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FORTMEIER M 2002 Scharfschützengewehr im Test

Nicht nur Obst braucht Zeit, um zu reifen, sondern auch mancher Einzellader. Das Modell 2002 von HEINRICH FORTMEIER entstand schon vor zwölf Jahren als Nachfolger eines Geradezuggewehrs. Ursprünglich nur für die Patrone .50 BMG vorgesehen, gibt es den 2002 eingeführten Einzellader inzwischen in elf Kalibern. Neben .308 Winchester, .300 Winchester Magnum, .338 Lapua Magnum und .50 BMG kann der Käufer sich auch für exotische Kaliber wie 9,5 x 70, .338 Norma Magnum, .375 Snype Tac, .375 Tyr, .408 Chey Tac, .416 Tyr oder .460 Steyr entscheiden. 

Schon dieser Umstand macht das M 2002 zu etwas Besonderem. Das sollte sich auch in diesem Artikel widerspiegeln. Deshalb prüften die VISIER-Tester das Gewehr nicht nur in .308 Winchester, sondern auch in 9,5 x 70 mm und .375 Snype Tac alias .375 Snipe Tac.


Horst Grillmayer: Der Experte für Munition

Möglich wurde dies erst durch die Zusammenarbeit von Waffenbauer HEINRICH FORTMEIER mit dem  Munitionsexperten HORST GRILLMAYER, dem Zündhütchenhersteller GINEX aus Bosnien-Herzegowina, dem italienischen Ballistik-Experten und Forensiker Gianluca Bordin, den Hülsenherstellern PRVI PARTIZAN aus Serbien sowie HORNEBER aus Nürnberg. Denn das Präzisionsgewehr sollte schließlich auch mit Wildcat-Patronen wie 9,5 x 70 gute Ergebnisse bringen. 

Und da gab es ein Problem: HORST GRILLMAYER erkannte, dass die marktüblichen Large-Rifle-Magnum-Zündhütchen langsam brennende Pulver in den großvolumigen Hülsen mancher Wildcats nicht sonderlich gut zünden. Deshalb versuchte sich der Munitionsexperte an einem neuen, leistungsstärkeren Zündhütchen. Zusammen mit dem Hersteller GINEX entstand so das 6,5 mm Extra Large Rifle Magnum, kurz: XLRM. Dank seiner höheren Zündmasse entwickelt es einen größeren und heißeren Zündstrahl. Eben den benötigen Weitschusspatronen wie .375 Snype Tac, .375 Tyr oder .408 Chey Tac für ein sicheres und gleichmäßiges Anzünden. Für die Neuheit gab es allerdings noch einen Grund: Die leistungsstarken Zündhütchen der Patrone .50 BMG kamen als Alternative nicht in Frage, weil der Stoßboden für Kaliber wie .408 Cheyenne Tactical einfach zu klein ist.


Modul-Kunst: Take-Down Konzept mit unterschiedlichen Läufen

Das einschüssige M 2002 ist als Take-Down-Waffe konzipiert und lässt sich schnell und ohne Werkzeug in vier wesentliche Teile zerlegen. Für einen Kaliberwechsel muss der Schütze nur zwei der vier Teile austauschen: den Lauf sowie den Verschluss. Alle anderen Komponenten bleiben dieselben - das gilt für alle elf Kaliber von .308 Win. bis .50 BMG. Der Umstieg auf ein anderes Kaliber gestaltet sich daher nicht nur einfach, er dauert auch nicht länger als ungefähr eine Minute.

Die brünierten Heym-Läufe für die drei Testkaliber weisen eine erstaunliche Länge auf:  Sie beträgt vom Patronenboden bis zur Laufmündung (ohne Bremse) für die Kaliber .308 Winchester und .375 Snype Tac stattliche 820 Millimeter. Für die 308er Version scheint dies beinahe etwas zu viel des Guten zu sein. Denn die gemessenen Mündungsgeschwindigkeiten zeigen, dass in diesem Kaliber derart lange Läufe kein Leistungsplus bringen - die Werte fallen ähnlich aus wie bei einem 650 Millimeter langen Rohr. Laut Auskunft des Geschäftsführers HEINRICH FORTMEIER liefert seine Firma auf Anfrage allerdings auch Läufe mit anderen Längenmaßen. 

