstück, jedoch fällt dieses weniger ergonomisch aus als das der Supertarget. Es ist ebenfalls per Torx-Schraube befestigt und reicht bis zum Ende des Magazinschachtes. Schlittenfang- und Sicherungshebel liegen ähnlich platziert wie bei der Supertarget, halten sich vom Design her aber straff an die alten Vorbilder. Der Sicherungshebel der SIG Sauer P210 Legend ragt oberhalb der Magazintaste nach vorn und sitzt nicht wie bei der SIG Sauer P210 Supertarget oberhalb der linken Griffschale. Auch der Sicherungshebel der Legend ist mit einem Daumen zu bedienen, gefühlt lässt er sich sogar etwas leichter handhaben. Der Verschlusshöcker der Legend trägt gleichermaßen repetierfreundliche Mulden, ebenfalls angelehnt an das Design der alten Schweizer Pistolen. Auf dem Höcker thront eine seitlich driftbare Standkimme fürs Zusammenspiel mit einem im Schwalbenschanz sitzenden Korn.

Griffhorn und außenliegender Hammer sind bei beiden Waffen optisch identisch. Neben dem Checkering der Holzgriffe weist die Legend nur im vorderen Bereich des Magazinschachtes ein Längsrillen-Checkering auf. Das Zerlegen beider Waffen gelingt exorbitant einfach. Feldmäßig geht dies ohne Werkzeug von statten. Lediglich für den Ausbau der Abzugsgruppe werden Torx-Schraubendreher benötigt. Sieben Bohrungen im Magazin geben Auskunft über seinen Füllstand. Das Magazin der SIG Sauer P210 Supertarget weist im Gegensatz zum Magazin der Legend einen verlängerten Magazinschuh aus. Beide Magazintypen lassen sich jedoch in beiden Pistolen nutzen.

SIG Sauer P210 Legend und P210 Supertarget auf dem Schießstand 

SIG Sauer P210 Legend und Supertarget schneiden beide im Schießtest gut ab.

Das Wichtigste vorweg: Beide Prüflinge legten eine hohe Präzision an den Tag und es gab keine Waffenstörungen. Getestet wurde auf 25 Meter, eingespannt in eine Ransom Rest-Schießmaschine und mit mehreren Serien stehend freihändig. Zur Streukreisermittlung schossen die Tester ausnahmslos aus der Maschine. Mit der leichten Competition Munition mit 95 grs Vollmantelgeschoss von TopShot brachte die SIG Sauer P210 Supertarget nur einen 90-mm-Streukreis zustande. Mit schwereren Sportlaborierungen bildeten jedoch Streukreise von um die 30 mm eher die Regel und nicht die Ausnahme. Das Topergebnis im Test lieferte die JHP-Patronen von PPU. Die 124 grs schweren Geschosse erzielten einen Streukreis von 31 mm. GECO liegt mit der Hexagon und der schweren 154 Grains Vollmantel-Munition auf Platz zwei. Beide Laborierungen lieferten mit 34 mm noch sehr gute Ergebnisse ab. Die Fiocchi mit mittelschwerem Vollmantel-Projektil lag mit 52 mm bereits im lediglich für 9-mm-Dienstpistolen noch guten Bereich und bereits rund zwei Zentimeter über den match-adäquaten Ergebnissen der GECO- und PPU-Patronen.

Die SIG Sauer P210 Legend zeigt eindrucksvoll, dass auch die Neuauflage einer ausgemusterten Armeepistole so manchen modernen Polymer-Konkurrenten weit hinter sich lassen kann. Die 115 Grains Mantel-Hohlspitz-Munition von Magtech kommt mit einem 22 mm Streukreis auf Platz eins. Die 147 Grains schwere Magtech FMJ liegt einen halben Zentimeter hinter der Erstplatzierten zurück. Mit 27 mm hätte sie jedoch auch noch die maximale Punktzahl nach VISIER-Bewertungsschema in einem Vergleichstest erreicht. Auf Platz drei liegt die GECO Hexagon mit 31 mm, knapp gefolgt von der GECO 124 Grains FMJ mit 32 mm Streukreis.

Beide Waffen sind leicht kopflastig ausbalanciert. In Sachen Schussverhalten wissen beide Pistolen zu überzeugen. Die Legend liegt bereits überdurchschnittlich ruhig im Schuss und hat einen geringen Hochschlag. Der Rückstoß überträgt sich relativ gradlinig vom Griffstück in die Schusshand. Die Waffe lässt sich somit sehr schnell wieder ins Ziel bringen. Die SIG Sauer P210 Supertarget bringt mit ihren 1.230 Gramm noch einmal etwa 170 Gramm mehr als die SIG Sauer P210 Legend auf die Waage. Das fördert natürlich nochmals die bereits bei der SIG Sauer P210 Legend erwähnte ruhige Handlage. Auch den Rückstoß der schwereren SIG Sauer P210 Supertarget empfanden die Tester nochmals geringfügig sanfter als den der SIG Sauer P210 Legend. Man sollte aber bedenken, dass die SIG Sauer P210 Supertarget mit vollem Magazin um die 1,5 Kilo wiegt. Sie über viele Präzisionsserien ruhig im Ziel zu halten, strengt an und erfordert demnach einiges an Training.

Die SIG P210 Legend (o.) kommt ab Werk mit driftbarer Kimme, die Supertarget mit voll einstellbarer Mikrometerkimme.

