Praxis-Check der 9-mm-Matchpistole Pro Tuning Taipan OR von Frankonia und die Detailvorstellung im Video

Vor rund acht Jahren tauchte im Programm von Frankonia die auf einem CZ 75-Griffstück basierende Pro Tuning Taipan auf. Sie ergänzt somit die von Frankonia vertriebene und bei Waffen Oschatz in fast schon homöopathischen Dosen gebaute Pro Tuning Shadow Viper im Produktprogramm. Vielleicht sah man sich seinerzeit auch deshalb unter Zugzwang gesetzt, weil der zweite, deutsche CZ-Importeur, AKAH aus Gummersbach, bereits ein Jahr zuvor mit der CZ 75 B 6.0 auch eine Longslide ins Rennen schickte. Konkurrenz belebt das Geschäft und die Gewinner waren hier ganz klar die Endkunden, die nun aus mehreren Matchpistolen auf Basis der CZ 75 wählen konnten. Bis dato hatte CZ selbst den kleinen, aber feinen Markt an Langschlitten-Sportpistolen sträflich vernachlässigt. Das änderte sich erst im letzten Jahr, als man die CZ Shadow 2 Target als Pärchen mit den Lauflängen 5 Zoll (127 mm) respektive 6 Zoll (152 mm) auf dem Markt lancierte. Das Marktsegment der Longslide-Matchpistolen auf dem Fundament der CZ 75-Urkonstruktion ist mittlerweile breit gefächert. 

Komplette Eigenkonstruktionen fertigen beispielsweise KMR aus Tschechien oder Phoenix aus der Schweiz und erstklassige Custom-Umbauten nach individuellen Kundenwünschen entdeckt man auch bei ZPW (Zindel Präzisionswaffen) aus Mainhausen, oder Waffen Oschatz aus Stuttgart. Um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, braucht es ein neues Modell oder zumindest ein technisches Update und da schließt sich der Kreis zur Taipan OR. Wie das Kürzel schon suggeriert, ist sie "Optics Ready", was das Montieren eines Rotpunktvisieres erheblich erleichtert. Zweifelsohne entspringt diese Art der Zielaufnahme dem dynamischen Schießen. Aber auch immer mehr "Löchlestanzer" machen sich das Leuchtpunktvisier zu nutzen. Gerade dann, wenn die Augen altersbedingt nicht mehr so mitspielen, ist das Leuchtpunktvisier eine echte Alternative zur mechanischen Visierung und so mancher Schießsport wird diesem demographischen Wandel auch mit immer mehr Disziplinen gerecht.

Vor- und Nachteile eines Leuchtpunktvisiers gegenüber einer mechanischen Matchvisierung für die Präzision

In den statischen Disziplinen und bei Waffen mit langer Visierlänge darf die Frage erlaubt sein, ob man mit einem Leuchtpunktvisier präziser schießt. Unserer Erfahrung nach ja, vor allen Dingen je kürzer die Visierlänge und je widriger die Lichtverhältnisse sind. Dazu kommt, dass der Leuchtpunkt für das Auge wesentlich unangestrengter wahrgenommen werden kann als die mechanische Visierung, speziell bei längeren Serien. Wir haben uns auch mal in Wettkampfergebnissen umgeschaut. Der BDS bietet in der Kurzwaffendisziplin "Präzision" getrennte Wertungsklassen mit mechanischer und optischer Visierung an. Dort fallen die Ergebnisse aber nicht so signifikant unterschiedlich aus wie man es vielleicht vermuten würde. Oftmals trennen die Spitzenplatzierungen und -ergebnisse von optischer und mechanischer Visierung nur ein paar Ringe. Mit guten Schießbrillen kann man zum einen viel ausgleichen, zum anderen ist eine saubere Abzugsbetätigung für den Streukreis auf der Scheibe wichtiger als die Verwendung einer mechanischen oder optischen Visierung. Gerade der letzte Punkt wird von vielen Neueinsteigern unterschätzt und das trendige Minileuchtpunktvisier als der heilige Gral angesehen, wenn es um saubere Trefferplatzierung geht.

