HIKMICRO hat mit dem Thunder 4.0 und dem Stellar 4.0 zwei Weiterentwicklungen seiner bekannten Wärmebildgeräte-Serien vorgestellt. Während die Thunder-Reihe neue Vorsatzgeräte erhält, geht mit dem Stellar 4.0 auch die Wärmebildzielfernrohrserie des Herstellers in die nächste Generation. Allerdings bleibt jagdliche Nutzung von "reinrassigen" Wärmebildzielfernrohren in Deutschland grundsätzlich verboten.
Im Mittelpunkt unserer Vorstellung steht deshalb das Thunder 4.0. Die überarbeitete Vorsatzgeräteserie umfasst sechs Modelle mit unterschiedlichen Sensorauflösungen und Objektivbrennweiten, wahlweise mit integriertem Laserentfernungsmesser. Den Vorgänger haben wir bereits in unserem Vergleich von Wärmebildvorsatzgeräten und Wärmebildzielfernrohren näher betrachtet. Nun geben wir einen Überblick über die neue Generation und zeigen, was sich gegenüber dem Thunder 3.0 verändert hat.
Modellübersicht und Preise der Serie HIKMICRO Thunder 4.0
HIKMICRO staffelt die neue Thunder-Serie nach Sensorauflösung, Objektivbrennweite und Ausstattung mit oder ohne Laserentfernungsmesser. Den Einstieg bildet das Thunder TH35C 4.0 mit 384 × 288 Pixeln und einem 35-mm-Objektiv für 1.799,- Euro. Darüber stehen die TQ-Modelle mit 640 × 512 Pixeln: Das Thunder TQ35C 4.0 mit 35-mm-Objektiv kostet 2.299,- Euro, das Thunder TQ50C 4.0 mit 50-mm-Objektiv 2.799,- Euro. Die entsprechenden Ausführungen mit integriertem Laserentfernungsmesser heißen Thunder TQ35CL 4.0 und Thunder TQ50CL 4.0. Ihre Preise liegen bei 2.499,- beziehungsweise 2.999,- Euro. An der Spitze steht das neue Thunder TX70CL 4.0, das einen Sensor mit 1.280 × 1.024 Pixeln, ein 70-mm-Objektiv und einen Laserentfernungsmesser kombiniert. Dafür nennt HIKMICRO einen Preis von 4.499,- Euro. Das "L" in der Modellbezeichnung kennzeichnet jeweils die Variante mit Laserentfernungsmesser.

HIKMICRO Thunder 4.0: Sensoren und Sehfelder

Für alle sechs Modelle nennt HIKMICRO einen Pixelabstand von 12 µm und eine thermische Empfindlichkeit (NETD-Wert) von unter 12 mK. Die Abkürzung "NETD" kommt aus dem Englischen und steht für Noise Equivalent Temperature Difference. Der Begriff beschreibt, wie klein die Temperaturunterschiede sind, die ein Wärmebildsystem noch abbilden kann − je kleiner der Wert, desto besser ist die Auflösung des Bildes. Ein niedrigerer Wert soll insbesondere dann helfen, wenn sich Wildkörper und Hintergrund thermisch nur wenig voneinander abheben. Bei der Vorgängergeneration Thunder 3.0 lag die NETD-Wert bei unter 15 mK.
Den größten Ausbau innerhalb der Serie bringt das TX70CL 4.0. Sein Sensor besitzt viermal so viele Bildpunkte wie die 640 × 512 Pixel auflösenden TQ-Modelle. Zusammen mit dem 70-mm-Objektiv ergibt sich ein 22,4 Meter breites Sehfeld auf 100 Meter. Der größere Sensor ermöglicht damit trotz längerer Brennweite eine breite Übersicht. Zum Vergleich: Die TQ35-Varianten zeigen 21,9 Meter, die TQ50-Ausführungen 15,4 Meter Sehfeldbreite auf dieselbe Entfernung. Beim TH35C 4.0 mit kleinem Sensor sind es 13,2 Meter.
Für die Nutzung im jeweiligen Revier ist dieses Zusammenspiel wichtiger als die Brennweite allein. Innerhalb der TQ-Modelle bietet das 35-mm-Objektiv mehr Übersicht, während das 50-mm-Objektiv bei gleicher Sensorauflösung feinere räumliche Details auf größere Entfernung erfassen kann. Das TX70CL 4.0 verbindet den größeren Geländeausschnitt mit einer höheren Auflösung. HIKMICRO beziffert die Detektionsreichweite der 35-mm-Modelle auf 1.800 Meter, die der 50-mm-Ausführungen auf 2.600 Meter und die des TX70CL auf 3.500 Meter. Diese Angaben beschreiben das Entdecken einer Wärmequelle und lassen sich nicht mit einer Entfernung für sicheres Ansprechen gleichsetzen.
