Vor zwei Jahren hatte ich bereits die Möglichkeit einen Geradezugrepetierer von Stell Action zu testen. Dieser lief sehr gut ab und machte Freude. Die Antwort auf die Frage, ob ich wohl gern die Steel Action mit einem FBT-Schaft testen wollte, lautete dementsprechend selbstverständlich "ja". Die Firma Steel Action GmbH hat ihren Sitz in Köln und ist mit ihren Waffen im Sortiment von Großhändler RWS GmbH vertreten, der uns auch diese Waffe für den Test zu Verfügung gestellt hat. Der Name war Steel Action war bislang immer Programm, die Waffen aufgrund der Bauweise entsprechend schwer. Seit Januar 2025 gibt es nun auch die verschlankten, leichteren Modelle Hunting Short Light (HSL) und seit Januar 2026 die Hunting Medium Light (HML). Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der Gewichtsreduzierung. In der Hunting Short Light (HSL) Ausführung kann das bis zu 500 g bedeuten (je nach Holzdichte) und bei den Repetierern aus der Hunting Medium Light Gruppe (HML) bis 300 Gramm, wobei sich die Kürzel "HS" und HL" allerdings auf die Systemlänge beziehen. Bei beiden Systemspielarten stehen drei Schaftvarianten zur Verfügung: Holz (hochwertiger Nussbaum mit Ebenholzabschluss und Pistolengriffkäppchen aus Ebenholz), Carbon Pro sowie FBT Unic Super Ergo. In allen System-Gruppen (HS, HM, HSL und HML) kann man meist zwischen zwei Lauflängen pro Kaliber wählen.

Schaft der Steel Action: Unic SuperErgo-Kohlefaserschaft von Fine Ballistic Tools
So weit, so gut. Da war sie nun, die Steel Action HML mit dem Unic SuperErgo-Kohlefaserschaft von Fine Ballistic Tools im Kaliber .30-06 Springfield. Das Gesamtgewicht des Sets inklusive Zielfernrohr und Montage beträgt 4.080 g, ohne ZF sind es 3.200 Gramm. Die Schäfte des österreichischen Herstellers FBT sollten mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Der SuperErgo verfügt über einen steilen Pistolengriff. Laut Hersteller soll sich dies positiv auf die Handhaltung auswirken, und dies mit dem Effekt, das Risiko des Reißens am Abzug zu minimieren. Der Schaft wiegt nur zirka 650 Gramm, was eine enorme Gewichtsersparnis bedeutet. Für Pirsch- und Bergjäger sicher ein nicht wegzudiskutierender Vorteil. Dank der Carbon-Hybridbauweise absorbiert das Material Vibrationen und vor allem die Rückstoßenergie. Für Putz- und Pflegemuffel ist Kohlefaser ebenfalls sehr dankbar, denn ein Pflegeaufwand entfällt fast gänzlich. Die Vorder- und Hinterschaftteile werden bei FBT-Schäften jeweils am Stück aus Karbonfasern gefertigt. Der Mittelschaft (inklusive der Systembettung) besteht aus 3D-gedrucktem Kunststoff und wird in patentierter Art mit den beiden anderen Schaftteilen verklebt. Den Mittelteil des SuperErgo-Schaftes beschichtet FBT mit Cerakote. Die Ausstattung umfasst zwei Halder-Riemenbügel "Slim Push & Go" sowie die vorbereitete Buchsenaufnahme "Magna Switch" für Zwei-/Drei- und Vierbeine von Spartan. Die Schaftlänge lässt sich optional mittels eines Spacer-Systems an den Anwender anpassen. Die Wangenauflage kann per Druckknopf verstellt werden. An der Unterseite des Hinterschaftes findet sich ein sogenannter "J-Hook", mit dem der Schaft perfekt in die Schulter gezogen werden kann. Dieser Haken ist herausnehmbar und könnte zum Beispiel gegen einen Erdsporn getauscht werden.

Detaillierter Blick auf System, Lauf, Magazin sowie den Abzug der Steel Action HML FBT Super Ergo

