4.4

KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP aus Deutschland

"Es war schon immer etwas Besonderes, einen KORTH zu besitzen!", so ein Zitat des Waffenkonstrukteurs Willi Korth.

Wir konnten uns von der Qualität und Schussleistung der Waffe bereits auf dem "Media Day" anlässlich der SHOT Show 2014 von der Pistole im US-Traditionskaliber .45 ACP in der Wüste Nevadas live überzeugen.

Wer allerdings nur einen flüchtigen Blick riskierte, könnte enttäuscht gewesen sein. Denn rein äußerlich hinterlässt die KORTH PRS erst einmal den Eindruck, als würde es sich nur um eine weitere der unzähligen Pistolen auf Basis der COLT GOVERNMENT 1911-A1 handeln. 

KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP
KORTH PRS - Goldfinger lässt grüßen: Geschmacksache ist die Titannitrid beschichte 6"-Variante mit schwarzem Kornträger.
KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP
KORTH PRS: Die Kombination aus mitternachtsblauer Oberflächen-beschichtung und Griffschalen aus Elfenbeinimitat wirkt zweifelsohne edel.

Doch weit gefehlt! Im Inneren verbirgt sich ein beweglich abgestützter Rollenverschluss, so wie man ihn in artverwandter Ausführung auch von der einstigen deutschen Dienst- und Sportpistole HECKLER & KOCK P9/P9s her kennt, die für ihr hohes Präzisions­niveau berühmt-berüchtigt war. Ein durchaus cleverer Schach­zug der neuen KORTH-Mannschaft, die hervorragenden Handhabungseigenschaften und Ausbaumöglichkeiten der 1911 mit der Rollenverschlusstechnik und dem starren Lauf sowie der daraus resultierenden Topschussleistung der HK P9/P9s zu kombinieren.


Willis Erben - wer steckt hinter der Marke "KORTH"

Vor 60 Jahren, also im Jahr 1954, gründete Willi Korth, der während des Zweiten Weltkrieges Angestellter bei MAUSER war, die gleichnamige Firma in Ratzeburg und begann mit der Fertigung von Gasrevolvern. Der eigenwillige Konstrukteur, der sich auch mit Druckluft- und Kleinkalibergewehren beschäftigte, stellte zehn Jahre später seinen ersten Spannabzugsrevolver im Kaliber .38 Special vor und 1965 erfolgte die Auslieferung der ersten Revolvermodelle in .357 Magnum, die schnell den Ruf als die "Rolls Royce" unter der Six Shootern erlangten. Nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen im Jahre 1983 durchlief die Firma eine wechselvolle Geschichte unter wechselnden Eigentümern. 

Der Firmengründer starb 1992. Seit 2009 ist die neue Firma KORTH in Lollar in der Nähe von Gießen angesiedelt und präsentierte 2010 den ersten, in Hessen neugefertigten KORTH-Revolver. Die originalen Zeichnungen und Blaupausen des einstigen Firmengründers wurden auf modernes CAD umgewandelt und hierbei gleich konstruktive Detailveränderungen vorgenommen. Nach wie vor versteht man sich als Manufaktur, die nach Kundenwunsch Edelwaffen in Kleinstserien aus exquisiten Materialien herstellt. 

Kenner werden wissen, dass Willi Korth schon 1944 Konstruktionszeichnungen seiner Selbstladepistole anfertigte, die erst nach seinem Ableben ab etwa 1985 Gestalt annahm und produziert wurde. Diese Ganzstahlpistole mit Schwenkriegelverschluss und Spannabzugssystem im Basiskaliber .40 S&W mit Wechselläufen in .357 SIG und 9 mm Luger, hat mit der heutigen, hier erstmals vorgestellten KORTH Pistole aber keinerlei Gemeinsamkeiten.


KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP
Dieses Schnittmodell der KORTH PRS verdeutlicht sehr gut die Funktionsweise und ermöglicht tiefe Einblicke.

