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Heimsicherung: Wie schütze ich mein Grundstück, mein Haus und meine Wohnung vor ungebetenen Gästen?

Wie sichern Sie Ihr Grundstück?

Mehrer Tresore in einem Regal
Um seine Wertsachen erfolgreich vor Dieben zu schützen, helfen Tresore.

Ein schönes, freistehendes Einfamilienhaus, dazu viel Wiese hinten dran, umgeben von hohen Hecken, um die Privatsphäre zu wahren. Obendrein liegt es noch ganz am Ende eines Neubaugebietes, direkt am Wald. Eine herrliche Idylle, sicher. Aber auch eine Einladung an potentielle Einbrecher, die solche Objekte mitunter sehr einladend finden. Was aber unternehmen, will man seine Wohlfühloase nicht mit einem 3 m hohen, stachelbewehrten Massiveisenzaun umgeben? Eines sei hier klar gesagt – auch die besten Sicherheitseinrichtungen nützen nichts, wenn der Verbrecher rein will. 

"Viel hilft viel" mag nur partiell helfen. Dennoch gibt es ein paar einfache Hilfsmittel, mit denen sich das Ambiente für potentielle Einbrecher nachhaltig stören lässt. Nehmen wir als Beispiel einen Zaun oder eine Mauer. Es wirkt nicht ungastlich, will man sein Eigentum einfrieden. Es gibt mitunter auch schöne Holzzäune oder Mauern, die zum Ambiente des Anwesens passen. Verzichtet werden sollte aber auf alle Fälle auf eine zu dichte Bepflanzung. Was als Sichtschutz gedacht ist, nutzt auch ein Einbrecher als eben solchen. Vor allem direkt am Haus, vor einem Fenster oder einer Balkontür sind Pflanzen kontraproduktiv. Darüber hinaus sollten Garten-, Hof- und auch Garagentore immer verschlossen sein, selbst wenn Sie daheim sind. Steht alles offen, kann sich jeder unberechtigt Zutritt zu ihrem Grundstück verschaffen. Gut beraten ist hier, wer schon an der Grundstücksgrenze eine Gegensprechanlage und Klingel hat.

Beratung an einem Messestand bei der Einbruchsschutzmesse in Koblenz
Auf Fachmessen erläutert das Fachpersonal detailliert seine Sicherheitsprodukte.

Ein weiterer guter Rat ist, dass Sie potentielle Aufstiegshilfen stets unter Verschluss oder separat gesichert haben. Schnell ist eine Mülltonne, der Gasgrill oder die Bank zweckentfremdet, um sich an die Fenster im ersten Stock hochzuhieven, die im Gegensatz zu denen im Erdgeschoss nicht gesichert sind. Außerdem erscheint es ratsam, das Grundstück und vor allem die gefährdeten Stellen mit einer Außenbeleuchtung zu versehen. Einbrecher agieren meist in der Dunkelheit. Ist alles hell erleuchtet, erschwert es das Verbrechen ungemein. Mit Bewegungsmeldern ausgestattet, die das Licht nur bei Aktivierung anschalten, sparen Sie zudem auch noch Energie. Allerdings, das sei klar betont, ersetzt eine Beleuchtung nicht eine eventuell erforderliche technische Nachrüstung.

Hold the Door − So sichern Sie Ihre Türen

Verpackung mit Tür- und Fensteralarmen
Solche einfachen Tür- und Fensteralarme bietet fast jeder Baumarkt an. Sie sind einfach anzubringen und geben bei Aktivierung einen...

Als nächstes sei auf die Schwachstellen innerhalb des bewohnten Eigentums übergegangen. Zuerst dürfte da vielen wohl die Tür einfallen. Vor allem in alten Häusern oder alten Wohnungen finden sich noch Türen, die einem modern ausgerüsteten Einbrecher keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten sollten. Sollten Sie sich für eine Nachrüstung beziehungsweise eine neue Tür entscheiden, achten Sie darauf, dass Sie eine einbruchhemmende einbauen. Dazu sollten Sie mindestens die DIN EN 1627 mindestens der Widerstandsklasse 2 wählen. Bei diesen Produkten ist gewährleistet, dass es keine Schwachpunkte in der Konstruktion gibt. Wenn der Einbrecher am Schloss nicht weiterkommt, könnte er versuchen, das ganze Objekt aus der Zarge zu brechen oder sich am ganzen Beschlag zu schaffen machen. Moderne Türen, die einen Einbruch schon im Anfangsstadium vereiteln sollen, verfügen über eine ganze Reihe von zusätzlichen Einrichtungen, wie Schließbleche, Bändersicherungen, einem Schutzbeschlag mit Ziehschutz, Zusatzriegel und weitere Ergänzungen – je nach Widerstandsklasse steigt oder fällt natürlich der gebotene Schutz und der Preis. 

