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FK BRNO Field Pistol im rasanten Kaliber 7,5 FK im Test

FK BRNO Field Pistol komplett von rechts.
Auffälliges optisches Merkmal der FK BRNO Field Pistol dürfte das ausgekehlte Dust Cover sein.

Wenn man der Geschichte des tschechischen Herstellers Glauben schenken darf, so entstand die FK BRNO-Pistole im Spezialkaliber aufgrund einer Anfrage eines privaten Sicherheitsunternehmens aus dem mittleren Osten. Oftmals spielen sich im urbanen Gelände Schusswechsel zwischen 50 bis 150 Meter ab. Dabei sind beispielsweise die Platzverhältnisse im und um das Fahrzeug herum recht beengt. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Personenschutz ab. Nicht immer kann daher ein kurzes Sturmgewehr geführt werden und extrem handliche, kompakte PDW-Waffen sind hier gefragt. Ein bekanntes Beispiel dürfte die Hecker & Koch MP 7 im Mikrokaliber 4,6x30 oder FN P90 im Kaliber 5,7x28 sein. Auch werden für solche Aufgaben schon mal kurze Maschinenpistolen wie die MP 5 k oder B&T MP9/TP9 in 9 mm Luger bevorzugt. Der Schweizer Hersteller bietet zudem mit dem USW-Konzept eine Pistole mit Anschlagschaft als Lösung an. Für die meisten sind solche PDW weder "Fleisch noch Fisch" und stellen somit sehr spezielle Einsatzmittel dar. Die Field Pistol verfolgt ebenfalls die Idee von Pistole mit Schulterstütze, wirft aber darüber hinaus noch eine leistungsfähige, flach schießende Patrone ins Rennen. Was die neue Patrone kann, wollten wir genauer wissen.

Diese Anforderungen wurden an die Field Pistol gestellt

Vergleich zwischen der 7,5 FK und anderen PDW-Patronen.
Im Vergleich zur 4,6x30 (links) und 5,7x28 (Mitte) kann die 7,5 FK wesentlich mehr Leistung entwickeln. Während die beiden Miniaturkaliber ihre Energieabgabe durch Taumeln der Geschosse erreichen, schafft die 7,5 FK das durch Deformation des Geschosses.

Wenn man sich die Geschichte zur Field Pistol und der damit verbundenen Flaschenpatrone 7,5 FK ansieht, ist man beim tschechischen Hersteller scheinbar der Ansicht, dass überschlagende Geschosse und hydrostatische Effekte aufgrund hoher Geschossgeschwindigkeiten nicht wirklich zielführend sind. Damit schießt man wohl gegen solch kleine "PDW-Kaliber" wie 4,6x30 oder 5,7x28. Man vertritt eher die Meinung oder folgt der Philosophie, dass ein deformierendes Geschoss den besseren wundballistischen Effekt aufweist. Wie dem auch sei, das Pflichtenheft für die Waffe und Munition sah folgendes vor: Das Geschoss sollte nicht kleiner als 7,2 mm (.280") sein und auf 100 m noch mindestens 450 m/s aufweisen, um sicher zu deformieren. Der permanente Wundkanal sollte zudem nicht unter 35 mm liegen und die Eindringtiefe rund 350 mm betragen. Die Präzision der neuen Waffen-Munitionskombination sollte so gut sein, dass sich auf 100 m ein rechteckiges Ziel in der Größe von 100x100 mm treffen lässt. Dabei sollte der Rückstoß nicht mehr als das einer .45 Auto betragen. Soweit die Theorie.

Die Patrone 7,5 FK − Wissenswertes zum neuen Kaliber:

Vergleich der 7,5 FK mit anderen Flaschenpatronen für Kurzwaffen.
Kommerzielle Flaschenpatronen, die den Status als Fabrikpatrone genießen. Von links: 7,65 Para, 7,62 Tokarev, 7,63 Mauser, .357 SIG und 7,5 FK.

