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Bockjagdsaison: Video-Interview zur selektiven Jagd in Polen – Schwan fliegt in Hochspannungsleitung

Schar Schwäne.
Eine Schar Schwäne zieht ihres Weges.

Noch geschockt von den Bildern starten wir unser Interview, in dem es eigentlich um das selektive Jagen in Polen gehen sollte − aber auch dazu kommen wir im Laufe des Gesprächs mit Kai Uwe-Kühl:

all4hunters.com:  Herr Kühl, wir hatten ja in diesen Tagen das traurige Erlebnis, dass wir das, was viele Menschen immer als Humbug abtun, wirklich erlebten. In Deutschland sterben jedes Jahr sehr viele Vögel in Windkraftanlagen. Einige Experten sprechen davon, dass inoffizielle Zahlen mit mehr als 100.000 Stück beziffert werden müssen. Einer neuen Studie zur Folge geraten nun auch die die Insekten durch erneuerbare Energien unter Druck: Beitrag finden Sie hier auf der Seite der ARD .

Sie und Ihr Kameramann hatten nun das bedauerliche Erlebnis, dass Sie live gefilmt haben, wie ein Höckerschwan in eine Hochspannungsleitung geflogen ist. Hat der Schwan den Stromschlag überlebt und was denken Sie müsste sich in der Wahrnehmung der breiten Masse ändern, dass die Fakten auf den Tisch kommen, was den Zusammenhang Artenschwund und erneuerbare Energien betrifft?

Kai-Uwe Kühl:   "Der Schwan ist für uns nicht sichtbar in einem Schilfgebiet zu Boden gegangen. Die Aufnahme zeigt ja, dass er noch mit den Schwingen gearbeitet hat und nicht in sich zusammengeklappt ist. Eventuell hat er es überlebt. Ansonsten werden ihn die beiden Rohrweihen eventuell erlösen. Oder ein Prädator wie der Fuchs. Wir haben Vertragspartner, die in ihren Wäldern High-Tech Windkraftanlagen installiert haben. Diese schalten sich ab gewissen Windgeschwindigkeiten ab, haben Sensoren und wenn der Fledermausflug beginnt, werden die Windräder ebenfalls gestoppt. Laut Aussage der Betreiber fliegen die Vögel meist im Wald und nicht oberhalb der Baumwipfel und es kommt dort zu wenig Vogelschlag. Auf den freien landwirtschaftlichen Flächen ist das Risiko für die Vögel wahrscheinlich höher. Aber ich bin da kein Experte. Wie Hochspannungsleitungen für Vögel besser sichtbar gemacht werden können kann ich nicht sagen. Bei schlechter Sicht wie Nebel besteht dort immer ein hohes Risiko für die großen Vögel."

Blaumeise auf Ast.
Kleinere Vögel wie diese Blaumeise können ebenfalls Opfer von Hochspannungsleitungen oder Windkraftanlagen werden.

all4hunters.com: Um da noch mal nachzuhaken: Sie sind ja auch sehr oft im Reinhardswald unterwegs. Was halten Sie von der Tatsache, dass dort große Teile für Windkraftanlagen durch grüne Politik geopfert werden? Bringt das Verschwinden von Lebensraum für Wildtiere nicht noch mehr Probleme mit sich?

Kai-Uwe Kühl:   "Ein Teil der Antwort findet sich in meiner obigen Antwort. Windräder müssen meines Wissens dort aufgestellt werden, wo häufig Winde auftreten. Das ist auf Höhenzügen der Mittelgebirge sicherlich gegeben. Dass die Artenvielfalt der Energiewende geopfert wird ist ja nicht neu. Aber jeder Waldbesitzer will genauso mit diesen staatlich geförderten Energiekraftanlagen Geld verdienen, wie die Landwirte. Mir wäre aber viel lieber, wenn den Bundesbürgern mal reiner Wein eingeschenkt würde, wie viele staatlich geförderte Windkraftanlagen bis heute nicht an das Stromnetz angeschlossen wurden.“

Kommen wir nun zu unserem eigentlichen Interviewthema: Selektives Jagen in Polen

all4hunters.com war zusammen mit Kai-Uwe Kühl in Polen zur Jagd. Wir waren eingeladen von K&K Premium Jagdreisen und es ging in die Woiwodschaft Großpolen.

Kai-Uwe Kühl ist ein bekennender Freund der selektiven Jagd. Das ist eine besondere Form der Jagd, die in den meisten Jagdrevieren in Deutschland, auf Grund von hohen Abschussvorgaben und kleinen Revieren sowie der Angst vor der ASP (Afrikanische Schweipest), selten geworden ist. Infos zur ASP finden sie bei unserem Partner OutfoxWorld

Erlegter Bock.
Einer der Böcke, die von Kai-Uwe Kühl und seinem Team in Polen erlegt wurden.

all4hunters.com:  Selektives Jagen – ein Stichwort auf das sich dieser Beitrag eigentlich bezieht. In Polen ist das noch möglich. Sie haben hier ein Jagdrevier gefunden, das man so in Deutschland wohl nicht mehr finden würde. Erzählen Sie uns doch bitte einmal, was dieses Revier ausmacht. Wir haben gehört die Blattzeit soll hier besonders reizvoll sein? 

