CZ 75 Legend: Wie die tschechische Pistolen-Konstruktion in nur fünf Jahrzehnten die Welt eroberte

Der tschechische Waffenhersteller Česká zbrojovka (CZ) stellt auf der SHOT Show 2026 in Las Vegas die lange angekündigte CZ 75 LEGEND vor – als neu gefertigte Pistole im originalgetreuen "Vintage Look" und als Hommage an einen der prägendsten Entwürfe der Handfeuerwaffengeschichte. Blicken wir gemeinsam ein halbes Jahrhundert zurück:

CZ 75 LEGEND
Offiziell trägt die Jubiläumsversion auf der linken Waffenseite nur das CZ-Logo der Pistole im Kreis, die schon damals verwendete Bezeichnung "Model 75" und das Kaliber. Statt "Made in Czechoslovakia" und "cal. 9 Para" ist die LEGEND aber mit "Made in Chech Republic . CZ" und "CAL. 9 mm PARA" markiert (alias 9 mm LUGER).
Die komplett aus Stahl gefertigte CZ 75 LEGEND (unten) und darüber die etwas kürzere Version CZ 75 Compact im Vergleich
Magazin CZ 75
Die Magazinkapazität der CZ 75 betrug dank der doppelreihigen Bauweise zunächst 15, dann mit einem geänderten Zubringer sogar 16 Patronen, plus eine im Patronenlager.

Die als Ganzstahlwaffe konzipierte CZ 75 entstand Anfang der 1970er Jahre in der damaligen Tschechoslowakei als moderne Pistole, die vor allem für den devisenbringenden Export in westliche Märkte gedacht war. Die Waffenwelt veränderte sich gerade dramatisch. Die Patrone 9 mm Luger verdrängte andere Patronen aus dem Militär- und Polizeidienst. Allerdings nicht in der damaligen  Tschechoslowakei, die seinerzeit noch Teil des Ostblocks war. Diese Länder setzten hauptsächlich auf die 9 x 18 mm Makarov. Auch andere Länder hatten schon recht betagte und meist nur mit geringer Schusskapazität ausgerüstete Pistolen als Dienstwaffen: die Walther P1, alias P38, als deutsche Bundeswehrpistole hatte nur acht Patronen im Magazin, die schweizerische und teure SIG P-210 besaß zwar einen tollen Abzug, aber den nur als Single Action und nicht auch als Spannabzug, was moderne Pflichtenhefte forderten. Am eher durchschnittlichen Auslöser krankte auch die belgische FN Highpower, die ansonsten mit ihren 13 Patronen im Magazin das Maß der Dinge war, was Feuerkraft anging. 

Der CZ-Konstrukteur Frantisek Koucky (1907-1994), der als einer der wichtigsten Waffenentwickler seiner Zeit gilt, war eigentlich bereits im Rentenalter, als er den Auftrag von CZ für eine komplett andere Pistole erhielt. Zusammen mit seinem Bruder Josef hatte er bereits die Maschinenpistole ZK-383, das Jagdgewehr ZKK 600 und die Repetierbüchsen ZKM-452 im Kaliber .22 long rifle entwickelt, aus der später die aktuelle Gewehr-Baureihe CZ 457-Serie hervorging  (das Kürzel ZK vor den Langwaffen steht für zbrojovka Koucky). Frantisek Koucky konnte nur auf seine Erfahrung, sein technisches Gespür und sein tiefes Verständnis für die Funktionsweise von Feuerwaffen zurückgreifen. Denn die CZ 75 wurde ja noch ohne moderne Computertechnik oder Simulationen entwickelt – ihr Konzept war dennoch ihrer Zeit um eine ganze Generation voraus.

Sie vereinte Eigenschaften, die in dieser Form damals einzigartig waren: hohen Schießkomfort, wenig Rückstoß, einen angenehm laufenden SA/DA-Abzug und eine überdurchschnittliche Magazinkapazität dank ihres doppelreihigen Magazins. All das steckte in einem kompakten Ganzmetall-Design. Diese Kombination führte zum Begriff „Wonder Nine“ und wurde zum Ausgangspunkt für die moderne Klasse der 9-mm-Luger-Dienstpistolen, auch wenn die moderneren Modelle später mit Polymer-Griffstücken aufwarten würden.

CZ 75: Das ausgeklügelte Design bringt Vorteile bei der Bedienung und beim Schussverhalten

Auf die Details kommt es an: Die CZ 75 LEGEND besitzt einen linksseitigen Sicherungsflügel und den klassischen Hammer des Originals, der später gegen einen skelettierten Hahn getauscht wurde. Die Kimme ist nur seitlich driftbar. Die winzigen Markierungen am Schlitten und korrespondierend am Griffstück hinter der Sicherung kennzeichnen die Demontageposition − stehen die Kerben übereinander, kann der Verschlussfanghebel herausgeschoben werden.