Wer eine gestreckte Flugbahn und zudem wenig Geschwindigkeitsverlust längs der Flugbahn möchte, kommt, wie bei den Gewehrpatronen, nicht um eine Flaschenhülse und ein Geschoss mit hoher Querschnittsbelastung herum. Flaschenpatronen mit hoher Geschossgeschwindigkeit sind dabei nichts Neues. 7,63 Mauser und 7,65 Parabellum machten es vor, die 7,62 Tokarev war die russische Antwort auf diese schnellen Flaschenpatronen. Die .357 SIG kam 1994 als jüngere Flaschenpatrone für Pistolen hinzu, ist aber schon fast wieder in Vergessenheit geraten. Aber scheinbar konnte auch diese leistungsfähige und für kleine Griffstücke ausgelegte Patrone den Anforderungen nicht genügen. Die 7,5 FK BRNO, die 2017 nach CIP homologiert wurde, ist eine Flaschenhülse mit 30° Schulterwinkel, die bis zu 3.000 bar Gasdruck aufweisen darf. Mit einer maximalen Patronenlänge von 35 mm kann sie rund 3 mm länger sein als eine ohnehin schon recht lang geratene 10 mm Auto. Mit ihr teilt sie sich auch den gleichen Bodendurchmesser von 10,8 mm. Die CIP gibt als maximalen Geschossdurchmesser 7,80 mm an, was in Anglo-amerikanischen Maßeinheiten .307" entspricht. Ein gezogenes Geschoss aus der Fabrikpatrone maßen wir mit 7,75 mm was etwa .305" entspricht. Das Hülsenvolumen einer abgeschossenen Patrone ermittelten wir experimentell mit 24 Grains Wasser. Der Hersteller bietet zurzeit nur eine Laborierung an, die über ein 95 Grains/6,17 g Vollkupfergeschoss mit Hohlspitze verfügt. Laut Datenblatt liegt die Geschwindigkeit des ursprünglich 98 Grains schweren Messinggeschosses bei 610 m/s, was rund 1.200 Joule Energie liefern dürfte; somit also gut das Doppelte was eine 9 mm Luger oder .45 Auto zu leisten vermag. Die zurzeit einzig verfügbare Laborierung mit dem 95 Grains Kupfermassiv-Hohlspitzgeschoss maßen wir übrigens mit einer V 3 von 601 m/s, was 1.114 Joule Energie entspricht. Das lange Kupfergeschoss sitzt dabei sehr tief in der Hülse, und der Hersteller hat somit sicherlich gut daran getan, feines Kugelpulver zu wählen, um ein hohes Schüttgewicht zu erreichen.

Die Pistole Field Pistol von FK BRNO

Bis die Ganzstahlpistole ihr endgültiges Stadium erreichte, wurde viel Gehirnschmalz und Zeit investiert. Immerhin wurden rund 40 Prototypen gefertigt, bis man dort anlangte, wo man heute ist. Gerade im Bereich der Verschlusstechnik hat man viel ausprobiert. Mit einem Rollenverschluss hat man sich ebenso versucht wie am kraftschlüssigen Gasdruck gebremsten Masseverschluss, wie man ihn beispielsweise bei der Heckler & Koch P7, Steyr GB oder Walther CCP findet. Zudem war auch ein hahnloses Striker Fire Action-System angedacht. Schlussendlich ist es beim formschlüssigen verriegelten System mit 2 Riegelwarzen und abkippendem Lauf geblieben. Für die Zwangssteuerung des Laufes sorgt die geschlossene Steuerkurve, wie man sie beim Klassiker in Gestalt der CZ 75 entdeckt. Und noch eine Parallele zur CZ 75 wird deutlich: die im Griffstück innenliegenden Verschlussführungen. Hier spiegelte sich auch die generell saubere Verarbeitungsqualität wider. Bereits nach wenigen Zentimetern des aufgeschobenen Verschlusses war nur noch geringstes Spiel mit dem Griffstück feststellbar. Auffälliges Merkmal der Field Pistol dürfte die Auskehlung im Bereich des massiven Dustcovers sein. Gerade bei Betrachtung der Mündungsfront wird deutlich, dass die Federführungsstange mit 28 mm Abstand sehr tief unter der Laufseelenachse sitzt. Dadurch wird die Federkraft des Verschlusses sehr tief ins Griffstück übertragen.

Die zerlegte FK BRNO Field Pistol.
Die FK BRNO Field Pistol im Kaliber 7,5 FK in zerlegtem Zustand.

