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Test: Investarms Hawken Rifles − wir waren mit den Waffen von ARTAX Vorderlader Germany auf dem Schießstand

George Grella von ARTAX Vorderlader Germany
George Grella von Artax beim sportlichen Vorderlader-Training, natürlich mit einer Investarms-Büchse.

Kein Land hat im Bereich des Vorderladerschießens eine solch erstklassige Leistungsspitze wie Deutschland – breitensportlich allerdings ist die Vorderladerei etwas in den Hintergrund getreten. Was nicht heißt, dass sich im unteren Preissegment nichts mehr tut: Die von George Grella geleitete Firma ARTAX Vorderlader versteht sich als "Kompetenzzentrum für Vorderlader, Zubehör, Ersatzteile und Support". Es gibt alles an Waffen und Zubehör, was man als VL-Schütze braucht, auch ist ARTAX offen für alle nötigen Tuning-Arbeiten (etwa Aufkohlen von Batterien, Montage von Dioptern). Und man vertreibt die Waffen von Investarms.

Die wiederum stehen gerade bei jenen Vorderlader-Schützen etwas hintan, denen es um das hier oft so wichtige historisch stimmige Detail geht. Rein optisch ist das von Investarms unter dem Namen "Hawken" Vermarktete an jene Vorderladerbüchsen angelehnt, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Hawken Shop in St. Louis kamen und ehedem ihren Weg in die Prärien westlich des Mississippi fanden. Aber beim Vorderlader-Kauf geht es nicht nur um äußere Stimmigkeit, sondern auch um den Preis. Da bieten die quasi für die Stange gefertigten Investarms-Büchsen einen unschlagbaren Vorteil gegenüber handgefertigten Custom-Waffen, die zwar bis ins letzte Detail authentisch sind, aber auch das Zigfache kosten. Bei günstigem Preis sehen viele Interessenten auch über großzügige Holz-Metall-Passungen hinweg.

Bleibt die Kernfrage – die nach der erwartbaren Tefferleistung. Gerade die ist bei Investarms über jeden Zweifel erhaben. Man kann, wie bewiesen wurde, mit Investarms-Waffen deutscher Meister, ja sogar Weltmeister werden. Grella: "Ich vergleiche diese Waffen gern mit einem Rennauto, das man mit etwas Arbeit noch verbessern kann." So hat Artax rund um Investarms ein breites Sortiment an Waffen für alle gängigen Disziplinen, die sich mit gezogenen Vorderladern schießen lassen. Aus seinem Fundus hat George Grella uns 2 Gewehre zum Test gesendet: Eine für Linksschützen geschäftete Steinschloss-Scheibenbüchse Hawken Edition Black mit L&R-Doppelzüngelstecher, Diopter und Tunnelkorn im Kaliber .54, und eine für Rechtsschützen ausgelegte 45er Perkussionsbüchse des Typs Hawken Rifle 120B mit V-Feder im Schloss. Auch dabei: eine Hawken-Perkussionspistole in .50. Und alles mit Zubehör der Menge "wunschlos glücklich".

Das sind die Hawken-Testwaffen von Investarms:

Hawken Edition Black
Die Hawken Edition Black Scheibenbüchse schickte uns ARTAX Vorderlader in Linksausführung.

Die beiden Testbüchsen haben gebeizte und geölte Schäfte aus afrikanischem Holz. Die Achtkantgewehrläufe besitzen eine Schlüsselweite von 24 mm und sind auch innen brüniert. Gemäß historischem Vorbild verbinden Steckkeile bei den Gewehren Lauf und Schaft. Die sitzen sehr straff. Um sie einzusetzen, muss der Schaft fest gegen den Lauf gedrückt werden, trotzdem muss man leicht mit Holz- oder Gummihammer nachhelfen, um die Keile einzusetzen. Sollen diese raus, verwende man einen passenden Durchschlag. Da sich der Keilesitz auf die Präzision auswirkt, entferne man Keile nur dann, wenn es nötig ist. Bei den Testwaffen hält je eine Schraube das Schloss – unproblematisch. Die Passung der Schlosse an den Lauf ist sehr gut, bei der Steinschlossbüchse gab es nach dem Schießen fast keine Ablagerungen innen am Schloss. 

Vorderlader Hawken Rifle 120B
Der Vorderlader Hawken Rifle 120B hat ein DSB-konformes Schloss mit V-Feder.

Investarms-Läufe haben bei gleichem Nominalkaliber meist einen leicht (!) größeren Innendurchmesser als Läufe anderer Hersteller, brauchen also leicht (!) stärkere Pflaster und/oder Kugeln mit leicht (!) größerem Durchmesser. Die Paarung Pflaster-Kugel sitzt bei allen Testwaffen sehr straff. Es braucht 1 oder 2 Schläge vom Ladehammer, um die Kugel in den Lauf zu bringen. Danach sollte die Kugel mit einem Setzer etwa 10 cm weit in den Lauf geschoben und via Ladestock in einem Schwung aufs Pulver bugsiert werden. Um die Laufmündung nicht zu beschädigen, verwende man für den Ladestock immer eine passende Mündungsbuchse (gibt‘s auch bei ARTAX Vorderlader). Alle Waffen besitzen eine Patent-Schwanzschraube mit Pulversack in einem geringeren Durchmesser als das Laufkaliber. Allerdings ist der Pulversack nicht so eng wie bei Waffen anderer Hersteller und lässt sich gut reinigen.

