Know-how: Was Sie über Biathlon bei Olympia 2026 wissen sollten – die Regeln, die Ausrüstung, die Termine

Elf neue Olympiasieger wird es in den nächsten Tagen in Antholz in Südtirol unter den weltbesten Biathleten geben. Denn immerhin elf Biathlon-Wettbewerbe werden im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2026 in Italien ausgetragen – natürlich nicht in und um Mailand oder Cortina d'Ampezzo, wo die meisten anderen Wettkämpfe stattfinden, sondern eben auf der bereits klassischen Biathlon-Austragungsstätte Anterselva, die 380 Kilometer weiter nordöstlich und nahe der österreichischen Grenze liegt. Die Top-Biathleten mehrerer Generationen kennen diese schon von unzähligen Weltcups seit 1971 und damit seit mehr als 50 Jahren.

Biathlon als Zweikampf (griechisch: Bi-Athlon) wurde schon anfangs des 18. Jahrhunderts erfunden, zunächst als militärischer Wettkampf "Patrouillenlauf" in den skandinavischen Ländern und mit Großkaliber-Gewehren. Der erste zivile Biathlon-Verein wurde schon 1861 in Norwegen gegründet. Seit 1960 ist Biathlon im olympischen Programm (für Damen erst seit 1992). Aber erst in den 1970er Jahren begann der Boom und die Popularität von Biathlon als Massensport – nein, nicht durch hohe Teilnehmerzahlen, aber durch Millionen begeisterter Fernsehzuschauer, die das spannende Hin und Her zwischen dynamischem Skilanglauf und den ruhigen Schießeinlagen am Bildschirm verfolgten. Viele Erfolge deutscher Biathleten nicht zuletzt bei Olympia trugen dazu bei, aber ebenso der Wechsel von Groß- zu Kleinkaliber und zu kamerafreundlichen Klappscheiben, die dem Zuschauer sofort eine klare Anzeige von Treffer oder Fehler bieten. 

Schießanlage Biathlon stehend
Nach jeweils einer Runde in der Langlauf-Loipe kommen die Sportler an den Schießstand, hier zum Stehend-Durchgang: Je 5 Schuss auf 50 Meter, das schwarze Trefferfeld der Klappscheiben hat 115 mm Durchmesser bei "Stehend" und nur 45 mm im Liegendanschlag (Foto vom Weltcup in Ruhpolding).

Seitdem der Ostblock aufgelöst wurde und die wenigen in der DDR und in der Sowjetunion gefertigten Kleinkaliber-Repetiergewehre nur noch in immer wieder aufgearbeiteten Oldtimer-Exemplaren eingesetzt werden, beherrscht der Ulmer Hersteller J.G. Anschütz den Weltmarkt. Der damalige Senior-Chef Dieter Anschütz schaffte es in den 70er Jahren, den Biathlon-Weltverband UIPMB (heute IBU) davon zu überzeugen, dass Kleinkaliber-Repetiergewehre statt der bisherigen Militär-Großkaliberbüchsen den Sport populärer machen würden. Der Wechsel erfolgte 1978 zu fünfschüssigen KK-Repetiergewehren — das Publikum kam näher an den Schießstand heran, die Veranstalter konnten kompakte Anlagen bauen, auch der Nachwuchs ließ sich besser und preiswerter schulen. Peter Fortners Geradzugverschluss, den Anschütz ab 1985 in die Biathlon-Gewehre einbaute, machte wegen der nun schnelleren Repetierzyklen einen Siegeszug um die Welt — aktuell starten 97 Prozent aller Biathleten weltweit mit einem solchen Anschütz 1827 “Fortner” im Kaliber .22 long rifle. Im Fernsehen sieht man allerdings nur angebliche "Viessmann"-Modelle: Für die TV-Werbung wird der Namenszug des tatsächlichen Waffenherstellers mit dem Heizungsfabrikaten-Logo des Sponsoren überklebt, bei Olympia ist ohnehin nur ein einziger Hersteller-Schriftzug an der gesamten Waffe erlaubt. 

Biathlon: Die Regeln und die Disziplinen

Anschütz 1827 F
Geschätzte 97 Prozent aller Biathleten weltweit verwenden Kleinkaliber-Repetiergewehre des Ulmer Herstellers Anschütz, hier das aktuelle Modell 1827 F im Kaliber .22 l.r. mit dem von Peter Fortner entwickelten Geradzugverschluss. Die Schäfte werden allerdings selten unverändert belassen, sondern maßgefertigt und um jedes überflüssige Gramm an Gewicht erleichtert. Die Reservemagazine stecken vorn am Vorderschaft, einzelne Patronen (sofern Nachladen erlaubt ist) in kleinen Bohrungen.
Patrone RWS Biathlon Competition
Die Patrone RWS Biathlon Competition im Kaliber .22 long rifle wird speziell für den Einsatz bei Minusgraden laboriert: Bleigeschoss, 2,6 Gramm (40 grs), Mündungsgeschwindigkeit 320 m/s (Lauflänge: 65 cm). Damit zählt Sie zu den für den Biathlonsport prädestinieren Patronen, von denen allerdings auch andere Kleinkaliber-Munitionshersteller welche im Programm haben. 