Wer eine Steel Action wählt, entscheidet sich für ein Geradezugsystem mit Handspannung. Der Spannschieber steht aus dem Schlösschen vor und muss zum Spannen der Waffe nach vorn gedrückt werden. Soll der Repetierer entspannt werden, den Spannschieber noch etwas weiter hineindrücken und zusätzlich den kleinen Entspannknopf an seiner Oberseite betätigen, dann den Handspanner zurückkommen lassen. Ob das auch lautlos funktioniert? Logo. Soll die Waffe im entspannten Zustand geöffnet werden, muss der Handspanner ein kleines bisschen gedrückt und gleichzeitig am Kammerstängel gezogen werden. Möchte man die entspannte Waffe repetieren, genügen schlicht ein beherztes Zupacken am Kammerstängel und der normale, geradlinige Repetiervorgang. Wie bei einer kleinen Schatzsuche hangelt man sich zum Entnehmen des Verschlusses von einem Hinweis zum nächsten. Als Erstes drückt man den verstellbaren Schaftrücken nach unten. Nun öffnet man den Verschluss und drückt den Abzug sowie den kleinen Pin links am Schlösschen: Der Verschlusskopf dreht sich und kann jetzt zwischen den Warzen am Abzugsstollen vorbei. Als Nächstes müssen der Stift links am System heruntergedrückt und der Abzug betätigt werden. So kommt der Verschluss frei.

Die HML-Version hat einen Laufdurchmesser von 17 mm an der Mündung. Steel Action setzt auf Lothar-Walther-Läufe. Die Lauflänge der hier getesteten Waffe beträgt 51 cm. Ein M15x1-Mündungsgewinde ist vorgeschnitten und wird mit einem Käppchen geschützt. Die Oberfläche des Systems sowie des Verschlusses sind nitrocarburiert. Die Oberflächenhärte wird durch dieses thermochemische Verfahren erhöht, dadurch verbessert sich der Verschleißschutz. Das Abzugsgewicht ist im Bereich von 500 bis 2.500 Gramm einstellbar, ab Werk lagen bei der Testwaffe zirka 730 g an der Waage an. Die Einstellung des Abzugsgewichtes erfolgt mittels passendem Sechskantschlüssel durch ein Loch im Abzugsbügel. Eine Sicherheitssperre verhindert, dass das Abzugsgewicht unter 500 g verstellt werden kann. Nach subjektivem Empfinden hätte der Abzug noch etwas knackiger und definierter sein können, aber da hat ja jeder seine Vorlieben. Insgesamt lässt sich der Abzug als solide sauber brechend beschreiben. In dem bis auf den Zubringer aus Stahl gefertigten Einsteckmagazin haben bei der Testwaffe fünf Patronen in .30-06 Springfield Platz. Eine weitere kann direkt ins Patronenlager geladen werden. Das Bestücken des Magazins funktionierte einwandfrei.
Die Test-Optik: Das Allround-Glas Night Pearl Manul M6 2-12x42i
Auf dem Systemgehäuse (und aus dem Vollen gearbeitet) sind Picatinny-Montagebasen bei der Steel Action zu finden. Als Zielfernrohrmontage für das Night Pearl-Glas dient die firmeneigene Brückenmontage von Steel Action. Diese gibt es für Zeiss- und Swarovski-Schienen sowie für 30-mm-Ringe, so wie im Fall der Testbüchse. Der Hersteller setzt hier auf verstellbare Klemmhebel, die eine wiederholgenaue Montage ohne Werkzeug ermöglichen sollen.
Für den Test wurde die Waffe mit einem Zielfernrohr des Typs Night Pearl Manul M6 2-12x42i mit sechsfachem Zoom-Faktor ausgestattet. Das beleuchtete NP4-Absehen liegt hier in der zweiten Bildebene. Es gibt sechs Beleuchtungsstufen, die am Turm links verstellt werden. Der linke Turm ist doppelt belegt, hier kann man ebenfalls die Parallaxe justieren, bis hinunter auf 10 Meter. Der Mittelrohrdurchmesser beträgt 30 mm. Die Klickverstellung erfolgt in Schritten zu ¼ MOA. Der rechte Turm ist für die seitliche Verstellung zuständig, der mittlere für die Höhe. Zum Lieferumfang gehören hochwertige Flip Caps aus Aluminium mit Dichtungsring sowie ein einschraubbarer Throw Lever.
Die über die RWS GmbH im deutschen Einzelhandel verfügbare Steel Action HML FBT Super Ergo in der Praxis

