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Test: GSG MP 40 in 9 mm Luger

Heinrich Vollmers (1885-1961) MP 40 gehört zu den festen Bestandteilen der Waffengeschichte. Fast jeder kennt die nach Hugo Schmeisser benannte Maschinenpistole. Die Produktion war von vornherein auf Massenfertigung ausgelegt.

Die MP 40 diente als Grundlage für die Weiterentwicklung oder Neukonstruktion späterer Waffen, wie etwa der jugoslawischen Zastava M 56. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieb die deutsche MP 40 weiter im Dienst. Etwa bei den israelischen Fallschirmjägern.

Markierungen auf der rechten Seite der GSG MP 40
Auf der rechten Seite der GSG MP 40 unterhalb des Auswurffensters finden sich alle wichtigen Markierungen wie Beschusszeichen und Kaliberangabe.

Echte Stücke sind rar geworden. German Sport Guns (GSG) will da Abhilfe schaffen. Nachdem die MP 40 schon in 9 mm P.A.K. zu bekommen ist, bringt das Unternehmen nun auch noch eine "scharfe" Variante in den Handel. Wann es soweit sein soll, stand beim Besuch von GSG in der Redaktion noch nicht fest. Mit im Gepäck befanden sich zwei Vorserienmodelle zur Begutachtung und zum Testen.

Die Aufmachung der German Sport Guns MP 40 in 9 mm Luger

GSG MP 40 in 9 mm Luger in großer Einstellung
Die GSG MP 40 in 9 mm Luger mit Rückstoßlader und 25 Schuss
Sicherung der MP 40 hinter dem Magazinschacht
Die Sicherung der GSG MP 40 liegt hinter dem Magazinschacht.

Der erste Eindruck erwies sich als vielversprechend. Zwar fiel sofort auf, dass statt Bakelit Kunststoff zum Einsatz kam, aber ansonsten schien alles an seinem Platz zu sein. Laut Aussage von GSG versuchten die Konstrukteure sich soweit als möglich am Original zu orientieren.

Natürlich musste in konstruktiver Hinsicht einiges geändert werden. So entspricht der Sicherungsknopf nicht dem Original. Eine Abzugssicherung gehört heute zu den Pflichten einfach dazu. Griff, Gehäuse, Laufverkleidung und Kornschutz bestehen aus Zinkdruckguss. Der Lauf präsentiert sich als kalt geformter Speziallaufstahl, die Verkleidung und die Griffschalen aus Kunststoff. Das Magazin besteht aus Stahlblech.

Selbstverständlich nahmen die Konstrukteure bei GSG auch Veränderungen am Innenleben vor. Allein um schon eine Umrüstung auf Vollauto unmöglich zu machen. Der größte Unterschied besteht aber sicherlich darin, dass die GSG-Version "aufschießend" und nicht "zuschießend" wie das Original ist. Das heißt, dass sich der Verschluss erst nach der Schussauslösung bewegt, um die Hülse auszuziehen und eine neue Patrone nachzuführen.

Auf diese Weise soll eine höhere Präzision erreicht werden. Bei der ursprünglichen MP 40 befindet sich der Verschluss vor der Schussabgabe in der hinteren Stellung und schnellt nach Betätigen des Abzuges nach vorne, führt die Patrone zu und zündet sie.

Die GSG MP 40 in 9 mm Luger im Test auf dem VISIER-Schießstand

GSG MP 40 auf der Schulter
Die Schulterstütze der GSG MP 40 ließ sich leider nicht richtig in die Schulter ziehen, da sie zu wackelig war. Das soll aber noch behoben werden, wie GSG mitteilte.

Vor allem das "aufschießend" war ein Hauptargument für die Präzision und die war auf dem VISIER-Schießstand unter Beweis zu stellen. Dabei verursachte das Stangenmagazin ein Problem beim Versuchsaufbau – es war einfach ständig im Weg.