Das griffstückseitige Gegenlager der Verschlussfeder sitzt sogar ziemlich genau auf der Höhe, wo wir experimentell den Schwerpunkt der Waffe ermittelten. Zusammen mit der Ganzstahlkonstruktion, die rund 1.440 g auf die Waage bringt, sind das schon mal gute Voraussetzungen, um den Rückstoß bei solchen Leistungswerten gut in den Griff zu bekommen. Damit kommen wir auch gleich zum Griffstück, das mit 28 mm kaum breiter ausfällt als bei herkömmlichen Pistolen mit doppelreihigem Magazin. Trotzdem nehmen die Stahlmagazine immerhin 16 der ungewöhnlichen Flaschenpatronen auf. Bei der mechanischen Visierung lässt man dem Anwender freie Wahl. Um wenig vom Ziel zu verdecken, wählte man ein fast antiquarisch anmutendes Buckhorn-Korn mit 1,6 mm Durchmesser. Ein weiteres liegt bei, um eine Änderung der Treffpunktlage in der Höhe vorzunehmen. Die Kimme besteht entweder aus einer U-Kimme oder einer geschlossenen Lochkimme mit 2,5 mm Durchmesser. Eine Ausfräsung für ein MRDS ist nicht vorgesehen, zumindest bietet der Hersteller Adapterplatten für den Einsatz im Schwalbenschwanz an. Diese sind für das Trijicon RMR oder Docter/Noblex Sight oder andere MRDS mit identischem "Fußabdruck" verfügbar. Auf der diesjährigen IWA wurde übrigens eine Multikaliber-Version mit Polymer-Griffstück der Feldpistole vorgestellt. Die Pistole soll durch Wechselläufe in 10 mm Auto und 9 mm Luger attraktiver sein und hier hat der Hersteller gleich von Anfang an für einen Ausschnitt für ein Minileuchtpunktvisier gesorgt.

Die Daten zur Pistole von FK BRNO auf einen Blick

Modell:
FK BRNO Field Pistol
Kaliber:
7,5 FK
Kapazität:
16 Patronen
Lauflänge:
158 mm
Lochkimme:
(Durchmesser 2,5 mm), seitlich driftbar
Korn:
Durchmesser 1,6 mm Buckhorn
Visierlänge:
204 mm
Abzugsgewicht:
1.427 g
Gesamtgewicht:
1.440 g
Maße (L x B x H):
260 x 34 x 140 mm
Preis:
7.500, - Euro

Auf dem Schießstand mit der Field Pistol in 7,5 FK

Blechbeschuss mit der 7,5 FK.
Beim Blechregisterbeschuss durchschlug die 7,5 FK genau neun Bleche.

Nachdem wir schon im Vorfeld der diesjährigen SHOT Show in der Wüste von Nevada die erste, recht vielversprechende Tuchfühlung mit der ungewöhnlichen Waffen- und Munitionskombination auf rund 100 Yards (91 m) unternehmen konnten, waren wir auf die Ergebnisse auf Papier recht gespannt. Die ersten Versuche mit der mechanischen Visierung stimmten uns noch nicht zufrieden, sodass wir uns die entsprechende Adapterplatte für ein MRDS besorgten. Waffen Ferkinghoff sendete uns zudem ein Trijicon RMR mit 3,5 MOA Leuchtpunkt zu; somit konnte es losgehen. Das 95-Grains-Geschoss verließ mit einem großen Feuerball vor der Mündung den 158 mm langen Lauf. Auf der 25-m-Bahn lagen im Mittel die 2 weitesten Schüsse auf 45 mm zusammen. Auf der 50-Meter-Bahn waren es im Mittel 66 mm. Eine Treffpunktverlagerung zur 25-Meter-Distanz war optisch nicht auszumachen und ging wohl in der (Schützen-)Streuung unter.

Dann sollte es auf die 100-m-Outdoorbahn gehen. Der Autor hat hier schon einige positive Erfahrungen mit der FN Five Seven im ebenfalls flach schießenden Kaliber 5,7x28 auf dieser Distanz machen dürfen. Die erste Gruppe maß 105 mm, wobei vier Schuss auf 41mm zusammen saßen. Die Kontrollgruppe lag dann bei genau 100 mm, im Mittel also 103 mm und somit ziemlich genau das, was sich der Hersteller auch vorgestellt hatte. Unser LabRadar-Geschwindigkeitsmessgerät konnte glücklicherweise aufgrund des flachen Geschossbodens das Projektil noch bis 90 m verfolgen und maß dort rund 511 m/s. Auf 100 m sollten es dann etwa 502 m/s sein, was 780 Joule entspricht. Die Treffpunktlage lag hier sogar noch bei unveränderter Visiereinstellung rund 7cm über dem Haltepunkt. Angespornt von diesem Ergebnis, verlegten wir nochmals auf die 150-m-Bahn. Dort erreichten wir 5-Schuss-Gruppen von 300 und 340 mm. Der große Sprung in den Ergebnissen zur 100-m-Distanz war doch etwas überraschend. Auf dieser Entfernung zeigte sich ein kleiner Parallaxenfehler des Trijicon RMR und zudem sind 150 m mit dem Leuchtpunkt schon eine echte Herausforderung für das Auge. Hier lag der Treffpunkt übrigens rund 8 cm – inklusive Schützenfehler – unter dem Haltepunkt.

