Freedom Ordnance ist ein US-amerikanischer Waffenhersteller mit Sitz in Chandler im Bundesstaat Indiana. Das Unternehmen entwickelt und fertigt vor allem Selbstladebüchsen und Pistolen im Kaliber 9 mm Luger sowie dazugehörige Komponenten und Zubehör. Bekannt wurde Freedom Ordnance insbesondere durch die AR-inspirierte FX-9-Baureihe und das gurtgespeiste FM-9-System sowie dessen Weiterentwicklung FM-9D.


Freedom Ordnance FM-9: So funktioniert die Gurtzuführung

Die Freedom Ordnance FM-9 zählt zu den wenigen Waffensystemen im Kaliber 9 mm Luger, deren Patronenzufuhr über einen Zerfallgurt aus Metallgliedern erfolgt. Ursprünglich wurde die FM-9 als gurtgespeister Upper Receiver für Mil-Spec-Lower-Receiver im AR-15-/M16-Format entwickelt. Sowohl die Gurtzuführung als auch der unverriegelte Masseverschluss sind im Upper Receiver untergebracht.
Die ursprüngliche FM-9 wird ausschließlich über einen Munitionsgurt gespeist. Die Weiterentwicklung FM-9D kann dagegen wahlweise aus per Gurtzuführung oder aus einem herausnehmbaren Magazin nach Glock-Bauart gespeist werden. Der Wechsel zwischen beiden Zuführungsarten ist ohne Umbau möglich.
Der Zerfallgurt wird in einem abnehmbaren, unter der Waffe angebrachten Gurtbehälter mit einem Fassungsvermögen für Gurte mit 150 Patronen mitgeführt. Für die FM-9D bietet der Hersteller optional auch Gurtbehälter für 100 Patronen an. Der Gurtvorschub erfolgt über einen im aufklappbaren Gehäusedeckel untergebrachten Zuführmechanismus. Die Konstruktion orientiert sich damit grundsätzlich Gurtzuführungen wie man sie von Maschinengewehren her kennt, sie ist jedoch für die vergleichsweise kurze Pistolenpatrone 9 mm Luger ausgelegt.
Eine der konstruktiven Besonderheiten sind die eigens für die Waffe entwickelten Zerfallgurtglieder. Im Vergleich zu typischen Gewehrpatronen besitzt die Patrone 9 mm Luger eine kurze, nahezu zylindrische Hülse, wodurch ihre zuverlässige Fixierung und Zuführung aus einem Munitionsgurt laut Hersteller erschwert wird. Freedom Ordnance verwendet deshalb speziell geformte, wärmebehandelte Stahlgurtglieder, welche die Patronen im Bereich des Hülsenbodens halten. Beim Zuführvorgang wird die Patrone nach vorn aus dem Gurtglied geschoben und dem Patronenlager zugeführt. Das nun leere Gurtglied trennt sich vom übrigen Gurt und wird seitlich aus der Waffe ausgeworfen.

Die folgende Funktionsbeschreibung bezieht sich auf die ursprüngliche FM-9. Für die FM-9D nennt der Hersteller zusätzlich ein „Split Bolt Delay System“, ohne dessen genaue Funktionsweise näher zu erläutern.
Der Gurtvorschub wird durch die Bewegung des Verschlussträgers angetrieben. Eine auf dessen Oberseite angeordnete Rolle greift in die Kulissenführung des im Gehäusedeckel untergebrachten Zuführmechanismus ein. Beim Rücklauf des Verschlusses betätigt sie den Zuführhebel, der den Munitionsgurt um ein Gurtglied weitertransportiert und die nächste Patrone in Zuführposition bringt. Beim anschließenden Vorlauf schiebt der Verschluss die Patrone nach vorn aus dem Gurtglied und führt sie dem Patronenlager zu. Das leere Gurtglied trennt sich dabei vom Gurt und fällt aus der Waffe heraus.
Auch das Laden unterscheidet sich von der Handhabung vieler herkömmlicher gurtgespeister Waffen. Bei der Freedom Ordnance FM-9 bleibt der Gehäusedeckel während des Einführens des Gurtes geschlossen. Zunächst wird der Verschluss nach hinten gezogen und dort arretiert. Anschließend wird der Munitionsgurt von links durch den Zuführschacht eingeschoben, bis er von den Halteklinken erfasst wird und am Patronenanschlag anliegt. Wird der Verschluss anschließend freigegeben, läuft er nach vorn, schiebt die erste Patrone aus ihrem Gurtglied und führt sie in das Patronenlager.

