Doppelt hält besser, das weiß der Volksmund schon länger. Der 1861 in Gotha gegründete Deutsche Schützenbund ebenfalls. Denn in den letzten Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg wurden zunächst durch staatliche Umstrukturierungen der Nazi-Regierung alle Schützenvereinigungen (auch damals gab es schon mehrere) zum "Deutschen Schützenverband" zusammengefasst und auf die angeblich "wahren Traditionen des Schützenwesens" eingeschworen: ihren Mitgliedern …eine Erziehung im Schießen geben, die sie zur Verteidigung der Heimat befähigte.” Die Vorbereitung zum militärischen Training war damit eingeleitet, vom Sportschießen keine Rede mehr.


Auf diese vormilitärische Tradition konnte und wollte wahrlich nach Kriegsende im weitgehend zerstörten Deutschland niemand bauen. Waffenbesitz war generell verboten, es galt das Besatzungsrecht der jeweiligen Siegermächte in den einzelnen Bundesländern, auch wenn dieses leicht unterschiedlich ausfiel. So waren zunächst nur Luftgewehre mit glatten Läufen erlaubt, auch das Armbrustschießen konnte, etwa im Rheinland, schon seit 1946 wieder durchgeführt werden, und den Bruderschaften wurde auch das Tragen von Schützenröcken (Schützenuniformen) in der Öffentlichkeit gestattet. Auch die Schießbuden auf der Kirmes hatten schon frühzeitig wieder eine behördliche Erlaubnis zum Blumenschießen erhalten. Wer aber das sportliche Schießen liebte, musste sich zunächst gedulden. Denn pragmatisch hatte die 1949 gegründete Bundesrepublik die Prioritäten festgesetzt und die Jagd als wirtschaftlich vorrangig eingestuft. Parallel hatten aber die Besatzungsmächte das Verbot des Schützenwesens aufgehoben, so dass Neu- oder Wiedergründungen von Schützenvereinen durchaus möglich waren. Und dies geschah dann auch auf Landesebene durch die regionale Verbände – diese umfassten aber jeweils die historisch gewachsenen Gebiete und nicht unbedingt die teilweise durch die Besatzer festgelegten neuen Bundesländer, etwa bei Rheinland und Westfalen getrennt, ebenso bei Pfalz, Südbaden und Württemberg.
Nach und nach wurden in den westlichen Bundesländern die Landesverbände der Schützen neu- oder wiedergegründet
Die Gründungsdaten der 15 westdeutschen Landesverbände

- Oberpfälzer Schützenbund: 25. Juni 1950
- Westfälischer Schützenbund: 6. August 1950
- Bayerischer Sportschützenbund: 23. September 1950
- Niedersächsischer Sportschützenverband: 24. September 1950
- Nordwestdeutscher Schützenbund: 14. Januar 1951
- Schützenverband Saar: 15. März 1951
- Badischer Sportschützenverband: 15. April 1951
- Schützenverband Berlin-Brandenburg: 6. Juni 1951
- Rheinischer Schützenbund: 6. Oktober 1951
- Hessischer Schützenverband: 14. Oktober 1951
- (Wiedergründung des DSB am 18. November 1951)
- Pfälzischer Sportschützenbund: 21. Juli 1952
- Südbadischer Sportschützenverband: 27. Januar 1952
- Württembergischer Schützenverband: 16. März 1952
- Schützenverband Hamburg und Umgegend: 13. November 1952
- Norddeutscher Schützenbund: 10. Dezember 1952

