GLOCK 17 und GLOCK 19 Gen6: Der ausführliche Praxis-Check der 6. Generation mit Ergebnissen vom Schießstand

GLOCK 17 und GLOCK 19 der neuen Gen6: Der ausführliche Test der 6. Generation auf dem Schießstand
GLOCK der nächsten Generation: Die neue GLOCK G17 Gen6 ... 

Mit Einführung der neuen GLOCK-Generation hat sich in Deutschland auch im Bereich der Importeure ein wenig geändert. Seit Januar 2026 und damit mehr oder weniger gleichzeitig mit dem Verkaufsstart der Gen6 übernimmt Helmut Hofmann als einer von zwei Importeuren (der zweite ist die RWS GmbH) die Belieferung des deutschen Marktes mit den Waffen aus Österreich. Helmut Hofmann stellte dann eine GLOCK 17 Gen6 und die kleinere Schwester GLOCK 19 Gen6 für diesen Testbericht zur Verfügung. Beide Pistolen kommen gut und sicher verpackt in den bekannten GLOCK-Kunststoff-Koffern zum Kunden. Mit im Gepäck sind zwei Magazine, eine Ladehilfe, ein Putzstock und eine Bedienungsanleitung. Ebenfalls liegen zwei unterschiedlich große Griffrücken bei. Mit Einführung der „Next Generation“, die immer als Optics Ready kommt, sind auch drei Adapterplättchen aus Kunststoff für unterschiedliche Footprints zur Montage von Leuchtpunktvisieren dabei. Insgesamt ein durchaus ansprechendes Komplettpaket. Bevor wir ins Detail zu den vorliegenden Modellen gehen, sei ein Blick auf die derzeit zur Verfügung stehende Modellpalette der GLOCK Gen6-Modelle gestattet.

GLOCK 17 und GLOCK 19 der neuen Gen6: Der ausführliche Test der 6. Generation auf dem Schießstand
... und die kompakte GLOCK G19 Gen6. Beide im Kaliber 9 mm Luger.

Neben den bereits erwähnten Modellen GLOCK 17 Gen6 und GLOCK 19 Gen6 sind auch die Varianten GLOCK 45 Gen6 und GLOCK 49 der sechsten Generation verfügbar. Genau genommen sind dies zwei Grundmodelle und zwei über Kreuz getauschte Griffstücke und Verschlüsse, wodurch sich zwei weitere Varianten ergeben. Aus einer GLOCK 17 Gen6 wird mit einem Verschluss der GLOCK 19 Gen6 eine GLOCK 45 Gen6, andersherum aus einem Gen6- Griffstück der GLOCK 19 mit einem GLOCK 17 Gen6 Verschluss kombiniert wiederum die GLOCK 49 Gen6. Damit sollte der Grundbedarf zunächst gedeckt sein. Alle Varianten verschießen Patronen im Kaliber 9 mm Luger und sind standardmäßig mit dem für die Montage von Reflexvisierungen vorbereiteten Schlitten ausgestattet. Damit werden, so die Mutmaßung, zukünftig die MOS-Modelle entfallen. Ob und wann weitere Kaliber erscheinen, ist derzeit noch offen.

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Zu den Neuerungen der GLOCK Gen6 zählen der überarbeitete Abzug mit fast geradem Züngel und der tiefe Ausschnitt unter dem Abzugsbügel. Die neue Oberflächentextur hört auf die Bezeichnung RTF6.

Ergonomie und Abzug der neuen GLOCK Gen6

Aber werfen wir nun einen Blick auf die Neuerungen. Am auffälligsten ist die neue und auf weitere Bereiche der Pistole ausgeweitete pyramidenartige Oberflächentextur. GLOCK selbst nennt diese RTF6. Diese Textur ist eine Weiterentwicklung der Vorgängerserien und sie ist deutlich griffiger als die der Generation 5, ohne dabei unangenehm bissig in der Haptik zu sein. Bei der sechsten Generation ist die RTF6-Textur bis kurz vor den Verschluss zu finden und endet in einer neu angepassten Daumenmulde, jeweils auf beiden Seiten. In diversen Foren wird dies intensiv diskutiert, findet Freunde und Befürworter ebenso wie Gegner. Letzten Endes ist dies Geschmackssache, rundet sowohl die Struktur als auch die Vertiefung das Gesamtbild harmonisch ab und ermöglicht dem Schützen guten und sicheren Halt und damit Kontrolle über die Pistole. 

