Tikka T3x Ace Game mit Burris Eliminator 6 und Norma Odin im Praxistest: Wie gut ist die Kombi auf der Jagd?

Manche Testwaffen schickt man nach Abschluss der Erprobung mit einem gewissen Bedauern zurück. Die Tikka T3x Ace Game mit dem Burris Eliminator 6 gehört für uns dazu. Dabei stand am Anfang durchaus Skepsis: Kann eine Büchse, die auf den ersten Blick eher an ein Long-Range-Gewehr erinnert, im Jagdalltag überzeugen? Das Erscheinungsbild dürfte vor allem Jäger ansprechen, die einer modernen Ausstattung gegenüber aufgeschlossen sind. Wer klassische Schaftformen bevorzugt, muss sich an die Ace Game möglicherweise erst gewöhnen. Entscheidend war für uns aber, was die Kombination im Revier und auf dem Schießstand leistet. Genau dort sollte sie zeigen, ob hinter der sportlichen Optik auch ein schlüssiges jagdliches Konzept steckt. Das Setup wurde uns von Großhändler Manfred Alberts GmbH  zur Verfügung gestellt. 

Tikka ACE Game im Kaliber .308
Die Tikka T3x Ace Game in .308 Winchester mit montiertem Burris Eliminator 6. Zusammen mit der Munitionssorte Norma Odin mit 162 Grains schwerem Geschoss wurde die Kombination jagdlich geführt und auf dem Schießstand auf 100 m sowie 300 m erprobt.

Tikka T3x Ace Game: Repetierbüchse zwischen Jagd & Schießsport

Daumenauflage bei der Tikka ACE Game
Die Tikka T3x Ace Game besitzt eine verstellbare, beidseitig nutzbare Daumenauflage. Dieses an klassischen Jagdbüchsen seltener zu findende Detail gefiel unserem Tester besonders.

Tikka positioniert die T3x Ace Game für die Jagd und das sportliche Schießen. Die Büchse besitzt ein modulares Chassis und einen gefluteten Lauf mit mittlerer Kontur. Unsere Testwaffe im Kaliber .308 Winchester war mit einem rund 51 Zentimeter langen Lauf und einem Drall von 1:10 Zoll ausgestattet. Die genaue Lauflänge gibt Tikka hier mit 508 Millimetern an. Die anpassbare Ergonomie erlaubt es, die Büchse auf den Schützen abzustimmen: Schaftlänge, Wangenauflage und Schaftkappe lassen sich einstellen, der Pistolengriff ist in Winkel und Position veränderbar. Hinzu kommt eine verstellbare, beidseitig nutzbare Daumenauflage, die dem Tester besonders gefiel. Ein solches Detail findet man an klassischen Jagdbüchsen seltener. Der vergleichsweise kurze Lauf hält die Abmessungen der Testwaffe überschaubar. Mit dem Burris Eliminator 6 kommt allerdings spürbar Gewicht hinzu. Ein zusätzlicher Schalldämpfer würde das Gesamtgewicht weiter erhöhen.

Burris Eliminator 6: Entfernungsmessung & Ballistik im Zielfernrohr

Auch schon frühere Generationen des Burris Eliminator waren bei uns im Einsatz. Deren futuristisches Erscheinungsbild erinnerte allerdings eher an ein Raumschiff, als eine herkömmliche Zieloptik. Das Eliminator 6 kommt dem klassischen Zielfernrohr äußerlich deutlich näher. Das Burris Eliminator 6 4–20×52 ergänzt die Tikka um einen Laserentfernungsmesser, eine ballistische Berechnung und eine Haltepunktanzeige im Absehen. Die ballistischen Profildaten werden über die Burris-Connect-App eingebunden. Zusätzlich lassen sich die für die gemessene Entfernung berechnete Geschossgeschwindigkeit und Geschossenergie anzeigen. Dabei handelt es sich um Rechenwerte auf Grundlage der hinterlegten Daten, nicht um Messungen im Ziel. Im praktischen Einsatz überzeugte uns die Verbindung von Entfernungsmessung und ballistischen Informationen in einem Gerät. Diese Unterstützung verlangt allerdings eine sorgfältige Vorbereitung: Passende ballistische Daten, eine korrekte Montage und die Überprüfung auf dem Schießstand gehören dazu. Die Einschätzung des Windes und die Entscheidung, ob die jeweilige Jagdsituation einen sicheren Schuss zulässt, bleiben Aufgaben des Schützen. Für die jagdliche Einordnung der Kombination spielen außerdem das Gewicht, die vierfache Anfangsvergrößerung und die Batterieabhängigkeit der elektronischen Funktionen eine Rolle. Für unseren Tester liegt der Schwerpunkt des Eliminator 6 klar auf der Jagd. Wer die Tikka zusätzlich sportlich einsetzen möchte, kann dafür je nach Disziplin eine andere Optik vorsehen.

Burris Eliminator 6
Das Burris Eliminator 6 4–20×52 auf der Tikka T3x Ace Game verbindet einen Laserentfernungsmesser mit ballistischer Berechnung und einer darauf basierten  Haltepunktanzeige im Absehen.

Ein Wunsch für die Praxis: Den Anschuss per Smartphone wiederfinden

Während der Erprobung entstand bei unserem Tester ein Wunsch für eine mögliche Weiterentwicklung des Eliminator 6: die Position des mit dem Entfernungsmesser erfassten Zielpunktes auf eine Smartphone-Karte übertragen zu können. Gerade in unübersichtlichem Gelände könnte das beim Wiederfinden des Anschusses helfen. Für eine technisch belastbare Umsetzung müssten neben der Entfernung auch Richtung und räumliche Lage berücksichtigt werden. Ob und wie sich das realisieren ließe, bleibt offen.