KORTH PRS im Detail

Das Kürzel "PRS" steht international für "Pistol Rolleraction System" (frei übersetzt: Pistole mit Rollenverschlusssystem) und macht in Verbindung mit dem gewählten Erstkaliber .45 ACP deutlich, dass KORTH Germany vor allem wohl die USA als Hauptabsatzmarkt im Auge hat. Bekannt ist, dass sauber gefertigte und gepasste 1911er Pistolen mit originalem BROWNING-System von kompetenten Kleinserienherstellern und Büchsen-machern durchaus Ministreukreise produzieren können. Dennoch kann hier – identische Spitzenfertigung mit Minimaltoleranzen vorausgesetzt – der Rollenverschluss mit starrem Lauf unter Umständen noch einen Hauch besser schießen, weil er beispielsweise wesentlich unempfindlicher auf Erstschussabweichungen, bedingt durch die unterschiedlichen Impulse beim manuellen und automatischen Repetieren und Schließen des Systems, reagiert. 

Ein großer Vorteil ist neben dem geringen Rückstoß ohne Kippmomente auch die Tatsache, dass Anbauteile am Lauf wie Gewichte, Kompensatoren oder Schalldämpfer keinerlei Negativeinfluss auf die Waffenfunktion ausüben können. 

KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP
Die KORTH PRS im feldmäßig zerlegten Zustand.

Das sieht beim BROWNING-System mit seinem abkippenden Lauf anders aus. Beim Zerlegen einer PRS offenbart sich dann Technik, die man so weitestgehend von der HECKLER & KOCH P9/P9s kennt. Allerdings hat man hier das System nicht einfach kopiert, sondern durchaus notwendige Verbesserungen eingebracht. Das Original aus dem Schwarzwald wurde einst für das Kaliber 9 mm Luger eingerichtet, aber später auch für den amerikanischen Markt auf das Kaliber .45 Auto adaptiert, was gleichzeitig die Schwachstellen aufzeigte. Gerade die impulsstarken 230 Grains Vollmantel-Rundkopf "Hardball"-Laborierungen brachten so mancher P9s den frühen Tod, vor allem dann, wenn der Gummipuffer nicht rechtzeitig gewechselt wurde. Und selbst dann war es durchaus möglich, dass ein Element des Gabelstücks am Laufansatz, in dem der Rollenverschluss formschlüssig verriegelte, schlussendlich doch brach. Aus diesem Grund hat das Team um Geschäftsführer Andreas Weber eine P9s im "Torturen-Test" absichtlich zu Bruch geschossen, um die etwaigen Schwächen im Dauergebrauch im Detail begutachten und analysieren zu können. 

Als Quintessenz daraus verwendet man bei der hier vorgestellten KORTH PRS hochfeste Stahlsorten mit einer Festigkeit von bis zu 2.000 N/mm² und an relevanten Stellen wurden die Wandstärken nochmals üppiger dimensi­oniert. Erst diese Schritte machten es möglich, die hessische Pistole von Beginn an im Kaliber .45 ACP einzurichten, wobei weitere Kaliber wie 9 mm Luger, .38 Super Auto oder .40 S&W in Planung sind. Bei dem System mit der technisch exakten Bezeichnung "halbstarrer beweglich abgestützter Rollenverschluss" läuft im Schussvorgang der Rückdruck der Hülse zunächst linear auf den Verschlusskopf auf und wird auf die Verschlussrollen weitergeleitet. Diese liegen etwa mit einem Drittel ihrer Fläche beidseitig in einer korrespondierenden Aussparung in einer hinter dem Patronenlager liegenden Gabel auf. Die Gegenseiten der Rollen liegen dabei auf dem schräg ausgebildeten Verschlusskopf an. 

Die rückwirkende Kraft wird also so nach innen und außen geteilt. Die nach innen abgegebenen Kräfte sorgen nun dafür, dass sich der abgeschrägte Verschlussträger nach hinten bewegt. Dadurch entsteht der Raum dafür, dass die aufliegenden Rollen sich nun nach innen in den Verschlusskopf hinein bewegen und somit der Rücklauf des Verschlusskopfs beginnen kann, mit dem auch die Patronenhülse aus dem Lager ausgezogen wird. Bei den Rollenverschlusswaffen aus dem Ländle sind im Patronenlager Gasentlastungsrillen angebracht, die für ein geringeres Anlidern der Patronenhülse im Ausziehvorgang sorgen und somit bei dem kurzen Entriegelungsweg die Funktion unterstützen. Der Weg bis zur Entriegelung scheint wohl bei der KORTH PRS Pistole etwas länger zu sein, weil man bei ihr auf diese Entlastungsrillen, die ein typisches Schmauchprofil auf den ausgeworfenen Hülsen hinterlassen, verzichten kann.


