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Test: Franchi Horizon in .308 Winchester

Der italienische Hersteller Franchi dürfte vor allem für seine Flinten bekannt sein. Jetzt gibt es aber etwas Neues. Nach 150 Jahren Firmengeschichte baut Franchi nun erstmals einen Repetierer, der auf den Namen Horizon hört. Die Büchse platziert sich im Niedrigpreissegment, wo jüngst auch Mauser mit der M18 auftauchte. Doch nun folgt ein näherer Blick auf das gute Stück. Und dabei interessiert vor allem, was der Kunde für eine Büchse bekommt, die weniger als 900,- Euro kostet...

Die Eigenschaften der Franchi Horizon:

Blick in die Mündung der Franchi Horizon
Ausstattung: Brünierter Lauf mit Zügen und Feldern, offene Visierung, ebenso Mündungsgewinde in 12,5 Millimetern.

Die Horizon ist derzeit in 5 Kalibern zu erwerben: .243 Winchester, .270 Winchester, .30-06 Springfield, .308 Winchester sowie in .300 Winchester Magnum stehen zur Auswahl. Die Lauflänge beträgt bei den Standardkalibern 56 cm bei einer Gesamtlänge von 107,5 cm. Das Magnum-Kaliber hat eine Lauflänge von 61 cm, die Gesamtlänge beträgt 112,5 cm. Bereits ab Werk kommt die Franchi mit einem Mündungsgewinde in 12,5 mm daher, ebenso inklusive einer offenen Visierung. Die Repetierbüchse hat ein Gesamtgewicht von 2,99 kg und 3,19 kg in der Magnum-Variante. Werksseitig ist der Lauf der Waffe schwarz brüniert und aus einer Chrom-Molybdän-Legierung. Die Schaftkappe besteht aus Polyurethan. Der Twin Shock Absorber kann in 3 unterschiedlichen Längen erworben werden. Hier stehen 347, 355 und 365 mm zur Auswahl. Ausgeliefert wird die Franchi mit der Kappe in der Medium-Ausgabe. 

Aufgrund des während der Schussabgabe expandierenden Absorber-Materials verspricht Franchi eine 50-Prozent-Reduktion des Rückstoßes. Im unteren Teil des Hinterschaftes ist die Riemenbügelaufnahme integriert − praktisch für das Schießen ohne Trageriemen: Wird zum Beispiel über ein Schießgestell geschossen, kann die Waffe ganz einfach abgelegt werden beziehungsweise für das Schießen über Sandsäcke muss nicht noch ein extra herausstehendes Teil beachtet werden.

Franchi-Logo am Pistolengriff der Franchi Horizon
Der einzige Schnörkel der Franchi Horizon: das orangefarbene Logo im Pistolenkäppchen. Sonst ist alles sehr sparsam.

Die Jagdbüchse hat einen modernen, geraden Schaftrücken und eine ergonomische Ausarbeitung des Übergangs zum Pistolengriff. Auch etwas kleinere Damenhände können diesen gut und sicher umfassen. Das Pistolenkäppchen verfügt über die einzige Verzierung an der gesamten Waffe, denn hier prangt ein orangefarben leuchtendes "F". Die Sicherung der Horizon blockiert den Abzug und sitzt rechts auf der Waffe. Der Kammergriff der Franchi ist wie die gesamte Waffe im "all black Look" gehalten. Der Griffknopf ist hohlgedreht und konisch. Dieses funktionelle Design ermöglicht schnelles und leichtgängiges Repetieren. Der Kammerstängel ist aus einem Stück gefräst. Die einzelnen Rillen sind hier nicht nachpoliert und so ergibt sich beim Repetieren ein leicht störendes Schab- oder Kratzgeräusch. Der Verschluss schließt mit insgesamt 3 Verriegelungswarzen. Die Horizon hat einen trockenen Flintenabzug. Das Abzugsgewicht kann von 900 bis 1.800 g eingestellt werden. Der Abzug an sich kriecht nicht, sondern reagiert präzise und direkt. Ein Stecher ist optional möglich.

