T73 Tactical Prometheus in 9 mm Luger: PCC mit direktem Gasdruckladesystem und Drehkopfverschluss im Test

Die namensgebende Modellbezeichnung "Prometheus" stammt bekanntermaßen aus der griechischen Mythologie, benennt eine Figur der Göttergeschlechter der Titanen und lässt sich mit "der Vorausdenkende" übersetzen. Eine gute Namenswahl, denn hinsichtlich der Technik unterscheidet sich das Fabrikat von der dominierenden Masse der PCC mit einfachen oder übersetzten Masseverschlüssen. Neben dem italienischen T73 Tactical TAC 9 Prometheus existiert nur noch der SIG Sauer MPX PCC-Karabiner auf dem Weltmarkt, der ebenfalls ein Gasdrucklader mit Multiwarzen-Drehkopfverschluss ist, aber in Deutschland nicht offeriert wird.

Der italienische Hersteller T73 Tactical

"Bella Italia!" kann man angesichts des ansehnlichen Portfolios der Manufaktur T73 Tactical S.R.L. wertschätzend ausrufen. Denn das von Giancarlo Giacomini im Jahr 2014 gegründete, kleine Unternehmen aus der Region Val della Torre, rund 25 Kilometer nordwestlich von Turin im Val Casternone gelegen, kann mit modernen Waffen, Waffenteilen und Ausrüstungskomponenten aufwarten. Nach Herstellerangaben ist man auch lizenziert, um für die italienischen Streitkräfte Automatenwaffen herzustellen. T73 Tactical fertigt "100% Made in Italy" hochwertige Selbstladegewehre auf Basis der AR-10/AR-15-Plattform sowie Custom-Pistolen auf dem Fundament von GLOCK oder der 2011er-High Capacity.

Der Pistolenkarabiner TAC 9 Prometheus im Detail

T73 Tactical Prometheus in 9 mm Luger: PCC mit direktem Gasdruckladesystem und Drehkopfverschluss im Test
Der T73 Tactical Prometheus mit minimalistischer Schulterstütze ohne Justiermechaniken und rundem Handschutz mit Karbonbauteilen bringt keine 3 kg auf die Waage.
T73 Tactical Prometheus in 9 mm Luger: PCC mit direktem Gasdruckladesystem und Drehkopfverschluss im Test
Lower und Upper des T73 Tactical Prometheus mit vielen interessanten Features, wie auf beidseitige Bedienung ausgelegte Elemente.

Bei unserer Testwaffe handelt es sich um das Modell T73 TAC 9 Ultralight Skeleton Prometheus GLOCK Lower, also um einen hochgezüchteten Wettkampf-Karabiner mit einem Griffstück (Lower Receiver) für die Aufnahme von GLOCK-Magazinen. Unsere Testwaffe wurde mit GLOCK-Magazinen in Stahlblechbauweise des italienischen Herstellers Mec-Gar ausgeliefert, die natürlich eine Kapazität von nur zehn Patronen aufweisen. Das Griffstück und das skelettierte, gewichtsreduzierte Systemgehäuse werden aus dem vollen Leichtmetallblock herausgefräst und offenbaren eine hohe Verarbeitungsqualität. Ein runder, sehr handhabungsfreundlicher Karbon-Handschutz umkleidet den 12,5"/317,5 mm langen Lauf nahezu auf seiner ganzen Länge, vorne lugt nur der auf dem ½"x28 UNEF-Mündungsgewinde sitzende Edelstahl-Kompensator mit zwei Expansionskammern hervor. Auch die minimalistisch gestaltete Schulterstütze besteht zum Großteil aus Kohlenstofffasern, was zum leichten Waffengesamtgewicht von gerade einmal 2.800 Gramm beiträgt. Abgerundet wird die Schaftgarnitur durch einen freistehenden AR-Kunststoff-Pistolengriff Modell Gradus mit 15°-Winkel von FAB Defense.

T73 Tactical Prometheus in 9 mm Luger: PCC mit direktem Gasdruckladesystem und Drehkopfverschluss im Test
Bei dem supersoften Schussverhalten des T73 Prometheus ist ein Kompensator eigentlich fast überflüssig, schaden kann er aber auch nicht.
T73 Tactical Prometheus in 9 mm Luger: PCC mit direktem Gasdruckladesystem und Drehkopfverschluss im Test
Der Prometheus von T73 Tactical besitzt ein "Dual Charger"-System. Man kann wahlweise den sehr praktischen, seitlichen Ladehebel oder den klassischen T-förmigen AR-Ladehebel am Heck des Systemgehäuses nutzen.