Tür- und Fensteralarm an einer Tür montiert
... infernalischen Ton ab. Wie hier an der Tür sollten sie an einem geeigneten Ort angebracht werden.

Doch es muss natürlich nicht immer gleich eine komplett neue Tür sein. Viele alte Modelle lassen sich auch nachrüsten. Dabei ist es aber immens wichtig, dass ALLE Komponenten verbessert werden. Denn es nützt nichts, ein neues Schloss einzubauen, das sich ganz leicht samt Beschlag wieder entfernen lässt, ganz zu schweigen davon, dass sich unter Umständen die Tür aus der Zarge brechen lässt. Bei Schlössern haben Sie auch wieder die Qual der Wahl. Als grobe, nicht bindende Faustregel, kann man sagen, dass der Käufer bei Einsteckschlössern ab der Klasse 4 und bei Mehrfachverriegelungen ab der Klasse 3 starten sollte. Darin sollte sich dann auch gleich ein Zylinder mit Bohrschutz befinden, gekrönt von einem Schutzbeschlag ab Klasse ES1. Wer sich aber auch über die anderen Schutzklassen informieren möchte, dem sei der Weg oder der Anruf zu/bei einer Polizeilichen Beratungsstelle angeraten.

Möchte man dies jedoch auch nicht, oder scheut die Kosten und den Umbau, dann sind Zusatzschlösser und Türspaltsperren ebenfalls eine gute Hilfe. Ein Sperrbügel (veraltet: die Kette an der Tür), verhindert das Aufstoßen der Tür, wenn diese einen Spalt breit geöffnet ist. Auch die bekannten Querriegelschlösser leisten ihren Dienst einwandfrei. Diese Art des Schlosses wird unterhalb des Hauptschlosses montiert. Dabei ist aber zu beachten, dass Querriegelschlösser ihren Zweck nur erfüllen, wenn die Schließkästen fest im Mauerwerk verankert und die Türblätter ausreichend stark sind. Ist beides gegeben, dürfte eine weitere Nachrüstung nicht notwendig sein. Alle diese Maßnahmen gelten natürlich nicht nur für die Haustür, sondern sollten auch bei allen anderen Eingängen zum Einsatz kommen. Scheitert ein Einbrecher an einer Tür, macht er sich mitunter auf die Suche nach einer anderen. Was nutzt also eine Top-Sicherheitstür, wenn die Kellertür nicht mal annähernd dem modernen Standard entspricht? Diese Frage sollten Sie sich selbst beantworten. Um die Sicherheit am Haupteingang weiter zu erhöhen, sollten Sie einen Weitwinkelspion einbauen. Dieser ermöglicht einen 180 Grad Blick. So kann sich niemand unter den Spion ducken und warten, bis Sie die Tür öffnen. Außerdem sollte der Bereich unmittelbar vor der Eingangstür gut beleuchtet sein – Bewegungsmelder, die das Licht anschalten, leisten hier gute Arbeit. Um das Gefühl der Sicherheit weiter zu erhöhen, kann natürlich auch eine Sprechanlage eingebaut werden. Mit all diesen Maßnahmen dürften sie ungebetene Besucher schnell identifizieren können. Eines sei aber noch angeraten: Wenn Sie sich nicht mit dem Einbau auskennen oder nicht über das nötige Geschick verfügen, wenden Sie sich bitte unbedingt an einen Fachmann, der die entsprechenden Kenntnisse hat.

Die große Schwachstelle: das Fenster

Schnittmodell eines Sicherheitsfensterrahmens
Moderne Sicherheitsfensterrahmen weisen im Inneren meist verstärkte Baugruppen auf, die allerdings von außen nicht zu sehen sind.

