Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker mit Gürtelhülse

Als Treibladungsmittel kamen bei Holland & Holland bereits ab 1910 solche Cordite-Stangen zum Einsatz, so auch in der 1912 erschienen .375 H&H. Unter dem Geschoss kam wie bei dieser Militärpatrone in .303 dem Bild oben eine Dämmscheibe zum Einsatz. (*Weitere Hinweise zum Foto am Ende des Beitrages.)

Exakt seit 1912 erfreut sich die Patrone .375 Holland & Holland Magnum auch heute noch größter Beliebtheit. Bereits der Beiname der Patrone lässt auf den Erfinder in Gestalt der britischen Büchsenmacherdynastie Holland & Holland (H&H) schließen. Schließlich galt es damals als Trend, zur jeweiligen Waffe auch die firmeneigene Patrone zu liefern. So wurde der Kunde gleich doppelt an die Firma gebunden – zuerst beim Kauf der Waffe und dann beim Erwerb der Munition. Die .375 H&H Mag. kann als das Ergebnis eines Wettbewerbs bezeichnet werden. Ursprünglich war die 9,5x57 Mannlicher-Schönauer „die“ Patrone für das damals neue rauchlose Pulver. Schnell hatten die führenden Hersteller Westley & Richards und Eley diese Patrone mit der britischen Bezeichnung .375 Rimless Nitro Express 2¼" ins Programm aufgenommen. Holland & Holland griff auf die .375 Cordite Express aus dem Jahre 1899 zurück und konterte daraufhin 1905 mit der .400/.375 in der 2½" H&H-Hülse, also einer .400 Basishülse, eingezogen auf .375. Die Bezeichnung dieser Patrone lautet .375 Velopex. Die Hülse hatte als erste bereits einen Gürtel, der das leidige Thema mit dem Verschlussabstand lösen sollte. Mit dem Erscheinen der .375 H&H wurde auch der Zusatz „Nitro Express“ gegen „Magnum“ getauscht. H&H arbeitete eng mit diversen Pulver- und Munitionsherstellern zusammen. Dies brachte den Vorteil, bereits in der 1910 erschienen .275 Magnum hochenergetisches Cordite als Treibmittel zu verwenden. Damit konnten Geschwindigkeiten erreicht werden, die bis dato undenkbar waren. Da die „Pulverstangen“ im Vergleich zum Schwarzpulver weit weniger Hülsenvolumen benötigten, wurden auch dementsprechend die Hülsenabmessungen kleiner. Um die Verbreitung dieser Patrone nicht auf H&H-Waffen zu limitieren (sogenannte „Proprietary Cartridge“), gestattete Henry Holland bereits 1925 der Western Cartridge Company, die Patronen zu vertreiben. Dieser geniale Schachzug trug auch dazu bei, dass die Patrone eine derart große Verbreitung erfahren hat. Bereits seit 1905 war die deutsche 9,3x62 in den neuen Kolonien bestens bewährt. Vom Dik-Dik bis hin zum Elefanten war „sie“ die Allround-Patrone schlechthin. Außerdem gab es für die Patrone günstige Repetierer statt der schon damals hochpreisigen Doppelbüchsen, die sich nur die wenigsten leisten konnten. Angelehnt an den Erfolgen der 9,3x62 mit den zuverlässigen und vor allem wirkungsvollen 286-Grains-Geschossen, entschied man sich bei H&H für das 300-Grains-Geschoss, um die fast gleiche Querschnittsbelastung wie bei der Mauserpatrone zu haben. Bei ähnlich gleicher Geschwindigkeit sollte sich dann die gleiche hervorragende Penetration bei Großwild einstellen. Selbst über dem großen Teich erfuhr das Kaliber viel Wertschätzung. Der Autor vieler Bücher und bekannte Jäger, Jack O’Connor, bezeichnete sie als „Queen of Medium Bore“. Winchester reagierte ebenfalls schnell und bot bereits 1925 Gewehre in diesem Kaliber an.

Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Patronenfamilie im Kaliber .375"/9,5 mm (von links): .400/.375, .375 Winchester, .375 Jensen, .376 Steyr, .375 Dakota, .375 Ruger, .375 H&H Flanged, .375 H&H Magnum, .375 Hölderlin, .375 Blaser,.375 Remington Ultra Magnum, .375 Weatherby Magnum, .378 Weatherby Magnum und .375 CheyTac.

