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Test & Technik: Kimber K6s DCR Revolver in .357 Magnum

In einem Zeitalter der preisgünstigen und feuerstarken Polymer-Pistolen für jeden erdenklichen Zweck gehört heute schon einiges an Chuzpe dazu, als Waffenhersteller einen Revolver als Baureihe komplett neu auf den Markt zu bringen. Denn der ist seit langen Jahren derart hart umkämpft, dass sich neben den Branchenriesen Ruger, Smith & Wesson und Taurus kaum jemand dauerhaft behaupten kann. Der US-Hersteller Kimber aus Yonkers scheint sich davon aber nicht abschrecken zu lassen. Ihr handlicher K6s DCR im Kaliber .357 Magnum unterscheidet sich dabei in seiner Anmutung nicht fundamental von einem reinrassigen DAO-Revolver wie den Centennial-Modellen aus dem Hause Smith & Wesson. Die Chancen auf den Markterfolg erhöhen bei dem K6s kleine, aber feine Detaillösungen.

Der Revolver Kimber K6s DCR in .357 Magnum.
Wir waren gespannt, wie sich der kleine Revolver Kimber K6s DCR im Test wohl schlagen würde.

Das Konzept des Revolvers Kimber K6s

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Weil es sich um einen reinen Spannabzug handelt, ist der Rahmen des Kimber K6s DCR geschlossen.

Alle Varianten der Baureihe K6s fertigt Kimber grundsätzlich aus rostträgem Stahl. In seiner Größe und dem Gewicht liegt der .357er Kimber etwas näher an dem .38er Colt Detective Special oder dem Ruger SP 101 als an dem S&W M 640 Centennial. Anders als die kleinen J-Rahmen von Smith & Wesson oder die neuen LCR-Modelle von Ruger verfügt die Trommel des 357er Kimber über 6 statt lediglich 5 Kammern. Technisch hat man das Rad nicht neu erfunden: Unter der sauber eingepassten Seitenplatte geht es nicht großartig anders zu als bei einem J-Rahmen von S&W mit komplett verdecktem Schlagstück. Auch bei Kimber treibt eine Schraubenfeder den innenliegenden Schlaghammer an. Die Rückstellfeder für das Abzugszüngel verbirgt sich in einem Stahlgehäuse (rebound slide).

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Alternativ zum Glasfaserkorn bietet Kimber den K6s DCR auch mit Dreipunkt- oder Tritium-Visier.

Die Trommel arretiert über die Ausstoßerstange. Die subjektiv sehr gute Handlage des Revolvers prägen der ebenso kleine wie handliche Edelholzgriff sowie die sehr steile Rückstoßschulter des Rahmens. Die Trommelentriegelung funktioniert über einen Druckknopf, dieser ließ sich völlig problemlos betätigen und bietet durch die stark abgerundeten Kanten auch bei heftigem Rückstoß keine Verletzungsgefahr. Kimber achtet insgesamt darauf, dass sich an der Taschenflak keine scharfe Kanten finden. Die rundum sorgsame Verarbeitung des Testexemplars ließ sich gut mit Kimbers bekannten 1911er Pistolen vergleichen: Gehobene Mittelklasse auch im Detail, zugleich aber auch ohne den Anspruch, mit Luxuswaffen konkurrieren zu wollen. Der Spannabzug des Revolvers hinterließ für einen Double-Action-Werksabzug einen herausragend guten Eindruck. Der Abzug löste geschmeidig bei 4.300 g aus, fühlte sich dabei aber subjektiv viel leichter an. Das der Abzug den guten Eindruck erzeugt, lag auch am gleichmäßigen Timing auf allen 6 Kammern sowie dem angenehm breiten Abzugszüngel mit sorgsam verrundeten Kanten.

Technische Daten und Preis:

Modell: K6s DCR
Hersteller: Kimber
Kaliber: .357 Magnum
Lauflänge: 52 mm
Maße (Länge x Breite x Höhe) 167 x 35 x 108 mm
Trommelspalt: 0,15 mm
Breite Kimmenausschnitt: 3,4 mm
Kornbreite: 3,5 mm
Visierlänge: 92 mm
Abzugsgewicht: 4.300 g
Gewicht: 650 g
Ausstattung: Reiner Spannabzug mit geschlossenem Rahmen, seitlich ausschwenkbare
Trommel mit versenkten Hülsenböden, Stainless Steel, Rosewood-Holzgriff,
seitlich driftbare Kimme, rotes Lichtsammlerkorn, glattes Abzugszüngel.
UVP: 1.399,- Euro

Für aktuell 1399,- Euro ist der Kimber K6s DCR bei Waffen Ferkinghoff erhältlich.

Wie verhält sich der kompakte Revolver auf dem Schießstand?