GLOCK 17 und GLOCK 19 der neuen Gen6: Der ausführliche Test der 6. Generation auf dem Schießstand
Zwei aufsteckbare Griffrücken gehören zum Lieferumfang der GLOCK Gen6. Die Öffnung des Magazinschachtes ist ringsum moderat angetrichtert.

Die Griffgeometrie hat sich im Vergleich zu den Vorgängern etwas geändert. Der Abzugsbügel hat nun einen deutlichen Undercut, der in Verbindung mit dem nun ebenfalls standardmäßigen großen Beavertail eine höhere Position der Hand kurz unter der Laufachse ermöglicht. Damit wird eine deutlich bessere Kontrolle der Pistole im Schuss garantiert. Ein sehr guter Effekt zum Beispiel bei schneller Schussfolge. Eine weitere Neuerung ist die im vorderen Drittel des Griffstücks befindliche Daumen- beziehungsweise Fingerauflage, die ebenfalls mit der RTF6-Struktur versehen ist. Ein feines, aber kleines Gimmick, das dem Schützen eine hohe Wiederholgenauigkeit der Handhaltung und Fingerposition ermöglicht. Mit dem bereits erwähnten Beavertail reichen nun zwei Griffrücken aus, um die Größe des Griffstücks an die Hand des Schützen anzupassen. Diese liegen in 2 mm und 4 mm Stärke bei und werden, wie bei GLOCK üblich, einfach auf das Griffstück aufgesteckt und mit einem Splint unterhalb des Beavertails gesichert. Das Griffstück selbst hat seitlich eine leicht bauchige Form bekommen und passt sich damit der Hand deutlich ergonomischer an. Damit wird die GLOCK fast schon zu einem Handschmeichler. Für einen schnellen Magazinwechsel ist der Magazinschacht etwas vergrößert worden. Letztes kleines Feature ist ein vergrößerter Schutz beziehungsweise kleiner Rahmen um den Verschlussfanghebel. Damit soll eine versehentliche Betätigung vermieden werden. 

Der Abzug entspricht im Verhalten dem einer Standard-GLOCK, auch wenn dieser nun ein gerades Abzugszüngel erhalten hat. Vor allem Schützen mit kleineren Händen oder kürzeren Fingern werden dies zu schätzen wissen, verkürzt sich damit doch die Strecke von der Rückseite des Griffstücks bis zum Abzug. Nach einem Vorweg von 5 mm wünscht der Abzug eine mit einer Lyman-Abzugswaage  ermittelten Kraft von 1.969 Gramm, um nach weiteren zwei Millimetern den Schuss brechen zu lassen. Der Trigger Reset liegt bei ebenfalls fünf Millimetern. Auffällig ist das Federn des Abzugs. Im Gegensatz zu einem Metallabzug entsteht hier bei der GLOCK der Eindruck, dass der Kunststoff nicht ausreichend starr ist. Natürlich ist dem nicht so und spiegelt das subjektive Gefühl wider. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der GLOCK Performance Trigger (noch?) nicht verfügbar. Die Abzüge der Vorgängermodelle sind ebenfalls nicht kompatibel, da sich die Konstruktion im Innern verändert hat. Diese Veränderung bezieht auch die Ausstoßerstange mit ein. Diese läuft nun nicht mehr bis zur Abschlussplatte am Ende des Verschlusses, sondern ist deutlich verkürzt. Damit ist ein Austausch deutlich schwieriger geworden, ermöglicht im Umkehrschluss aber, die Optiken direkt und tief genug mit dem Verschluss zu verschrauben.

