Bekanntermaßen ist die ISSF die weltgrößte, internationale Schießsportinstitution, die in 146 Ländern über den Globus in einer Vielzahl von Disziplinen von Luftpistole 10 m bis Dreistellungskampf mit dem Gewehr auf 300 m aktiv ist. Weniger bekannt dürfte sein, dass die Internationale Schießsport-Föderation im Vorjahr in Finnland die ISSF-Academy als offizielle Trainings- und Trainerakademie für die olympischen Schießsportarten ins Leben rief, die ihre Absolventen auch lizensiert. Hierbei geht es auch darum, Schützen wie Trainer zusammenzubringen und neues Wissen für die Entwicklung des Schießsportes zu erarbeiten sowie Impulse für das Training zu setzen. Zur Auswahl stehen hier die drei Kategorien/Waffengattungen Pistole, Gewehr und Flinte. Nachfrage scheint es genug zu geben, denn im ersten Jahr wurden bereits zahlreiche Trainerlizenzen vergeben. Je nach Intensivität und Ausbildungsniveau werden die Kurse in die Kategorie D bis A eingeteilt, wobei man „ganz unten“ mit dem D-Kurs beginnt. Bei dem weltumspannenden Netz der ISSF und den heutigen technischen Möglichkeiten, bietet sich ein Online- Kurs geradezu an. Wir entschieden uns für den Flintenkurs, in dem die Disziplinen Olympisch Trap und Skeet abgehandelt werden sollten. Wir fanden uns beim ersten Kennenlernen mit Gleichgesinnten aus Europa, Südamerika, Asien und Australien wieder. Damit dürfte auch klar sein, dass der Kurs in Englisch abgehalten wird.

Aller Anfang ist schwer: Der Kurs zum D-Trainer Zertifikat Flinte
Nach der Einschreibung erhält man zunächst einen Zugang zur WADA (World Anti Doping Agency) beziehungsweise zu ADEL (Anti-Doping Education and Learning Platform). Hier gilt es, sich ein hinreichendes Wissen über Doping anzueignen. Zwar ein recht trockener Stoff, aber dennoch nötig, schließlich kann man als Trainer und Athlet mit Medikamenten gegen Krankheiten oder Allergien schnell in die Mühlen des Dopingverdachts geraten. Die ISSF-Academy legt großen Wert auf die Teilnahme, sodass man im Abschlusstest auch 80% der gestellten Fragen richtig beantworten muss.
Weltmeisterliche Online-Konferenzen bei der ISSF Academy


Dann rückt auch schnell die erste Online-Sitzung in Reichweite. Für uns in Deutschland war der Zeitraum von 18:00 bis 19:30 Uhr nahezu ideal. Wer es nicht immer schafft, an der informativen Runde mit interaktiven Frage und Antworten teilzunehmen, erhält die Möglichkeit, sich die Videoaufzeichnung später anzuschauen. Bei uns führte Dr. Susan Nattrass durch das Programm, die unter anderem sieben World Champion- und zwei World Cup-Medaillist-Titel vorweisen kann. Sie begann das Trap-Schießen im zarten Alter von 12 Jahren und kann mittlerweile auf 60 Jahre Erfahrung zurückblicken – alle Achtung! In den nächsten 12 Sitzungen werden unterschiedliche Themen behandelt, die ein zukünftiger Trainer wissen muss. Dabei geht es um triviale Dinge, wie den Inhalt der Schießtasche, aber auch technische Details zur Flinte. Weitere Inhaltsschwerpunkte sind beispielsweise Augendominanz, Anschlagtechniken der Flinte, Fußstellungen sowohl für Trap als auch für Skeet, die sich wesentlich voneinander unterscheiden. Nach rund der Hälfte der Sitzungen ist die Schießtechnik abgehandelt und es folgen Planungsabläufe eines fundierten Trainings, Visualisierung und weitere mentale Aspekte.

Abgerundet wird das Ganze noch durch Tipps zur richtigen Ernährung und zum Coaching. Wie in der Schule gibt es auch in der ISSF-Academy Hausaufgaben. Manchmal bestehen sie aus kurzen Videos, in denen man einem Schützen aus dem Freundeskreis die in dem Skript zuvor durchgesprochenen Inhalte vermittelt. Damit schlüpft man schon ein bisschen in die Trainerrolle und die Seminarleiterin gibt in der Nachbetrachtung noch nützliche Tipps zur besseren Umsetzung. Manchmal sind die Hausaufgaben aber auch schriftlich einzureichen, wenn es zum Beispiel um die Ausarbeitung eines Trainings- oder Ernährungsplanes geht. Nach rund 12 Wochen steht dann die Abschlussprüfung an. Neben der Bewertung der Hausaufgaben gilt es auch, 31 Prüfungsfragen zu beantworten. Hier sind übrigens 75% richtige Antworten das Minimum, um zu bestehen. Wer gut aufgepasst und dazu etwas Extrazeit für die Verinnerlichung des Lehrstoffes investiert hat, sollte die Prüfung aber bestehen. Wieviel Zeit man aufwenden muss, hängt natürlich auch vom jeweiligen Grundkenntnisstand des Schülers ab. Die ISSF empfiehlt neben der Onlinesitzung rund vier Stunden in der Woche Zusatzlernzeit, mit denen wir auch auskamen.

Wer D sagt, muss auch C sagen? Die Trainerlizenzen der ISSF
Der D-Kurs vermittelt viele Inhalte für die, die später einmal als Trainer aktiv werden wollen. Durch das Einreichen der Videoaufgaben und der Abschlussprüfung kann sich die ISSF-Academy ein gutes Bild über die angehenden Trainer machen. Somit kann man einen gewissen Wissensschatz und didaktische Fähigkeiten gegenüber den Schülern nachweisen. Mit 490,- Euro ist der Kurs zudem durchaus bezahlbar. Allerdings besitzt die Zertifizierung durch die ISSF nur fünf Jahre ihre Gültigkeit. Dann muss man seine Fähigkeiten in einem Auffrischungskurs erneut unter Beweis stellen. Wer weiter die Leiter hinaufklettern möchte, kann das mit dem C-Kurs tun, der zweimal in der Woche stattfindet und somit mehr Zeit verschlingt. Die B- und A-Kurse werden dann noch einmal aufwendiger, dafür muss man dann zeitweise zur ISSF-Academy nach Finnland reisen oder bei einer großen Sportveranstaltung seine Prüfung vor Ort ablegen. Für den Einstieg als Trainer auf Vereinsebene oder vielleicht auch als Auftakt ins Nebengewerbe ist der D-Kurs schon mal ein Anfang.
Dieser Artikel erschien auch in der caliber 10/2025. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.