Blick auf die zerlegte Pro Tuning Taipan OR: Das Griffstück stammt von der CZ 75 SP-01 und wird wie der Lauf in Tschechien gefertigt. Der Verschluss wird dagegen im Auftrag von Frankonia in Deutschland hergestellt. Auch das MAKnetic-Reflexvisier-System, das Pistole als OR-Schnittstelle dient, ist "Made in Germany".
Der Lauf der Pro Tuning Taipan OR wird durch ein Barrel Bushing á la Colt 1911 geführt.

Wie dem auch sei, die neue Taipan OR aus der Frankonia Pro Tuning-Büchsenmacherwerkstatt hat gleich beide Zielwerkzeuge zu bieten und ist somit nahezu eine Universal-Matchpistole. Wie bereits bei der nach wie vor erhältlichen, standardmäßigen Taipan verwendet man auch bei OR das Griffstück der CZ SP 01, das mit dem massiven Schließfedergehäuse (Dust Cover) genug Vorderlastigkeit mit sich bringt. Der ursprüngliche Spannabzug wich einem reinem Single Action-Abzug. Der brach sauber, trocken und mit kurzem Vorzugsweg bei 1.084 Gramm. Eine Punktlandung für viele Disziplinen, die die 1.000-Gramm-Marke als Limit setzen. Die dünnen, schwarz beschichteten Aluminiumgriffschalen vermitteln einen akzeptablen Grip und kommen durch ihre flache Bauweise auch Schützen mit kleinen Händen entgegen. Das Stahlblechmagazin fasst 19 Patronen und zwei weitere solche Tanks befinden sich im riesigen Hartschalenkoffer. Das Feingussgriffstück von CZ wird mit einem aus dem Vollen herausgearbeiteten Verschluss aus deutscher Produktion ergänzt. Der 6 Zoll (152 mm) lange Lauf mit konventionellem Feld/Zug-Profil wird mit einer mündungsseitigen Buchse geführt, eine Reminiszenz an das "Barrel Bushing" der klassischen Colt Government 1911 A1.

Exkurs: 

Wer die neue Pro Tuning Taipan in Action sehen möchte und noch mehr Details dazu erfahren möchte, dem empfehlen wir sich das folgende all4shooters-Video mit dem erfahrenen IPSC-Schützen Jörg Haben aus dem von Frankonia gesponserten TOPSHOT Competition Team unbedingt als Ergänzung zu unserem Testbericht anzuschauen. Dort erfahren Sie auch, warum Ganzstahlpistolen im Matchbereich noch immer die beste Wahl sind.

Video: Jörg Haben vom TOPSHOT Competition Team stellt die Frankonia Pro Tuning Taipan und zeigt, wie die Pistole schießt

Die Optik-Schnittstelle der Pro Tuning Taipan OR stammt von MAK

Als Schnittstelle hat Frankonia für die Pro Tuning Taipan OR das MAKnetic-Reflexvisier-System auserkoren. Es verfügt über einen starken Magneten und eine Spreizklemme zur Befestigung am Schlitten. Eine Längsnocke soll für Wiederholgenauigkeit sorgen.

Frankonia hat sich bei der Optikmontage den süddeutschen Hersteller MAK mit ins Boot geholt. Seit geraumer Zeit bietet man dort eine nachrüstbare Optikschnittstelle an, die so einfach wie genial ist. Dabei wird eine Adapterplatte aus hochfestem Aluminium mit zwei Haltesystemen kombiniert. Zum einen ein Prisma, das in den Kimmen-Ausschnitt der jeweiligen Waffe eingreift und mit einem Sechskantschlüssel gespreizt wird. Zusätzlich sorgt ein starker Magnet am anderen Ende der blitzblank gefertigten Montage für eine weitere Fixierung. Dieses MAKnetic-Modul ist für Waffenmodelle wie CZ 75, Shadow 1 und 2, Glock (Gen 3-5), HK USP, SFP9, P2000 sowie SIG Sauer P220/226 zum Preis von etwa 200 Euro zu bekommen. Es stellt eine recht einfache Möglichkeit dar, die vorhandene Waffe ohne Optikschnittstelle in das 21. Jahrhundert zu befördern. Scheinbar hat diese Montagemöglichkeit auch Frankonia überzeugt und man hat sich für die hauseigene Matchpistole solch ein System kreieren lassen. Vorteilhaft erscheint dabei, dass sich sowohl die Mikrometerkimme als auch die elektronische Visierung auf einer eigenständigen Platte befindet und somit recht schnell gewechselt werden kann. Ein Nocken auf der Unterseite, der in eine korrespondierende Einsparung in den Verschluss eingreift, unterstützt die Wiederholgenauigkeit.