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Die .375 Snype Tac im Schuss. Das große Mündungsfeuer zeigt, dass die innenballistischen Werte noch nicht optimal sind.
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Alle Läufe nehmen per M 22 x 1,5- Gewinde einen Mündungsfeuerdämpfer auf. Vor dem Dämpfer das neue 9,5 mm-Sierra-Match-King-Geschoss und eine Patrone .375 Snype Tac.

Jeweils acht 270 Millimeter lange Kannellierungen auf der vorderen Laufhälfte verbessern in allen Versionen die Wärmeabgabe. Standard für alle drei Testkaliber ist außerdem eine aufgeschraubte Mündungsbremse, die aber eher einen Mündungsfeuerdämpfer darstellt: Die typischen Prallflächen für die Reduzierung des Rückstoßimpulses fehlen fast völlig. Ein O-Ring soll per Reibung das Losdrehen der Bremse verhindern - im Test klappte das sehr gut. 

Auch optisch harmonieren Feuerdämpfer und Lauf übrigens bestens, da die Außendurchmesser mit jeweils 28 Millimetern gleich groß sind. Auf halber Länge verschwinden die  Läufe völlig im Vorderschaft-Gehäuse. Das ist recht komplex aufgebaut, es besteht aus mehreren Komponenten. Patronenlagerseitig verschraubt FORTMEIER das Rohr mit einem massiven Verschlussblock. Auf der Vorderseite des Blockes findet sich ein Mantelrohr. Mantelrohr und Verschlussblock dienen außerdem als Montagebasis für die fünffach verschraubte, 550 Millimeter lange, sehr stabile Picatinny-Schiene. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der als massiver Tragegriff ausgelegte Unterbau. Er nimmt über eine lange Führung sowie zwei Zentrierbohrungen den Hinterschaft auf. Vorn unterstützt ein Zweibein die Zielaufnahme. Die Beine des Bipods sind mit einem Rohrprofilstück verschraubt; dieses Teil sitzt auf dem Mantelrohr. Der Vorteil: Die Drehachse zum seitlichen Waffen-Ausrichten stimmt mit der Laufachse überein.

Deshalb verändert sich die Höhe beim Verschränken des Gewehrs nicht. Ein Klemmhebel sorgt bei Bedarf außerdem dafür, dass sich die Waffe nicht mehr kippen lässt. Das Zweibein lässt sich in sechs Stufen um insgesamt 90 Millimeter in der Höhe verstellen. Der Hinterschaft nimmt in einer Verschlussführungshülse auch den Verschluss auf. Auf Komfort legt der Hersteller auch an dieser Stelle Wert: Die Verschlusshülse ist per Stecksystem mit dem eigentlichen Hinterschaft verbunden und wird durch Drücken eines Schiebers freigegeben.

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Der Hinterschaft der FORTMEIER M 2002
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Das FORTMEIER M 2002 in 9,5 x 70 mit Kahles-Zielfernrohr 6-24 x 56, die .375 Snype Tac-Version mit IOR-Glas und das 308er System ohne Optik.