Warum wurden Gürtelpatronen wie die .375 Holland & Holland Magnum erschaffen? 

Der oft angeführte Grund, die Hülse gerade an dieser Stelle zu verstärken, ist eindeutig nicht die Ursache dafür. Vielmehr wurde damals eine andere Möglichkeit gesucht, den Verschlussabstand zu definieren. In der guten alten Zeit waren vornehmlich Hülsen mit Rand verwendet worden. Der Rand stellt den Verschlussabstand her. Bei Schulterpatronen stellt dagegen, wie der Name schon vorgibt, die Schulter den Abstand her. Henry Holland wollte einen Verschlussabstand wie bei einer Randpatrone erschaffen. Was lag also näher, als den Rand einer Randpatrone zu verkleinern und diesen wie einen Gürtel um die Hülse zu legen? Der Verschlussabstand ist damit einwandfrei definiert. Durch den geringen Überstand des Gürtels waren auch keine Probleme beim Laden zu befürchten. Damit diese Idee so schnell keiner nachahmen konnte, wurden eiligst von Holland Patente dafür angemeldet. Fortan wurde in allen H&H-Munitionspatenten der Gürtel als herausragendes Merkmal genannt und natürlich auch alle H&H-Patronen mit diesem Gürtel ausgestattet. Unter allen Umständen wollte man eine zuverlässige Patrone kreieren. Die flache Schulter hat laut C.I.P. einen Konus von 29° 55' 43"(Maximalwert). Damit sollte die Patronenlagerbelastung bei dünnwandigen Büchsen reduziert werden. Ferner soll die gewählte Hülsengeometrie durch die leicht konische Hülsenform und die flache Schulter dafür Sorge tragen, dass sowohl bei hohen Gasdrücken als auch bei Schmutz im Patronenlager sich die Hülse ohne Probleme sicher aus dem Lager ziehen lassen kann. Bei Gürtelhülsen mit fast zylindrischen Hülsenabmessungen wie etwa der .458 Win. Mag. kann es schon mal vorkommen, dass die Hülsen klemmen. Durch die konische Hülse wird auch das Laden in das Lager erleichtert. Mit der flach ausgeführten Schulter wäre ohnehin nur schwer eine Schulteranlage ausführbar gewesen. Deshalb wurde hier der Gürtel als Verschlussabstandsmaß eingeführt. Weiterhin zeigt die konische Hülse der Patrone exakt Richtung Zuführrampe, wenn diese auf dem Zuführer des Magazins liegt. Die Briten bezeichnen diesen Vorgang als „Selbstladung“, weil die Patrone richtiggehend ins Lager flutscht. Am Hülsenboden ziert der besagte Gürtel aus Messing die Patrone und liefert somit den nötigen Verschlussabstand.

Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Deutsche Entwicklungen (von links): Die 9,3x62, 9,3x64 und 9,3x74 R sind die leistungsmäßigen Gegenspieler der .375 H&H Magnum und .375 H&H Flanged.

