Test: Was kann der Chassis-Repetierer "Mercury" Sabatti Tactical Rifle (STR) in .308 Winchester?

Für den taktischen Sektor beziehungsweise das Long-Range-Schießen entsteht bei Sabatti in Italien die Sabatti Tactical Rifle, kurz STR. Dort ist der Repetierer auf Basis der Sabatti Rover auch im Farbton Desert Tan erhältlich. Über Frankonia kommt sie nach Deutschland: komplett in Mattschwarz unter dem Namen Mercury STR. Die Büchse ist neben dem Kaliber .308 Winchester auch für die .300 Win. Mag. zu haben. Eine weitere Variante in 6,5 x 47 Lapua ist bei Frankonia ebenfalls gelistet.

Die technische Basis des Chassis-Repetierers Mercury STR:

Der Verschluss der Mercury STR und das gefüllte Magazin.
Der Verschluss der Mercury STR mit seinen zwei Riegelwarzen erinnert etwas an die Remington 700.

Das Markenzeichen der STR ist natürlich das Chassis aus Dural. Im Inneren arbeitet aber ein mehr oder weniger konventionelles Rover-System von Sabatti. Es erinnert mit seinen 2 schlichten Verriegelungswarzen, dem Stahlring um den Hülsenboden und dem Ausstoßer im Stoßboden durchaus an das populäre System 700 von Remington. Der Verschluss selbst bleibt bei der STR bis auf den vergrößerten, griffig gerillten Kammergriff und den Verschlusskopf blank. Eine schlichte Abzugssicherung auf der rechten Gehäuseseite blockiert den Abzug. Die Sicherung lässt sich mit etwas Gefühl lautlos bedienen. Ohne Umgreifen lässt sie sich aber im Anschlag nicht bedienen. Leider blockiert die Sicherung nicht die Kammer. Man sollte also bei dem weit herausstehenden Kammergriff der STR etwas Vorsicht walten lassen, damit der Stängel nicht versehentlich irgendwo hängenbleibt und sich der Verschluss selbstständig öffnet.

Die Mündung der Mercury STR in Nahaufnahme.
Der Lauf mit Multi-Radial-Innenprofil hat ab Werk ein Mündungsgewinde.

Der 24"-Zoll (610 mm) lange, 20 mm dicke Matchlauf präsentiert ein Laufinnenprofil, das bei Sabatti unter der Bezeichnung "Multi Radial Rifling" läuft. Das Prinzip erinnert ein wenig an Polygonläufe und soll sich in puncto Präzision auch gut mit Monometall-Projektilen (Solids) vertragen. Die Mündung schließt ein zölliges 5/8" x 24-Gewinde ab, auf dem ein ab Werk mitgelieferter Feuerdämpfer sitzt. Das abnehmbare Polymer-Magazin stammt aus eigener Fertigung und soll laut Hersteller mit anderen Magazinen des von Accuracy International entwickelten AICS-Standards kompatibel sein. Der mitgelieferte Behälter nimmt 7 Patronen in .308 Win. auf. Alternativ fertigt Sabatti das Magazin aber auch in Varianten für 5 und 10 Schuss. Der Magazinhalter hinter dem Schacht lässt sich beidseitig bequem auslösen.

Das Gerüst der Mercury STR − ein Dural-Chassis von Sabatti:

Die Mercury STR mit einem Minox ZP5 3-15x50.
Die Mercury STR mit einem Minox ZP5 3-15x50. Der Schaft lässt sich nach links umfalten. Für seine Arretierung sorgt die Dreieckschraube rechts oberhalb des AR-15-Pistolengriffs.

Die Mercury STR verfügt über ein mehrteiliges und vielfach verstellbares Dural-Chassis. Repetierer-Varianten mit einem vergleichbaren Rahmensystem offerieren heute die meisten mittelgroßen und großen Büchsenhersteller, wobei sich die Anbauteile oftmals am AR-15 orientieren und mit diesem auch teilweise voll kompatibel sind. Nicht alle Büchsenhersteller fertigen das Chassis selbst, die Rahmen werden häufig von darauf spezialisierten Unternehmen aus Kanada oder den USA zugekauft. Anders bei Sabatti, hier stammt der Aluminiumrahmen aus eigener Produktion. Sowohl der Vorderschaft als auch die Systemhülse tragen oben eine zweiteilige, durchgehende Picatinny-Montageschiene mit 20 MOA (Winkelminuten) Vorneigung. Der Handschutz bietet hinten eine kurze Auflagefläche aus Kunststoff. Vorn lässt sich an 3 abschraubbaren Picatinny-Schienenstücken weiteres Zubehör wie etwa ein Zweibein befestigen.

Der Hinterschaft der Mercury STR.
Der Hinterschaft sitzt auf einer röhrenförmigen Buffer Tube à la AR-15. Backe und Kappe sind verstellbar. Auch eine kurze Picatinny-Schiene für ein Monopod fehlt nicht.

Ein Klappgelenk mit Handschraube bildet das Verbindungselement zwischen Gehäuse und Hinterschaft. Die Gummischaftkappe ist in ihrer Höhe über eine Rändelschraube individuell einstellbar. Im Prinzip bildet ein U-förmig gebogenes Stück Dural die Schaftbacke der STR. Die Höhenverstellung erfolgt per Innensechskant, und längsweise lässt sich die Position der Backe ebenfalls über Schrauben verändern. Das funktioniert entweder über mehrere Bohrungen in der Schaftkappenbasis, aber alternativ auch, indem man den gesamten Hinterschaft auf der M4-Buffer Tube nach vorn oder hinten bewegt.