Die FM-9 arbeitet als Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluss und benötigt daher keine Gasentnahme. Beim Schuss wirkt der Gasdruck über den Hülsenboden auf den Verschluss und setzt diesen nach hinten in Bewegung. Während des Rücklaufs wird die leere Hülse ausgeworfen, der Hahn erneut gespannt und zugleich der Gurtzuführmechanismus angetrieben. Die vergleichsweise einfache Funktionsweise des unverriegelten Masseverschlusses ermöglicht eine Konstruktion mit relativ wenigen Bauteilen. Für einen zuverlässigen Betrieb müssen jedoch Verschlussmasse, Schließfeder und Bewegungsablauf des Zuführmechanismus sorgfältig aufeinander abgestimmt sein.


Mit der FM-9 und ihrer Weiterentwicklung FM-9D überträgt Freedom Ordnance das Prinzip der Gurtzuführung auf eine halbautomatische Waffe im Kaliber 9 mm Luger. Der im aufklappbaren Gehäusedeckel untergebrachte Zuführmechanismus erinnert dabei an die Konstruktion moderner leichter Maschinengewehre wie der FN Minimi beziehungsweise der US-amerikanischen M249. Anders als die ursprüngliche, ausschließlich gurtgespeiste FM-9 lässt sich die FM-9D wahlweise wie bereits erwähnt per Zerfallgurt oder aus Glock-Magazinen speisen. Freedom Ordnance verbindet diese ungewöhnliche Zuführungstechnik mit einem System, das mit zahlreichen AR-typischen Komponenten kompatibel ist. Damit gehört die FM-9D zu den wenigen kommerziell angebotenen halbautomatischen Waffen im Kaliber 9 mm Luger mit Gurtzuführung.
In den USA wird die FM-9D derzeit zur Vorbestellung angeboten. Zur Wahl stehen Ausführungen mit 4, 8 oder 16 Zoll langen Läufen, jeweils als kompletter Upper Receiver oder – abhängig von der Lauflänge – als vollständige Pistole beziehungsweise Selbstladebüchse. Die Preise beginnen bei 3.599,99 US-Dollar für einen Upper Receiver mit 4- oder 8-Zoll-Lauf und reichen bis 4.348,99 US-Dollar für die komplette Selbstladebüchse mit 16-Zoll-Lauf. Gurtbehälter, zusätzliche Gurtglieder und weitere Zubehörteile werden gesondert angeboten.
Ob und in welchen Ausführungen die FM-9D auch in Deutschland verfügbar oder rechtlich zulässig wäre, lässt sich gegenwärtig nicht abschließend beurteilen. Dazu wäre zunächst eine verbindliche waffenrechtliche Einstufung durch das Bundeskriminalamt erforderlich. Sollte das BKA feststellen, dass die Waffe ihrer äußeren Form nach den Anschein einer vollautomatischen Kriegswaffe hervorruft, wären sämtliche angebotenen Ausführungen vom sportlichen Schießen ausgeschlossen: die Versionen mit 4- und 8-Zoll-Lauf aufgrund ihrer Lauflänge von weniger als 40 Zentimetern, die Selbstladebüchse mit 16-Zoll-Lauf aufgrund der Hülsenlänge der verwendeten Patrone 9 mm Luger von weniger als 40 Millimetern. Ein Erwerb aufgrund eines sportlichen Bedürfnisses wäre dann nicht möglich. Für private Erwerber kämen in diesem Fall – abhängig von der jeweiligen Ausführung und dem anerkannten Bedürfnis – vor allem Jäger und Waffensammler infrage.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Freedom Ordnance.