Die Franchi Horizon verfügt über kein Einsteckmagazin. Geladen wird die Repetierbüchse von oben. Es finden je nach Kaliber zwischen 3 und 4 Schuss Platz im Klappdeckelmagazin. Um das Magazin schnell zu entleeren, kann im Abzugsbügel ein Klappmechanismus ausgelöst werden, der alle Patronen aus dem Lager zugleich entlässt. Der schwarze Kunststoffschaft ist aus einem glas­berverstärkten Technopolymer gefertigt. Die extra ausgeformten Griffzonen mit einem Waffelprofil sind rutschfest und geben extrem guten Halt. Franchi hat hier besonderes Augenmerk auf eine sehr ergonomische Form des Schaftes gelegt. So wie im Hinterschaft ist auch im Vorderschaft die Riemenbügelaufnahme integriert. Nachdem mehr als 1.000 Jäger bei der Waffenhandhabung beobachtet und befragt wurden, scheint dem Hersteller diese Art der Schäftung als die perfekte Gestalt.

Grundsätzlich sind für die Montage eines Zielfernrohres alle Varianten möglich. Die hier zur Verfügung gestellte Testwaffe wurde mit einer MAK-Schwenkmontage ausgeliefert. Darauf montiert wurde ein Steiner Ranger in 3-12x56. Das Zielfernrohr hat ein Gewicht von nur 705 g und passt sehr gut zum Gesamtbild der Waffe. Das Steiner hat ein 4A-i-Absehen und ein sehr großes Sehfeld. Der Leuchtpunkt hat fünf Tages- und sechs Nachtstellungen. Zwischen jeder Stellung ist der Leuchtpunkt auf Standby. Dieses Glas liegt bei einem Kaufpreis von unter 1.000 Euro.

Technische Daten der preisgünstigen Jagdbüchse:

Modell:Franchi Horizon
Preis:849,- Euro
Kaliber:.308 Winchester
Gewicht:2.990 g
Länge:1.075 mm
Lauflänge:560 mm
Abzug:einstellbar
Laufdicke:15,5 mm (Durchmesser)
Drall:11 Zoll
Kapazität:4 + 1 Patronen
Laufprofil:Bandgeschnitten
Material:Metall, Kunststoff
Sicherung:Zeistellungssicherung
Ausstattung:Zweistellungssicherung, MAK-Schwenkmontage, einstellbarer Abzug,
seitlich versetzte Aufnahme für Patronen, glasfaserverstärkter
Technopolymer-Schaft mit Waffelprofil-Griffzonen, Pistolengriff,
brünierter Lauf, 3-Warzen-Verriegelung.

Mit der Franchi Horizon auf dem Schießstand:

Klappdeckelmagazin der Franchi Horizon
Blick auf das Klappdeckelmagazin. Der Mechanismus wird mittels Druckknopf im Abzugsbügel ausgelöst.

Für den scharfen Schuss ging es zunächst auf den Schießstand, um dort die Horizon über 100 m Distanz auszuprobieren. Die Auswahl der Munition erfolgte hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt, dass mit einem Jagdgewehr auch jagdliche Munition verschossen werden soll. Weiterhin sollte getestet werden, ob die Franchi vielleicht unterschiedlich auf verschiedene Arten von Munition reagiert. Am besten schnitten die Sorten von RWS und GECO ab. Beide lieferten einen Streukreis von 2 cm. Auf dem zweiten Platz, wenn auch als Vollmantel, liegt die günstigste Munition von PPU. Sellier & Bellot und Remington folgten auf den Plätzen danach. Alles in Allem präsentierte sich die Franchi auf dem Schießstand sehr gut ausbalanciert, der Abzug reagierte direkt und kroch nicht. 

Die Franchi Horizon im Revier:

Sicherung der Franchi Horizon
Die Zwei-Stellungs-Sicherung der Franchi blockiert den Abzug. Stellung eins erlaubt aber das Be- und Entladen der Kammer.