Letztendlich ist der Gürtel aber unnötig, wie die Patronen 9,3x62 oder 9,3x64 beweisen. Die Patrone stützt sich mit der vorderen Kante des Gürtels am Patronenlager ab. Je nach Fertigungsqualität der Hülsen, kann es sein, dass die Patrone nicht zentrisch vor dem Lauf sitzt. Dies beeinflusst die Präzision der Waffe. Viele Hersteller haben deshalb Patronen geschaffen, die dieses Thema beendeten. Beispielhaft seien an dieser Stelle die Remington Ultra-Mag- oder Blaser-Reihe erwähnt. Beide Serien schießen sehr präzise und das völlig ohne Gürtel. Des Weiteren hakt, gerade bei Zick-Zack-Magazinen, bisweilen die Zuführung, da die zuführende Patrone erst über den Gürtel der danebenliegenden geführt werden muss. Ebenfalls wichtig: Für eine einwandfreie Funktion muss die Magazinkastenlänge zur verwendeten Patrone angepasst sein. Gürtelhülsen neigen beim Wiederladen dazu, kurz oberhalb des Gürtels einzuschneiden und exakt dort zu reißen. Abhilfe schafft nur Hülsenhalskalibrieren, doch dann besteht die Gefahr, dass die Patrone, je nachdem wie oft diese geladen wurde, nicht mehr ins Lager passt. Deshalb ist vor jeder Jagd empfohlen, wenn man nicht ohnehin nur Fabrikmunition verwendet, jede Patrone zu prüfen, sie also ins Lager und aus dem Lager der Waffe zu repetieren. Aus Sicherheitsgründen sind Schlagbolzen beziehungsweise Spannhebel dann dementsprechend auszubauen respektive nicht zu benutzen. Die Geschosswirkung mit 270 Grains oder mit 300 Grains schweren Projektilen zeigt beinahe bei jedem Wild ausreichend Wirkung. Die Präzision der Patrone ist ebenfalls gut. Die Flugbahn ist ähnlich einer .30-06. Somit kann der Jäger bezüglich Schussweite beruhigt auf seinen Erfahrungen mit der heimischen Jagdwaffe in .30-06 zurückgreifen. Es hat sich nur der Geschossdurchmesser geändert. Und dieser wird bei Berechnung der Flugbahn nicht benötigt. Einzig bei sehr leichten Geschossen (154 grs. bis 225 grs.) kann es sein, dass die Drall-Länge nicht mit dem jeweiligen Geschossgewicht harmoniert und so zu größeren Streukreisen führt. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass kein Munitionshersteller diese leichten Geschosse fabrikmäßig verlädt. Aufgrund der hohen Popularität der Patrone bieten alle Matrizenhersteller dieses Kaliber an. Als Treibmittel bieten sich mittlere Sorten wie Norma 201, 202 und 203-B an oder IMR4350. Wir haben gute Erfahrungen mit Vihtavuori N140 und N540 gemacht. Höchstleistung erzielt man mit Hodgdon H4350. Premiumgeschosse gibt es bei Barnes, Degol, Hornady, Nosler, Federal, Swift und Woodleigh. Eine neue Hülse von Norma schlägt derzeit mit 2,64 Euro zu Buche. Matrizensatz von RCBS oder Hornady liegen aktuell bei  rund 73 beziehungsweise 94 Euro. 

Die Lee Factory Crimp gibt’s für günstige 24,50 Euro. Bei einer Patronenlänge von maximal 91,4 mm reicht eine RCBS Rock Chucker Presse noch aus. Ebenfalls von Vorteil ist, dass die Hülse noch in Standard-Hülsentrimmer wie etwa von Lyman passt. Wer nicht laden möchte, kann beispielsweise auch Fabrikpatronen von Barnes, Norma, Hornady, Swift, Federal, Kynoch und LFB, Nosler,  Remington oder RWS zurückgreifen.

Zu leichte Geschosse für die .375 H&H Magnum bringen nichts 

Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Die standardmäßigen Dralllängen der .375 H&H Mag.-Büchsen sind für 270 grs. (17,4 Gramm) und 300grs. (19,4 Gramm) schwere Geschosse ausgelegt.

Wir haben den Versuch unternommen und wollten herausfinden, ob wir eine hochrasante Version für die Kochtopfjagd in der Steppe auf weit entfernt stehende Antilopen erschaffen können. Als Geschosse wählten wir das 225 grs Hornady und das 250 grs Sierra Teilmantelspitz. Als Treibmittel fungierte N140, befeuert von einem Federal 215 Anzündhütchen. In den beiden Lederauflagen auf dem 100-m-Schießstand lag eine von Frankonia umgebaute 98 Favorit-Repetierbüchse. Mit 300-Grains-Patronen lieferte die rüstige Rentnerin damit gute Ergebnisse ab. Sobald jedoch die Leichtgewichte durch den Lauf geschickt wurden, sahen die Ergebnisse ernüchternd aus. Den besten 5er-Streukreis lieferte die superleichte Hornady-Laborierung mit bescheidenen 87 mm. Noch krasser waren die Ergebnisse mit dem 250-grs.-Projektil. Hier war nicht einmal der sprichwörtliche Bierdeckel auf 100 m reproduzierbar zu treffen. In Anbetracht der Achtung vor dem Tier verbietet sich damit der Einsatz auf Wild, zumal die Treffpunktlage gegenüber der 300-Grains-Version versetzt war. Auf der Jagd ergeben sich dadurch nur Probleme und unnötige Nachsuchen. 

