Test: ODIN von Donaustahl – was leistet der universelle Anschlagschaft für Pistolen?

Grundsätzliches zu Anschlagschaftsystemen:

Donaustahl Odin auf dem Schießstand von vorne
Tester Udo Weber mit ODIN-Anschlaghilfe samt Walther Q5 und Holosun-Red-Dot. Die provisorische Flügelmutter zeigt, dass hier noch ein Vorserienstück vorlag, in der Serie ist das besser und stabiler gelöst.

Die unbestreitbaren Vorteile eines Anschlagschafts bestehen in höherer Treffsicherheit mit der Kurzwaffe. Zudem lassen sich der Rückstoß kontrollierter abfangen, verschiedene Zieloptiken einsetzen, Reservemagazine unterbringen und, wo erlaubt, taktische Leuchten oder ähnliches Zubehör montieren. Aber allein die höhere Präzision, vor allem auf größere Distanzen, macht schon den entscheidenden Vorteil zur nur beidhändig gehaltenen Kurzwaffe aus. Zunehmend nutzen auch Eliteeinheiten, Behörden und Militärs diese allgemein verfügbaren Systeme. Man erreicht zwar auf größeren Distanzen bei weitem nicht die Präzision einer Langwaffe, aber zum Beispiel beim Häuserkampf und sonstigen beengten Umgebungen ermöglicht es der Anschlagschaft, die Kurzwaffe wie einen Pistolenkarabiner zu nutzen, nebenbei mit dem Vorteil, oft nur Patronen eines Kalibers mitführen zu müssen. Für den Sportschützen ist der Reiz vor allem der große Spaßfaktor, das außergewöhnliche, oft futuristische Design und die Option, Red Dots und andere Zieloptiken anbauen zu können.

Donaustahl Odin Sicherungsschraube
Ersatz für die Flügelmutter im ODIN Anschlagschaft. Gleichzeitig wurde die Aluminiumschraube durch eine Sicherungsschraube aus Stahl ersetzt, um auch bei Kalibern über .45 ACP ein sicheres Handling zu gewährleisten.

Die Anzahl der Disziplinen, in denen Anschlagschäfte genutzt werden, nimmt erfreulicherweise in den verschiedenen Verbänden stetig zu. Im BDS gibt es etwa Fallplatte, Mehrdistanz und Speed, im BDMP die Disziplin "DP3 mit Anschlagschaft". Dabei ist in Deutschland kein Eintrag in die WBK oder eine waffenrechtliche Erlaubnis erforderlich, um einen Anschlagschaft zu nutzen, denn er stellt keinen waffenrechtlichen Teil einer Waffe oder gar einen verbotenen Gegenstand dar. Für die meisten bislang auf dem Markt verfügbaren Modelle gilt die Einschränkung, dass sie weitestgehend nur für ein bestimmtes Modell oder Modelle eines Herstellers abgestimmt sind. Wer Pistolen unterschiedlicher Hersteller oder Kaliber besitzt, musste sich bisher für ein System entscheiden oder für jede Pistole eigens ein System mit dem dazugehörigen Zubehör anschaffen, um das lästige Einschießen nach einem Wechsel der Waffe zu vermeiden. Und weil nun bei der 2017 gegründeten Donaustahl GmbH nicht nur Fachleute diverser Sparten, sondern begeisterte Sportschützen arbeiten, kam man auf den Gedanken, für die jeweiligen Sportwaffen selbst professionelles Tuning-Zubehör zu entwickeln.

Anschlagschaft ODIN – nutzbar für eine Vielzahl von Pistolen:

Donaustahl Odin "Thumann-Klemmung"
Die Primärklemmung wurde von Donaustahl nochmals ergonomisch überarbeitet. In der sogennanten "Thumann-Klemmung" lassen sich verschiedenste Pistolen mit Picatinny-Schiene sicher arretieren.

Die Idee dahinter: Es ging um einen Universal-Anschlagschaft, der sich für alle halbautomatischen Pistolen mit einer Picatinny-Schiene am Griffstück eignet, auch bei Waffen mit Lauflängen von 6 Zoll und mehr. Das Augenmerk lag dabei vor allem auf dem Sportschießen. Die ODIN-Stütze kann mit Hilfe von Zwischenadaptern zudem ältere Waffen aufnehmen, beziehungsweise solche, die werksseitig keine Picatinny-Rail besitzen, etwa CZ Orange, Colt M 1911, SIG Sauer P226 oder Beretta 92. Gängige Polymer-Pistolen kommen oft ab Werk mit einer Picatinny Rail. Trotzdem bot der Markt etwa für die Modelle CZ P10 oder CZ Shadow 2 bisher keine Anschlagschäfte. Diese Lücke schließt sich jetzt mit diesem universellen Schaftsystem. Es eignet sich nicht nur für Pistolen in 9 mm Luger, sondern für solche in stärkeren Kalibern wie 10 mm Auto, .40 S&W und .45 ACP. Ein echter Allrounder also.