Die technischen Daten der Investarms Hawken Rifles:

Modell:Hawken Edition BlackHawken Rifle 1208Hawken Great Plains AI-410-X
Preis:1.296,98 Euro898,98 Euro349,98 Euro
Kaliber:.54.45.50
Länge:1.240 mm1.160 mm375 mm
Gewicht:3.880 g4.200 g1.250 g
Lauflänge (Mündung - Schwanzschraube):800 mm700 mm225 mm
Visierlinie:860 mm760 mm150 mm
Dralllänge:1:60" (1:153 cm)k.A.1:30" (1:76 cm)
Abstand Schaftkappe - Abzug:350 mm360 mmk.A.

Mit den Vorderladern von ARTAX auf dem Schießstand:

Hawken Black Edition (hinten) und Hawken Rifle 120B.
Der Blick zur "Kehrseite": Beide Investarms-Büchsen kamen mit Schaftbacken.

Alle Waffen wurden sitzend geschossen. Dazu klemmten wir die Büchsen in einem etwa 12 kg schweren Sandsack (Uncle Buds Bulls Bag, gefüllt mit feinem Seesand) fest ein. Die Pistole schossen wir beidhändig, die Hände auf einem Sandsack abgestützt. Nach jedem Schuss wurde jeder Lauf je einmal trocken gewischt. Das sollte nach jedem (!) Schuss passieren, damit alle Kugeln die gleichen Bedingungen haben. Wir tränkten alle Pflaster mit ARTAX Vorderlader Patch Lube – feucht, aber nicht tropfnass. Für die Perkussionswaffen nutzten wir Vorderlader-Zündhütchen der Sorte CCI No. 11. Bei der Steinschlossbüchse beschickten wir die Pfanne mit Schweizer Zündkraut aus einem Zündkrautspender, um für eine stets gleichmäßige Füllmenge zu sorgen.

Vorderlader-Perkussionspistole Hawken Great Plains AI-410-X
Vorderlader-Perkussionspistole Hawken Great Plains AI-410-X mit Halbschaft.

Hawken Great Plains AI-410-X: ARTAX empfiehlt Pulverchargen von 20 bis 24 Grains Schweizer Nr. 2 oder dieselbe Menge Wano PP, dazu .495"-Kugeln mit Pflastern von 0,31 mm Stärke. Die Pistole liegt gut in der Hand und schießt sich angenehm. Der Abzug steht trocken und kriecht nicht, die Visierung ist klar und kontrastreich. Auch wenn die Pistole eigentlich nicht als Matchwaffe gedacht ist, lässt sie sich mit Erfolg sportlich nutzen. 

Vorderlader-Zubehör von ARTAX
Ob Kugeln, Maxiballs, Geschossfette, Schusspflaster oder diverse Solvents, ARTAX hat ein Vorderlader-Vollsortiment.

Hawken Rifle 120B: Hier rät Artax zu 45 Grains Schweizer Nr. 2 oder Wano PP, dazu 445er Kugeln mit Pflastern 0,34 mm Stärke oder zu Maxiball-Hohlbodengeschossen und Ladungen ab 30 Grains Schweizer Nr. 2. Im Test verwendet wurden Kugeln in .445" (11,30 mm) sowie 0,34-mm-Pflaster. Es zeigte sich, dass eine etwas kleinere Ladung als die empfohlenen 45 Grains mit der getesteten Kugel-Pflaster-Paarung besser treffen. Aber man kann mit jeder Testladung die Zehn halten, sei es DSB- oder BDS-Scheibe. Wurde nur gewischt, wenn es bereits erste harte Krusten gab und sich die Kugel nur schwer abwärts schieben ließ, öffnete sich der Streukreis bei der empfohlenen Ladung auf 44 mm. 

Hawken Edition Black: Laut Artax passen hier 60 grs Schweizer Nr. 3, dazu .540"-Kugeln mit 0,18-mm-P­astern oder .535"-Kugeln mit 0,38-mm-P­astern. Die Tester nutzten die letztgenannte Combo. Die Ladungen von 60 und 54 Grains Schweizer Nr. 3 hielten die DSB-Zehn. Insgesamt traf die kleinste Ladung am besten. Das Schloss ist sehr schnell, fast wie ein Perkussionsschloss. Die für Steinschlosse charakteristische Zündverzögerung ist da, aber nur sehr kurz. Die Batterie funkte prima, auch die Schlossabstimmung war tacko. Das wirkte sich positiv auf die Haltbarkeit des Steins aus, der im Test nicht gewechselt werden musste.

Unser Testfazit zu den Hawken-Vorderladern von Investarms:

Testwaffen und Zubehör (wie Kugeln, Pflastermilch, Pflaster und Reiniger) bewährten sich gut. Es gab keine waffenbedingten Störungen und keine Zubehörprobleme; man denke aber bei der Steinschlossbüchse an die Wischtiefe, um nicht den Zündkanal mit Pulverrückständen zu verstopfen. Beide Büchsen sind in der Testkonfiguration absolut wettkampftauglich – und zwar out of the box. Das gilt auch für die Pistole. Wer also über großzügige Passungen und ein eher rustikales Finish hinwegsieht, erhält zu günstigem Preis Waffen mit wirklich sehr guten Schussleistungen.


Weitere Informationen zu Investarms-Waffen und den vielfältigen Zubehör- und Tuning-Möglichkeiten erhalten Sie bei ARTAX Vorderlader Germany.

Um wen es sich bei George Grella und ARTAX Vorderlader Germany handelt, lesen Sie in unserem Unternehmens-Portrait.

Den ausführlichen Test mit allen Schießergebnissen und vielen hilfreichen Tipps zum Vorderlader-Schießen finden Sie in  VISIER 1/2019.  Diese Ausgabe ist im VS Medien-Shop auch digital verfügbar.

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