Vorangegangen waren indes umfangreiche Planungen für die Wiedergründung des Schützenbundes. Und zwar von Bremen aus, wo Hermann Meyer aus Bremen, Heinrich Hey (Bremervörde), Hermann Franke aus Oldenburg und Ernst Zimmermann aus Fischerhude zunächst den Nordwestdeutschen Schützenbund konzipierten, der wiederum über eine "Neue Schützenzeitung" um Mitglieder werben sollte. Die rasche Neuorganisationen der Jäger und ihrer Verbände sollte als Vorbild und Ansporn für die Schützen dienen. Die erste Ausgabe vom Dezember 1950 wurde bundesweit verbreitet und lockte weitere Interessenten an, der Funke sprang aus dem Norden auch auf andere Regionen über. Der alte Vorkriegs-DSB war zuletzt als Zentralverband geführt worden, in den auch einzelne Vereine und auch Einzelpersonen eintreten konnten. Der neue DSB, den die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schützenverbände am 15. und 16. September 1951 im Savoy-Hotel in Frankfurt am Mai wiedergegründet hatte, wurde hingegen föderalistisch angelegt: nur die Landesverbände sind direkte Mitglieder, denen jeweils andere Zusammenschlüsse, etwa auf Bezirks- oder Kreisebene beitreten können.
Der offizielle Neustart des DSB erfolgte allerdings erst im November 1951, mit der ersten Delegiertenversammlung am 17.11.1951 in Köln und der feierlichen Proklamation am folgenden 18. November im Großen Saal der Kölner Messe, unter dem Beifall von einigen hundert begeisterten Schützen aus ganz Deutschland. Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss verwies in seiner Festrede auf die historisch gewachsene Schützentradition und stellte den Schützenbund offiziell unter den Schutz der noch jungen Bundesregierung. Dr. Paul Wehner wurde der erste Nachkriegs-Präsident, Ernst Zimmermann der erste Geschäftsführer, und der Sitz des Verbands wurde auf Wiesbaden, Wehners Wohnort, festgelegt.
Der wiedergegründete DSB wurde sofort sportlich aktiv und passte seine Regeln dabei den jeweiligen Umständen an


Das Regelwerk des DSB wird seither stets in der "Sportordnung" fixiert, zunächst nach der damals gültigen Rechtslage nur für das Luftgewehrschießen. Ab 1953 waren sowohl gezogene Läufe bei den Luftgewehren wie auch Kleinkaliberwaffen wieder erlaubt. Die erste Auflage der "Sportordnung des Deutschen Schützenbundes e.V." wurde am 10. Mai 1952 beschlossen. Diese entstand unter der Federführung des Karlsruher Ex-Gewehrweltmeisters Walter Gehmann, der seinerzeit der erste Bundessportleiter wurde. Das Regelwerk enthielt pragmatischen Änderungen, etwa die Festsetzung der Mannschaftsstärke von fünf auf nun vier Schützen. Gehmann erläuterte diesen Schritt so: "Aus Zweckmäßigkeit. Es bestehen mehr Möglichkeiten, an einem Wettkampf teilzunehmen: Vier Schützen gehen auf zwei Motorräder..."

International musste sich der Schützenbund an die veränderte Weltlage anpassen. Russische Schützen dominierten die meisten Wettkämpfe, ebenso die Amerikaner, deren beste Gewehr- und Pistolenschützen meist "hauptberuflich" im Militärdienst waren, dort trainieren konnten und daher den Hobby-Sportlern aus Deutschland überlegen waren. Ab und zu konnten aber auch DSB-Starter in die dichtgeschlossene Spitze vordringen. Bei den Weltmeisterschaften 1966, die am DSB-Sitz in Wiesbaden ausgetragen wurden, hatte das Luftgewehr internationale Premiere. Und die deutschen Hersteller konnten jahrzehntelange Erfahrung mit diesem in vielen anderen Ländern verpönten "Spielzeug" vorweisen. Passenderweise wurde der Büchsenmacher Gerd Kümmet aus Kronach mit einem Anschütz-Prototyp erster Luftgewehr-Weltmeister und Elisabeth Gräfin von Soden gewann den Titel im Trap-Wettbewerb der Damen.
Zwei Jahre später bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City krönte sich der Bremervörder Gewehrschütze Bernd Klingner nach akribischer Vorbereitung im Training mit der Goldmedaille in der Königsdisziplin Kleinkaliber Dreistellungskampf und verwies die US-Konkurrenz auf die folgenden Treppchen-Plätze. Zudem konnte Heinz Mertel Silber mit der Freien Pistole erringen und Konrad Wirnhier Bronze mit der Skeet-Flinte gewinnen.
Mit den olympischen Schießwettbewerben 1972 wird die Anlage in Hochbrück bei München zum neuen Zentrum des DSB-Sports