Steel Action hat unter Jägern einen guten Ruf, jedoch war dieser immer mit einem "aber" verbunden. Dieses war zumeist auf das Waffengewicht bezogen. Mit den neuen, leichteren Versionen sollte dieser Einschränkung der Wind aus den Segeln genommen werden. Besonders gespannt war ich auf das Zusammenspiel eines so leichten Schaftes und des recht potenten Kalibers .30-06 Springfield. Ob das wohl funktioniert? Ehrlicherweise haben wir das ohne Schalldämpfer nicht ausprobiert. Mit Schalldämpfer war es jedoch ein ganz wonnevolles Schießerlebnis. Es hat wenig Hochschlag gegeben und kaum Rückstoß. Am Verkaufsargument von FBT, dass der Schaft einiges an Rückstoß kompensiert, scheint wohl doch etwas dran zu sein. Mir liegen die Schäfte von FBT. Ich mag die Haptik des Materials und mir liegt die Ergonomie des Schaftes an sich. Die Handhaltung, die sich durch die Gestaltung im Bereich des Übergangs vom Hinterschaft zum massigen Pistolengriff ergibt, ist sehr bequem.
Was oftmals bei den FBT-Schäften bemängelt wird, ist, dass sie innen hohl sind und dies geräuschintensiv sein kann. Wenn man ungeschickt mit der Waffe anschlägt, dann scheppert es. Aber das tut es auch bei solchen Schaftkonstruktionen anderer Hersteller.
Wie immer erfolgte das Schießen der Streukreise auf der 100-m-Bahn. Gemessen wurde mit einem Xero C1 von Garmin. Das beste Ergebnis mit einer Gruppe von 13 mm erzielte die RWS HIT. Beim Test auf dem Schießstand gab es keinerlei Zuführungsstörungen oder Probleme beim Auswerfen der Hülsen.
Ein paar Ansitze war ich zwar "steel"-voll, aber beutelos unterwegs, dann ließ der Wind den Ansitz auf dem "Gruselsitz" in unserem Revier zu. Das ist mein absoluter Favorit. Man sitzt ziemlich weit im Bestand und der Wind muss dementsprechend unbedingt passen. Das Wetter war recht wechselhaft. Bisschen Sonne hier, bisschen Regen dort, ziemlich weit entfernt grummelte es vor sich hin. Ich hörte es knacken und machte mich bereit. Dann klingelte das Telefon … Wie dumm. Gespräch weggedrückt, Ton ausgeschaltet und wieder auf das Knacken gehorcht. Natürlich war jetzt alles still. Ich hätte mir in den Hintern beißen können. Während ich mich noch ärgerte, tauchte an der Salzlecke plötzlich ein kleines Böckchen auf. Dem Jährling war meine erzeugte Geräuschkulisse wohl doch nicht unheimlich gewesen. Der Schuss saß knapp hinter dem Blatt und der Jährling sprang mit einem Satz und Getöse ins Gemüse. Ich wartete die berühmt-berüchtigte Zigarettenlänge und inspizierte dann den Anschuss. Der Lungenschweiß ließ auf eine Totsuche schließen. Mein Dackelmädchen war schnell aus dem Auto geholt und arbeitete die kleine Fährte schnell zum Ziel. Waidmannsheil und Waidmannsdank.
Auf der Jagd empfand ich die Art des Spannens der Steel Action als sehr praktisch und benutzerfreundlich. Der Widerstand lässt sich sehr gut überwinden, ohne dass die Waffe wackelt oder man sich anstrengen müsste. So kann man im Ziel bleiben, spannen und schießen. Ebenfalls linear ist der Repetierweg: Den Kammergriff greifen, beherzt zurückziehen und kontrolliert wieder nach vorn führen. Der Verschluss läuft sauber und flüssig. Ob man unbedingt bei dem kurzen Kammergriff noch solch eine dicke Kugel braucht oder ob man dieses Bauteil etwas schlanker gestalten könnte, ist ein ganz subjektives Kriterium.
Modell: | Steel Action HML FBT Super Ergo |
Kaliber: | .30-06 Springfield |
Magazinkapazität: | 5 Patronen |
Lauflänge: | 51 cm |
Dralllänge: | 11" |
Abzugsgewicht: | 500 bis 2.500 g |
| Länge: | 102 cm |
Gewicht: | 3.200 g |
Links-/Rechtsausführung: | Rechtsausführung |
Preis: | 4.499,- Euro |
Ausstattung: | Geradezugrepetierer Handspannung, Wangenauflage verstellbar, kannnelierter Verschluss, Einsteckmagazin, M15x1-Laufgewinde. |
Fazit: Das kann die Steel Action HML FBT Super Ergo
Meine erste Assoziation mit der Steel Action vor zwei Jahren war die einer gemütlichen "Pummelfee". In der jetzigen Konfiguration hat sie sich zur sportlich schicken, modernen flotten Biene gemausert. Bei der hier getesteten, leichteren Ausführung gibt es kein "Aber" mehr: Wer sich für eine Geradezugwaffe aus Deutschland interessiert, kommt an der Steel Action einfach nicht mehr vorbei.
Dieser Artikel erschien auch in der VISIER, Ausgabe 8/2026. Darin ist auch die ausführliche Schießtabelle mit 6 Laborierungen enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Weitere Informationen zur den Büchsen von Steel Action gibt es auf der Webseite des Herstellers. Außerdem im aktuellen Katalog Jagd & Sportschießen 2026 der RWS GmbH.










