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Jagdausbildung in der Praxis: Jungjäger auf Bockjagd in Neuruppin

Eine Vogelperspektive eines Waldstückes und einem Fahrzeug welches dort entlangfährt.

Jeder der einen Führerschein oder eine Ausbildung gemacht hat, kennt das Gefühl. Eigentlich kann ich jetzt alles, Prüfung ist auch bestanden, aber ein bisschen Nervosität ist trotzdem da. Wer bei der ersten richtigen Jagd kein Fehler machen will, sollte mit erfahrenen Waidmännern unterwegs sein. Denn Jagen lernt man in der Praxis.

Das Team von all4hunters.de // the.passionist

Nach viel Theorie und praktischen Übungen kommt die große Prüfung. Ist diese bestanden, ist die Freude erstmal riesig. Was aber, wenn man plötzlich ohne den aufmerksamen Blick des Ausbilders auf sich alleine gestellt ist? Treffe ich auch ohne Netz und doppeltem Boden die richtige Entscheidung? Da können beim ein oder anderen schon mal die Nerven flattern.


Der Aufgang der Bockjagd ist für viele Jäger ein Highlight der Saison. Und für viele Jungjäger die erste Möglichkeit nach Lösen des ersten Jagdscheines selbst zu Waidwerken. Dabei ist es für frisch ausgebildete Jungjäger ein großer Vorteil, wenn sie das erste Stück unter Führung eines erfahrenen Waidmanns schießen können. Denn das gibt ihnen ein Stück Sicherheit und Vertrauen. Aus diesem Grund zog es Max Busenius alias the.passionist gemeinsam mit Julia Schmid vom Jagd- und Schießzentrum Oberberg sowie 2 ihrer ehemaligen Jagdschüler für deren erste Bockjagd ins schöne Brandenburg.

the.passionist: Jagen lernt man in der Praxis!

Ein Jäger schreitet durch das Revier.
Jungjäger professionell betreut: Die Intention des Jagdurlaubs war es, den beiden Jungjägern beim Erlegen ihres ersten Stücks zur Seite zu stehen.

Das Hauptziel unseres kurzen Jagdurlaubs lag darin, den beiden Jungjägern beim Erlegen des ersten Stückes Wild zur Seite zu stehen. Dies stellt in jedem Jägerleben schließlich ein unvergessliches Erlebnis dar. Gleichzeitig bekamen wir die Möglichkeit, Optiken von GECO und Munition der Marke RWS zu testen.


Das Revier in der Nähe von Neuruppin kennzeichnet sich durch extrem lange Waldschneisen wie auch großzügig angelegten Wildäsungsflächen. Natürlich stellte das unsere  beiden Jungjäger vor eine große Herausforderung. Gerade auf langen und schmalen Waldschneisen ist die Zeit zum Ansprechen des Stückes oft sehr begrenzt: Man nimmt eine Bewegung wahr und schon steht das Stück auf der Schneise. Der zumeist dichte Buchen- und Eichenvoranbau machte ein Wahrnehmen, geschweige denn ein Ansprechen des Wildes, bevor es auf die Schneise tritt, oft unmöglich. Gerade für Jungjäger bedeuten derartige Gegebenheiten eine große Verantwortung. Schließlich macht es einen Unterschied, ob man alleine mit Waffe auf dem Hochsitz sitzt oder nur daneben, um Erfahrungen zu sammeln. Und vor allem das richtige Ansprechen von Rehwild gestaltet sich in der Jagdpraxis dabei oft schwierig.

Bei der Jagd auf weibliches Rehwild im Mai braucht es Erfahrung, um schnell und vor allem sicher Anzusprechen – gerade wenn die Ricken ihre Kitze bereits gesetzt haben. Der Blick auf die Spinne ist dann das sicherste und einzige Merkmal, bei dem man sich 100-prozentig sicher sein kann, ob es sich um eine Ricke oder ein Schmalreh handelt. Aber auch andere Merkmale wie der Gesamteindruck und das Haupt des Stückes können wichtige Indizien liefern, um was es sich handelt. Dass dies nach einer guten Jagdausbildung und Vorbereitung auf den Jagdschein allerdings auch mit wenig Erfahrung möglich ist, zeigten die beiden Jungjäger.

Zwei Jungjäger posieren mit erlegtem Rehwild. Der erste Abschuss ist etwas ganz Besonderes im Jägerleben.
Waidmannsheil! Die beiden Jungjäger haben ihren ersten Abschuss gemeistert.