In der Praxis trägt das "Dual Charger"-System mit hinten liegendem T-Ladehebel und seitlichem Ladehebel zu deutlich verbesserten Handhabungseigenschaften bei. Dazu passt der beidseitige 90°-Sicherungshebel, der rechtsseitig überdimensionierte Magazinauslösehebel sowie der linksseitige Verschlussfanghebel am Griffstück. Allererste Sahne ist auch der Matchabzug mit gerader, runder sowie abgestufter Abzugszunge, der ein Abzugsgewicht von rund 1.000 Gramm bei glasklarer Charakteristik aufwies. Der große Magazintrichter aus 6065er-Leichtmetall unterstützt schnelle, flüssige Magazinwechsel, auch bei gekoppelten Magazinen.

Das System des TAC 9 Prometheus: Direkt vs. Indirekt

T73 Tactical Prometheus in 9 mm Luger: PCC mit direktem Gasdruckladesystem und Drehkopfverschluss im Test
Der Drehkopfverschluss des T73 Prometheus Tactical mit seinen drei Verriegelungswarzen.

Der T73 Prometheus-Karabiner arbeitet mit einem klassischen "Direct Impingement" (DI)-System, bei dem, wie bei Eugene Stoners Originalentwurf, das aus der Laufbohrung abgezapfte Gas über ein Gasrohr umgeleitet wird und direkt auf den Verschlussträger wirkt. Der SIG Sauer MPX hingegen funktioniert mit einem indirekten Gasdruckladesystem mit Gaspiston und Kurzhubimpulsgestänge. So schießt sich der italienische Karabiner aufgrund der geringeren bewegten Masse im Schuss nochmals weicher als der US-Karabiner, der dafür aber im Innenleben sauberer bleibt und somit länger störungsfrei arbeiten kann. Zudem gilt zu beachten, dass die Originalpatrone für die AR-15-Waffenplattform in Gestalt der .223 Remington deutlich mehr Gasvolumen produziert als die 9 mm Luger der boomenden AR-9-Karabiner, was schon alleine die höchstzulässigen Arbeitsgasdrücke nach CIP von 4.300 bar der .223 Rem. und 2.350 bar der 9x19 verdeutlichen. Mit der Geometrie und Aufteilung der sieben Verriegelungswarzen des klassischen AR-15-Drehkopfverschlusses lassen sich 9-mm-Patronen aus GLOCK-Magazinen nicht ins Patronenlager befördern. Also setzt der Hersteller hier auf drei Verriegelungswarzen, die deutlich breiter sind als die des AR-15-Systems für die .223 Rem. Hieraus resultiert zwangsläufig, dass auch die Steuerkurve im Verschlussträger modifiziert werden musste. Die Auszieherkralle besitzt eine tiefere Ausfräsung als das Original. Das ist wiederum der naheliegenden Riegelwarze geschuldet, der man mehr Material zur Verfügung stellen musste, um die Gasdruckkräfte besser auffangen zu können.

T73 Tactical Prometheus in 9 mm Luger: PCC mit direktem Gasdruckladesystem und Drehkopfverschluss im Test
Ein Blick ins Innere des Uppers zeigt den fertigungstechnischen Aufwand und die vielen notwendigen Modifikationen des T73 Tactical Prometheus gegenüber dem originalen AR-System in .223 Rem.

Auf den ersten Blick sogar von außen zu erkennen ist der im Auswurffenster sichtbare Verschlusskopf, den man beim .223er Original nicht sehen kann. Für einen funktionssicheren Hülsenauswurf wurde das Auswurffenster nach vorne verschoben, um die Hülse sofort nach Verlassen des Patronenlagers auswerfen zu können, weil sich der Ausstoßer beim Stoner-System im Verschlusskopf befindet. Mit einem klassischen Lauffortsatz (Barrel Extension) hätte man hier nicht arbeiten können, denn die kurzen 9x19-Hülsen wären dann im Lauffortsatz liegengeblieben, weil hier das Auswurffenster erst bei der Barrel Extension anfängt und nicht direkt beim Patronenlager. Bei der .223-Hülse ist das unproblematisch, denn die ist doppelt so lang wie eine 9x19-Hülse. Hinzu kommt noch, dass im schnellen Gewehrkaliber mehr Gas für die Systemfunktion als im moderateren Pistolenkaliber zur Verfügung steht, sodass die 9er-PCC beispielsweise mit weicheren Schließfedern für eine hohe Funktionszuverlässigkeit ausgestattet sein müssen. Beim Prometheus-Karabiner ist ein hoher Pflegeaufwand erforderlich, weil sich durch das direkte Gassystem viele Schmutzrückstände der abgefeuerten Patronen im Innenleben ansammeln, die bei steigender Schusszahl die Funktionssicherheit gefährden können. So empfehlen die Spezialisten des jungen Großhandelsunternehmens MGH GmbH aus dem schwäbischen Backnang, die das T73 Tactical Prometheus-PCC importieren und über den Fachhandel vertreiben, eine grobe Reinigung nach rund 300 Schuss. Der Reinigungsaufwand hängt aber auch deutlich von der Qualität der Munition ab, sodass bei Nutzung von Patronen mit Geschossen mit geschlossenen Geschossböden oder rundum kupferplattierten Projektilen die Putzerei schon geringer ausfallen kann. Die Reinigung erfolgt am besten mit einer Dose Bremsenreiniger, der mit Druck den Dreck im System ausspült und innerhalb von Sekunden trocknet. Öl und Fett können die Verschmutzung und somit die Störanfälligkeit des PCC fördern. Zudem rät MGH dazu, bei großen Reinigungen auch den festen Sitz aller Schrauben zu überprüfen und gegebenenfalls die Schraubverbindungen mit Loctite 243 Mittelfest zu sichern.