Kai-Uwe Kühl: "Es wird in Deutschland sicherlich das eine oder andere Privatrevier geben, dass auch durch große landwirtschaftliche Flächen geprägt ist und sich das Rehwild dort entsprechend seines Tageszyklus tagaktiv zeigt. Sicherlich sind die auch hier angebauten Monokulturen von bis zu 100 ha Weizen, Mais-, Raps-, Zwiebel- oder Roggenschlägen nicht jedermanns Sache, aber es gibt auch Brachflächen und Hecken sowie Knicks, die Rückzugsgebiete darstellen. Trotzdem ist der Rebhuhn- und Fasanenbestand zurückgegangen. Es fehlt an der intensiven Prädatorenbejagung. Fuchs und Marder kommen zahlreich vor. Es ist die landwirtschaftliche und intensive Nutzung, die nach der Ernte des Raps und Weizen mehr Sichtbarkeit garantieren. Sie wollen wissen warum die Blattzeit so reizvoll ist? Wenn man tagsüber die starken Böcke auf den abgeernteten Flächen treiben zieht, wie sie ihre Hexenringe ziehen – das ist schon imposant. Dann mit dem Blatter den Bock zu locken ist für jeden Waidmann ein jagdlicher Höhepunkt, das können Sie mir glauben. In diesem Sinne kann ich nur sagen: Ich freue mich auf diese spannende um nicht zu sagen, atemberaubende Zeit im Jagdzyklus. "   

all4hunters.com: Jedes Jahr im Mai, mit Beginn der Bockjagd, beginnt das Leben in seiner Vielfalt zu sprossen. Was macht für sie als Jagdexperte den Reiz der Bockjagd aus?

Kai-Uwe Kühl: "Das Rehwild ist eine faszinierende Wildart und wer sich mit dieser Wildart intensiv befasst wird viele jagdliche Freuden haben. Es ist ein Kulturfolger und steht hier in unserem Revier nahe der Bauernhöfe, direkt neben den Landstraßen oder eben auch "neben"   der Autobahn. Mit Stille und Jagdromantik wie bei einer Waldjagd hat das hier wenig zu tun. Eigentlich interessiert mich aber eher die Blattjagd. Ich jage nicht gerne auf graue Böcke und wenn, dann fokussiere ich mich auf die schwachen Jährlinge oder schlecht veranlagten Böcke. Aber wenn das Frühjahr erwacht, dass satte frische Grün lockt, die Vogelstimmen wieder hörbar sind, dann freue ich mich auf einen Ansitz auf einem offenen Sitz oder Leiter, lieber aber noch auf einen Pirschgang. Ich bin dann gespannt sehr gespannt, welcher Bock sich neu im Revier präsentiert oder sich bekannte Böcke entwickelt haben.“ 

all4hunters.com: Feld- oder Waldrevier? Was ist ihrer Meinung für die Bockjagd das bessere Revier? Kann man da Unterschiede feststellen und wenn ja welche? Würden sie sagen, dass sauberes Ansprechen in einem Feldrevier im Normalfall besser funktioniert?

Kai-Uwe-Kühl:  " Der Prinz von Bayern hat ja den Beweis in Weichselboden angetreten, dass auch Wald- und Bergreviere gesundes und starkes Rehwild hervorbringen können. Es gibt für mich so gesehen kein besseres Revier. Die Waldreviere und Feldreviere haben beide ihren Reiz. Wenn man Rehwild nicht wie einen Schädling bejagt, den Jagddruck mal vermindert, um die Reproduktion zu drosseln, den Bestand angepasst hat und auch mal Böcke sich entwickeln lässt, dann bieten beide Revierformen gute Rehwildjagden. Das Ansprechen auf der freien Scholle ist sicherlich einfacher, zumal sich ja in den Waldrevieren nicht mehr erwünscht ist, Böcke oder weibliches Wild anzusprechen, da jeder erlegte Bock als Schädling richtig ist. Hier in den Feldrevieren ist die Chance Beute zu machen, abgesehen von Schussdistanzen, sicherlich einfacher. Und man kann bewusst auch Böcke schonen und sich über die Jahre entwickeln lassen.“

Trophäen von der Bockjagd.
Eine ansehnliche Trophäen-Sammlung kann das Team von K&K Premium Jagdreisen mit nach Hause nehmen.

all4hunters.com:  Abschließende Frage: Der Saisonauftakt liegt hinter uns. Wie ist ihr Fazit zur Bockjagd hier in Großpolen 2019 und was passiert zur Blattzeit hier?

Kai-Uwe Kühl: "Wir haben ca. 30  Prozent des Bockabschusses in dieser Woche erfüllt. Vorrangig Abschussböcke. 70 Prozent der Strecke erzielen wir in der Blattzeit, wo sich dann auch die richtig starken Böcke über 500 Gramm Gehörngewicht sichtbar präsentieren werden. Ich freue mich jetzt schon darauf und unsere Stammkunden auch.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview für all4hunters.com führte Matthias Haack im Mai 2019.   

Und hier sehen Sie das Video zur Bockjagd 2019 in Polen:


Weitere redaktionelle Beiträge mit Kai-Uwe Kühl, dem Geschäftsführer der K&K Premium Jagdreisen auf all4hunters.com:

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