Springfield Armory 1911 DS Prodigy 3.5 AOS  − die neue  extrem kompakte Double-Stack-1911er des US-Herstellers

Der scheinbar unersättliche US-Markt für Kurzwaffen zur persönlichen Selbstverteidigung ist seit Jahren ein wichtiger Innovationstreiber im Pistolensegment. Im Wesentlichen nahm die Entwicklung dabei zwei parallele Wege. Der erste umfasst eigens entwickelte Modelle, die von vornherein auf geringes Gewicht, kompakte Abmessungen und hohe Zuverlässigkeit ausgelegt sind – ideal für das verdeckte Führen (concealed carry). Pistolen wie die SIG Sauer P365, die Ruger LCP und die ebenfalls aus dem Programm von Springfield Armory stammende Helcat gehören zu dieser Kategorie. Sie verfügen häufig über ein Schlagbolzenschloss und über automatische Sicherungen und verzichten meist auf eine manuelle Sicherung. Die zweite Gruppe besteht aus kompakten Ausführungen von Full-Size-Pistolen, und genau in diese Kategorie fällt die 1911 DS Prodigy 3.5 AOS. Sie ist eine verkürzte Version von Springfields doppelreihiger 9-mm-Pistole im 1911er-Stil und richtet sich damit an diejenigen, die auf einen Single-Action-Abzug mit außenliegendem Hahn und klassische 1911er-Sicherungen nicht verzichten können oder es schlicht nicht verzichten wollen. Doch zunächst ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Prodigy.

Springfield Armory 1911 DS Prodigy 3.5 AOS in 9 mm Luger: Ultrakompakte Double-Stack-1911
Die AOS-Optikschnittstelle der Springfield Armory 1911 DS Prodigy 3.5 AOS gehört zu den vielseitigsten derzeit verfügbaren Optikmontage-Systemen, die dem  Schützen mittels Adapterplatten ein breite Auswahl an Red Dot Sights eröffnen.

Die Springfield Armory 1911 DS Prodigy wurde 2022 mit dem Ziel vorgestellt, die 1911er-Plattform in moderner Form neu zu interpretieren. Dabei sollten ihr mechanischer Grundaufbau und der Single-Action-Abzug erhalten bleiben, zugleich aber Merkmale Einzug halten, die sich bei Großkaliber-Sportpistolen im 2011er-Stil bereits etabliert hatten. Die Konstruktion kombiniert ein einen Rahmen aus geschmiedetem Stahl mit einem Polymer-Griffmodul für doppelreihige Magazine – daher die Bezeichnung DS (Double Stack). Zum Marktstart standen Magazine in den USA mit Kapazitäten von 17 und 20 Patronen sowie optional (wo erlaubt) ein 26-Schuss-Magazin zur Verfügung, jeweils ausgelegt für Patronen im Kaliber 9 mm Luger.

Ursprünglich wurde die Prodigy mit 4,25" und und 5" langen Bull Barrels angeboten und war von Anfang an für die Montage von Rotpunktvisieren ausgelegt. Das in Zusammenarbeit mit Agency Arms entwickelte AOS (Agency Optic System) verwendet austauschbare Adapterplatten, über die sich eine Vielzahl von Optiken montieren lässt, während die offene Visierung erhalten bleibt. Zu den weiteren Ausstattungsmerkmalen gehören eine beidseitig bedienbare Sicherung, eine Picatinny-Schiene und ein Cerakote-Finish.

Im Laufe der Jahre hat Springfield Armory die Prodigy-Familie kontinuierlich um weitere Ausführungen ergänzt, darunter kompakte und kompensierte Varianten. So entwickelte sich das, was 2022 als einzelnes Projekt für eine zweireihige 1911er mit hoher Kapazität begann, inzwischen zu einer vollständigen Produktlinie.

Die neue Springfield 1911 DS Prodigy 3.5 in 9 mm Luger

Springfield Armory 1911 DS Prodigy 3.5 AOS in 9 mm Luger: Ultrakompakte Double-Stack-1911
Trotz des Kontrasts zwischen dem breiten Griffstück und dem kurzen Schlitten, wirkt die Springfield Armory 1911 DS Prodigy 3.5 AOS vom Erscheinungsbild her ansprechend und liegt ausgewogen in der Hand.

Das neueste Modell der Serie wurde erst vor kurzem auf der offiziellen Website des Unternehmens vorgestellt; seine vollständige Bezeichnung lautet 1911 DS Prodigy 3.5 AOS. Ihr kennzeichnendes Merkmal ist der 3,5 Zoll (89 mm) lange Bull Barrel, wodurch diese Pistole im Kaliber 9 mm Luger speziell für das verdeckte Führen zu Verteidigungszwecken durch zivile wie auch professionelle Anwender konzipiert ist. In Deutschland kommt in dem Kontext vor allem der Einsatz als Fangschusspistole für den Jäger in Betracht − das Hauptaugenmerk des Herstellers liegt auf den Nutzern auf dem US-Markt.

