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Test & Technik: Kimber 8400 Advanced Tactical SOC II

Kimber – dieser Name steht heute schon fast sinnbildlich für moderne 1911er Pistolen. Vom Markt längst nicht mehr wegzudenken, zeigen die Amerikaner aber auch, dass sie auf dem Langwaffenmarkt bestehen können. Nun kam also eine neue taktische Büchse in Form der Kimber 8400 Advanced Tactical SOC II im Kaliber .308 Winchester auf den bekannten VISIER-Schreibtisch. Da nun aber schon mal wieder ein Stück aus der Überseefertigung da lag, galt es die Gelegenheit gleich zu nutzen und in Yonkers ein paar Fragen zum Thema Gewehre zu stellen, die Allan Remley, Manager of Sales Operations bei Kimber, auch gleich beantwortete.

Interview mit Allan Remley, Manager of Sales Operations bei Kimber


VISIER:
Kimber ist bekannt für seine 1911er Pistolen. Also, warum bauen Sie überhaupt Gewehre?

Allan Remley: "So haben wir angefangen. Kimber wurde ursprünglich als Gewehrfirma im Jahr 1979 von einem Vater-Sohn-Duo gegründet, das dann absolut hochwertige 22er Büchsen auf den Markt brachte. Aus diesem Segment heraus expandierte das Unternehmen dann in andere Bereiche, wie etwa in den Markt der kleiner kalibrierten Zentralfeuergewehre. Und alle diese Gewehre waren bald bekannt dafür, dass sie perfekt gebaut, die Verarbeitung erstklassig und auch ihre Trefferleistung fabelhaft waren. So erwarb sich Kimber schnell den Ruf, erstklassige und „schöne“ Gewehre zu bauen. Im Jahr 1996 expandierte Kimber dann in den Pistolenmarkt mit einer qualitativ hochwertigen 1911er und der Rest ist Geschichte. Und nun ist Kimber genauso berühmt für Pistolen wie für Gewehre."

Und warum bauen Sie dann auch noch Revolver?

"Wir von Kimber schauen immer nach Marktsegmenten, in denen wir unsere Präsenz verstärken können. Aus diesem Grund gingen wir auch den Weg in den Revolvermarkt, da wir dort eine Leere an qualitativ hochwertigen Revolvern entdeckten. Der Name Kimber wird eben in Verbindung gesetzt mit Qualität, so dass unsere Revolver eben auch den hohen Qualitätsansprüchen genügen, die wir selbst an unsere Produkte haben."

Ihre Firma blickt auf eine lange Geschichte zurück. Aber warum denken Sie, dass die Kombination von Kimber und Pistolen so bekannt ist?

"Das, was Kimber an der Spitze der Feuerwaffen hält, ist die Tatsache, dass Kimber eben Waffen von höchster Qualität herstellt. Das wissen Kunden auf der ganzen Welt zu schätzen. Wenn der Kunde sich die Passungen ansieht, das Finish und die Qualität, dann den Preis in Relation zu anderen Herstellern setzt, dann stehen wir alleine an der Spitze."

Und wie sehen die Pläne von Kimber im Gewehrsektor für die Zukunft aus?

"Kimber wird auch weiter mit die besten Zylinderverschlussbüchsen weltweit herstellen. Man muss sich nur die Möglichkeiten ansehen, die sich immer wieder ergeben, wie etwa bei den Kalibern. Aber wir werden auch unsere existierenden Waffenplattformen weiterentwickeln und verbessern oder auch ganz neue Waffen auf den Markt bringen. Dabei werden wir wieder neue Designs mit neuen Features mischen, gepaart mit unseren eigenen qualitativ hohen Ansprüchen."

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Blick in die Waffe mit Patrone. Den eigenen Ansprüchen an die Qualität wird Kimber mit dieser Waffe gerecht.