Aus diesem Grund galt es nun zu improvisieren und auszuprobieren. Am Ende schossen die Tester sitzend aufgelegt vom Sandsack des Typs Bulls Bag. Fünf Lose an 9-mm-Patronen standen zur Auswahl: Barnaul, PPU, Fiocchi, GECO SX und GECO Hexagon, jeweils im Gewichtsspektrum von 115 bis 124 Grains. Fünf Schuss gaben die Tester pro Sorte auf die VISIER-Scheiben ab.

Das Ergebnis war für eine Vorserien-Version, an der noch ein paar Kleinigkeiten geändert werden müssen, beachtlich. Zwar lagen Fiocchi und GECO SX mit über 60 Millimetern weit ab, doch die anderen drei Sorten kamen unter die Marke von 40 Millimetern. Den Sieg trug die GECO Hexagon davon mit einem Streukreis von 27 Millimetern. Insgesamt zeigte die Waffe kaum eine Störung. Mit der PPU-Patrone mit 115-Grains-JHP Geschoss kam es zu einer Zuführstörung in Folge eines Stovepipe. Ansonsten arbeitete die MPi einwandfrei.

Die GSG MP 40 in 9 mm Luger bei schneller Schussfolge

Die korrekte Haltung der GSG MP 40
Korrekte Handhaltung: Die unterstützende Hand sollte das Magazin der GSG MP 40 umfassen

"Wie fühlt sich die Waffe an?" und "Wie verhält sie sich im Schuss bei schnellerem Feuer?" waren nur zwei Fragen, denen im nächsten Schritt auf den Grund gegangen wurde. Zuerst fiel auf, dass sich die Schulterstütze arretieren ließ, aber zu viel Spiel aufwies. Ein Makel, der laut Martin Limper von GSG noch dem Stadium der Produktion geschuldet ist, aber bei der Serie behoben sein soll.

Das Visierbild zeigte sich klar. Balkenkorn und verstellbare Kimme, natürlich in unterster Position, waren so justiert, dass die MP 40 fast Fleck schoss. Bei der Schussabgabe spürt der Schütze kaum etwas von einem Rückschlag. Da kommt definitiv das Gewicht von rund vier Kilogramm zum Tragen.

Stehend offenbarte sich, dass der Schütze die Waffe mit der unterstützenden Hand am Magazin halten muss. Um zu sehen, wie sich die Semi-Maschinenpistole in schneller Schussfolge schlägt, sollte ein volles Magazin im höchsten Tempo geleert werden. Ohne eine einzige Waffen- oder Zuführstörung verschoss die GSG MP 40 die Patronen. Dabei wanderte die Waffe kerzengerade nach oben, Einschussloch saß bei Einschussloch. Danach ging es noch an ein paar andere Anschlagsvarianten, so etwa mit eingeklappter Schulterstütze.

Das Fazit der GSG MP 40 in 9 mm Luger

GSG MP 40 zerlegt in ihre Einzelteile
Ein Blick auf die GSG MP 40 und ihre Einzelteile.

German Sport Guns legt mit der MP 40 eine durchdachte Wiedergeburt des Klassikers vor. Die Griffschalen könnten etwas mehr auf alt getrimmt werden, da sie nicht die Haptik von Bakelit aufweisen. 

Beim Schießen erwies sich die Waffe als eine Bank in Sachen Zuverlässigkeit – die eine Zuführstörung kreideten die Tester nach dem fehlerlosen Schnell-Schießen der Munition an. Insgesamt dürfte der Käufer an der GSG MP 40 seine helle Freude haben.

"Viele Sammler auf der Welt suchen Repliken von historischen Waffen im Originalkaliber und diese Nachfrage versuchen wir mit der MP 40 zu befriedigen", beschreibt Martin Limper von GSG die anvisierte Zielgruppe. Das dürfte mit der MP 40 gelingen.


Finden Sie heraus, welche weiteren Themen Sie in der VISIER 11/2016 erwarten.

Weitere Informationen zur GSG MP 40 erhalten Sie direkt auf dem Online-Shop der German Sport Guns.

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