Die Pro Tuning Taipan OR für diesen Testbericht lieferte in der Paketoption mit einem Shield RMSx-Leuchtpunktvisier. Mit diesem Rotpunktvisier erhöht sich der Preis der Pistole von 2.999,- Euro auf 3.449,- Euro (jeweils UVP).

Uns schickte Frankonia gleich ein Shield RMSx-Leuchtpunktvisier mit, denn die englischen Shield Sights-Fabrikate werden seit geraumer Zeit von dem Traditionsunternehmen aus Würzburg vertrieben. Dieses Leuchtpunktvisier baut extrem niedrig, was vielen Schützen bei der intuitiven Auffindung des Leuchtpunktes hilft. Nicht ganz ohne Nachteile, denn es musste dafür auf eine Klickverstellung für die Treffpunktlagekorrektur verzichtet werden. Zwar lässt sich mit einer auf den Sechskantschlüssel aufzusteckenden Skala auch zurechtkommen, aber ganz so leicht und wiederholgenau wie eine Klickverstellung, ist es dann leider doch nicht. Auch eine manuelle Helligkeitsverstellung fehlt, die Anpassung der Leuchtintensität wird über die Umgebungshelligkeit automatisch angepasst. Auf unserem dunklen Testschießstand war dann der Leuchtpunkt auch recht dunkel auf der hell erleuchtenden Scheibe zu sehen. Die Stärken des englischen Leuchtpunktvisieres mit großer Glaslinse liegen eher im sauberen, kreisrunden 4 MOA Punkt (rund 30 mm auf 25m) und das sich über die gesamte Linsenbreite keine Parallaxenfehler zeigten. Es ist neben dem schnöden schwarz auch in anderen Farben oder mit einem 8 MOA Dot zum Preis ab 512 Euro erhältlich. Mit kleinen metallischen Inlays in der MAKnetic-Montage lassen sich aber auch Minileuchtpunktvisiere mit einem Fußabdruck von Trijicon RMR oder Docter verwenden, solange die Länge von 48 mm nicht überschritten wird. Nicht ganz verschwiegen werden sollte, dass diese Montagebasis bei der mechanischen Visierung für eine rund 16 mm kürzere Visierlänge sorgt. Wie erwartet, zeigte sich auch die neue Taipan OR ordentlich verarbeitet. Der Verschluss saß ohne merkliches Spiel auf dem Griffstück. Zusammen mit der strammen Lauflagerung weckte das Hoffnungen auf enge Streukreise.

Die besten Schussgruppen der Frankonia Pro Tuning Taipan OR 

Ein gespannt in die Ransom Rest lieferte die Pro Tuning Taipan OR mit der S&B 124 grs FMJ  diese 10-Schuss- Gruppe von 32 mm  wobei die Einschussmitten von 9 Schuss auf 18 mm zusammenrückten. 

