Arex Delta Gen.2 in 9 mm Luger: Gleich drei verschiedene Polymerpistolen für unterschiedliche Einsatzzwecke

Schmales aus Slowenien: Die Arex Defense Delta Gen.2-Pistolen sehen nicht nur schnittig aus, sondern haben für kleines Geld in der Schießpraxis viel zu bieten.

Im Vergleich zu den renommierten Dienstpistolenproduzenten aus dem deutschsprachigen Raum wie GLOCK, Heckler & Koch oder Carl Walther dürfte Arex Defense bei uns noch keinen so großen Bekanntheitsgrad bei Schützen und Jägern genießen. Erst seit 1994 besteht dieses slowenische Unternehmen, das neben Kurzwaffen etwa auch Läufe in Lohnfertigung sowie Trainingsmunition aus Kunststoff herstellt. Ein ausführliches und aktuelles Firmenportrait mit Video finden Sie hier nachlesen.

Die schon seit einigen Jahren hierzulande bekannte Pistole Arex REX Zero 1 war stark von dem erfolgreichen Klassiker SIG Sauer P226 inspiriert und besitzt demzufolge ein Leichtmetallgriffstück für ein doppelreihiges Magazin mit Kapazität für 18+1 Patronen sowie einen Spannabzug in Kombination mit einem rückspringenden Entspannhebel. 

Als Nachfolger seiner Rex Zero 1 präsentierte der Hersteller auf der IWA 2022 das ergonomisch weiterentwickeltes Modell Zero 2, ebenfalls mit Alu-Griffstück. Doch generell bestimmen heute Dienstpistolen mit Polymerrahmen den Markt und auch hier ist Arex Defense mit der ebenfalls modifizierten Delta Gen.2 gut aufgestellt. Gleich zwei der drei Varianten dieser Polymer-Pistole konnten wir hier unter die Lupe nehmen und natürlich auch praktisch testschießen.

Die Selbstlade-Pistole Arex Delta Gen.2 kommt in drei Größen

Arex Delta: Das kompakte M-Modell in 9 mm Luger besitzt eine Lauflänge von 102 mm und wird mit Magazinen mit der Kapazität für 15 oder 17 Patronen gefüttert. Das hier in olivgrün gezeigte Griffstück wird anscheinend nur noch in den Farben Standard Schwarz, FDE (Flat Dark Earth) und Gun Smoke Grau offeriert.

Die ausgewachsene „Fullsize“-Ausführung Delta Gen.2 L besitzt eine Lauflänge von 114 mm und eine Magazinkapazität von 17 beziehungsweise 19 Patronen. Die kompaktere Delta Gen.2 M weist einen 102-mm-Lauf auf und die stark an die CZ P-10 erinnernden Stahlblechmagazine fassen 15/17 Patronen. Die Delta Gen.2 X ist ein „Crossover“-Modell mit langem L-Griffstück und kurzem M-Verschluss. Alle Modelle sind auch als OR (Optic Ready)-Version erhältlich, wobei direkt alle fünf verfügbaren Adapterplatten im Lieferumfang enthalten sind. Somit passen folgende Minileuchtpunktvisiere: Noblex (Docter Sight), Eotech & Insight (MRDS), Meopta (MeoSight), Vortex (Viper, Venom), Burris (FastFire), Trijicon (RMR, SRO), Holosun (407C, 507C, 508T, 407K, 507K), Vector Optics Frenzy 1x22x26 MO, Swampfox (Justice 1x27, Liberty 1x22, Kingslayer 1x22), Leupold (DeltaPoint Pro), C-More (RTS2, STS2) Delta Optical Dot HD 24, Vortex (Razor), Shield (RMS, SMS), J-Point (MRD). 

Das Abzugsgewicht ermittelten wir mit rund 2.700 Gramm, wobei die Techniker gut daran taten, den druckpunktähnlichen Abzug mit rund 1.500 Gramm Vorzug zu versehen. Der Rückstellweg („Reset“) lag bei erfreulich niedrigen 1,5 mm. Das Abzugssystem nennt der Hersteller selbst „Striker Double Action“ (SDA)-Trigger; doch was steckt dahinter?

Arex Delta: Das ausgewachsene L-Modell in 9x19 weist eine Lauflänge von 114 mm auf und das doppelreihige Stahlblechmagazin fasst bis zu 19 Patronen. Für einen Aufpreis von 50,- Euro gibt es auch dieses Modell in werkseitiger „Optic Ready“-Version.