Diese kompakte Version wurde daher in mehreren Details überarbeitet, um das verdeckte Führen zu erleichtern und die Handhabung in Stresssituationen zu verbessern. Der Hahn wurde modifiziert, um die Gefahr des Verhakens an der Kleidung beim Ziehen weiter zu verringern, während der Beavertail gekürzt wurde, um seine Gesamtabmessungen deutlich zu reduzieren. Die wichtigste Neuerung ist jedoch der 3,5 Zoll lange, schwere Matchlauf aus Edelstahl mit schwarzer DLC-Beschichtung.

Ein 3½-Zoll-Lauf mit einer Dralllänge von 16 Zoll mag auf dem Papier etwas kurz erscheinen, doch diese Lauflänge ist bei modernen Kompakt- und Subkompaktpistolen für das verdeckte Führen mittlerweile weit verbreitet. Daher sind viele auf dem US-Markt erhältliche Verteidigungslaborierungen für eine zuverlässige Wirkung aus Läufen mit einer Länge zwischen 3 und 4 Zoll optimiert.

Im Vergleich zu einer Full-Size-Pistole mit einem 4,5 bis 5 Zoll langen Lauf führt die geringere Lauflänge zu einem relativ moderaten Geschwindigkeitsverlust, der in der Regel in einer Größenordnung von 66 bis 164 fps (ca. 20 bis 50 m/s) liegt. Der tatsächliche Wert variiert jedoch je nach Geschossgewicht, Pulversorte und jeweiliger Laborierung. Als grober Richtwert kann ein 3,5-Zoll-Lauf mit 115-Grain-Geschossen Geschwindigkeiten von etwa 1.050 bis 1.148 fps (ca. 320 bis 350 m/s) erreichen, mit 124-Grain-Geschossen etwa 984 bis 1.066 fps (ca. 300 bis 325 m/s) und mit 147-Grain-Laborierungen rund 902 bis 984 fps (ca. 275 bis 300 m/s).

Bei Verwendung speziell entwickelter Verteidigungsmunition mit Expansivgeschossen sollte die durch den kürzeren Lauf der Prodigy 3.5 bedingte Verringerung der Mündungsgeschwindigkeit daher keinen nennenswerten Nachteil darstellen.

Die Prodigy 3.5 verfügt über eine mechanische Visierung mit einer in einer Schwalbenschwanznut eingesetzten Kimme. Deren Kanten sind abgeflacht und ihr Profil ist so gestaltet, dass sie bei Bedarf auch zum Zurückziehen des Schlittens genutzt werden kann. Das ebenfalls in einer Schwalbenschwanznut eingesetzte Korn verfügt über einen Tritium-Einsatz.

Das AOS-System ermöglicht die Montage einer außergewöhnlich großen Auswahl an Rotpunktvisieren. Mit der jeweils passenden Adapterplatte lassen sich Optiken mit unterschiedlichen Montagestandards verwenden – von der Shield/RMSc-Familie über das Trijicon RMR und das Leupold DeltaPoint Pro bis hin zu vollgekapselten Rotpunktvisieren wie etwa dem Aimpoint ACRO und dem Holosun 509T. Die Montageplatten integrieren zugleich die Kimme, sodass die mechanische Visierung weiterhin uneingeschränkt genutzt werden kann.

Der vom Hersteller angegebene US-Listenpreis für die Springfield Armory Prodigy 3.5 beträgt 1.582,- US-Dollar. In Deutschland ist die Pistole auch schon zu haben und kommt über Importeur Ferkinghoff International mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2.299,- Euro mit zwei 15-Schuss-Magazinen in den Handel.

Springfield Armory 1911 DS Prodigy 3.5 AOS in 9 mm Luger: Ultrakompakte Double-Stack-1911
Ansicht von rechts: Die Springfield Armory 1911 DS Prodigy 3.5 AOS verfügt über eine beidseitig bedienbare Hebelsicherung und einen umsetzbaren Magazinauslöser.

Technische Daten und Preis der extrem kompakten zweireihigen  Springfield Armory DS Prodigy AOS 3.5 

Modell:

Springfield Armory DS Prodigy AOS 3.5

Kaliber:

9 mm Luger

Magazinkapazität:

15 Patronen

Griffstück:Polymer und Stahl

Lauflänge:

89 mm (3½")

Drall:1:16"

Visierung:

Verstellbare Kimme und Korn; vorbereitet für Optiken durch AOS-Schnittstelle

Manuelle Sicherungen:

beidseitige Daumenhebelsicherung am Griffstück und Handballensicherung

Gesamtlänge:

178 mm (7")

Gewicht:

723 g 

Preis (UVP):

2.299,- Euro

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