Bauform-Ausstattung des Donaustahl:

Donaustahl Odin Optikbrücke
Auf dem Vorserien-ODIN befand sich noch eine Brücke mit 2 Stegen zur Optik-Montage. In Serie (s. Bild) geht der Anschlagschaft mit einer Rail auf einem Arm aus massivem Aluminium. Dies soll den Einbau diverser Waffen erleichtern.

Das noch aus der Vorserie stammende Test-Exemplar von VISIER  besteht sozusagen unbewaffnet aus dem vorderen feststehenden Griffstück mit dem Einschub und Befestigung zum Einspannen der Waffe und mit einer Brücke. Bei der ODIN-Serienversion kommt eine vorgeneigte Brücke mit Picatinny-Rail dazu. Sie ist aus einem Stück Stahl gefertigt und wird auf einer Seite des Griffstücks befestigt. Zwei Arme aus Metall sichern die eingespannte Waffe seitlich und gegen Stöße. Sie bilden außerdem die Verbindung zur Schulterstütze. Beim Testmodell war das ein 6-fach verstellbarer TS-2-Schaft von IMI Defence aus dem AR-15-System. Die Arme verfügen seitlich zusätzlich je über 11 cm lange Picatinny Rails, die sich bei Bedarf entfernen lassen. Das Zielen über die eigene Kimme und Korn der Waffe ist hierbei weiter möglich. Das Gewicht des ODIN beträgt etwas über 1.000 g und ist damit etwas schwerer als etwa das Micro Roni Carbine mit 710 g. Der neue ODIN Anschlagschaft packt die Waffe nicht komplett in das System ein, wie es bei vielen Mitbewerbern der Fall ist. Stattdessen beschränkt es sich – wie im Kino das Endo-Skelett des Terminators – auf die notwendigsten Komponenten, um die Waffe sicher einspannen und bedienen zu können. Die Pistole an sich ist hierbei deutlich sichtbar, alle Bedienelemente bleiben frei zugänglich. Und damit zum Praxistest, zu dem die VISIER-Kollegen eine Walther Q5 Match herangezogen haben: 

Verarbeitung und Einbau einer Pistole in den ODIN-Anschlagschaft:

Donaustahl Odin mit Walther Q5 Match SF seitlich
Die Walther Q5 Match SF sitzt bombenfest im ODIN DS-O-V1-A2.

Was zuerst auffällt, ist die gute Verarbeitung. Der komplette Schaft macht einen sehr stabilen und soliden Eindruck. Die Komponenten wirken hochwertig, sind brüniert respektive eloxiert und ohne Grate und scharfe Kanten gearbeitet. Ein Weniger an Einzelkomponenten wäre hierbei gar nicht möglich. Der Einbau der mehrfach auf dem leeren Ladezustand überprüften Waffe, ist einfach ohne Werkzeug möglich. Als Befestigung setzt der Hersteller Donaustahl auf eine patentierte Eigenkonstruktion, der "doppelten indirekten Klemmung", nach seinem Entwickler Stefan Thumann auch "Thumann-Klemmung" genannt: Über dem vorderen Griffstück entfernt man die rechte Rändelschraube, links lockert man eine Rändelschraube (am Testmodell noch eine Flügelmutter) so weit, bis die Pistole von hinten mit der Picatinny Rail in die Schiene des Schafts geschoben werden kann. Nun die entfernte Schraube mittels einer der 3 Bohrungen in die quer verlaufenden Schlitze der Picatinny Rail an der Waffe schieben und festschrauben. Dieser extra Sicherungsbolzen sorgt für zusätzlichen Halt und verhindert, dass die Waffe Rückstoßimpuls-bedingt aus dem Anschlagschaft herausrutschen kann. Auf der rechten Seite wird die gelockerte Schraube zum Fixieren der Waffe angezogen und eingespannt. Nun bilden Schaft und Pistole eine fest verbundene Einheit. Um Beschädigungen an der Waffe durch das Einspannen im Bereich der Piccatiny Rail zu verhindern, ist das Schießgeschirr quasi in Schonelementen gebettet. Damit besteht kein direkter Kontakt zwischen Metall beziehungsweise dem Polymer der jeweiligen Waffe und dem ODIN-Griffstück.

Was noch? Natürlich muss sich jeder Schütze die Schulterstütze auf seine Armlänge einstellen – das geht kinderleicht. Dann kann man sich den nunmehr bewaffneten ODIN-Schaft erstmals sozusagen zur Brust nehmen: Alle Bedienelemente der Walther Q5 Match SF sind weiterhin gut zu erreichen, der Abstand der seitlichen Führungen ist für das Spannen des Schlittens und das Betätigen der Sicherung nicht üppig, aber ausreichend bemessen. Zudem kann man auch weiter über Kimme und Korn der Walther Q5 zielen.