Kleine, feine Unterschiede

Als Basis ein aus dem Vollen gefrästes Stahlgriffstück im 1911er-Design für die Aufnahme von einreihigen Magazinen zu verwenden, ist sicherlich keine schlechte Idee. Denn zum einen ist der Klassiker von "JMB" für seine hervorragenden Handhabungs- und Deutschusseigenschaften aufgrund des idealen Griffwinkels bekannt und zum anderen gibt es unendlich viele Nachrüst- und Tuningteile, die auch für die KORTH PRS passen. So lassen sich Komponenten des Single-Action-Abzugssystems wie Hammer oder Abzugsstollen (sear) ebenso wie Handballensicherung (beavertail), Griffschalen, Magazinauslöser, Magazine und weitere Kleinteile verwenden. Doch weil das PRS-Griffstück aufgrund der implantierten Fremdtechnik in Form des Rollenverschlusses 1,6 Millimeter breiter ausfällt als das Original, sind die Achsen von auf Original 1911ern abgestimmten Verschlussfanghebeln sowie ein- oder beidseitigen Drehflügelsicherungen zu kurz geraten.


KORTH PRS: Ausbaufähig & flexibel

Die KORTH PRS wird weitestgehend im eigenen Hause gefertigt, doch wie bei den Revolvern stammt der Lauf von Lothar Walther. Der derzeit verbaute .45er-Lauf weist ein Polygonprofil mit einer Dralllänge von 1-16" (406 mm) auf. Die zuerst auf den Markt gelangende Standardversion im Commander-Format mit 4"/102 mm Lauf wird vorerst nur mit einem edlen, schwarzen Oberflächenfinish zu haben sein. Die ebenfalls im Rahmen des Artikels gezeigten Varianten mit Lauflängen von 5"/127 mm und 6"/152 mm und alternativen Finishs werden ebenso wie die bereits in Planung befindliche, überlange 8" (204 mm)-Version erst zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen. Die entsprechenden, an ihrer Unterseite geschlitzten Laufgewichte/Kornträger werden auf den Lauf geklemmt und führen die Verschlusskontur fort. Das Griffstück besitzt an der Unterseite des "Dust Covers" und die Kornträger auf der Unter- und Oberseite typische Picatinny Montageschienen für die Anbringung von Zusatzausrüstung. Gerade für Deutschland ein wichtiger Gesichtspunkt ist die Möglichkeit des einfachen Kaliberwechsels. Dazu muss neben dem Lauf und Magazin nur der Verschlusskopf gewechselt werden. Mit den gebotenen Kalibern und Lauflängen lässt sich dann eine KORTH PRS sehr flexibel an Disziplinen/Reglements anpassen und damit nutzen.

KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP
KORTH Versionen: Das Hauptaugenmerk wird erst einmal auf den Lauflängen 4“/102 mm, 5“/127 und 6“/152 mm liegen. Eine überlange 8“/204 mm Version wird auf Sonderwunsch gefertigt.
KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP
KORTH: Das Trio von der rechten Seite.

KORTH PRS Pistole in .45 ACP: Kleiner Wüstentest

Diesmal hatten wir nur die Möglichkeit, die neuen KORTH PRS Pistolen in .45 ACP in der Wüste Nevadas auf Kurzdistanzen auf Stahlzielmedien im Feuer zu erproben. Hierbei konnten wir auch eine 6"-Variante mit einem auf der Laufgewicht-Oberseite niedrig über der Laufseelenachse montiertem Aimpoint Micro H-1Leuchtpunktvisier schießen. Auch hier spielt das Gewicht keine Rolle bei der Waffenfunktion und die starre Verbindung von Lauf und Visiereinheit kommt augenscheinlich der Präzision entgegen, denn auf dem Stahlziel bildeten mehrere Treffer ein einziges Nest. 