Nach sicherem Ansprechen konnten sie während eines Morgenansitzes jeweils ihr erstes Stück Wild mit sauberer Kugel strecken. Die Möglichkeit direkt nach der Jagdschule von erfahrenen Jägern oder sogar der Jagdschule selbst abgeholt zu werden, eröffnet sich sicherlich nicht jedem Jungjäger. Wie gut es funktionieren kann und wie sinnvoll es ist, zeigt aber dieses Beispiel. 

the.passionist: Auf was es bei der Jagdvorbereitung ankommt...

Ein Jäger zielt auf eine Zielscheibe auf einem Schießstand.
Regelmäßiges Training ist für den sauberen Schuss wichtig. Im Revier braucht es aber außerdem noch echte Erfahrung.

Eine große Rolle spielen natürlich auch die eigenen Fähigkeiten an der Waffe – Treffsicherheit und Handhabung. Aus diesem Grund ist ein Besuch auf dem Schießstand nicht nur vor Beginn der Saison, sondern in regelmäßigen Zeitabständen mehr als sinnvoll. 


Wie schwer es dennoch sein kann, zum Jagderfolg zu kommen, mussten Julia und ich feststellen. Trotz zahlreicher Ansitze bot sich Julia erst am letzten Abend die Möglichkeit einen Jährling zur Strecke zu bringen. Ich selbst hatte zwar reichlich Anblick, jedoch war bis zum letzten Morgen keine passende Gelegenheit dabei…

Am letzten Morgen quälte ich mich nochmal um 3:30 Uhr aus dem Bett. Im Revier angekommen saß ich gemeinsam mit Kameramann bei bestem Wetter und recht kühlen Temperaturen an einer extrem langen Schneise mit gutem Schussfeld nach vorn. Nach der anstrengenden Woche waren wir sichtlich geschlaucht. Und so kam es das ein ums andere Mal vor, dass ich mich selbst beim Einnicken erwischen musste. Als jedoch auf ca. 700 m ein einzelnes, starkes Stück Schwarzwild die Schneise von rechts nach links querte, war ich sofort hellwach.

Ein Jungjäger wird am Schießstand von Jagdausbilder unterrichtet und beim Schießen betreut.
Julia Schmid, die Inhaberin der Jagdschule NRW-Oberberg, ist mit der Jagd großgeworden. Sie lehrt Jagd- und Waffenrecht, betreut die Schießausbildung und ist natürlich selbst passionierte Jägerin.

the.passionist: Jagderlebnisse der Bockjagd in Neuruppin, Brandenburg

Geplant war eigentlich, um 7:30 Uhr abzubaumen und die Heimreise anzutreten. Als bis 7:20 keine weitere Bewegung festzustellen war, die Sau ließ sich nicht mehr blicken, wollten wir langsam unsere Sachen packen. Als der Kameramann jedoch eine Bewegung im Kiefernbestand vor uns bemerkte, wurde es noch einmal richtig spannend. 

Pirschzeichen eines Rehbocks, der mit dem RWS HIT-Geschoss in .30-06 erlegt wurde.
Wegen der hervorragenden Pirschzeichen war der Abschussjährling leicht zu finden.

Eine gefühlte Ewigkeit später trat ein schwacher Jährling auf die Schneise vor uns aus. Er ließ sich durch ein schnelles Anpfeifen glücklicherweise zum Verhoffen  bringen. Der Bock zeichnete deutlich auf das gut platzierte RWS HIT-Geschoss im Kaliber .30-06 und wir konnten ihn nach kurzer Todesflucht verenden sehen. Nach etwa 20 Minuten begaben wir uns zu Anschuss. Durch die hervorragenden Pirschzeichen war dieser leicht zu finden. Wir folgten der deutlichen Schweißfährte und standen nach nicht ganz 30 m am Bock. Was für ein perfekter Abschluss unserer gemeinsamen Bockjagd. 


Trotz des nicht gerade einfach zu bejagenden Revieres hatten beide Jungjäger Jagderfolg. Sicher ein unvergessliches Erlebnis in ihrem Jägerleben, zumal sie ihn sich selbst erarbeitet haben. Und sind wir mal ehrlich: Ist es nicht schöner, wenn man sich das erste Stück selbst erarbeiten muss und nicht gesagt bekommt, "Da steht jeden Abend ein Bock in der Wiese, den kannst du schießen…"?!

Waidmannsheil!


the.passionist

Max alias the.passionist kniet hinter seinem erlegten Rehbock.
Waidmannsheil! Die Bockjagd in Neuruppin war nicht nur für die Jungjäger und Julia Schmid, sondern auch für the.passionist ein unvergessliches Erlebnis.

Ihr wollt noch mehr von Max alias the.passionist sehen? Kein Problem, folgt ihm doch einfach auf Instagram.

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