Praxistest: Auf dem Schießstand

Donaustahl Odin auf dem Schießstand von hinten
all4shooters.com prüfte die neue ODIN-Stütze im Test mit einer Walther Q5 Match SF, das geschah sowohl über offene Visierung als auch wie im Bild per Holosun-Optik.

Nun ist es Zeit für ein paar gezielte Schüsse Richtung Zielscheibe, durchgeführt über die gängige Kurzwaffen-Distanz von 25 m. Der ODIN-Anschlagschaft liegt gut am Mann und ebenso gut an der testenden Frau. Das Gewicht mit der Einheit Waffe/Schulterstütze erreicht jetzt den angenehmen Wert von zirka 2 kg. Die Bedienung der Pistole wie das Zurückziehen des Verschlusses erweisen sich als etwas gewöhnungsbedürftig, aber da lässt sich alles sicher handhaben – nach einigen Magazinwechseln ist das kein Thema mehr. Der Rückstoß bleibt weich und fällt nicht weiter ins Gewicht. Die erreichte Treffgenauigkeit ist, gegenüber dem beidhändigen Halten der Walther Q5, natürlich erfreulich erhöht. Obwohl die Tester nur über Kimme und Korn der Walther gezielt haben, sitzen alle Einschläge im schwarzen Rund nahe beieinander verteilt. Die Walther Q5 lässt sich dabei jederzeit stabil und sicher halten.

Nun montieren die Tester am ODIN-Schaft ein Holosun Red Dot auf der oberen Picatinny Rail, die mit zirka 5 cm nicht üppig lang, aber für ein übliches Rotpunktvisier ausreicht. Nach einigen Einstellungen am Red Dot und einigen Probeschüssen sitzen die meisten Einschläge in oder um die 10. Bei Test mit einer GLOCK 17 Gen 5 waren in der Höhenlage der Trefferlage wenige sehr leichte Schwankungen zu verzeichnen. Die kleinen Ausreißer beruhen vermutlich auf der leicht vertikalen Beweglichkeit durch das Polymer der GLOCK 17 im Gegensatz zum Stahlrahmen der Walther Q5 in der Verbindung mit dem ODIN-Schaft. Erfolgserlebnisse haben alles in allem vor allem diejenigen Schützen einmal zu verzeichnen, die sonst im beidhändigen Schießen eher die Rolle mit den weißen Schußpflastern verbrauchen. Aber bei den Fallscheiben kommt besonders Freude auf. 

Donaustahl Odin Vorserienversion
Die Vorserienversion der Odin-Anschlaghilfe (von oben): leer,
Donaustahl Odin Walther Q5 Match SF wird eingeklemmt
beim Einsetzen der Walther Q5
Donaustahl Odin Vorserienversion mit Walther Q5 Match SF
und fertig bestückt zum Schuss. Seitliche Schrauben fixieren die Waffe stramm, deren Bedienelemente sind nach wie vor gut zu erreichen.

Das kostet der Donaustahl ODIN:

Der Hersteller Donaustahl GmbH ruft für die Vollversion des ODIN (inkl. Vordergriff und Schulterstütze) einen Preis von 499,- Euro auf. Eine individuell konfigurierbare Basisversion wird ebenfalls erhältlich sein, bei der man auf seine Bedürfnisse abgestimmtes Zubehör bekommt, etwa verschiedene Schäfte, Riemen, einen Klappschaft und andere Griffstücke.

Unser Test-Fazit zum Anschlagschaft ODIN von Donaustahl:

Eigentlich wollte der deutsche Hersteller, die Donaustahl GmbH aus Hutthurm (Bayern), das Modell ODIN auf der IWA 2020 vorstellen. Leider ist die Messe aufgrund des Corona-Virus in 2020 ausgefallen. Die Markteinführung findet also ohne Messeauftritt statt. Donaustahl hat mit dem ODIN-Anschlagschaft das Rad nicht völlig neu erfunden, aber mit diesem System einen praxistauglichen, universellen Anschlagschaft auf den Markt gebracht, der bestimmt nicht nur unter Sportschützen, sondern vermutlich auch unter den Besitzern von freien Pistolen (Airsoft, T4E-Modelle) seine Fans finden wird. Uns hat er sehr gut gefallen und alles hat bestes funktioniert - so wie es sein sollte. Daher ein klarer Kauftipp für alle die auf den Trend zu Kurzwaffe + Anschlagschaft aufspringen möchten. So hat man mehr Spaß mit seiner Pistole - auch auf etwas weitere Distanzen.

Der Hersteller Donaustahl hofft unter anderem auch auf Nachfrage bei Behörden, Bundeswehr und Einsatzkommandos. Die puristische Optik, eine gute Verarbeitung, die Möglichkeit eines individuellen Tunings und die universelle Einsetzbarkeit sind hierbei die Stärken des neuen ODIN-Universalanschlagschaftes.


Weitere Informationen zum Anschlagschaft Odin erhalten Sie im Online-Shop von Donaustahl. Dort können Sie das neue Modell bereits Online bestellen.