Während des Media Days auf der SHOT SHOW 2014  wurden etwa 6.500 Patronen der Winchester 230 Grains Full Metal Jacket Munition aus den brandneuen KORTH PRS Pistolen bei windigen Verhältnissen und aufgewirbeltem Feinstaub verschossen, ohne dass es zu nennenswerten Funktionsstörungen gekommen zu sein scheint. Weil es aber ­dennoch nach den Erfahrungen bei den "Nullserien-Modellen" und aufgrund des gelebten Perfektionismus im Hause KORTH noch kleine technische Änderungen im ­Inneren geben wird, konnten wir leider, leider noch keine PRS auf unserem Testschießstand in die Ransom-Rest-Schießmaschine packen, um sie mit unterschiedlichsten Munitionssorten auf 25 und 50 Meter zu erproben. Der Hersteller hat uns aber versprochen, dass wir wiederum die Ersten sein werden, denen dieses Privileg zustehen wird. Bleiben Sie also auf Empfang!

KORTH PRS: Ganzstahlpistole in .45 ACP
KORTH PRS in .45 ACP: Das 5-Schuss Anschuss-Bild aus der Ransom-Rest-Schießmaschine des Herstellers ist vielversprechend.

Die Preise der KORTH PRS im Details:

Nach jetzigem Kenntnisstand wird die .45er mit 4"-Lauf 2.970 Euro kosten. Die 5 Zoll und 6 Zoll-Varianten im identischen Kaliber sollen dann für 3.190 Euro beziehungsweise 3.300 Euro über die ­Ladentheke gehen. Die Preise für Wechselläufe und weiteres ­optionales Zubehör standen zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht fest. Dennoch dürfte ein komplettes Wechselsystem günstiger als das eines 1911er Premiumherstellers sein, weil man keinen neuen Schlitten benötigt. Ob man die Picatinny-Schiene am massiv ausgebildeten Schließfedergehäuse für die Montage eines Zusatzgewichts nutzt, dürfte eine Frage der individuellen Präferenzen sein, doch mit rund 1.000 Gramm für die 4 Zoll-Variante oder 1.132 Gramm für die 6 Zoll-Version der KORTH PRS hat man hier zumindest nach Regeln der DSB/BDS Sporthandbücher noch etwas Spielraum.


Technische Details und Spezifikationen der KORTH PRS:

Modelle und DatenPRS 4 ZollPRS 5 ZollPRS 6 Zoll
Kaliber.45 ACP.45 ACP.45 ACP
Gewicht mit leerem Magazin1.000 g1.250 g mit Stahl -Laufgewicht1.132 g mit Aluminium -Laufgewicht
Höhe 15 cm15 cm15 cm
Länge19,5 cm22 cm24,5 cm
Magazin Kapazität7 Patronen7 Patronen7 Patronen

Allgemeine Informationen und technische Details der KORTH PRS in .45 ACP:

LaufStarrer Lauf mit halbstarr verriegeltem Rollenverschluss,
Material: Lothar Walther Polygon,
Drall Länge: 450 mm
SchlittenDoppelte Schlittenführung auf zwei Ebenen,
Material: gehärteter Carbon Stahl
Länge: 4 Zoll
verfügbare Oberflächen: traditionelle Brünierung, Plasma Beschichtung, Ceracote Beschichtung
VisierungVerstellbare Sport Visierung
Combat Visierung
Griffstück 1911-Technik
verfügbare Oberflächen:  traditionelle Brünierung, Plasma Beschichtung, Ceracote Beschichtung
Griffschalen: luxuriöse dunkle Walnußgriffe, andere Materialien auf Kundenwunsch


Diesen Artikel bewerten
4.4 (23 Bewertungen)
Die korrekte und vollständige Funktion unserer Dienste setzt Cookies voraus. Mit einem Klick auf die Schaltfläche [OK] willigen Sie ein, dass unsere Internetdomäne Cookies verwendet.