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Weil es sich um einen reinen Spannabzug handelt, ist der Rahmen des Kimber K6s geschlossen.

Die .357 Magnum ist eine sehr kräftige Patrone. Das gilt auch für den damit einhergehenden Rückstoß. Durch Designfeatures wie den schweren Stummellauf, den rutschfesten Griff und die hohe Rückstoßschulter des Rahmens zeigte der Kimber K6s DCR auch mit Magnum-Futter keinerlei Neigung zum Rollen in der Hand. Es musste auch bei schnellen Schussfolgen nie nachgegriffen werden. Auch der Hochschlag der Mündung fiel in Relation zu dem geringen Waffengewicht verblüffend gering aus – die Waffe blieb gut kontrollierbar. Irgendwohin muss die Energie dennoch: Der Rückstoß war nur mit Wadcutter-Patronen völlig problemlos und ist mit normaler .38er Munition bereits als "herzhaft" zu bezeichnen. Als .357er Revolver schoss sich die "Stupsnase" gut kontrollierbar. Wer gern und häufig mit seinem KIMBER K6s DCR trainieren möchte, wozu uns das Taschenmodell grundsätzlich als gut geeignet erscheint, der sollte bevorzugt .38er Wadcutter Munition verschießen oder gegebenenfalls Handschuhe benutzen. 

Blick in die Laufmündung des kleinen Revolvers Kimber K6s DCR.
Durch Designfeatures wie den schweren Stummellauf, den rutschfesten Griff und die hohe Rückstoßschulter des Rahmens zeigte der Kimber K6s DCR auch mit Magnum-Patronen keine Neigung zum Rollen in der Hand.

Die Eigenpräzision des Sechsschüssers wurde auf 25 m wie auch auf 15 m freihändig erprobt, weil es an dem kleinen Revolver nicht viel aufzulegen gibt und sich die winzigen DAO-Waffen auch nicht gut aufgestützt schießen lassen. Die 15-m-Trefferbilder bewegten sich meist aufgrund eines schützenbedingten Ausreißers um 15 cm, ohne Ausreißer eher im Bereich um die 80 mm. Was am vorliegenden K6s DCR nicht so recht funktionierte, ist schnell erklärt: Nur bei den getesteten Wadcutter-Ladungen reichte der Hub der kurzen Ejektorstange jedes Mal zuverlässig aus, um alle 6 abgefeuerten Hülsen in einem Rutsch aus der Trommel zu schleudern. Bei allen anderen Sorten blieb immer zumindest eine Hülse teilweise in den Bohrungen hängen, bei den .357ern üblicherweise gleich mehrere. 

Davon abgesehen gibt es über den K6s viel Gutes zu berichten: Durch den schweren Lauf in Verbindung mit dem ergonomisch wohlgeformten und mit einer griffigen Fischhaut versehenen Griff bietet der Revolver in Relation zu seiner Größe eine feine Balance und gute Deuteigenschaften, die sich sonst eher bei deutlich größeren Revolvern finden. Die kontrastreiche Visierung steht vergleichbaren Konzepten bei modernen Subkompaktpistolen in nichts nach und erleichtert das Zielen erheblich. Bei vielen anderen Minirevolvern fallen Kimme und Korn leider allzu häufig viel zu klein aus und dienen mehr als Notbehelf.

Sehen Sie sich das Video zum Test des Kimber K6s DCR an:

Konnte der Kimber K6s die Erwartungen erfüllen?

Stark, handlich und trotz des Magnum-Kalibers und des reinen Spannabzugs immer noch gut zu kontrollieren. Die Entwickler von Kimber haben sich beim Design des kleinen Sechsschüssers eine Menge Gedanken gemacht, um durch Feinschliff vom Visier über den Abzugszüngel bis hin zur Form des Griffrahmens die Handhabung und umsetzbare Präzision zu optimieren. Die sechste Patrone in der Trommel ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Wer persönlich einen kleinen Revolver für Fangschuss oder Verteidigung einer Pistole vorzieht, der findet im Kimber K6s ein modernes, wohl durchdachtes Konzept.

Sportschütze schießt den kleinen Revolver Kimber K6s DCR. Schön zu sehen ist das Mündungsfeuer.
Alles in Allem konnte uns der Kimber K6s DCR überzeugen. Der kleine Revolver wird für die Selbstverteidigung oder den Fangschuss sicherlich auf Zustimmung stoßen.

Weitere Informationen zu Kimber finden Sie auf der Website des deutschen Importeurs Waffen Ferkinghoff.


Den Testbericht samt Ergebnistabelle des Schießtests finden Sie in der VISIER 9/2018. Die Ausgabe können Sie ganz bequem im VS Medien Online-Shop bestellen. 

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