Zerlegen des FORTMEIER M 2002 ohne Werkzeug:

In der Vorderseite des Schaftträgerprofils finden sich die Nuten für die Vorderschaftaufnahme. Bei einem Kaliberwechsel tauscht der Schütze den gesamten Vorderschaft aus. Auch hier kam HEINRICH FORTMEIER bequemen Charakteren entgegen: Man drückt einen Schieber hinter dem Abzugszüngel etwa vier Millimeter nach vorn und dreht gleichzeitig den Abzugsbügel um etwa 290 Grad gegen den Uhrzeigersinn nach rechts. Über eine Gewindesteigung werden danach zwei Zentrier- respektive Haltezapfen nach unten gezogen. So geben sie die Verriegelung von Vorder- und Hinterschaft frei. Nun kann man beide Baugruppen entlang einer 115 Millimeter langen Führung auseinanderziehen. Beim Zurückdrehen des Abzugsbügels kommen die Zentrierzapfen wieder nach oben und greifen in die korrespondierenden Bohrungen auf der Vorderschaftunterseite ein. Diese Lösung verhindert radiales und axiales Spiel.

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Zum werkzeuglosen Zerlegen der Waffe muss man den Schieber nach vorn drücken
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.... und dann um etwa 290° gegen den Uhrzeigersinn drehen (die Endposition).

Druckpunktabzug: Feste Werte 

HEINRICH FORTMEIER verbaut in dem M 2002 einen von ihm selbst konstruierten Druckpunktabzug, der bei einem Abzugsgewicht zwischen 1.500 und 2.000 Gramm bricht. Allerdings kann der Kunde das Gewicht nicht selbst verstellen. Die Sicherung der Waffe blockiert den Abzugszüngel über einen Schieber auf der rechten Seite. Der Schütze kann rechts und links entsichern. 

Kurz vor der angenehm weichen Schaftkappe befindet sich ein sehr stabiler Bügel. Dieser dient primär als Hinterschaftauflage. In Verbindung mit dem montierten Zweibein erweist er sich leider als zu niedrig - in diesem Fall benötigt man eine zusätzliche Hinterschaftunterlage. Wie die Schaftkappe bietet auch der Bügel keine Verstellmöglichkeiten. Trotzdem kamen die Tester gut zurecht, da die Montagehöhe des Zielfernrohrs stimmte. Die ebenfalls nicht verstellbare Schaftbacke besteht aus Buchenholz. Der Hersteller beschichtet sie mit einem speziellen mattgrauen Lack, der der Backe eine fein aufgeraute Oberfläche verleiht.

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Einfaches Verschlusszerlegen: Ein Schraubendreher dient beim Lösen des Kammerstengels als Hebel. Außerdem benötigt man das Werkzeug zum Eindrücken des Schlagbolzens.

Der eckige, mit zwei massiven Warzen ausgestattete Verschlusskopf verriegelt über eine Fläche von 77 Quadratmillimetern. Der O-Ring, der den Auszieher in seiner Führung hält, lässt sich leicht entfernen. So dauert das Ausbauen des Ausziehers ebenfalls nur wenige Sekunden. Auch das Zerlegen des Verschlusses gestaltet sich komfortabel. Mit einem stabilen Schraubendreher löst man zunächst den Kammerstengel und holt diesen aus dem Verschlussrohr. Nun drückt man das Werkzeug auf die Rückseite des Schlagbolzens und schiebt dessen Arretierung beiseite. Dann lässt sich der Verschluss komplett in Einzelteile zerlegen. 


Auf dem Schießstand mit dem FORTMEIER M 2002

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Links die drei Testpatronen .308 Win., 9,5 x 70 und .375 Snype Tac. Die Verschlüsse unterscheiden sich nur im Stoßbodendurchmesser und durch die Auszieherkralle, welche mittels Ring in ihrer Führung gehalten werden.

Das Design der Waffe gab keinen Anlass zum Mäkeln, zumal sich alle Teile erstklassig verarbeitet zeigten und auch das Finish stimmte. Um so gespannter waren die Tester auf das Schießen, gutes Aussehen ist schließlich nur die halbe Miete. Doch vor dem Spass mit dem M 2002 stand zunächst einmal Wiederladearbeit. Die Kalibern 9,5 x 70 und die .375 Snype Tac besitzen bis jetzt keine CIP-Zulassung, welche Ladedaten, Gasdruck und Abmessungen festlegt. Deshalb mussten die Tester zuerst mit einem Innenballistikprogramm sinnvolle Ladungen theoretisch berechnen. Um deren Sicherheit zu überprüfen, ging die Testwaffe samt der Probelaborierungen danach an das Beschussamt Köln. 