Die 162 grs Norma Odin in .308 Winchester lieferte auffallend gleichmäßige Geschwindigkeiten

Als dritte Komponente kam die Norma Odin mit dem 10,5 Gramm (162 Grains) im Kaliber .308 Winchester zum Einsatz. Norma verwendet für diese bleifreie Jagdmunition ein monolithisches Kupfergeschoss mit Polymerspitze und einer speziellen Beschichtung. In unserem Test fiel vor allem die sehr geringe Schwankung der gemessenen Mündungsgeschwindigkeit auf. Bei der Schießstandeinheit auf der 100- und 300-Meter-Bahn lagen die erfassten Werte bemerkenswert dicht beieinander. Bei den insgesamt gut 30 mit dem Garmin Pro gemessen v0-Werten bewegten sich die Werte alle zwischen 840 und 850 m/s. Diese Gleichmäßigkeit gehörte für uns zu den überzeugenden Eigenschaften der getesteten Kombination.

Norma Odin
Die bleifreie Norma Odin in .308 Winchester verwendet ein monolithisches Kupfergeschoss mit Polymerspitze und NAFT-Beschichtung. Im Test fiel sie durch sehr geringe Schwankungen der gemessenen Mündungsgeschwindigkeit auf.

NAFT: Was hinter der Beschichtung der Norma Odin steckt

Das Geschoss der Norma Odin verfügt über eine NAFT-Beschichtung. NAFT steht dabei für Norma Anti-Friction Technology. Diese Beschichtung soll nach Herstellerangaben die Reibung im Lauf verringern und damit Wärmeentwicklung, Verschleiß und Ablagerungen reduzieren. Als weiteren Vorteil nennt Norma eine gleichmäßigere Geschossgeschwindigkeit. Damit greift der Hersteller Aspekte auf, die auch bei längeren Schießstandeinheiten interessant sind.

Jagdliche Einordnung: Das Revier entscheidet über den Nutzen

Tikka Ace Game im jaglichen Einsatz
Waidmannsheil: Die Tikka T3x Ace Game mit dem Burris Eliminator 6 wurde im Rahmen der Erprobung auch jagdlich geführt.

Auf dem Schießstand kam die Kombination auf 100 und 300 Meter zum Einsatz. Für uns gehörte gerade das Schießen auf 300 Meter zu den besonders positiven Erfahrungen der Erprobung. Wie sinnvoll die Ausrüstungskombi jagdlich ist, hängt aus unserer Sicht vom jeweiligen Revier ab. Größere Entfernungen können sich etwa im offenen Gelände oder bei der Bergjagd ergeben. Auch mit moderner Optik und ballistischer Unterstützung bleibt es das Ziel, möglichst nahe an das Wild heranzukommen. Ob ein Schuss vertretbar ist, hängt stets von der konkreten Situation und nicht auch zuletzt dem Können des Schützen ab. Im jagdlichen Alltag des Testers auf Rügen schießt er überwiegend auf Entfernungen bis etwa 150 Meter. Dafür empfinden wir die Kombination eher als überdimensioniert. Anders fällt unsere Einschätzung aus, wenn regelmäßig größere Distanzen eine Rolle spielen und nur kurze Wege im Revier zurückzulegen sind. Wer mit Blick auf diese Gegebenheiten eine Präzise und für weitere Distanzen nutzbare Büchse sucht, sollte die hier getestete die Kombination durchaus für einen Kauf in Betracht ziehen.

Unser Fazit zur via Manfred Alberts GmbH erhältlichen Kombi Tikka T3x Ace Game mit Burris Eliminator 6 und Norma Odin: Besonders interessant für den Ansitz

Tikka ACE Game im jagdlichen Einsatz
Die Tikka T3x Ace Game mit dem Burris Eliminator 6 beim Ansitz. Für diese Jagdart und Einsätze mit kurzen Wegen ist die Kombination besonders interessant. Für ausgedehnte Pirschen eignet sie sich wegen ihres Gewichts nur bedingt.

Für den Ansitz und Jagdsituationen mit kurzen Wegen ist die Kombination aus Tikka T3x Ace Game, Burris Eliminator 6 und Norma Odin besonders geeignet. Auf dem Schießstand zeigte das Gesamtpaket eine sehr gute Präzisionsleistung bis auf 300 Meter. Die Munition fiel zudem durch ihre gleichmäßigen Mündungsgeschwindigkeiten auf. Den jagdlichen Einsatz begrenzt vor allem das Gewicht des Test-Setups. Für ausgedehnte Pirschen eignet sich die Kombination deshalb nur bedingt. Im Gebirge käme sie für uns vor allem dort infrage, wo lange, anstrengende Tragewege keine wesentliche Rolle spielen. Ein zusätzlicher Schalldämpfer würde das Gesamtgewicht weiter erhöhen. Die sportliche Gestaltung bleibt letztlich Geschmackssache. Dem Autor fiel die Rückgabe der Testwaffe jedenfalls nicht leicht: Die Kombination hatte auf dem Schießstand viel Freude gemacht und zugleich gezeigt, dass ihr ungewöhnliches Erscheinungsbild einem jagdlichen Einsatz keineswegs entgegensteht.


Weitere Informationen zu den Komponenten des Setups aus Tikka-Büchse, Burris-ZF in Kombination mit der Norma Odin-Munition erhalten Sie auf den Webseiten der jeweiligen Hersteller:

außerdem beim deutschen Importeur, der Manfred Alberts GmbH.