
Vom 22. bis 25. Oktober 2026 war Heuchling, ein Ortsteil von Lauf an der Pegnitz im Landkreis Nürnberg, Schauplatz der "33rd Ironhands Level III 2026". Bei dem unter Schützen allgemeinhin als Ironhands bezeichneten IPSC Handgun Match handelt es sich um einen international besetzten Kurzwaffenwettbewerb, der nach dem Regelwerk der International Practical Shooting Confederation ausgetragen wird. Wobei der Vollständigkeit halber gleich angemerkt sei, dass es hierzulande, insbesondere mit Blick auf die Magazinkapazität, dem deutschen Waffenrecht geschuldete Abweichungen zum internationalen Reglement gibt. Im Folgenden Beitrag geht es nicht um einen klassischen Verlaufs- und Ergebnisbericht, sondern vielmehr darum, Außenstehenden einmal einen "Blick hinter die Kulissen" des Matches, sprich auf seine Entstehungsgeschichte und den mit einem solchen Schießsportevent, das ohne all die vielen Helfer nicht möglich wäre, zu gewähren. Freilich sollen dabei auch Impressionen vom Wettkampfgeschehen nicht zu kurz kommen.
Die Ironhands – ein gewachsenes Match mit langer Vorgeschichte

Patrick Kummer ist seit Ende der 1990er-Jahre Mitglied bei den Ironhands, wie sich die bei der Schützengesellschaft Heuchlingen beheimatete BDS-Schießleistungsgruppe (SLG) nennt. Der erfahrene und selbst erfolgreiche IPSC-Schütze, Kummer, zeichnet als Match Director für das "33rd Ironhands Level III 2026" verantwortlich. Seine Rolle beschreibt er selbst wie folgt: "Ich bin der Match Director bei einem Level 3 […] ich bin (nach außen) der Chef von diesem Match und organisiere das im Auftrag für die Ironhands." (Dazu später mehr).
Das hochkarätige IPSC-Match der Ironhands ist laut Kummer nicht kurzfristig entstanden, sondern über viele Jahre gewachsen. Die Idee zu einem eigenen Level III Match sei unter den Heuchlinger Schützen auf einem Wettkampf aufgekommen, der der Legende nach wohl in tschechischen Gefilden stattfand. Kummer betont aber, dass er bei besagtem Match nicht selbst dabei war.
Die ersten nach der Einteilung in Level durchgeführten Wettbewerbe gab es mit der Einführung dieses Begriffs im IPSC-Regelwerk im Jahr 2000. Auch vor gab es schon international besetze, gleichwertige Wettkämpfe, die halt noch nicht mit dem Begriff Level belegt waren. Die ständig wachsende IPSC-Community machte seinerzeit wohl eine differenziertere Einteilung erforderlich. Nach seiner Erinnerung entstanden die ersten Level III-Aktivitäten auch bei den Ironhands um die Jahrtausendwende: In dieser Zeit oder kurz darauf müssen dann auch bei den Ironhands die ersten solchen Levell III-Matches stattgefunden haben.

Als prägende Personen hierbei nennt Kummer unter anderem Jürgen Buchner, Rainer Stettnisch und den damaligen Vereinsvorstand beziehungsweise ersten Schützenmeister Peter Schmidt. Buchner habe das Match ins Leben gerufen und sei früher selbst Range Master gewesen. Inzwischen habe Kummer die Organisation schrittweise übernommen. "Zunächst haben wir das eine Zeit lang zusammen gemacht. Und mittlerweile bin ich federführend und er ist nur noch beratend tätig", sagt er.
Sportlich schnell, aber bewusst zugänglich