Auf dem Schießstand: T73 Tactical Prometheus in der Praxis

Die Präzisionsüberprüfung erfolgte mit einem Holosun HS510C-Leuchtpunktvisier, womit sich die Zielscheibe perfekt zentrieren ließ. Sitzend aufgelegt auf 50 Metern kamen acht Munitionssorten, vier Hand- und vier Fabriklaborierungen, zum Einsatz. Platziert zwischen zwei Sandsackauflagen, brachte den T73 Prometheus im Schuss nichts aus der Ruhe. Das Schussverhalten könnte man als "neutral" bezeichnen, denn es findet kein nennenswerter Rückstoß/Hochschlag statt. Die Bestschussbilder maßen in Reihenfolge 16 mm, 17 mm und 18 mm, das beste Schussbild wurde mit der Handladung mit 5,5 Grains Lovex D037.1 und 145 Grains H&N High Speed Hohlspitz-Geschoss realisiert. Bei der Umsetzung der Eigenpräzision des PCC half natürlich der hochkultivierte Abzug, der keine Wünsche offen ließ. Doch der echte Schießspaß mit dem T73 Prometheus beginnt bei schnellen Serien, denn hier spielt der Karabiner erst so richtig seine Trümpfe aus.

T73 Tactical Prometheus: Technische Daten und Preis

Modell:T73 Tactical TAC 9 Prometheus

System:

Direkter Gasdrucklader mit dreiwarzigem Drehkopfverschluss

Lauf:

12,5“ (317,5 mm) langer Lauf mit 1-10“-Drall, ½"x28 UNEF-Mündungsgewinde und Zwei-Kammer-Kompensator

Schaft:

nicht verstellbare Alu/Karbon-Schulterstütze, runder Alu/Karbon-Handschutz, freistehender FAB Defense Gradus-Pistolengriff aus Kunststoff

Magazin:

ausgeliefert mit Mec-Gar-Stahlblechmagazin mit Kapazität für 10 Patronen, kompatibel mit GLOCK Gen4- und früheren Magazinen

Abzug:

Direktabzug, gemessenes Abzugsgewicht 1.020 Gramm

Sicherung:

Beidseitige 90°-Sicherung am Griffstück, die auf den Abzug wirkt

Länge:

810 mm

Gewicht:

2,8 kg

Preis:

4.475,- Euro

Fazit: Das kann der T73 Tactical Prometheus 

Der T73 Tactical Prometheus ist weltweit der einzige 9x19-Pistolenkarabiner mit direktem Gasdruckladesystem und kann mit dem softesten Schussverhalten aller PCC aufwarten. Es findet kein Rückstoß und keine Mündungsauslenkung statt, was brutal schnelle Schussfolgen ermöglicht. Dieses Riesenplus in der Schießpraxis erkauft man sich aber mit einem höheren Wartungs- und Pflegeaufwand im Vergleich zu konventionelleren PCC mit einfachen oder übersetzten Masseverschlüssen. Der Preis von 4.475,- Euro für dieses hochwertig verarbeitete Wettkampfwerkzeug mit Topausstattung ist absolut gerechtfertigt.


Im Artikel erwähnte Ladedaten ohne Gewähr. Jeder Wiederlader handelt nach dem Gesetz eigenverantwortlich! 

Dieser Artikel stammt aus der caliber, Ausgabe 07-08/2026. Im Heft sind auch weitere Bilder sowie die ausführliche Schießtabelle mit insgesamt acht Hand- und Fabriklaborierungen enthalten. Sie können es im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.

Weitere Informationen zum T73 Tactical Prometheus gibt es auf der Hersteller-Webseite sowie auf der Webseite des Importeurs und deutschen Großhandelsunternehmens MGH GmbH.