Eindeutig stressfreier fürs Wild, den Jäger und den Berufsjäger, falls man sich auf einer Auslandsjagdreise befindet, ist es, sich für eine Laborierung zu entscheiden, die Waffe damit einzuschießen und die Treffpunktlage zu kennen. Bitte nicht nur mit einer Ballistik-App ausrechnen, sondern real auf 100 m, 150 m oder gar 200 m im scharfen Schuss ausprobieren. Auch sollte man bei schweren Geschossen wie 350 grs oder 380 grs vor dem Kauf prüfen, ob der Magazinkasten der verwendeten Waffe lang genug ist, diese Patronen aufzunehmen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der stolze Jäger im Busch feststellt, dass die Waffe durch zu lange Patronen zum Einzellader degradiert wird. Um auch Kipplaufwaffen abdecken zu können, wurde auch die Randversion .375 Holland & Holland Flanged angeboten. Klar, dass der Gasdruck bei der Randversion um 1.050 bar niedriger war, um die Belastung der Waffe niedriger zu halten. Die Randversion verblasste mittlerweile leider und wird nur noch selten auf Wunsch als Sonderkaliber verbaut. Weiterhin trägt eine deutsche, leistungsgleiche Konkurrentin ihren Anteil bei, dass die .375 Flanged zum Nischenprodukt mutiert: die 9,3x74 R. Die .375 H&H Magnum kann auch in Europa eingesetzt werden. In Skandinavien beispielsweise zur Elchjagd, in den Karpaten auf Bär und schwere Brunsthirsche oder auf über 300 kg schwere Wildschweine in Osteuropa.

Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Die .375 H&H Mag. kann auf einer simplen Einstationenpresse wie der RCBS Rock Chucker geladen werden. Matrizensätze sind von fast allen gängigen Herstellen zu haben.
Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Eine .375 H&H Magnum passt in jeden gängigen Hülsentrimmer.

Der bekannte Berufs- und Elfenbeinjäger Harry Manners hat rund 1.000 Dickhäuter mit diesem Kaliber erfolgreich zur Strecke gebracht, darunter auch den viertstärksten der Welt. Dieser fiel im Knall seiner Winchester 70 bereits 1957 im Milange-Distrikt in Mosambik. Auch konnte er 35 Angriffe von Elefanten damit erfolgreich stoppen. Weitere bekannte Nutzer dieser Patrone waren Pete Pearson und George Rushby. Aber nicht nur in Afrika, sondern auch in Indien war es eine beliebte Patrone. Zwischen 1933 und 1940 erlegte Maharaja Joodha von Nepal die stolze Anzahl von 433 Tigern mit seiner von John Rigby & Co. in London hergestellten Büchse mit Mausersystem. Von der zuständigen Jagdbehörde in Tansania wurde 2003 eine Auswertung der verwendeten Kaliber der Gastjäger vorgenommen. Die .375 H&H Mag. landete mit einem Anteil von stolzen 35% unangefochten auf Platz 1 der Beliebtheitsskala bei den Auslandsjägern. Auch bei Blaser, Mauser, Sauer, Heym und Winchester ist die Patrone im Großwildbereich auf Platz 1. Einzig die großen Elfeinbeinjäger favorisierten eindeutig viel stärkere Kaliber. In deren Beliebtheitsklasse landet die .375 nur auf Platz 11. Klar, für den Fall, einen großen Elefantenbullen auf kürzeste Entfernung zu stoppen, sind 300-Grains-Geschosse viel zu leicht. Bei Doppelbüchsen empfiehlt es sich, auf die Randversion der Patrone auszuweichen. Die Gürtelversion ist für den Büchsenmacher, der die Läufe garniert, eine Herausforderung. Keine andere Patrone bereitet mit Blick auf eine vernünftige Schussleistung so viel Kopfzerbrechen beim Verlöten der Läufe. Aufgrund des Gasdrucks fertigt beispielsweis Heym deren Laufbündel für die Gürtelhülse etwas stärker. Optisch stört Puristen diese „Welle“ am Lauf bei Doppelbüchsen sehr.

Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Der Matrizensatz für die .375 Holland & Holland Magnum ist bei allen Herstellern aufgrund der Beliebtheit in der günstigen Preisklasse angesiedelt.
Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Pulvertrichter, Hülsenmundentgrater oder Hülsenhalter  – hier passt alles für die .375 H&H Magnum, ohne auf Sondergrößen zurückgreifen zu müssen.