Die voll einstellbare Mikrometer-Kimme der SIG Sauer P210 Supertarget eignet sich gut fürs Präzisionsschießen. Das 3,6 mm breite Rampenkorn liefert in Verbindung mit dem 3,2 mm breiten, rechteckigen Kimmenausschnitt nur relativ schmale Lichthöfe. Das für die 25-Meter-DSB-Scheibe optimierte Korn dürfte jedoch für die Ziele anderer Verbände schon etwas zu breit sein. Die SIG Sauer P210 Legend weist eine identische Kornbreite auf, jedoch ohne die bei dieser vorhandenen, lichtreflexvermindernden Querrillen. Beide Waffen besitzen hervorragende Abzüge. Der Trigger der SIG Sauer P210 Supertarget bricht sportlich gewünscht bei einem Abzugsgewicht von 1.330 Gramm. Nach einem Weg von rund einem Millimeter ohne nennenswerten Kraftaufwand muss der Abzugsfinger dann noch etwa vier weitere Millimeter mit zunehmendem Druck auf das Züngel zurücklegen, bevor der Schuss bricht und das Züngel kaum merklich weiter durchfällt. Der Vorzug der Legend verläuft mit einem nur zart spürbaren Ruckeln, bis der Abzug trocken steht, bei rund 1.500 g auslöst und noch etwa einen guten Millimeter durchfällt. Obwohl man dieses Durchfallen mit dem Auge klar erkennen kann, nimmt der Abzugsfinger es eigentlich gar nicht wahr. Beide Abzugsgruppen sind absolut matchtauglich. Die beiden Pistolen von SIG Sauer aben auf dem Schießstand eindrucksvoll ihr Können demonstriert. Überraschenderweise präsentierte sich die Legend mit den hier getesteten Munitionssorten etwas präziser. Ausgezeichnete Schussbilder lieferten beide SIG Sauer-Pistolen. Die Legend unterschreitet den für die Höchstpunktzahl erforderlichen Wert von 27 mm (dreifacher Kaliberdurchmesser für volle Punktzahl) im 9-Millimeter-Kaliber sogar um einen halben Zentimeter – Respekt!

Fazit zu den SIG Sauer P210 Modellen

Sowohl SIG Sauer P210 Supertarget als auch die SIG Sauer P210 Legend zeigten sich im Test von ihrer besten Seite. Die Verarbeitung der beiden Edeleisen ist durchweg hochwertig. Oberflächen-Finish und Passungen waren exakt ausgeführt. Beide Waffen weisen geringste Fertigungstoleranzen auf: es wackelt und klappert nichts. In Sachen Präzision können beide Pistolen im vordersten Bereich mithalten. Besonders gut stach die Legend hervor, ihr Bestwert spricht für sich. Die Waffen haben während der Tests keine Funktionsstörungen oder sonstige Probleme bereitet. Wenn man aber dennoch etwas zu mäkeln sucht, wird man allenfalls bei den Bedienungsanleitungen der Pistolen fündig. Und hier nicht bei deren Inhalt, sondern in der Ausführung: SIG Sauer legt hier wohl aus Kostengründen den Waffen nur noch schlichte Heftchen aus dem Laserdrucker bei.

SIG Sauer Supertarget (vorn) und Legend im Größenvergleich: Nicht nur Verschluss und Lauf fallen bei der P 210 Supertarget länger aus. Sie ist auch 5 mm höher.

Hier geht es zur Bildergalerie der SIG Sauer P210 Supertarget und P210 Legend.


Hinweise:

Mehr Informationen zu SIG Sauer erhalten Sie auf der Website: www.sig-sauer.de

Auf all4shooters.com finden Sie einen weiteren Testbericht aus der VISIER Special 76 "Pistolen 9mm Luger" über die SIG Sauer P210 Legend. 

Dort finden Sie auch technischen Daten sowie Preise.

Die SIG Sauer P210 Supertarget ist übrigens seit 2017 auch in einer 5-Zoll-Variante erhältlich. Hier erfahren Sie mehr.

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3.9 (69 Bewertungen)
SIG Sauer P210 Supertarget
Technische Daten

Michael Schippers



HerstellerSIG Sauer
ModellP210 Supertarget
TypHalbautomatische Pistole
Kaliber9 x 19 mm
SystemModifiziertes Browning-System
AbzugSingle-Action
Abzugsgewicht1.330 g
Kapazität8 + 1 Patronen
Lauflänge150 mm
VisierungVisierlänge: 212 mm, Voll einstellbares Mikrometervisier, Kimme: 3,2 mm, Korn 3,6 mm
Gesamtlänge246 mm
Gewicht1.230 g
Preis2.999 € - P210 Supertarget (UVP des Herstellers inkl. MwSt.)
SIG Sauer P210 Legend
Technische Daten



HerstellerSIG Sauer
ModellP210 Legend
TypHalbautomatische Pistole
Kaliber9 x 19 mm
SystemModifiziertes Browning-System
AbzugSingle-Action
Abzugsgewicht1.500 g
Kapazität8 + 1 Patronen
Lauflänge120 mm
VisierungVisierlänge: 160 mm, driftbare Kimme, Kimme: 3,8 mm, Korn 3,6 mm
Gesamtlänge217 mm
Gewicht1.059 g
Preis2.099 € - P210 Legend (UVP des Herstellers inkl. MwSt.)
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