Display und Bildverarbeitung des HIKMICRO Thunder 4.0
Die Darstellung übernimmt bei allen Modellen ein 0,49-Zoll-OLED-Display mit 1.920 × 1.080 Pixeln. Für die Bildaufbereitung ist Image Pro 4.0 zuständig. Das ebenfalls eingesetzte HIKMICRO Shutterless Image System, kurz HSIS, soll die Beobachtung im laufenden Betrieb ohne die regelmäßigen Bildunterbrechungen einer mechanischen Kalibrierung ermöglichen. Sync Pro soll bei den CL-Modellen zusätzlich die Bildverzögerung verringern.
Für die CL-Modelle ist eine Bildfrequenz von 50 Hz angegeben. Zur Auswahl stehen sechs Farbpaletten, darunter White Hot und Black Hot sowie eine rote und eine grüne monochrome Darstellung. Der interne Speicher fasst 64 GB. Fotos sowie Videos mit Ton lassen sich direkt im Gerät aufzeichnen und im lokalen Album ansehen; eine rückstoßaktivierte Videoaufnahme ist ebenfalls vorgesehen.
Bedienung und Stromversorgung des HIKMICRO Thunder 4.0

Bei der Bedienung setzt HIKMICRO auf einen überarbeiteten Schalter mit Positionen für Ein, Bereitschaft und Aus. Aus dem ausgeschalteten Zustand soll das Gerät innerhalb von zwei Sekunden starten. Zum Scharfstellen dient ein Fokusknopf. Ein magnetischer Objektivdeckel, ein Helligkeitssensor für das Display sowie ein individuell belegbares Schnellmenü mit Menüsperre gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Die Laserentfernungsmesser der CL-Modelle sind in das Objektiv integriert und reichen laut Herstellerangaben bis 1.200 Meter. Die Stromversorgung übernehmen wechselbare Akkupacks. Zwei Akkus und ein Ladegerät gehören zum Lieferumfang. Für die 35- und 50-mm-Modelle werden sechs Stunden Betriebszeit genannt, für das TX70CL fünf Stunden. Die Angaben für die CL-Modelle gelten bei 25 °C, ausgeschaltetem WLAN-Hotspot und eingeschaltetem Entfernungsmesser. Alle Varianten verfügen über die Schutzart IP67.
Die Verbindung zur Tageslichtoptik erfolgt über ein M52 × 0,75-Gewinde. Der passende Adapter muss separat beschafft werden. Wie wichtig diese Schnittstelle für die gesamte Kombination ist, haben wir bereits im Praxistest des Rusan-MAR-Adapters mit dem HIKMICRO Thunder 3.0 behandelt.
HIKMICRO Thunder 4.0 im Vergleich zum Thunder 3.0
Am TQ50CL lässt sich der Generationswechsel besonders gut nachvollziehen. Sensorauflösung, Pixelabstand und 50-mm-Objektiv bleiben unverändert. Die angegebene NETD sinkt dagegen von unter 15 auf unter 12 mK, die maximale Messreichweite des Lasers steigt von 1.000 auf 1.200 Meter. Auch die angegebene Akkulaufzeit legt unter vergleichbaren Prüfbedingungen von fünf auf sechs Stunden zu.
Deutlich verändert sind die Abmessungen. Das TQ50CL 3.0 misst 150,3 × 83 × 78,1 mm, beim TQ50CL 4.0 sind es 119,5 × 64 × 64 mm. Kompakter bedeutet hier allerdings nicht leichter: Das Gewicht einschließlich Akku steigt von 540 auf rund 560 Gramm. Selbst das neue Spitzenmodell TX70CL bleibt mit 575 Gramm nur wenig darüber.
Das Full-HD-OLED-Display, HSIS und der in das Objektiv integrierte Entfernungsmesser waren bereits beim Vorgänger vorhanden. Auch Image Pro 4.0 wird inzwischen auf der aktuellen HIKMICRO-Produktseite des Thunder 3.0 genannt. Die Unterschiede liegen somit vor allem in der höheren angegebenen Wärmeempfindlichkeit, dem kleineren Gehäuse, der überarbeiteten Bedienung und dem Ausbau der Serie um das 1.280er-Modell.