Das stellte nach erfolgreicher Überprüfung für beide Kaliber sechs „beschusstechnische Bescheinigungen“ aus. Sie enthalten jeweils die Pulversorte und -masse sowie das Geschossgewicht und die bei der Messung verwendeten Waffendaten. Damit ging die Verwendung der Laborierungen aus dem M 2002 rechtlich in Ordnung. Allerdings muss sich der Wiederlader strikt an die Vorgaben in den Bescheinigungen halten, es gibt also keinen Spielraum für Experimente. 

Für die 9,5 x 70 hatte GRILLMAYER bei PRIVI PARTIZAN ein kleines Los spezieller Hülsen mit größeren Zündglocken für die XLRM-Zündhütchen fertigen lassen. Da der Hülsenmund aber für das .338 Diameter ausgelegt war, musste zuerst mit einem Innenkalibrierer der Hülsenmund von .338 auf .375 respektive von 8,6 auf 9,5 Millimeter mit Forster-Matrizen der österreichischen Firma DORFNER aufgeweitet werden. Weit schwieriger gestaltete sich das Laden der .375 Snype Tac - große Hersteller wie RCBS bieten dafür keine Matrizen an. Eine extra in Auftrag gegebene Kalibrier- und Setzmatrize wurde nicht rechtzeitig für den Test fertig. So mussten die Tester mit Material für andere Kaliber improvisieren. 

Wie üblich ging der Präzisionsprüfung das Einschießen mit jeweils 50 Patronen voraus. Nach je fünf Schuss erhielten die drei Läufe eine chemische Reinigung. Als Zielhilfen dienten ein IOR 12-52 x 56 mit Leuchtabsehen und ein KAHLES K 624i 6-24 x 56. Es gab keine Funktionsstörungen. 

Die Streukreise konnten sich sehen lassen: 11 Millimeter mit einer .308er Laborierung auf 100 Meter - das ist sehr gut. Mit den beiden Hochleistungskalibern 9,5 x 70 und .375 Snype Tac ließen sich auf 500 Meter bei annehmbaren Windverhältnissen Ergebnisse zwischen 58 und 76 Millimeter erzielen. Nicht übel, doch sicher ist da noch mehr drin, wenn Wiederlader noch günstigere Laborierungen finden.

Test-Fazit: FORTMEIER M 2002

Das FORTMEIER  M 2002 ist eine sauber verarbeitete, extrem stabile Konstruktion, die sich komfortabel zerlegen lässt. Die komplette Waffe kostet für ein Kaliber mit Zweibein 4.000 Euro. Dafür erhält der Kunde ein sehr gutes Einzellader-Präzisionsgewehr. Vor allem für Freunde exotischer Kaliber ist die M 2002 eine Alternative zu entsprechenden Mehrladern, die oft 5.000 Euro oder mehr kosten. Laut Werk werden für einen weiteren Lauf mit Vorderschaft sowie anderem Verschluss knapp 2.200 Euro fällig. Bei allen Kaliber, die (noch) keine CIP-Zulassung haben, kommt man um aufwändiges Wiederladen aber nicht herum. 


Die Rolle des Zündhütchens:

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Ein Größenvergleich des XLRM-Zündhütchens (links) mit dem Large-Rifle-Magnum-Zündhütchen (rechts) lässt das Potential von GRILLMAYERs Konstruktion erahnen.