Es handelt sich hierbei, ähnlich wie bei GLOCK-Pistolen, um ein teilvorgespanntes System. Beim Schließen des Verschlusses wird der Schlagbolzen um einen gewissen Teilbetrag, in diesem Fall etwa 8 mm, vorgespannt. Die restlichen 1,5 mm Weg werden dann über den Abzug, somit also erst unmittelbar vor der Schussabgabe, überwunden. So erreicht man zusätzliche Sicherheit, weil der vorgespannte Schlagbolzen nicht über ausreichend Energie zur Zündung der Patronen verfügt. Wenn man allerdings die Abzüge im Widerstand etwas geringer ausführen möchte, sind die Möglichkeiten weitaus begrenzter als bei reinen Single-Action-Abzugssystemen. Da wir gerade bei dem Thema Sicherungen sind; neben der Glock-typischen Sicherung in der Abzugszunge ist auch noch eine automatisch wirkende Schlagbolzensicherung vorhanden

Die Arex Delta Gen.2 gehört übrigens zu den Pistolen, die sich kompromisslos von beiden Seiten bedienen lassen. Neben dem beidseitigen Verschlussfanghebel kann das Magazin immer von rechts oder links ausgelöst werden. Somit könnte man das Magazin auch mit dem Zeigefinger der Schusshand auslösen, wodurch man automatisch die Sicherheitsregel „kein Finger am Abzug bei allen Waffenmanipulationen außer der gewollten Schussabgabe auf ein identifiziertes Ziel“ befolgt. Doch auf der anderen Seite können sich am beidseitigen Magazinauslöseknopf auch die Geister scheiden. Weil die Dienstpistole unter anderem auch für das verdeckte Führen konzipiert wurde, sind die Bedienelemente sehr flach ausgelegt. Im Falle des niedrigen und mit der Griffstückoberfläche nahezu eben verlaufenden Magazinknopf steht also ein tiefes Eindrücken an der Tagesordnung. Wer das nicht gut hinbekommt, der kann sich im Onlineshop des Herstellers für kleines Geld eine verlängerte Ausführung bestellen.

Der technische Aufbau der Pistolenmodelle Arex Delta Gen2

Arex Delta Gen.2 in 9 mm Luger; nach der Zerlegung zeigt sich die klassische und eben auch bewährte Bauweise und das recht schmale Griffstück.

Das Griffstück selbst fällt sehr ergonomisch aus, ein hochgezogener Griffsporn in Kombination mit einer tiefen Auskehlung an der Schnittstelle zwischen Grifffront und Abzugsbügelunterseite lässt die Delta Gen.2 mit der schon vorteilhaften, geringen Bauhöhe noch tiefer in die Hand sinken. Mit 28 mm Griffstückbreite fällt das Griffstück rund 2 mm schmaler aus als das einer Glock G17/19. Zahlenmäßig mag das nicht viel erscheinen, doch beim Zugreifen bemerkt man einen Unterschied, den Schützen mit kleinen Händen vielleicht zu schätzen wissen. Schützen mit größeren Händen können mit den drei beigelegten, unterschiedlich voluminösen Wechselgriffrücken selbst noch Anpassungsarbeiten vornehmen. Die Oberflächenstrukturierung des Rahmens erinnert einen etwas an feines Skateboardtape oder Stippeling und vermittelt einen guten Halt. 

Übrigens trägt das Griffstück selbst keine Waffennummer, sondern der Entriegelungsblock. Somit können die Griffstücke leicht erworben werden, falls einem ein farblicher Wechsel in den Sinn kommt. Allerdings müssen dazu sämtliche Kleinteile aus dem Griffstück ausgebaut werden. Ein leichtes Wechseln wie beim patentrechtlich geschützten System der SIG Sauer P250/320 mit gekapseltem Edelstahlrahmen, der als Einheit entnommen werden kann, ist hier leider nicht möglich. Trotz des günstigen Preises hat man den Pistolen ein ordentliches Visier verpasst. Sowohl Kimme als auch Korn sind quergeriffelt, wobei nur das Korn mit einer weißen Einlage versehen ist, was wir aber als ausreichend betrachten. Wer hier nachrüsten möchte, kann auf das breite Angebot an Visierelementen zurückgreifen, die für die SIG Sauer P220/226 passend sind.

Praxistest: Die Arex-Pistolen Delta Gen.2 auf dem Schießstand

Die Arex Delta Gen.2-Modelle verfügen über einen sicht- und fühlbaren Ladestandanzeiger.