Wer annimmt, dass potentielle Einbrecher sich lediglich auf die Türen beschränken, liegt falsch. Ähnlich wie bei den Türen existieren auch hier diverse Möglichkeiten, um den Schutz zu erhöhen beziehungsweise einen Einbruch zu erschweren. Verschiedene Widerstandsklassen sind für Fenster erhältlich. Sollten Sie an einen Neubau oder aber einen Umbau denken, sollten Sie auf alle Fälle mindestens zur Klasse 2 greifen. Dabei gibt es, analog zu den Türen, keine Schwachstellen, die ein Einbrecher nutzen kann, um sich schnell Zugang zu verschaffen. Im Klartext heißt das, dass das Produkt eine einbruchhemmende Verglasung, eine einbruchhemmende Verriegelung und über einen entsprechend stabilen Rahmen und Beschläge verfügt.

Selbstverständlich lassen sich auch viele ältere Fenster (auch gefährdete Dachfenster) mit entsprechenden Maßnahmen nachrüsten. Das gilt auch für Holzfenster, ab etwa dem Baujahr 1990. Bei älteren Modellen sollte sich ein Fachmann der Sache annehmen. So gibt es eine ganze Reihe von aufschraubbaren Nachrüstsicherungen, wie Zusatzkastenschlösser, Fensterstangenschlösser oder Bändersicherungen. Diese lassen sich an unterschiedlichen Punkten am Fenster/Rahmen befestigen. Dabei sollte das jeweilige Element aber auf jeden Fall an Griff- und Bandseite angebracht werden, um die Sicherheit zu erhöhen. Optional sollte die Griffseite abschließbar sein. Ein abschließbares Fenster garantiert aber noch keinen gesteigerten Schutz, da sich die Fensterflügel meist leicht aufhebeln lassen. Achten Sie deswegen darauf, dass auch ein einbruchhemmender Fensterbeschlag verbaut ist oder wird. 

Berater präsentiert einen Rollladen mit Hochschubsperre
Der Schutz kann auch vor dem Fenster beginnen (u.): Die Firma Heim & Haus bietet einen Rollladen mit Hochschubsperre an.

Ein anderes Mittel, um sich vor Einbrüchen zu schützen, sind Fenstergitter. Dabei muss auf alle Fälle darauf geachtet werden, dass eine ausreichende Stabilität gewährleistet ist, die Montage fachgerecht erfolgt und eine Sicherung gegen Demontage gegeben ist. Wenn Sie aber, etwa Parterre, eine komplette Vergitterung bevorzugen, denken Sie immer auch an den Fall eines Brandes. Sollte der Hauptfluchtweg versperrt sein, kann ein vergittertes Erdgeschoss schnell zur tödlichen Falle werden und der Sicherheitsaspekt sich ins Gegenteil verkehren.

Rollläden sind ein weiterer Schwachpunkt, den viele nicht als solchen wahrnehmen. Abgesehen von Verdunkelung und Sichtschutz haben sie keinerlei einbruchhemmende Wirkung. Ein potentieller Einbrecher kann einen Kunststoffrollladen einfach aus der Führung drücken und sich Zutritt verschaffen. Hier muss, obwohl sie existieren, nicht gleich ein neuer, speziell ausgestatteter Rollladen gekauft werden, der über einen geschützten Rollraum, verstärkte Führungsschienen, Stäbe aus Metall und einem verstärkten Schlussstab (Widerstandsklasse 2) verfügt. Es kann schon reichen, einen mechanischen Schutz gegen das Hochschieben zu installieren. Und schon steht der Einbrecher vor einem Problem.

Verschieden abschließbare Fenstergriffe

Last but not least noch die Kellerfenster oder Lichtschächte. Hier gibt es viele Varianten, angefangen mit Rosten, über Glasbeton bis hin zu Kunststoffabdeckungen. Einfach sind diese neuralgischen Punkte zu sichern, in dem im Falle des Rostes alle vier Ecken mit Flacheisen bewehrt werden, die tief im Schacht gesichert sind. Darüber hinaus bietet der Markt eine ganze Reihe von speziellen Gitterrosten, die eine einbruchhemmende Wirkung haben. Sollten Sie die Variante mit den Glasbausteinen bevorzugen, sind stahlarmierte Glasbetonbausteine zu empfehlen. Hieran dürfte sich so mancher Einbrecher die Zähne ausbeißen.


Zum ersten Teil der Serien: Heimsicherung: Was kann ich tun, um die eigenen 4 Wände zu sichern?

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