Die Idee für die Patrone 9,5 x 70 geht auf den Munitionsentwickler MICHAEL UEKÖTTER zurück, der eine leistungsstarke Patrone ohne Gürtel oder Rand für Jäger suchte. Mit einer auf 9,5 mm aufgeweiteten .338 Lapua-Hülse war es dabei allerdings nicht getan. Leistungsstarke, großkalibrige Langstreckenpatronen benötigen wegen der hohen Mengen des meist langsam abbrennenden Pulvers vor allem zweierlei: eine hohe Anzündenergie und eine geringe Anzündverzugszeit. Die bisher verwendeten Zündhütchen Large Rifle Magnum (LRM) genügten dabei nicht den Ansprüchen der 9,5 x 70. Die von HORST GRILLMAYER zusammen mit der Firma GINEX entwickelte Alternative „XLRM“ (Extra Large Rifle Magnum) leistet mehr. Der Durchmesser beträgt 6,53 mm.  Die im Vergleich zum LRM fast verdoppelte Zündmasse setzt auch Pulvermengen über 90 Grains sicher und schneller in Brand.

 

Die gewünschten Effekte: Abbrand und Gasdruckverlauf sind gleichmäßiger.  

Vor allem bei tiefen Temperaturen, bei denen die Zündhütchen weniger Energie entwickeln, besitzt das XLRM noch genügend Reserven - anders als etwa der LRM-Zünder in der .408 Chey Tac mit ihren rund 140 Grains sehr progressiven Pulvers. 

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Der Zündstrahl des XLRM erzeugt einen mittleren Druck von 140 bar.

Bei Temperaturen über 20 °C genügte für diese Patrone ein Large Rifle Magnum. Spezialeinheiten operieren jedoch auch in Gebieten mit Temperaturen von -20 °C und weniger. Unter diesen Bedingungen kann dieses Zündhütchen keine konstanten innenballistischen Werte mehr garantieren.

 

Das Resultat:

Gasdruck und Mündungsgeschwindigkeit schwanken stark, was auf große Entfernungen zu teilweise erheblichen Treffpunkt-schwankungen führt. 

Solche Probleme lassen sich nach den Angaben von HORST GRILLMAYER mit dem XLRM-Zünder vermeiden. Und das macht wiederum viele bislang wenig genutzte Wildcat-Kaliber für Waffenhersteller interessant. Wenn die Industrie passende Läufe fertigt, ist auch der Weg zur CIP-Zulassung solcher Wildcats nicht mehr weit. Deshalb bietet Fortmeier seine Waffen nicht nur in Standardkalibern wie .308 Winchester, .300 WM, .338 Lapua Magnum und .50 BMG, sondern auch in Exotenkalibern an.


Hintergrundwissen zur Optik:

Die Firmengeschichte von IOR

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Das Unternehmen IOR aus Rumänien

Während ihrer langen Firmengeschichte fertigte die Firma IOR aus Rumänien viele optomechanische und -elektronische Produkte für medizinische, meteorologische und militärische Zwecke. In Deutschland kennt kaum jemand das 1936 gegründete Unternehmen - obwohl es auch über 20 Zielfernrohr-Modelle sowie Rotpunktvisiere, Montagen, Picatinny-Schienen und Nachtsichtgeräte im Programm hat. Vielleicht ändert sich das künftig dank des  deutschen Importeurs HEINRICH FORTMEIER. Das M 2002 prüften die  Tester zum Teil mit dem Flaggschiff der taktischen IOR-Linie, dem „12-52 x 56 Terminator“. Das Objektiv besitzt einen Durchmesser von 56 mm. Wegen der hohen Vergrößerung hinterlässt die Zielhilfe einen wuchtigen Eindruck: Sie ist 410 mm lang und wiegt 1.360 Gramm. Der Mittelrohrdurchmesser liegt bei beachtlichen 40 mm. Das schränkt die Auswahl an Montagen ein, HEINRICH FORTMEIER bietet allerdings sehr schmale Montageringe an. 