Insgesamt wirkt die Hinterschaftkonstruktion stabil, ergonomisch gut anpassbar und dabei hochwertig verarbeitet. Aber schnell verstellbar ist hier nichts. Und einige Justierungen lassen sich nur mittels Schlüssel ausführen. Einmal für den eigenen Anschlag und Zieloptik passend eingestellt, liegt die Schaftbacke angenehm im Anschlag und überträgt auch im Schuss keinerlei ungebührlichen Vibrationen oder ähnliches auf den Schützen. 

An der Verarbeitung des italienischen Präzisionsrepetierers gab es nur wenig auszusetzen. Einige vom Basissystem Sabatti Rover übernommene Bauteile wie die Zweistellungssicherung wirken etwas schlicht. An Finish und Spaltmaßen des Laufes sowie der Chassis-Elemente Handschutz, Rahmen und Hinterschaft gab es aber nichts zu mäkeln, die Baugruppen können hier mit vergleichbaren Teilen von Herstellern wie MDT mithalten.

Frankonia bestückte das Testmuster mit dem neuen Zielfernrohr 1,7-10x42 RD des tschechischen Herstellers Meopta. Das kompakt gehaltene Glas mit stark variablem Vergrößerungsbereich bringt unter 600 g auf die Waage und kostet 1.299,- Euro. Das Absehen 4 mit beleuchtbarem Punkt in der Mitte empfiehlt sich aber eher für den Einsatz auf einer führigen Jagdbüchse als auf einer Waffe wie der STR - auch die maximale Vergrößerung dürfte für eine Long Range-Büchse ruhig etwas größer ausfallen. 

Deshalb ersetzten wir im Test das Meopta-ZF durch ein ZP5 3-15x50 von MINOX. Die 15-fache Vergrößerung hilft in Verbindung mit dem feineren Fadenkreuz des Mildot-Absehens gegenüber einem beleuchtbaren Punkt, die Streukreise noch etwas kleiner zu halten. So kompakt wie das neue Meopta ist das als taktisches Zielfernrohr konzipierte MINOX freilich nicht und auch das Gewicht liegt ohne Montage bei 920 g. Aber die Leistung passt unser Meinung nach deutlich besser zur Waffe.

Die technischen Daten der Mercury STR in .308 Winchester:

Herstller:Sabatti
Modell:Mercury STR
Preis:2.299,- Euro
Magazinkapazität:7 Patronen
Länge:1.215/594 mm
Lauflänge:610 mm (Feuerdämpfer)
Abzugsgewicht:950 g
Gewicht:6.400 g
Ausführung:Zylinderverschluss mit 2 Warzen, Dural-Chassis, kaltgehämmerter Lauf mit
Multiradial-Innenprofil, Feuerdämpfer, verstellbarer Klappschaft, Einsteckmagazin,
20-MOA-Picatinny-Schiene, ventilierter Dural-Handschutz, AR-15-Griff.

Mit der Mercury STR auf dem Schießstand:

Das Meopta 1,7-10x42 auf der Mercury STR.
Frankonia schickte die Testwaffe mit einem Meopta 1,7 – 10 x 42 auf Montageschiene mit 20 MOA Vorneigung.

Durch den relativ breiten Handschutz aus Kunststoff ließ sich die STR recht solide von der Sandsackauflage schießen. Alle Munitionssorten wurden aus dem Kunststoffmagazin butterweich zugeführt und nach dem Schuss die leeren Hülsen schwungvoll aus dem Auswurffenster befördert. Auch an dem leichtgängigen Direktabzug gab es nichts zu kritisieren. Allein der Hinterschaft eignet sich aufgrund des Designs nicht perfekt für das Einklemmen in Ohrensäckchen; dies gilt allerdings auch für diverse verstellbare Chassis-Hinterschäfte. Der Rückstoß fiel durch die Kombination des moderaten Kalibers .308 Winchester in Verbindung mit dem relativ hohen Waffengewicht insgesamt sehr angenehm aus. Das beste Schussbild brachte aus dem Testexemplar die beliebte Wettkampfpatrone von Sellier & Bellot mit 168 grs schwerem Matchking-Projektil von Sierra (17 mm). Zieht man einen Ausreißer ab, hätte sich die finnische Lapua Scenar mit 11-mm-Trefferbild im Bereich Präzision an die Spitze gesetzt.

Wie lautet unser Testfazit zur Mercury STR?

Gut verarbeitet und mit vielen Verstellmöglichkeiten ausgestattet, macht die Mercury STR auch im Vergleich zu den diversen Chassis-Repetierbüchsen aus Übersee eine gute Figur. Durch die vorgeneigte, durchgehende Schiene auf der Waffe eignet sie sich auch gut für das Schießen auf größere Distanzen. Nicht so ganz konnte uns die Art der Schaftverstellung überzeugen. Alles lässt sich zwar mit etwas Geduld und passendem Werkzeug individuell justieren, aber bequeme Schnellverstellungen finden sich an dem Sabatti-Hinterschaft leider nicht. Mit einem Preis von über 2.000,- Euro bewegt sich der Repetierer in etwa im Mittelfeld dessen, was derzeit für eine Chassis-Büchse von vielen Büchsenherstellern im mittleren Preissegment aufgerufen wird.


Weiter Informationen zur Mercury STR erhalten Sie auf der Internetseite des Importeurs Frankonia.

Nicht nur auf dem Schießstand, sondern auch bei der Jagd haben wir die Sabatti STR getestet.

In erster Linie für den Jagdeinsatz ist die Mercury Saphire gedacht.

Den ausführlichen Test mit allen Schießergebnissen finden Sie in VISIER 8/2018.