Seifenbeschuss mit der 7,5 FK.
Beim Seifenbeschuss drang das Geschoss rund 480 mm in die zwei hintereinander gestellten Seifenblöcke ein.

Somit braucht man sich also für den ursprünglich gedachten Einsatzweck als PDW-Waffe keine Gedanken um die Treffpunktverlagerung auf der Einsatzdistanz zu machen. Übrigens dürfte das Geschoss nach unseren Berechnungen erst zwischen 320 bis 350 m unter die Schallgeschwindigkeit fallen. Abschließend sollte noch der Materialbeschuss folgen. Zuerst der Blechregister-Beschuss, bei dem 12 hintereinander verschraubte 1 mm dicke ST14 Stahlbleche mit 20 mm Abstand beschossen wurden. Das massive Kupfergeschoss durchschlug bei diesem standardisierten Versuchsaufbau neun Bleche. Das Geschoss wurde dabei auf rund 10,5 mm Durchmesser gestaucht und war gut warm als wir es vom Boden aufnahmen. Zum Vergleich: eine 9 mm Luger mit 147 Grains Speer Gold schaffte bei gleichem Versuchsaufbau vor einigen Jahren nur 4 Bleche und selbst die stärkere .357 SIG nur 2 Bleche mehr. Gespannt waren wir auch auf den Test mit der ballistischen Seife, die uns freundlicherweise von der Firma TMP-Team aus Bad Camberg zur Verfügung gestellt wurde. Da die Vermutung schon nahe lag, dass ein Block nicht reichen würde, wurde ein 2. dahinter gestellt. Das bewahrheitete sich auch. Im 1. Block hinterließ das Geschoss eine große Kaverne und kam erst im 2. Block nach insgesamt 480 mm zum Stillstand. Das Volumen der ausgeliterten Kaverne betrug 385 cm³. Auch hier der Vergleich zur 9 mm Luger mit dem 147 Grains Speer Gold Dot, die es auf rund 60 cm³ brachte. Das Geschoss verlor schon recht früh in der rund 60 mm breiten Blase der eingefrorenen, temporären Geschosshöhle vier Geschossfahnen. Das Restgewicht betrug immerhin noch 85 Grains also rund 89% des Ausgangsgewichtes. In Sachen Rückstoß verhält sich 7,5 FK recht zahm und kann mit einer kräftig geladenen .45 Auto aus einer Ganzstahlwaffe verglichen werden.

Fazit zur Pistole im hochrasanten Kaliber

Die BRNO mit Magazin und darin befindlichen Patronen.

Potential hat die neue Patrone. Die Munition schießt bis 100 m recht flach und kann dort noch rund 780 Joule Energie mit einem Deformationsgeschoss bringen. Auch das angestrebte Präzisionspotential von 100x100 mm auf 100 m ist zu halten. Allerdings verlangen Pistolen – auch wenn Sie mit Anschlagschaft bestückt sind – immer noch eine gewisse Schießfertigkeit, um auf diese Distanz noch die gewünschten Treffer anzubringen, was unter Stress und bei unkonventionellen Schießpositionen nicht leicht fallen dürfte. In den USA, wo die Jagd mit der Kurzwaffe erlaubt ist, könnte sich das Einsatzspektrum noch etwas erweitern. Bei uns wird die Waffen- und Munitionskombination aber eher Sammler ansprechen, was alleine schon am fehlenden sportlichen Einsatzweck als auch am Preis von rund 7.500,- Euro liegen dürfte. Zudem ist die Ausführung aus Ganzstahl auf 1.100 Stück limitiert. Die zurzeit einzig verfügbare Munition liegt mit 1,80 Euro pro Schuss ebenfalls im oberen Preisbereich. Zur IWA wurden zumindest auch Patronen mit konventionellen Bleigeschossen angekündigt, die günstiger ausfallen dürften. Mit rund 2.500,- Euro erschwinglicher dürfte aber bald die Polymervariante mit Wechselläufen in 10 mm Auto und 9 mm Luger sein. Die würde auch aufgrund des leichteren Gesamtgewichts eher als PDW-Waffe in Frage kommen. Man darf gespannt sein, ob man in den nächsten Jahren noch etwas von dieser exotischen Waffen-Munitionskombination hören wird.


Dieser Test erschien zuerst in der caliber, Ausgabe 10/2019. Dieses Heft ist im VS Medien-Shop sowohl als Print- , als auch als Digitalausgabe erhältlich.

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