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Links abgebildet: Der Ausschnitt der Gen6-GLOCK für die neuen Adapterplättchen. Rechts eine MOS-GLOCK der Gen5.

Der Blick aufs Ziel: Optikmontage auf der GLOCK Gen6

Und hier gibt es den nächsten großen Unterschied. GLOCK liefert drei aus Kunststoff gefertigte und etwa einen Millimeter dicke Adapterplatten mit jeder GLOCK Gen6 mit. Mit Blick auf die Haltbarkeit der kleinen Stifte der Footprints stellt sich die Frage, wie die enormen Beschleunigungskräfte des Verschlusses im Schuss aufgenommen werden können oder sollen. Sind diese in der Lage, den enormen Scherkräften dauerhaft zu widerstehen? Oder nehmen nur die beiden Befestigungsschrauben diese Kräfte auf? Hier liefert GLOCK auf Nachfrage eine zufriedenstellende und beruhigende Information. Basierend auf von GLOCK durchgeführten Langzeittests hat sich gezeigt, dass die beiden Schrauben geeignet sind, die Leuchtpunktvisiere dauerhaft sicher und präzise an Ort und Stelle zu halten. GLOCK weist in der Antwort daraufhin, dass die Schrauben der Abdeckplatte wegen ihrer Länge nicht verwendet werden dürfen und in den meisten Fällen die den Optiken beiliegenden OEM-Schrauben akzeptabel fürs Montieren sind.

GLOCK 17 und GLOCK 19 der neuen Gen6: Der ausführliche Test der 6. Generation auf dem Schießstand
Von oben: das Leupold Delta Point, je ein Gen6-Verschluss mit und ohne Adapter, unten ein Gen6-Polymer-Adapter.

Zu achten ist darauf, so die Antwort weiter, dass die Schrauben nicht mehr als 5 mm über die Optik hinausschauen, damit die Adapterplatten eine Pufferfunktion ausüben können und damit die Schrauben dauerhaft unter Spannung setzen. Mit dieser Idee liegt die Optik weiter unten, was die Haltbarkeit und Stabilität erhöhen soll. Die Adapterplatten liegen in drei Ausführungen bei und damit können Trijicon, Holosun (außer 509) und Ameriglo als auch C-More und in letzter Ausführung auch Visierungen von Leupold und EoTech montiert werden. Wie gewohnt ist die Standardvisierung der Pistolen mit weißem Punkt auf dem Korn und einer feinen weißen Linie um die Kimme herum ausgestattet. Damit ist das Ziel mit Hilfe von Kimme und Korn schnell und ebenso gut erkennbar. Das 3,8 mm breite Korn ergibt mit dem 4,2-mm-Kimmenausschnitt bei 169 mm Visierlänge einen angenehmen Lichtspalt.

Die Durchladerillen im vorderen und hinteren Bereich des Verschlusses sind nun tiefer gefräst und verhindern damit noch besser das Abrutschen während des Durchladens. Die Rillen sind nun bei allen Modellen auch im vorderen Bereich immer vorhanden. Hin und wieder findet sich in diesem Zusammenhang die Abkürzung „FS“, die steht für „Front Serrations“. Das Griffstück der GLOCK 17 Gen6 ist am Dustcover etwas kürzer als bei älteren Generationen. Damit können nun problemlos kürzere Verschlüsse, denn Wechselsysteme gibt es offiziell bei GLOCK nicht, einer GLOCK 19 Gen6 oder GLOCK 45 Gen6 verwendet werden. Somit wird eine zumindest theoretisch höhere Flexibilität des Griffstücks erreicht. Im Vergleich zur Generation 5 würde diese Ausführung genaugenommen eine GLOCK 47. Da das Korn bei GLOCK von innen verschraubt ist, gleichzeitig aber das kürzere Dustcover kompensiert werden muss, gibt es an der Unterseite des Verschlusses an entsprechender Stelle eine Bohrung, um (im zerlegten Zustand) an die Schraube gelangen zu können. Im Inneren hat sich wenig geändert. Offensichtliches Merkmal ist die jetzt wieder einteilige Schließfeder mit einteiliger Federführungsstange. Dies wurde so letztmalig in der Generation 3 verbaut. Wiederlader werden dies zu schätzen wissen, ist damit eine Anpassung an die eigene Laborierung deutlich leichter beziehungsweise überhaupt erst möglich.