Da merkt der geneigte Leser schon, dass hier jemand stolz auf seine Produkte ist, gepaart mit dem Selbstbewusstsein, das man den US-Amerikanern immer wieder unterstellt. Die Kimber SOC II (die Abkürzung steht für Special Operations Capable) zog schon in Las Vegas auf der SHOT Show 2018 die Blicke auf sich. Dieses Präzisionsgewehr entstand für Schützen, die bei Polizei, Militär oder anderen Behörden/Sicherheitsdiensten ihren Lebensunterhalt verdienen. Aber auch der Präzisionssportschütze oder Jäger gehört zum Kundenkreis für dieses Gewehr im taktischen Aussehen. Deswegen lohnt ein genauer Blick auf diese schnittige Waffe.



Kimber 8400 Advanced Tactical SOC II im Detail

Die neue Kimber-Büchse kann in den Kalibern .308 Winchester oder 6,5 Creedmoor geordert werden. Der aktuelle Preis beträgt 2.999.- €. Die SOC II wartet schon am klappbaren Hinterschaft mit einigen Details auf. So bildet eine Gummischaftkappe der US-Firma Kick-EEZ den Abschluss. An diesem Bauteil kann mittels Innensechskantschlüssel einiges angestellt werden. So lässt sich etwa die Kappe in der Höhe variieren oder tauschen. Der Schütze kann aber auch gleich das ganze Segment tauschen oder in seiner Position nach vorne oder hinten verschieben – für zwei Schrauben stehen vier Bohrungen zur Verfügung. Ein wenig umständlich: Die Verstellung der Schaftbacke. Diese besteht aus zwei beschichteten Metallhälften, von der jede von zwei Schrauben an ihrer Position gehalten wird. 

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Nützliches Hilfsmittel für den Präzisionsschützen: Eine Wasserwaage, die Auskunft darüber liefert, ob die Waffe verkantet ist.
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Der Schriftzug auf der linken Flanke deutet schon an, wofür die Waffe gedacht ist: für Präzisionsschützen bei speziellen Operationen – aber eben auch für Sportschützen.

Zur Schonung der eigenen Wange befand sich noch eine per Klettbändern befestigte Auflage an der Waffe, die auch noch über ein kleines Staufach verfügte. Ebenso lässt sich der untere Abschluss des Schaftes entfernen, wo sich die Aufnahme für den Riemen findet, der wiederum mit der Riemenbügelöse (ebenfalls in vier Positionen versetzbar) am Vorderschaft korrespondiert. 

Das Beiklappen des Hinterschaftes funktioniert denkbar einfach: Segment nach oben aus der Arretierung drücken und nach vorn umlegen. Ein besonderes Bauteil findet sich über dem gummierten Ergo-Pistolengriff der Kimber SOC II. Hinter dem Verschluss befindet sich eine Wasserwaage mit Stricheinteilung, so dass sich sofort erkennen lässt, ob die Waffe verkantet ist oder nicht. Ein Vorteil für den Schützen, da er nicht auf zugerüstetes Equipment angewiesen ist.

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Mit zehn Innensechskantschrauben wird diese Brücke samt integrierter Pica-Schiene auf den Vorderschaft der Kimber 8400 Advanced Tactical SOC II geschraubt.
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Unter der Überwurfmutter findet sich das Gewinde zur Aufnahme von Zubehör wie einem Schalldämpfer.

Vor dem Abzusgbügel befindet sich der Magazinlöser, der den Blechcontainer für die fünf Patronen freigibt. Die Kimber SOC II verfügt über einen 22-Zoll-Lauf (56 Zentimeter), der aus Edelstahl besteht und eine mattschwarze Beschichtung aufweist. Eine klassische Visierung sucht der Schütze vergeblich. Für den Schuss auf die größere Distanz vorgesehen, bringt die Kimber-Büchse auf zwölf Uhr zwei Pica-Rails mit, wobei die hintere sich für ein ZF prädestiniert zeigt. 

Auf der vorderen, die mittels zehn (!) Innensechskantschrauben auf einem entsprechenden Bauteil thront, lässt sich aber auch anderes Equipment anbringen.  Am Laufende findet sich dann noch eine Überwurfmutter, unter der sich ein entsprechendes Gewinde verbirgt. Dementsprechend steht auch dem Einsatz eines passenden Schalldämpfers auf der Kimber SOC II nichts im Wege.

