FORT-230 in 9mm Luger: Die ukrainische Maschinenpistole und ihre technischen Details im Überblick

Die Maschinenpistole gehört zu den Waffengattungen, deren Bedeutung sich im Lauf der Militärgeschichte immer wieder gewandelt hat – vor allem abhängig von Einsatzprofil, Gefechtsentfernung und taktischem Umfeld. Ihre Wurzeln reichen in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zurück. Als früher Vorläufer gilt die italienische Villar Perosa Mod. 1915 im Kaliber 9 mm Glisenti: eine ungewöhnliche, zweiläufige Konstruktion, die zwar das Grundprinzip einer kompakten vollautomatischen Waffe mit Pistolenmunition vorwegnahm, in ihrer ursprünglichen Form jedoch noch keine vollwertige Maschinenpistole im modernen Sinn war. Die Waffe war nur eingeschränkt schultergestützt einsetzbar, wurde häufig mit Lafette oder Schutzschild verwendet und war damit für hochbewegliche Infanterieeinsätze nur bedingt geeignet. Hinzu kamen eine extrem hohe Kadenz, der entsprechend hohe Munitionsbedarf und die begrenzte Leistungsfähigkeit der verwendeten Patrone.

Dennoch erwies sich das Konzept als wegweisend. Schon wenige Jahre später erschienen praxistaugliche Maschinenpistolen wie die deutsche MP 18 – vielfach als erste wirklich einsatzfähige Maschinenpistole eingeordnet – sowie später Konstruktionen wie die Beretta MAB 38, die britische STEN, die vor allem durch ihre einfache und kostengünstige Fertigung bekannt wurde, oder moderne Klassiker wie die Heckler & Koch MP5 und die israelische UZI. Aufgrund ihrer kompakten Abmessungen, der guten Führigkeit auf engem Raum und der im Vergleich zum Sturmgewehr beherrschbaren Schussabgabe behauptete die Maschinenpistole lange ihren Platz bei Besatzungen von Land- und Luftfahrzeugen, Unterstützungskräften und Spezialeinheiten. Vor allem im Nahbereich, insbesondere im CQB-Einsatz, spielt sie ihre Stärken aus; hinzu kommt, dass sie sich konstruktionsbedingt häufig gut mit Schalldämpfern kombinieren lässt. Vor diesem Hintergrund sehen wir uns nun die in der Ukraine entwickelte FORT-230 an, eine Maschinenpistole, die viele typische Merkmale dieser Waffenkategorie aufgreift.

Die ukrainische Maschinenpistole FORT-230 im Detail

FORT-230: Die ukrainische Maschinenpistole und ihre Technik im Überblick
Die ukrainische Maschinenpistole FORT-230. Das Griffstück ist aus Polymer und mit QD-Schnittstelle versehen.

Zunächst ist festzuhalten, dass die Maschinenpistole FORT-230 streng genommen keine komplette Neuheit ist. Sie wurde der Öffentlichkeit bereits 2021 vorgestellt und von RPC Fort, dem wissenschaftlich-industriellen Verband des ukrainischen Innenministeriums, entwickelt und gefertigt. Die FORT-230 soll ältere Modelle aus der Sowjetära, etwa das AKS-74U im Kaliber 5,45x39 mm, durch eine Waffe ersetzen, die für eine aktuelle NATO-Patrone eingerichtet ist. Die FORT-230 ist eine Maschinenpistole im UZI-Stil, das heißt, das Magazin sitzt im Pistolengriff. Es handelt sich um eine Rückstoßlader-Konstruktion mit Teleskopverschluss: Um die Abmessungen möglichst gering zu halten, umschließt der Verschluss den Lauf teilweise. Dadurch kann der Lauf lang genug ausfallen, um den 9 mm-Luger-Geschossen ausreichende Energie und Präzision mitzugeben, während die Waffe insgesamt sehr kompakt bleibt. Bei eingeschobenem Schaft ist sie nur 410 mm lang, die Lauflänge beträgt 190 mm.

Die FORT-230 wird in zwei Versionen angeboten: einer Standardversion und einer „A“-Variante, die sich durch den Schaft unterscheiden. Erstere verfügt über einen dreifach verstellbaren Teleskopschulterstütze, während das A-Modell mit einem nach rechts anklappbaren Schaft ausgestattet ist. Das Griffstück besteht aus Polymer und verfügt über einen beidseitigen Sicherungs- und Feuerwahlhebel sowie einen beidhändig bedienbaren Magazinauslöser, während sich der nicht mitlaufende Spannschieber für Linkshänder einfach umstecken lässt. Außerdem befinden sich am Gehäuse QD-Riemenhalterungen. Im vorderen Bereich ist ein zusätzlicher Klappgriff, der in vier Positionen verstellbar ist, angebracht. Am Klappgriff befindet sich zudem ein kleiner Haken, der als Stopper für die Unterstützungshand dient. Er soll verhindern, dass die Stützhand zu weit in Richtung Mündung rutschen kann. Der Lauf weist, modernen Ansprüchen entsprechend, vorne ein Gewinde auf, das mit einer Mündungsbremse bestückt ist, die sich bei Bedarf durch einen proprietären Schalldämpfer mit Schnellwechseladapter ersetzen lässt. Das Gehäuseoberteil besteht aus Stahl und verfügt über eine Picatinny-Schiene (MIL-STD 1913) zur Aufnahme mechanischer, optischer oder elektronischer Visiere. Bei Bedarf kann zusätzlich eine seitliche Schiene montiert werden.

Die Kadenz im vollautomatischen Feuer liegt bei rund 900 Schuss pro Minute und stellt damit einen gelungenen Kompromiss dar: hoch genug, um im CQB-Einsatz Wirkung zu erzielen, zugleich aber noch beherrschbar genug, um das Magazin mit 20 oder 30 Patronen nicht innerhalb weniger Augenblicke zu leeren. Das Gewicht beträgt etwa 3,2 Kilogramm in der Standardversion und 3,0 Kilogramm in der A-Version. Insgesamt ist die FORT-230 ein klassisches Beispiel für eine moderne MP, die bewährte mechanische und operative Merkmale wie das Magazin im Griffstück und den Teleskopverschluss mit zeitgemäßen Anforderungen an Flexibilität und Zubehöranbindung verbindet – allen voran mit der Möglichkeit, moderne Optiken wie Rotpunktvisiere zu montieren.

Technische Daten der Maschinenpistole FORT-230

Hersteller:RPC Fort
Modell:

FORT-230 / FORT-230 A

Art:

Maschinenpistole

Kaliber:9 mm Luger
System:Rückstoßlader
Feuermodus:

halbautomatisch oder vollautomatisch (900 Schuss pro Minute)

Magazin:

20- oder 30-Schuss

Gewicht3,2 kg / 3,0 kg (Mod. 230 A)
Lauflänge:190 mm
Gesamtlänge mit eingeschobenen Schaft:410 mm
Gesamtlänge mit voll ausgefahrenem Schaft:640 mm oder 630 mm (Mod. 230 A)
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