Die in der Ransom Rest-Schießmaschine eingespannte Taipan OR sollte mit einem Dutzend 9x19-Laborierungen von 95 bis 147 Grains und jeweils 10-Schuss-Streukreisen auf 25 m beweisen, was in ihr steckt. Die Pole-Position konnte diesmal die günstigste Laborierung im Test für sich verzeichnen. Die S&B 124 Grains FMJ stanzte eine 32 mm-Gruppe in die Pappe, wobei 9 Schuss auf 18 mm das vielzitierte Loch-in-Loch-Schussbild lieferten. Von einer hohen Eigenpräzision kann man sprechen, wenn möglichst viele Laborierungen gut abschneiden. 10 von 12 Patronensorten lagen unter der 50 mm-Grenze, wenn man das Raster auf 40 mm heruntersetzt, bleiben sogar immer noch 5 Laborierungen übrig. Damit lässt sich sportlich schon einiges anfangen. Somit hat die Taipan als OR-Ausführung eine vergleichbar solide Schussleistung zu bieten wie ihre Schwester mit mechanischer Visierung. Funktionsstörungen gab es keine zu verzeichnen. Die Schraubverbindung zum Spreizen des Prismas löste sich auch nicht. Wenn es überhaupt eine Treffpunktverlagerung nach dem Auf- und Absetzen der Visierung gab, dann ging diese in der Schützenstreuung unter. Zugegeben, eine gewisse Skepsis gegenüber der Magnetmontage pflegten wir schon und es machte sich der Gedanke breit, ob diese Montagemöglichkeit auch bei einem schwereren und höher bauenden Leuchtpunktvisier mit ungünstigeren Hebelverhältnissen halten würde. Deshalb setzten wir ein rund 50 Gramm schweres Holosun 507 Competition auf die MAKnetic-Montage auf und zogen erneut Richtung Schießstand. Kurzum, es hielt und die anfänglichen Bedenken zogen wie die Pulverschwaden ab. Die erstklassigen Abzugsqualtäten und die hohe Eigenpräzision der Taipan OR bescherten uns dann auf der 25-Meter-Distanz freihändig 195 von 200 Ringen − Mission erfüllt!

Dank der Optics-Ready-Schnittstelle kann bei die neue Pro Tuning Taipan OR sehr schnell von einer Matchpistole für Disziplinen, in den Leuchtpunktoptiken erlaubt sind, zu einer Großkaliber-Sportpistole für Wettbewerbe, bei denen ausschließlich mechanische Visierungen gestattet sind, umgerüstet werden.

Technische Daten und Preis der vielseitigen Ganzstahl-Matchpistole Pro Tuning Taipan OR im Kaliber 9 mm Luger

Modell:

Pro Tuning Taipan OR

Kaliber:

9 mm Luger

Magazinkapazität:

19 Patronen

Griffstück:

Stahl, schwarz beschichtet

Verschluss:

Stahl, schwarz beschichtet

Lauflänge: 

152 mm 

Laufprofil:Feld-Zug-Profil, 6 Züge
Visierlänge:181 mm

Kimme:

LPA-TRT-Mikrometerkimme (Ausschnittbreite 2,95 mm)

Korn:

erhöhtes Scheibenkorn (11,5 mm hoch und 3,2 mm breit)

Optics Ready, Schnittstelleja, MAKnetic-Reflexvisier-System (Footprints: Shield, Trijicon RMR und Docter)

Sicherung:

manuelle, beidseitige Flügelsicherung

Abzugssystem,-gewicht:

Single-Action-Only, 1.084 g (Ø aus 10 Messungen mit Trigger Scan-System)

Abmessungen (LxBxH):

245 mm x 41mm x 155 mm

Gewicht:1.251 g

Preis (UVP):

2.999,- Euro

Ausstattung/Zubehör:

Hartschalenkoffer,  2 Reservemagazinen

Das Fazit Pro Tuning Taipan OR von Frankonia in 9 mm Luger

Das "OR" macht den Unterschied. Durch die Optikschnittstelle wird die Taipan noch universeller im Schießsport verwendbar. Verarbeitung, Abzugsqualitäten und Schussleistung liefern ein stimmiges Gesamtbild ab. Der Aufpreis von rund 400 Euro im Vergleich zur Standardausführung mit mechanischer Visierung ist unserer Meinung nach nicht überzogen. Mit rund 3.000 Euro ist sie zudem der günstigste Einstieg, was die Kombination CZ 75-Matchpistole und Optikschnittstelle betrifft.


Dieser Beitrag basiert auf einen Testbericht aus der caliber, Ausgabe 07+08/2026. In diesem Heft sind auch weitere Fotos sowie die ausführliche Schießtabelle mit ballistischen Daten von insgesamt 12 Patronensorten enthalten. Sie können es im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.

Der im oben verlinkten Video angesprochene VISIER-Test erschien in der Juli-Ausgabe des Magazins. Das VISIER-Heft 7/2026 können ebenfalls im VS  Medien Shop als Print- oder Digitalausgabe erwerben.

Auf  dieser Seite im Frankonia Online-Shop erhalten Sie weitere Informationen zu der neuen Pro Tuning Taipan OR.