Auf einem ehemaligen Militärgelände in Hochbrück, eigentlich zur Münchener Nachbargemeinde Garching gehörend, entsteht Anfang der 1970er Jahre eine moderne Schießanlage für alle olympischen Wettbewerbe einschließlich Großkalibergewehr 300 Meter. Zum letzten Mal wird weltweit bei Olympia auch auf 300 Meter geschossen, die Kosten sind für die meisten Länder zu hoch. Und auch die Olympia-Schießanlage Hochbrück ist eigentlich nur als Provisorium für ebendiese Münchener Spiele gedacht, aber wie das so ist mit Provisorien, halten sie oft länger als "ewige Bauwerke": seit 1974, also seit über 50 Jahren, werden die Deutschen Meisterschaften Gewehr, Pistole und Flinte hier in jedem August ausgetragen. Der Bayerische Sportschützenbund hat die Anlage im Jahr 2006 übernommen und hält sie im Wortsinn "in Schuss", auch durch modernisierte Anbauten wie eine Luftgewehr- und eine Finalhalle, elektronische Trefferanzeigen statt Zuganlagen, neue Parkplätze und Campingflächen: Die "Deutsche" ist mit etwa 10.000 Startern jährlich über fast zwei Wochen schließlich eine der größten Breitensportveranstaltungen Deutschlands.
Der nächste internationale Höhepunkt nach Olympia 1972 war zweifellos die ISSF-Weltmeisterschaft 2010, auch wenn mittlerweile nach kurzer Pause auch wieder Weltcups in Hochbrück ausgetragen werden. Als Olympia-Stützpunkt und Bundesleistungszentrum dient die Anlage weiterhin auch als Trainingsstätte für Spitzenschützen aus ganz Deutschland. Weitere Stützpunkte werden in Frankfurt/Main, Frankfurt/Oder, Suhl, Berlin, Hannover, Pforzheim und in Hopsten betrieben, insgesamt sind es acht.
Bildergalerie: Die Präsidenten des DSB von 1951 bis heute
Auf und ab (und wieder etwas auf) bei den Mitgliederzahlen: Der DSB steht weiter auf Rang 4 der deutschen Sportverbände



DSB-Präsident Alfred Michaelis, zunächst 1971 nur als Übergangspräsident nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Georg von Opel eingesetzt und dann nachgewählt, konnte in seiner Amtszeit bis 1982 im Jahr 1978 stolz die überschrittene Mitgliedergrenze von einer Million melden. Noch drastischer nach oben gingen die Zahlen nach der Wende durch den Beitritt der fünf ostdeutschen Landesverbände Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Jahr 1990: mit 1.589.000 Mitgliedern war im Jahr 1997 der bisherige Höchststand erreicht. Seitdem ist aber aus vielerlei Gründen ein stetiger, aber auch verlangsamter Rückgang in den letzten Jahren zu verzeichnen. Seit 2020 bewegen sich die Zu- und Abgänge pro Jahr um plus-minus ein Prozent, mit aktuell 1.357.000 Mitgliedern Ende 2025. Das ist weiterhin und unangefochten Platz 4 unter den deutschen Spitzensportverbänden.
Was passiert weiter beim Deutschen Schützenbund im Jubiläumsjahr 2026?

Der Deutsche Schützenbund hat rund um das Jubiläum zahlreiche Aktivitäten gestartet. Ein guter Ausgangspunkt ist dabei die Sonder-Website 75 Jahre Wiedergründung die als dynamische Pageflow-Seite heruntergescrollt werden kann. Zur vollständigen Geschichte seit der DSB-Gründung 1861 finden Sie hier einzelne Themenbereiche. Die einzelnen Landesverbände bringen zudem eigene Beiträge mit unterschiedlichen Aspekten rund um die Verbandsarbeit.

