Biathlon besteht aus Skilanglauf und Schießeinlagen, wobei die entladenen Gewehre mit speziellen Tragegestellen auf dem Rücken über die Laufstrecken mitgenommen werden. Die Langlaufwettbewerbe in der freien Ski-Technik finden auf einer Strecke statt, die je nach Renndistanz mehrfach durchlaufen wird. In jeder Runde müssen die Athletinnen und Athleten am speziell eingerichteten Schießstand Schießeinlagen absolvieren – stehend, liegend – und jeweils fünf Schüsse abgeben (die Anzahl der Schussversuche variiert je nach Disziplin). Die schwarzen Ziele reagieren auf Treffer und klappen dann eine weiße, gut sichtbare Trefferanzeige davor. Bei TV-Übertragungen werden die Treffer auf ähnliche Weise digital eingeblendet. 

Als Munition ist seit 1978 die Patrone .22 long rifle vorgeschrieben. Wegen der Kälteempfindlichkeit normaler Matchpatronen wird die Biathlon-Munition mit anderem Treibsatz und Zündmittel geladen, die Tests mit den Gewehren der Top-Schützen erfolgen mit Hilfe von Kältekammern, in denen Waffe und Munition auf praxisgerechte Minusgrade vorgekühlt werden (bis minus 20 Grad). Gerade Munitionshersteller RWS machte durch die vor kurzem in dieser Hinsicht optimierte Patrone RWS Biathlon Competition von sich reden.

Bei Olympia 2026 werden folgende Wettkampfarten ausgetragen:

Einzelrennen: Frauen über 15, Männer über 20 Kilometer. Vier Schießeinlagen zwischen den 5 Runden, bei denen 5 Zielscheiben mit 5 Geschossen getroffen werden müssen, zuerst zweimal liegend, dann zweimal stehend. Bei jedem verfehlten Ziel wird jeweils eine Strafminute auf die erreichte Endzeit addiert.

Sprint: Für Frauen über 7,5 km und für Männer über 10 km, je drei Runden mit zwei Schießeinlagen, erst liegend und dann stehend. Bei jedem Fehlschuss eine Strafrunde von jeweils 150 m. Die ersten 60 Starter dieses Rennens qualifizieren sich für die Verfolgung.

Verfolgung: Bei der Verfolgung starten die Teilnehmer in den im Sprint erreichten Zeitabständen, Frauen über 10 und Männer über 12,5 Kilometer (das sind je 5 Runden), mit vier Schießeinlagen, je zweimal liegend und stehend. Bei jedem verfehlten Ziel muss eine Strafrunde von jeweils 150 m absolviert werden.

Massenstart: 
Beim Massenstart starten die Teilnehmer gleichzeitig über 5 Runden, Frauen 12,5 km und Männer 15 km, vier Schießeinlagen liegend und dann stehend. Bei jedem verfehlten Ziel muss eine Strafrunde von jeweils 150 m absolviert werden.

Staffel: 
Mannschaftswettbewerb mit vier Männern (4 x 7,5 km), mit vier Frauen oder Mixed 2/2, beide mit vier Runden von jeweils 6 km. Das Rennen beginnt mit einem Massenstart des jeweils ersten Mitglieds einer Mannschaft. Jeweils zwei Schießeinlagen für fünf Schuss. Es gibt aber drei einzeln zu ladende Ersatzpatronen, um die 5 Zielscheiben zu treffen. Bei jedem nicht getroffenen Ziel muss eine Strafrunde von jeweils 150 m gelaufen werden. 

KI-Motiv Biathletin auf Skiern
Der winterliche Zweikampf Biathlon entstand aus früheren Ski-Wettkämpfen von skandinavischen Soldaten und geht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Erst durch den Wechsel von Groß- auf Kleinkaliber und die Klappscheiben in den 1970er Jahren wurde der Sport beim Publikum populär.

(die Einträge sind verlinkt und führen zum offiziellen Zeitplan auf der Olympia-Website. Dort werden auch alle Ergebnisse zu finden sein. Bei den TV-Übertragungen wechseln sich ARD und ZDF täglich ab, es werden aber auch Livestreams über die Sender angeboten)


Offizielle Biathlon Übersichtsseite Olympia 2026 in Mailand/Cortina d_Ampezzo/Antholz

Informationen zum Austragungsort der Biathlon-Wettbewerbe bei Olympia 2026

Das sind die deutschen Starter im Biathlon bei Olympia 2026

Infoseite Biathlon-World des Weltverbands IBU


Sendetermine/Übersichten:

Sowohl ARD wie ZDF übertragen Biathlon-Wettbewerbe live. Die Mixed-Staffel am 8. Februar 2026 wurde beispielsweise sowohl vom ZDF als auch auf Sportschau.de (ARD) gezeigt. Neben der TV-Übertragung werden aber auch vollständige Livestreams angeboten.  Das ZDF sendet live sowie jederzeit auf sportstudio.de, in der ZDF-App und auf ZDFheute.de.  Eurosport ist ebenfalls dabei, auch hier können Sie das lineare Programm und den Stream einschalten. Aber während der Stream gratis ist, kostet der Stream über Anlaufstellen wie discovery+, DAZN, oder HBO Max Gebühren je nach Vertrag.

 Livestream ARD Sportschau

Olympia 2026 beim ZDF

Übersicht der Eurosport-Übertragungen und Livestreams