Das aktuelle Match beschreibt Kummer als IPSC-Kurzwaffenmatch mit klarer sportlicher Handschrift. "Es ist ein schnelles Match", sagt er. Zugleich will er es nicht als überladenes Spezialisten-Match verstanden wissen. Es sei kein "fancy High-End-Match", sondern ein Wettbewerb, der fordert, ohne neue Level III-Schützen abzuschrecken. "Bei uns kann man als Neuling kommen und sagen, das ist mein erstes Level III", formuliert Kummer.
Nach seinen Angaben wurden bei der Anmeldung alle Pistolen-Divisionen außer Revolver und Classic ausreichend besetzt. Bei Revolver habe es nur drei oder vier Starter gegeben; für eine Division sind bei einem IPSC Level III Match mindestens zehn Teilnehmer erforderlich.
Über den Schwierigkeitsgrad der Stages beim Level III Match und Tipps wie der Schütze sie meistern kann
Besonders hob Kummer Stage 1 hervor. Sie habe ihn "sehr gefreut", weil sie aus seiner Sicht eine ausgewogene IPSC-Aufgabe gewesen sei. "Es gab wechselnde Distanzen, die schwer einzuschätzen waren. Deswegen waren auch die Anhaltepunkte schwierig." Hinzu sei ein anspruchsvoller Bewegungsweg gekommen. Er selbst habe die Stage bereits geschossen, allerdings "nicht wirklich gut", wie er selbstkritisch einräumte.

Ein wiederkehrendes Thema im Gespräch ist, wie wichtig das Gefühl für die Distanzen auf dem Wettkampf-Parcours ist. Viele Schützinnen und Schützen trainieren regelmäßig auf 25-Meter-Ständen. Auf der Anlage in Heuchling wirken die Entfernungen nach Kummers Einschätzung jedoch teils anders. Der 100-Meter Stand kann geteilt und in beide Richtungen beschossen werden, somit sind hier mehr als 25 m möglich. Vor allem auf den längeren Ständen könne sich das Auge da täuschen. Deshalb rät er dazu, Stages sorgfältig abzugehen und Entfernungen nicht nur intuitiv einzuschätzen.
"Die Ironhands haben ein Talent, Stages zu bauen, die leicht aussehen, aber schwierig sind", ergänzt Kummer. Ziele, die wie zehn Meter wirkten, könnten tatsächlich 15 Meter entfernt stehen. Schießtechnisch macht das einen erheblichen Unterschied: Atmung, Visierbild und Abzugsarbeit müssten sauber bleiben, obwohl der Schütze bereits in Bewegung war, unter Zeitdruck steht und möglicherweise außer Atem ist.
Als Beispiel nennt Kummer Scheiben auf bis zu 17 Metern Distanz, teilweise zu zwei Dritteln verdeckt. Isoliert betrachtet seien solche Ziele lösbar. In einem rund 30-Schuss-Parcours, nach Bewegung und mehreren Positionswechseln, addieren sich jedoch die Anforderungen an den Schützen. "Alle Probleme, die zusammenkommen, summieren sich zu einer Challenge", erklärt Kummer. Damit beschreibt er einen Kern des IPSC: Nicht die einzelne Schwierigkeit entscheidet, sondern die Kombination aus Präzision, Geschwindigkeit und Stage-Strategie.
Teamwork: Die vielen Helfer, die hinter den Ironhands IPSC-Levell III Matches stehen und was das Event sonst noch ausmacht


Hinter dem Match steht nach Kummers Auffassung ein breites Team. Hierbei nennt er unter anderen Michael Kahl als zweiten Match Director, der "mindestens genauso viel" mache wie er selbst. Christian Kahl kümmert sich um Anmeldungen, Administration, E-Mails, Zeitpläne und als Stats Director auch um die Ergebnisverarbeitung. Zudem nennt er Rainer Stettnisch, der in seiner Funktion als Range Master auch für den regelkonformen Ablauf sorgt.
Natürlich vergisst Kummer auch nicht die jeweils rund 35 Helfer, die an jedem Tag des Matches im Einsatz waren. Der "knallharte Kern" umfasse fünf Personen, insgesamt seien etwa 20 bis 25 Personen allein in die sportliche und technische Vorbereitung und Durchführung des Level III-Matches eingebunden gewesen. Dazu zählen Stage Designer, Helfer für Ziele, Wände, technische Lösungen, Instandsetzung und Range Officer (RO). "Das Match läuft, weil wir ein Team sind", sagt Kummer.

Auch die Stage-Entwicklung erfolgt nach seiner Darstellung gemeinschaftlich. "Unsere lokalen IPSC-Schützen hier haben immer fünf Teams, die sich die Stages ausdenken", erklärt er. Seine Aufgabe liege vor allem in Koordination, Abstimmung und Kontaktpflege zu den ROs, erläutert der Match Director.