Für die drei CL-Modelle empfiehlt HIKMICRO Tageslichtzielfernrohre im Vergrößerungsbereich von 1- bis 15-fach. In unserem früheren Vergleich mit dem Thunder 3.0 erwiesen sich etwa 2,5- bis 8-fach als praktikabel. Das lässt sich nicht unverändert auf die neue Generation übertragen, zeigt aber den Einfluss der gesamten Optikkombination: Eine höhere Vergrößerung des Zielfernrohrs vergrößert auch die Bildpunkte des Vorsatzdisplays und erschließt keine zusätzlichen Sensordetails.
HIKMICRO Thunder 4.0: Technische Daten und Preise
Modell | Thunder | Thunder | Thunder | Thunder | Thunder | Thunder |
Auflösung Wärmebildsensor: | 384 × 288 Pixel | 640 × 512 Pixel | 640 × 512 Pixel | 640 × 512 Pixel | 640 × 512 Pixel | 1.280 × 1.024 Pixel |
Pixelabstand: | 12 µm | 12 µm | 12 µm | 12 µm | 12 µm | 12 µm |
Thermische Empfindlichkeit (NETD): | <12 mK | <12 mK | <12 mK | <12 mK | <12 mK | <12 mK |
Wärmebildobjektiv: | 35 mm, F1.0 | 35 mm, F1.0 | 35 mm, F1.0 | 50 mm, F1.0 | 50 mm, F1.0 | 70 mm, F1.3 |
Wärmebildsehfeld auf 100 m: | 13,2 × 9,9 m | 21,9 × 14,0 m | 21,9 × 14,0 m | 15,4 × 12,2 m | 15,4 × 12,2 m | 22,4 × 18,0 m |
Sehfeldwinkel: | 7,5° × 5,7° | 12,5° × 8,0° | 12,5° × 8,0° | 8,8° × 7,0° | 8,8° × 7,0° | 12,8° × 10,3° |
Detektionsreichweite: | 1.800 m | 1.800 m | 1.800 m | 2.600 m | 2.600 m | 3.500 m |
Display: | 0,49-Zoll-OLED | 0,49-Zoll-OLED | 0,49-Zoll-OLED | 0,49-Zoll-OLED | 0,49-Zoll-OLED | 0,49-Zoll-OLED |
Displayauflösung: | 1.920 × 1.080 Pixel | 1.920 × 1.080 Pixel | 1.920 × 1.080 Pixel | 1.920 × 1.080 Pixel | 1.920 × 1.080 Pixel | 1.920 × 1.080 Pixel |
Reichweite Laserentfernungsmesser: | – | – | bis 1.200 m | – | bis 1.200 m | bis 1.200 m |
Akkutyp: | Wechselakkupack | Wechselakkupack | Wechselakkupack | Wechselakkupack | Wechselakkupack | Wechselakkupack |
Mitgelieferte Akkus: | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 |
Betriebszeit: | 6 Stunden | 6 Stunden | 6 Stunden | 6 Stunden | 6 Stunden | 5 Stunden |
Schutzart: | IP67 | IP67 | IP67 | IP67 | IP67 | IP67 |
Abmessungen: | 116 × 55 × 60 mm | 116 × 55 × 60 mm | 125 × 64 × 64 mm | 118 × 59 × 62 mm | 119,5 × 64 × 64 mm | 135 × 64 × 64 mm |
Gewicht: | 520 g | 520 g | 542 g | 540 g | 560 g | 575 g |
Preis: | 1.799,- Euro | 2.299,- Euro | 2.499,- Euro | 2.799,- Euro | 2.999,- Euro | 4.499,- Euro |

Erste Einordnung des HIKMICRO Thunder 4.0
Mit dem Thunder 4.0 entwickelt HIKMICRO das bekannte Vorsatzkonzept weiter und erweitert dessen Leistungsspektrum nach oben. Die TQ35-Modelle bieten viel Übersicht, die TQ50-Ausführungen setzen bei gleicher Sensorauflösung auf die längere Brennweite. Das TX70CL verbindet ein breites Sehfeld mit dem höchstauflösenden Sensor der Serie und liegt mit 4.499,- Euro entsprechend deutlich über den übrigen Varianten. Bei Besitzer eines Thunder 3.0 sprechen vor allem der Nutzen des kompakteren Gehäuses und ein möglicher Gewinn bei der Bilddarstellung für einen Wechsel zur Generation 4.0. Wie deutlich dieser unter jagdlichen Bedingungen ausfällt, muss ein direkter Praxistest zeigen.
Weitere Informationen zum neuen Thunder 4.0 finden Sie auf der HIKMICRO-Webseite.










