Portrait Ralf Vanicek - 30x Europameister und 47x Weltmeister

Portrait: Ralf Vanicek
„Werkzeug“ und Erfolgsnachweis: Pokale der letzten Europameisterschaft 1500 und die PPC 1500 Waffen von Ralf Vanicek.

Das Signal ertönt. Was folgt, ist ein Ablauf, der ihm schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. Waffe ziehen, in Anschlag gehen, feuern, holstern und wieder zur Ruhe kommen. Die ganze Konzentration ist auf einen Punkt gerichtet - manche bezeichnen es als Tunnelblick, er nennt es selbst „reine Kopfsache. Je entspannter und je mehr Spaß ich am Schießen habe, desto besser sind auch die Ergebnisse. Ungefähr eine Stunde vor dem Wettkampf setze ich mich hin und gehe den ganzen Ablauf im Kopf durch. Vorher habe ich, bevor ich mich überhaupt auf den Weg mache, meine Waffe und die Munition überprüft. Dabei kommt jede einzelne Patrone in eine Lauflehre, die nicht passenden werden aussortiert, auch die Zündhütchen werden überprüft. Das war es bei mir dann eigentlich auch schon“, erklärt Ralf Vanicek, einer der erfolgreichsten Pistolenschützen, zu seinen Wettkampfvorbereitungen im Bereich der Kurzwaffen-Disziplin PPC 1500.

Portrait: Ralf Vanicek
Momentaufnahme: Vanicek bei der Deutsche Meisterschaft 2014 im hessischen Alsfeld im Hauptwettkampf Revolver.

Hier sammelt er Titel wie andere Briefmarken. Allein dieses Jahr errang er bei der Europameisterschaft in Norwegen fünf Titel - und das bei einem Starterfeld, in dem 25 High Master zu finden waren. Auch bei den Deutschen Meisterschaften vom 19. bis 22. Juni im hessischen Alsfeld konnte Vanicek drei deutsche Meistertitel, drei erste, zwei zweite und einen dritten Platz in der High-Master-Klasse, für sich verbuchen. Ihm zugute kommt dabei, dass er als Product Manager der GECO-Pistolen- und Revolvermunition an der Quelle für gute Munition sitzt und für den Wettkampf im hohen Norden die neue 9-mm-Luger-Präzisionspatrone (GECO 9 mm Hexagon) verwenden konnte. Seine errungenen Erfolge sprechen für sich.


Spätstarter 

Dabei hat die Karriere für Vanicek relativ spät begonnen. Erst 1992 trat der 1970 geborene in den Schützenverein Wernsdorf (bei Berlin) ein und schoss zunächst Kleinkaliber, bevor er sich zwei Jahre später den Großkaliberwaffen widmete. „Schießen hat mich schon immer interessiert. Dabei ging es mir nicht um eine spezielle Disziplin oder eine besondere Waffe, sondern einfach um das Schießen an sich. So wusste ich anfangs auch nicht, was ich schießen sollte und habe ganz klassisch begonnen.“

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Treffsicher: Vanicek beim Bianchi Cup im US-Bundesstaat Missouri. Er schießt den Mover (Laufende Scheibe) auf der hintersten Position (25 Yards).

1997 entdeckte Vanicek schließlich die Disziplin PPC 1500 für sich. Seit dieser Zeit ist der „Manager im Sportdress“ aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Die höchste je erreichte Ringzahl im Hauptmatch Revolver der WA 1500 (Weltorganisation PPC 1500) geht natürlich auch auf sein Konto - 1.497 Ringe, aufgestellt am 16. August 2009. Und die diesjährige WA 1500 Bestleistung im Main Match Revolver - 1.495 Ringe - schoss er ebenso. Doch nicht nur im PPC-1500-Bereich ist er derart erfolgreich. Weit mehr als 50 deutsche Meistertitel in den verschiedensten Disziplinen wie DSB Gebrauchspistole, den BDS-Präzisionsdisziplinen oder PP1, PP2, NPA, Supermagnum und EPP des BDMP sind in den Jahren zusammengekommen. Dazu noch mehr als 30 Europameistertitel in der PPC 1500 und im Bianchi Cup sowie 47 Weltmeistertitel in denselben Disziplinen, wobei der Großteil in den verschiedenen PPC-1500-Wettbewerben errungen wurde. Seine Titelsammlung ist beispiellos, und auch beruflich lässt ihn das Schießen nicht los, sondern gereicht ihm zum Vorteil. 

„Im Jahr 2011 bin ich zu GECO gekommen und betreue dort als Product Manager den Bereich der Kurzwaffenpatronen. Hier kann ich natürlich meine Erfahrungen aus dem Sportbereich direkt einsetzen und kann auch in der Praxis neue Produkte, wie in Norwegen die GECO 9 mm Hexagon, unter Wettkampfbedingungen ausprobieren und bei Bedarf Optimierungen vornehmen.“

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Aus der Startposition „relaxte Körperhaltung“ mit hängenden Armen
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führt er die Hand zum Holster,
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zieht den Revolver,
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führt ihn vor den Körper
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und greift mit der Nicht-Schusshand um den Lauf.
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Damit er die Schusshand und den Abzugsfinger zu 100 Prozent sauber positionieren kann. Danach wird der Revolver auf das Ziel ausgerichtet
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und der Hammer mittels Double-Action-Abzug
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vorgespannt und dann ausgelöst.

Noch hungrig?