Ballistik: Die Wirkung der Großwildpatrone .375 H&H Mag.

Ein deutscher Berufsjäger hat über Jahre hinweg eine Statistik von seinen Klienten aufgestellt, die alle auf Büffel gejagt hatten. Im Durchschnitt werden fünf Schüsse mit einer .375 abgegeben, während sich Schützen mit Waffen in einer Kaliberklasse darüber (.416) nur mit zwei Schüssen begnügen, um das Stück auf die Strecke zu bannen. Klar, der größere Durchmesser, die 100 grs mehr an Geschossgewicht und die daraus resultierende höhere Querschnittsbelastung bringen mehr Augenblickswirkung. Der vielbesagte Vorteil von 9,5 mm zu 9,3 mm kann jagdlich und ballistisch nicht festgestellt werden. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, sollte seinen Jagdveranstalter (nicht den Vermittler) kontaktieren. Oft wird die deutsche Ausführung 9,3x62 oder 9,3x64 ebenfalls für Großwild zugelassen. Eine Mutmaßung: Das Mindestkaliber ist deshalb .375 für Big Game (Großwild), damit die deutschen 9,3-mm (=.366)-Patronen als Konkurrenten vom Festland keinen Zugang zu den britischen Jagdeldorados erhalten. Nichtsdestotrotz führte diese Mindestkaliberforderung wohl zu einem wahren Boom der Patrone. Nahezu jeder Hersteller bietet zumindest eine Büchse in diesem Kaliber an, während hingegen das deutsche Pendent, die 9,3x64, bei Neuwaffen völlig verschwunden ist. Lediglich RWS fertigt noch Munition und Hülsen dafür. 

Patronen für die Großwildjagd Teil 1: Kaliber .375 Holland & Holland Magnum – Britischer Klassiker
Mündungsseitiger Notbehelf: Anstatt auf eine Mündungsbremse zu setzen, sollte bei leistungsstarken Patronen wie der .375 H&H lieber das Waffengewicht möglichst hoch sein und der Schaft in der Ergonomie perfekt passen.

Die .375 H&H mit einer Energie von etwa 5.880 Joule ist von jedem Schützen zu beherrschen, da der Rückschlag im Vergleich zu manch ruppigem Kaliber wie .458 Lott verhältnismäßig mild ausfällt. Der Rückschlag ist eher ein Schieben als ein Treten. Zusammenfassend kann gefolgert werden, dass die .375 H&H Mag. eine gelungene Patrone darstellt. „Job well done!“, um im englischen Fachjargon zu bleiben. Sie ist mit Abstand die am weitesten verbreitete Universalpatrone und beinahe überall verfügbar, sollte mal die Munition im Busch zur Neige oder gar verloren gehen. Mit einem Exotenkaliber wäre die Jagd dann zu Ende. Auch für kleinste Wildarten wie Suni oder Rotducker ist die große Patrone geeignet. Einfach ein Vollmantelgeschoss wählen und selbst Ganzpräparate sind von dem Stück möglich. Auf der SCI-Messe in USA fand sich auf dem Stand einer deutschen Waffenschmiede Mr. 600 Nitro Express himself, Mark Sullivan, ein. Binnen Sekunden war eine Menschentraube um diesen polarisierenden Großwildjäger entstanden und es wurde dem Meister, mehr oder weniger, von den Besuchern gehuldigt. Einer fasste sich ein Herz und fragte, ob seine .375 H&H Mag. für Afrika ausreichend sei. Die Antwort von Sullivan: „My grandma uses a three-seven-five for plinking in the garden behind the house“. Übersetzt: „Meine Großmutter schießt mit einer .375er im Garten hinterm Haus auf Bierdosen”. Das sorgte für einen großen Lacher.


Dieser Artikel erschien in der caliber, Ausgabe 6/2025. Dort ist nicht nur die Tabelle mit den Schießergebnissen von jeweils sechs Patronen aus Winchester 70 Safari Express (Lauflänge 60 cm), McMillan Alaskan Talon (Lauflänge 65 cm) und Sako 85 Deluxe (Lauflänge 62 cm) enthalten, sondern auch weitere Informationen zu auf der .375 H&H Mag. basierenden Abwandlungen von ihr inspirierten Patronen. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.

*Weitere Hinweise zum Urheber des Fotos mit der Cordit-Ladung und zur Copyright-Linzenz.