Test der Kimber 8400 SOC II

Die Tester schossen das Gewehr auf 100 Meter Distanz sitzend aufgelegt. Die Zieloptik war schon montiert und bestand aus einem Glas aus dem Hause Trijicon, genauer gesagt aus dem Trijicon 2,5-10x56 Triangel Gelb, das ohne Tritium dennoch ein beleuchtetes Absehen aufweist – später dazu mehr. Fünf Lose an Munition mit insgesamt vier Gewichtsklassen und unterschiedlichen Geschossen standen zur Verfügung. 

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Über mehrere Lichtsammlerstäbe lässt sich ein erhelltes Absehen ohne Batterien erzeugen.
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Höhen- und Seitenverstellung des ZF von Trijicon, das ebenfalls von Waffen Ferkinghoff zu VISIER kam.

Den Sieg trug das 147-Grains-Geschoss von PMC davon. Am Ende standen 33 Millimeter für den Tagessieg. Auf den Plätzen zwei und drei landeten GECO Express, gefolgt von der Sako-Munition. Lediglich das vormontierte Zielfernrohr war nicht optimal geeignet. Der Zielstachel war auf die Entfernung von 100 Meter so groß (bei maximaler Vergrößerung), dass sich das Zielen mitunter als schwierig erwies.  

Die schlanke, schmale Bauweise der Waffe nahm den Rückstoß gut auf. Die Schaftkappe dämpfte die Wucht. Der Abzug kroch nicht, der Schuss brach glasklar. Das Repetieren verlief ohne Probleme. Die Waffe verhielt sich im Schuss so, wie es die Leute von Kimber eben auch versprachen – tadellos. Zu bemängeln gab es gar nichts an der Waffe.  

Auf der Waffe thronte, wie erwähnt, eine Trijicon 2,5-10x56 Triangel Gelb Optik. Die Länge liegt bei 350 Millimetern und das Gewicht bei knapp 600 Gramm. Die Verstelltürme des Zielfernrohrs verbergen sich unter Schraubkappen, der Dioptrien-Ausgleich lässt sich bequem vornehmen. Die Helligkeit lässt sich zudem variieren. Am zweiten Ring drehen und schon verschwinden die Sammlerstäbe in der Dunkelheit. Alles in allem eine durchdachte Erfindung, die unabhängig von Batterien macht. Eine passende Ergänzung für 1.237 Euro zur Büchse. Das macht dann zusammen mit der Waffe  4.236.- € - für das Gebotene sicher nicht zu viel.


Fazit zur Kimber Advanced Tactical SOC II 

Was diese Büchse von Kimber angeht, passt am besten ein Spruch aus dem Filmklassiker „Zwei wie Pech und Schwefel“ mit Terence Hill und Bud Spencer: „Ein lecker Repetiergewehr“ (auch wenn sich das Zitat im Original auf einen anderen Hersteller bezieht). Vor allem die schmale Bauweise, der Klappschaft und die Wasserwaage gefielen den Testern. Der Verschluss lief sauber durch das System. Einzig das Zielfernrohr sorgte auf weitere Distanzen ein wenig für Murren. Dieses dürfte eher auf kürzere Distanz, etwa bei der Drückjagd, seine Stärken ausspielen können. 

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KIMBER 8400 Advanced SOC II: Bei extrem widrigen Bedingungen im heißen Hochsommer 2018 mussten die Tester mit der Testwaffe auf dem Schießstand bestehen. Unsere Testwaffe war im Kaliber .308 Win und funktionierte hervorragend.

Insgesamt ist die SOC II eine neue Kimber-Büchse, die vor allem dem ambitionierten Präzisionsschützen helle Freude bereiten dürfte, zumal die Waffe auch zahlreiche Möglichkeiten der Individualisierung und für das Anpassen auf die eigenen Bedürfnisse bietet.

Weitere Informationen zur KIMBER Advanced SOC II, sowie zu Ausführungen, Farben, Preisen und Lieferzeiten gibt es beim Europa-Importeur Waffen Ferkinghoff.


Den ausführlichen Test und die Ergebnistabelle der Schießtests mit der Kimber Advanced Tactical SOC II-Büchse finden Sie in VISIER 10/2018. Die Ausgabe können Sie sich ganz bequem im VS Medien Online-Shop bestellen.

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