Bei solch einer Häufung von Erfolgen stellt sich natürlich fast automatisch die Frage nach dem „weiteren Hunger“ und der nötigen Motivation für die Wettkämpfe. Doch darüber macht sich der Schütze Ralf Vanicek keine allzu großen Gedanken: „Ich kann mich immer neu motivieren, damit ich auch den Spaß am Schießen nicht verliere. So lege ich beispielsweise im Herbst eine selbstauferlegte Winterpause ein - dementsprechend sind danach auch zuerst meine Ergebnisse, aber ich habe, wenn es losgeht, wieder Spaß an meinem Sport. Auch die eigene Grenze immer weiter nach vorne zu verschieben motiviert ungemein.“

Dafür greift er aber auch auf „Waffen von der Stange“ zurück, die für die jeweilige Disziplin getunt sind. Das war jedoch nicht immer so: „Eine Bernadelli Practical V.B. war meine erste Waffe. Für damals 2.000 D-Mark habe ich sie mir gekauft, war aber schon nach relativ kurzer Zeit unzufrieden damit“, erinnert sich Vanicek an seine Schießanfänge im letzten Jahrtausend. Doch schon bald nahm der Sport einen großen Teil seines Lebens ein. Der gelernte Koch und gebürtige Ostberliner machte sein Fachabitur und den Fachhochschulabschluss als Diplom-Kaufmann auf dem zweiten Bildungsweg. Seit dieser Zeit - vorher bei SIG Sauer, nun bei der RUAG - sieht man ihn häufig in zwei Outfits: dem sportlichen für Wettkämpfe und dem Business-Outfit für repräsentative Aufgaben.

„Mein Job im Anzug macht mir Freude, genauso wie mein Hobby. Ich habe Spaß an beidem, zumal ich durch die Fahrten ins Ausland verschiedene Kulturen und andere Schießkulturen kennenlernen kann.“


Nordischer Kombinierer

Portrait: Ralf Vanicek
Voll aufgerödelt: So sieht Vanicek in Wettkampfmontur aus, inklusive der vorgeschriebenen Schutzausrüstung.

So auch dieses Jahr in Oslo. Mit seinen fünf Titeln war er der erfolgreichste Schütze der gesamten Veranstaltung - mit einem der besten Ergebnisse der letzten Jahre gewann er beispielsweise den Titel in der Disziplin „Distinguished Pistol“ mit 597 und 36 X (Innenzehn) von maximal 600 erreichbaren Ringen. Damit kam er dem seit 2005 bestehenden Rekord von Thomas Klix (597 und 41X) sehr nah. „Im Bereich der PPC 1500 habe ich eigentlich keine Lieblingsdisziplin. Hauptwettkampf Pistole und Revolver trainiere ich intensiver, die anderen mehr nebenbei. Vor einem Wettkampf versuche ich zweimal die Woche zu üben. Auch habe ich keine bestimmte Lieblingswaffe, höchstens, dass alle meine Revolver von der S&W 686er-Basis abgeleitet sind und alle Pistolen sind SIG Sauer P226 X-Five oder X-Six.“

Auch soll für den mittlerweile über 40jährigen Sportschützen noch lange nicht Schluss sein. „Ich möchte auf alle Fälle noch einige Jahre weiter mein Hobby betreiben und gleichzeitig auch die Marke Hexagon voranbringen, ausbauen und tatkräftig mit meiner Erfahrung unterstützen. Der Vorteil bei unserem Hobby ist ja, das man auch noch bis ins hohe Alter vorne mitschießen kann.“

Für die Zukunft sieht Vanicek jedoch ein Problem, das es auch bei vielen anderen Schießdisziplinen gibt: Es geht um den fehlenden Nachwuchs. „Der Schießsport hat nicht so die Breitenwirkung, wie zum Beispiel der Fußball. Es gibt ein paar bekannte Schützen in Europa, die man aber weltweit nicht kennt. Auch ist Schießen nicht so massenkompatibel. Das nächste Problem sind die immer höher werdenden Barrieren für die Schützen, um überhaupt das Hobby aufnehmen zu können. Das ist in anderen Sportarten leichter. Zudem ist die Ausrüstung sehr teuer. Allein die Kosten für die Munition sind teilweise immens, so dass jüngere Schützen meist auf Unterstützung angewiesen sind, die aber, wenn sie nicht aus der Verwandtschaft kommt, schwer zu bekommen ist. So haben wir beim PPC 1.500 mittlerweile einen Altersdurchschnitt von über 40 Jahren. Tendenz steigend.“


Keine Angst

Doch davon sollten sich Interessierte nicht abschrecken lassen. Denn nicht der Geldbeutel ist entscheidend, sondern die Einstellung zum Schießen. Wer Spaß daran hat, soll sich auf das Abenteuer einlassen. So sieht es auch Vanicek: 

„Man sollte sich zu Beginn keine allzu großen Gedanken über die Ausrüstung machen, sondern einfach mal anfangen. Wenn man dann merkt, dass das etwas ist, woran man Spaß hat, dann sollte man richtig einsteigen. Kleiner Tipp am Rande: Nicht Talent oder Training sind entscheidend, sondern im Wettkampf die mentale Stärke. Man sollte nicht mit zu hohen Erwartungen in den Wettkampf gehen, zum Beispiel mit den guten Ergebnissen, die man im Training geschossen hat. Ich trainiere nie den Wettkampfablauf, sondern die einzelnen Durchgänge und zähle dabei das Gesamtergebnis nicht aus. Mal schieße ich mehr und mal weniger Durchgänge, damit die Abläufe sitzen, dann kommen die guten Ergebnisse ganz von selbst.“

Portrait: Ralf Vanicek
Liegend-Präzision: Die linke Hand positioniert die Pistole höher um eine entspannte Kopfhaltung zu erreichen.

Weitere Information:

GECO

GECO-Großhändler in Deutschland: http://ruag-ammotec.de/

GECO-Großhändler in Österreich: http://ruag-ammotec.at/

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