Bemerkenswert ist nach Kummers Angaben die Unterstützung durch Range Officer aus dem Ausland. Alleine acht ROs seien aus Dänemark beziehungsweise dem Raum Kopenhagen angereist, mit rund 1.000 Kilometern Anreise. Sie hätten am Freitagmorgen selbst beim Pre-Match geschossen und anschließend als Wettkampfrichter gearbeitet.
Das Highlight des Matches ist für Kummer nicht irgendeine sportliche Szene, sondern: "Immer das Abendessen, wo wir alle zusammensitzen." Dort bedankt er sich bei Helfern und ROs; und zugleich kommt seitens der Teilnehmer Dank an das Organisationsteam zurück. Die traditionelle "RO-Party" sei heute nicht mehr so ausgiebig wie früher. In diesem Jahr sei man am Vorabend des Matches gegen 22 Uhr auseinandergegangen – "das ist human", sagt Kummer. Der Grund liegt auf der Hand: "Am nächsten Tag wollen wir alle Leistung bringen, egal ob als Kampfrichter oder als Athlet."
Kummer betont mehrfach, dass es im Bereich der Organisation keine "Einzelstars" gebe. Sein Dank gelte "dem kompletten Team". Eine kleine Ausnahme macht er jedoch mit Blick auf die Helfer in der Küche und hebt diese nochmals besonders hervor.
Bedeutung der Ironhands-Wettbewerbe für die SG Heuchling
Für die SLG Ironhands, respektive ihren Stammverein haben die Matches nach Kummers Darstellung auch wirtschaftliche Bedeutung. Schon beim Bau der Anlage sei klar gewesen, dass der Verein Einnahmen erwirtschaften müsse. Als er als Jugendlicher dazukam, "war der Rohbau gestanden und ein Dach drauf“, erinnert er sich. Heute gehe es weiterhin darum, Veranstaltungen zu nutzen, "dass wir den Verein damit finanzieren".
Zugleich sieht Kummer darin einen Beitrag zur Pflege des IPSC-Sports. "Wir machen es einmal, um an Geld für den Verein zu kommen, und wir machen es, um unseren Sport auch weiterzuführen", sagt er. Neben anderen Level III-Matches nennt er Level II-Wettkämpfe, Steel Challenge und weitere Formate.
Verbesserungspotenzial sieht er bei den Abläufen auf den drei 25-Meter-Ständen: "Wir möchten die drei 25-Meter-Stände schneller machen, was die Abläufe angeht." Ziel sei, die Geschwindigkeit der fünf Stände stärker anzugleichen. Zeitverluste auf den 25-Meter-Ständen seien allerdings auch "raumgrößentechnisch bedingt".


Und Welches Resümee zum aktuellen Wettkampf-Event zieht der Match Director Kummer selbst: Das Feedback der Teilnehmenden beschreibt er als "durchweg sehr positiv"– ein Eindruck, den wir auch von unserer Seite aus bestätigen können. Sein Blick geht aber bereits weiter: "Nach dem Match ist vor dem Match."
Am Ende unseres Gesprächs fasst Kummer den Charakter des Match-Wochenendes dann in einem Satz zusammen, der weniger Ergebnisbericht als Selbstverständnis ist: "Von Freunden für Freunde."
Unser Fazit zu dem IPSC-Match Ende Oktober 2026 in Heuchling:
Das "33rd Ironhands Level III 2026" zeichnet sich aus unserer Sicht besonders durch seine ungezwungene und freundliche Atmosphäre aus. Neben dem sportlichen Wettbewerb bleibt Raum für persönliche Begegnungen, sowohl zwischen den Durchgängen als auch beim gemeinsamen Essen. Dabei entstand der Eindruck, dass für die Teilnehmenden neben der Platzierung insbesondere auch der Austausch und ein gemeinsam verbrachtes Wochenende eine wichtige Rolle spielen. Die Stimmung war durchwegs positiv, sodass sich nicht nur wir auf das nächste "Ironhands-Match" freuen dürften. Ein offizieller Termin dafür, ist derzeit noch nicht im IPSC-Match-Kalender zu finden.
Weitere Infos zum Heimatverein der SLG Ironhands finden Sie auf der Webseite der SG Heuchling.
Auf dieser Internetseite des BDS erfahren Sie mehr über das IPSC-Schießen.