Praktische Prüfung: Die GLOCK G17 Gen6 auf dem Schießstand

Nun gilt es auf dem Schießstand zu schauen, wie sich die Gen6 verhält. Stellvertretend soll die GLOCK 17 Gen6 die Arbeit für die Streukreise verrichten. Hierzu wird ein Leupold Red Dot aufgeschraubt. Zum einen, um genauere Streukreise zu schießen, zum anderen, um zu schauen, wie sich die neue Optic Ready-Strategie in der Praxis verhält. Geschossen werden elf Munitionssorten von 95 bis 124 Grains unterschiedlicher Hersteller und Geschosstypen. Die GLOCK 17 Gen6 erreicht einen durchschnittlichen Streukreis von knapp 59 mm, geschossen sitzend aufgelegt aus 25 m Entfernung. Den kleinsten Streukreis von 28 mm Durchmesser erreichte die GLOCK 17 Gen6 in unserem Test mit der Hornady Critical Defense mit einem Geschossgewicht von 115 Grains. Nicht vergleichbar mit einer „echten“ Sportpistole, aber in Bezug auf den Abzug und den zugrundeliegenden Einsatzzweck einer GLOCK-Pistole ein durchaus zufriedenstellendes Ergebnis.

GLOCK Gen6: G17 und G19 – technische Daten und Preise

Modell:

GLOCK 17 Gen6

GLOCK 19 Gen6

Kaliber:

9 mm Luger

9 mm Luger

Kapazität:

17 + 1 Patronen

15 + 1 Patronen

Lauflänge:114 mm102 mm
Visierlänge:169 mm157 mm

Abzugswiderstand:

1.969 g

1.879 g

Gewicht:

683 g

643 g

Abmessungen:202 mm x 34 mm x 138 mm185 mm x 34 mm x 125 mm
Preis:916,- Euro (UVP)916,- Euro (UVP)

Ausstattung: Kunststoffkoffer, 2 Magazine, Putzzeug, Bedienungsanleitung. 

GLOCK 17 und GLOCK 19 der neuen Gen6: Der ausführliche Test der 6. Generation auf dem Schießstand
Die GLOCK Gen6 kommt wie ehedem die Glock Gen3 mit einer einzelnen Schließfeder auf einer einteiligen (gekapselten) Federführungsstange.

Fazit zur neuen GLOCK Gen6

Von einer neuen Generation zu sprechen, klingt mit den gemachten Erfahrungen der GLOCK Gen6 durchaus plausibel. Die Verarbeitung ist gewohnt gut, die Handhabung sicher. Die Neuerungen sind durchdacht und bieten dem Schützen einige gute Innovationen. Die Haptik wie auch die überarbeitete Geometrie des Griffstücks sind sehr angenehm, dieses lässt sich gut beherrschen. Gleichzeitig werden die bekannt guten Eigenschaften der GLOCKs beibehalten. Damit sind neben den neuen positiven Errungenschaften auch die Zuverlässigkeit, Sicherheit und Handhabung ebenso gewährleistet. Das Preis-/Leistungsverhältnis scheint dem Zweck angemessen und es bleibt nur abzuwarten, bis die Tuner-Szene auch hier kompatible Abzüge anbieten wird.


Test und Text: Jessica und Frank Stock

Redaktion: Hamza Mallala

Dieser Artikel erschien auch in der VISIER, Ausgabe 3/2026. Darin sind zusätzlich alle Ergebnisse des Testschießens mit insgesamt 11 Laborierungen aus der GLOCK G17 Gen6 enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online bestellen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.

Weitere Informationen zur GLOCK der sechsten Generation erhalten Sie unter anderem beim Importeur, Helmut Hofmann GmbH und natürlich direkt beim Hersteller GLOCK.