Die Delta Gen.2 L- und M-Testwaffen wurden mit fünf Fabrikmunitionssorten sitzend aufgelegt unter Verwendung eines Sandsacks auf Präzision überprüft. Hierbei bestand von Beginn an ein gewisser Wettbewerbsnachteil für die große L-Ausführung, weil wir diese Pistole nur mit mechanischer Visierung, die kompaktere M-Variante aber auch mit Minileuchtpunktvisier in Gestalt eines Leupold Delta Point Pro schießen konnten. Dies erleichterte im letzteren Falle die Schussleistungsüberprüfung erheblich. Das beste Ergebnis mit Delta Gen.2 L mit mechanischer Visierung erreichten wir mit der Magtech 147 Grains JHP mit 75 mm. Danach folgte die Fiocchi 115 Grains FMJ mit 90 mm sowie die GECO Red Zone – eine soft geladene Defensivpatrone – mit 104 mm. Der Durchschnitt lag bei 102 mm. Mit der kleineren M-Ausführung mit Leupold Delta Point Pro gelangen uns 53 mm (GECO 124 Grains Red Zone), 60 mm (Magtech 147 Grains JHP) sowie 74 mm (Sellier & Bellot 124 Grains FMJ). 

Mit diesen Ergebnissen kann man in Anbetracht des primären Einsatzzwecks sicherlich leben.  Beide Ausführungen leisteten sich übrigens während den anschließend absolvierten, dynamischen Dot Drills keine Störungen. Die niedrige Laufseelenachse und der griffige Polymerrahmen machten die Waffen auch mit den harten Magtech 147 Grains JHP gut beherrschbar. Hier muss man also keine Abstriche im Vergleich zu anderen europäischen Dienstpistolen machen.

Technische Daten und Preise der Arex Delta Gen.2 in 9 mm Luger

Modell:
Arex Delta 2 L (Die Angaben in Klammern gelten für die Variante Arex Delta 2 M)
Kaliber:
9 mm Luger
Magazinkapazität:
17/19 (15/17) Patronen
Griffstück:
Polymer mit Stahleinlagen
Verschluss:
Stahl, schwarz beschichtet
Lauflänge, Laufprofil:
114 (102) mm, 6x F-Z-Profil
Zug-Felddiameter / Dralllänge:
9,07-8,87 mm/k.A.
Kimme:
3,7 mm, geriffelt, seitlich driftbar
Korn:
3,5 mm, geriffeltes Rampenkorn, seitlich driftbar
Visierlänge:
173 (163) mm
Sicherung:
Abzug, Schlagbolzensicherung

Abzugssystem, -gewicht / Spannweite*:

Striker Double Action (SDA), Mittelwert 2.690 Gramm / Spannweite 14 Gramm

Gesamtgewicht (incl. Magazin):

690 (593) Gramm
Maße (LxBxH):
191 (180)x30x148 (138) mm
Extras:
Hartschalenkoffer mit Reservemagazin, 4 Griffrücken, Putzset
Preis (UVP DE)
ca. 680,- Euro, als O.R.-Variante ca. 730,- Euro (ca. 630,- Euro, O.R.-Variante ca. 680,- Euro) 
* Mittel aus 10 Messungen mit dem Trigger Scan System

Das Test-Fazit: Wie gut sind die Arex Delta Gen2.-Pistolen?

Arex Delta: Die Adapterplatten für die Minileuchtpunktvisiermontage gibt es für über 30 Leuchtpunktvisiere. Sie bestehen aus Kunststoff, in denen eine Mutter formschlüssig eingesetzt wird.

Die Delta Gen2.-Pistolen hinterlassen einen ordentlichen Eindruck und vor allem das schmale, viel Schusskontrolle bietende Griffstück weiß zu überzeugen. Eine gute Ausstattung mit beidseitiger Bedienung und eine hohe Funktionszuverlässigkeit sind weitere Merkmale der slowenischen Polymermodelle, wobei die L bereits für 680,- Euro und die M für 630,- Euro den Besitzer wechselt. Die Optic-Ready-Varianten kosten jeweils rund 50 Euro mehr. 

Da drängt sich zum Abschluss natürlich der Vergleich zu europäischen Mitbewerbern auf. Die für ihr gutes Preis-/Leistungsverhältnis bekannte CZ P-10 aus Tschechien kostet etwa 100,- Euro mehr, bei den deutschsprachigen Herstellern muss man noch etwas tiefer in die Tasche greifen. Somit besitzen die Arex Defense Delta Gen.2-Pistolen einen durchaus attraktiven Preis.

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