Eines der wichtigsten Designmerkmale der CZ 75 ist ihre Ergonomie. Die Form des Griffs ermöglicht trotz der hohen Magazinkapazität im Inneren (zunächst 15, später 16 Patronen) einen natürlichen und sicheren Halt für Schützen mit unterschiedlich großen Händen. So wurde sie zu einer Referenz für eine Vielzahl nachfolgender Designs. Die ungewöhnliche Schlittenführung im Rahmeninneren, die wohl von der SIG P210 entliehen wurde, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Sie ermöglicht ein höheres Zugreifen und dadurch eine flachere Laufachse über der Hand. Außerdem reduziert sie das Gewicht des Schlittens und trägt zu einem geringeren Rückstoß und einer besseren Kontrolle beim Schießen bei.

Der geschwungene Abzugsbügel der CZ 75 LEGEND hilft  wie beim Original, aus beiden Abzugsarten (Single- wie Double Action) sauber auslösen zu können. 
Mündung CZ 75 LEGEND
Der 114 mm lange Lauf an der Mündung der CZ 75 LEGEND: Sie arbeitet mit einem klassischen abkippenden Browning-Verschluss mit zwei Kämmen und geschlossener Steuerkurve.

Zwar basierte das System der CZ 75 auf dem bewährten Browning-Verschlusssystem mit einem abkippendem Lauf, zwei Riegelkämmen und geschlossener Steuerkurve, das John M. Browning bereits für die FN Grand Puissance (alias High Power) und davor schon für die legendäre Colt M 1911 verwendet hatte. Die Einzigartigkeit der CZ 75 wird aber auch durch ihren Single- und Double-Action-Abzugsmechanismus unterstrichen. Die patentierte Einarm-Hebellösung ermöglicht einen leichten, gleichmäßigen und konsistenten Abzug sowohl im SA- als auch im DA-Modus, was zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung für Pistolen dieser Kategorie ziemlich außergewöhnlich war.

Dank ihres fortschrittlichen Designs ist die CZ 75 nach der legendären Colt 1911 Pistole zu einer der am häufigsten kopierten Kurzwaffen der Welt geworden. Paradoxerweise wurde dies dadurch begünstigt, dass die damaligen Patente für dieses Design aufgrund seines Potenzials für den Dienstgebrauch vom tschechoslowakischen Staat geheim gehalten wurden und nicht öffentlich zugänglich waren. Die CZ 75 wurde so mangels bekanntem Patentschutz zur Inspiration für Dutzende von Herstellern und legte den Grundstein für eine ganze Designfamilie, die bis heute aktiv weiterentwickelt wird: Italien mit den Tanfoglio-Pistolen, die Schweiz mit zunächst Sphinx- und heute Phoenix-Modellen, China baute die Norinco-Pistole NZ 75, England die Spitfire-Modelle, dazu noch viele in Kleinserien oder als Custom-Umbauten gefertigte Exemplare verschiedenster Hersteller und Büchsenmacher. Auch der Zubehörmarkt bietet zahlreiche Möglichkeiten, eine serienmäßige CZ 75 zu individualisieren.

Nach 1989 konnte der Hersteller die CZ 75-Plattform selbst zu einer umfangreichen Reihe von Dienst-, Zivil und Sportpistolen weiterentwickeln. Ihr technisches Erbe lebt bis heute fort, beispielsweise in der CZ SHADOW-Pistolenserie, die weltweit IPSC-Wettbewerbe dominiert. Dennoch nimmt die ursprüngliche CZ 75 als Pistole, die ein ganzes Segment geprägt hat, einen besonderen Platz in der Geschichte der Kurzwaffen ein (bei all4shooters.com finden Sie eine Zusammenstellung der CZ-75-Historie).

Die CZ 75 LEGEND, die auf der SHOT Show 2026 als Serienwaffe vorgestellt wurde, ist eine Hommage an dieses Erbe. Sie bietet die Möglichkeit, eine neu gefertigte Pistole in authentischem Design zu erwerben, die dem Originalmodell aus den 1970er Jahren entspricht und uns daran erinnert, dass wahre Legenden niemals alt werden.


Technische Daten: Jubiläumsmodell CZ 75 LEGEND in 9 mm Luger

Modell:CZ Model 75 LEGEND
Kaliber:9 mm Luger (alias 9 mm Para)
System:abkippender Browning-Verschluss mit zwei Verriegelungskämmen
Kapazität:16 + 1 Patronen
Lauflänge:114 mm
Visierung:starre Kimme, Balkenkorn
Abzug (Single Action / Double Action):20 N (2,1 kg) / 46 N (4,7 kg)
Sicherung:Manuelle Sicherung, Hahn mit Sicherungsrast
Abmessungen (LxBxH):208 mmx 37 mm x 144 mm
Gewicht:1.170 g
Preis:noch nicht bekannt

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Übersicht bei all4shooters.com über die CZ 75 und ihre zahlreichen Nachbauten und Varianten

50 Jahre CZ 75: Ihre Geschichte und die aktuellen Varianten

Berichte bei all4shooters.com zum Thema "CZ 75" aus den letzten 15(!) Jahren

CZ-Waffen werden in Deutschland sowohl über den Großhändler AKAH wie auch über Frankonia angeboten.