Und wieder stand der Praxis-Check im jagdlichen Einsatz auf dem Programm. Mit insgesamt 4 Jägern postierte man sich im Revier und zwar an den Brennpunkten, sprich: an den Wiesen mit angrenzenden Straßen. Das Handy in der Jackentasche vibrierte und einer nach dem anderen schrieb, er habe etwas erlegt. Die meisten dieser Nachrichten endeten mit der Frage "und bei dir?". Vor der Franchi tat sich lange Zeit nichts. Und ja: nicht geschossen ist auch gejagt und nicht jeder Tag ist ein Tag zum Beutemachen. So gingen die nächsten Stunden dahin in den Abend, mit der Frage verbunden, ob nicht ein Wechsel des Platzes besser wäre. Die Gedanken schweiften ab, bis sich dann doch noch etwas einstellte. Es waren Rehe, die sich heraus wagten. Die 2 weiblichen Stücke wanderten hin und her und ließen vermuten, aufgrund von Habitus sowie des Verhaltens, dass es 2 Schmalrehe wären. Aber um alle Eventualitäten auszuschließen, stand noch der überprüfende Blick zwischen die Keulen auf dem Programm. Das erste Tier war auf alle Fälle ein Schmalreh. Nummer 2 ließ sich relativ lange bitten, bis auch hier eindeutig das zu identifizieren war: ebenfalls ein Schmalreh. Nicht viel stärker als das andere, aber immerhin.

Verschluss der Franchi Horizon
Die 3 Verriegelungswarzen, mit denen die Franchi schließt.

So fiel die Entscheidung, mit der Franchi als Premiere das schwächere der beiden Stücke nach Möglichkeit zu erlegen. Die Horizon auf dem Schießbrett eingerichtet und gewartet, um einen guten Schuss antragen zu können. Die Möglichkeit bot sich und das Schmalreh wurde durch das RWS-Geschoss an Ort und Stelle gebannt. Repetiert. Das zweite Stück zeigte sich durch den Knall verwirrt, ging ein paar Schritte und blieb dann wieder stehen. Der Leuchtpunkt des Steiner-Ranger-Zielfernrohres hatte erneut sein Ziel auf dem Wildkörper gefunden und der zweite Schuss brach. Das Reh sprang ab und kam nach etwa 5 Sprüngen ebenfalls im Gras zum Liegen. 

Die erste Doublette der Jägerin seit fast 12 Jahren – dies auch dank der Franchi Horizon.

Sehen Sie hier unser Video zur Franchi Horizon:

Unser Fazit zur Franchi Horizon in .308 Winchester:

Flintenabzug der Franchi Horizon
Flintenabzug der Franchi; integriert im Abzugsbügel der Druckknopf zum Auslösen des Klappdeckelmagazins.

Franchi hat mit dem Bau der Horizon einen guten Instinkt gehabt und war clever genug, diese entsprechend auf dem Markt zu positionieren. Ein kleiner Wermutstropfen ist das Fehlen eines Einsteckmagazines. Die Horizon weiß zu gefallen. Sie ist schlicht und modern. Der Sitz des Hinterschaftes mit der weichen Schaftkappe passt gut in die Schulter. Die Sicherung lässt sich leicht und einfach bedienen. Der Repetierer eignet sich durchaus für Damen. Der zu erwartende Rückstoß fällt zwar merklich aus, aber keinesfalls unangenehm. Inklusive Zielfernrohr hat die Waffe ein geringes Gesamtgewicht und ist für den jagdlichen Alltag bestens geeignet. Bei Franchi erhält der Kunde in diesem Set eine sehr gute Jagdwaffe mit guter Optik für etwa 1.600,- Euro (davon 849,- Euro für die Waffe). Eine erschwingliche Waffe als Einsteiger (nicht nur) für Jungjäger.


Weitere Informationen zur Franchi Horizon erhalten Sie auf der Internetseite des Importeurs Manfred Alberts.

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