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FORTMEIER M 2002 mit dem taktischen IOR-Linie, dem „12-52 x 56 Terminator“

Mittels zweier Drucktaster lässt sich ein kleiner Leuchtpunkt auf das Zentrum des taktischen Absehens projizieren. Das Sehfeld auf 1.000 m beträgt bei 12-facher Vergrößerung 34 m, bei 52-facher noch gerade 8 m. Der Austrittspupillen-Durchmesser liegt zwischen 3,6 und 1,1 mm. Der Augenabstand muss für ein scharfes Bild 75 bis 90 mm betragen. Der Höhenverstellbereich beträgt 100 Winkelminuten (MOA), das entspricht auf eine Distanz von 100 m zirka 290 cm. Das Zielfernrohr lässt sich um +/- 25 MOA horizontal verstellen; dabei entspricht ein Klick an den Türmen einer Verstellung von ¼ MOA. Der Höhenturm benötigt insgesamt vier volle Umdrehungen für die kompletten 100 MOA. 400 Klicks benötigt der Schütze für den gesamten Vertikalbereich. Der Parallaxenausgleich ist von 7 m bis unendlich möglich. Das etwas zu schwergängige Parallaxerad sitzt direkt vor dem Objektivtubus. Laut HEINRICH FORTMEIER kostet das Zielfernrohr 2.200 Euro.


Technische Daten des FORTMEIER M 2002 im Überblick:

Modell:FORTMEIER M 2002
Preis: ca. € 4.000,- (kaliberunabhängig)
Kaliber:.308 Winchester / 9,5 x 70 mm / .375 SnypeTac
Gewicht: 9.800 g - 10.400 g
Gesamtlänge:1.292 / 1.190 / 1.292 mm
Lauflänge:820 / 717 / 820 mm
Laufprofil:4 / 6 / 6 Züge (jeweils Rechtsdrall, Dralllänge 305 mm)
Abzugsgewicht:1.500 - 2.000 g (fest ab Hersteller)

Ausführung: Einzellader-Repetierbüchse mit Druckpunktabzug und kanneliertem Lauf, Zweibein, Mündungsbremse /- feuerdämpfer, Wechsellauf (optional).


Schießtest: FORTMEIER M 2002 in .308 Winchester / 9,5 x 70 mm / .375 Snype Tac

Nr.Laborierung

v2

in m / s

E2

in J

Sk auf 100 m

in mm

Sk auf 300 m

in mm

Sk auf 500 m

in mm

.308 Winchester 






1168 grs (10,9 g) Federal Sierra 
831
3.764
16
42
-
2168 grs (10,9 g) Remington Premier Match Matchking BTHP
8113.585
11
36-
3168 grs (10,9 g) RWS Target Elite Plus
8113.5851336-
4168 grs (10,9 g) S & B Match HPBT
8013.4971441-
5170 grs (11,0 g) Lapua Lock Base FMJBT
8223.7161439-
9,5 x 70 mm





6*290 grs (18,8 g) Aero SOLR Kupfer Solid
9248.025123858
7*350 grs (22,7 g) Sierra Match King HPBT
8227.669184364
.375 Snype Tac





8*325 grs (21,1 g) Aero SOLR Kupfer Solid
9309.125174276
9*350 grs (22,7 g) Sierra Match King HPBT
9259.711144769

Hinweise und Abkürzungen: Alle Streukreise wurden aus jeweils fünf Schuss 

(Werte in Klammern: kleinster Streukreis aus vier Schuss) sitzend mit Zweibein und Benchrest Hinterschaftauflage ermittelt. v2 = mit Drello-Anlage zwei Meter vor der Mündung gemessene Geschossgeschwindigkeit (Durchschnittswert aus fünf Schuss). E2 = aus der v2 und dem Geschossgewicht errechnete Geschossenergie 2 m vor der Mündung. Sk = Streukreis. m = Meter.
mm = Millimeter. grs = Grains. g = Gramm. HPBT = Hollow Point Boat Tail (Matchgeschoss mit kleiner Hohlspitze und Bootsheck). BTHP = entspricht HPBT. RWS Target Elite Plus = Matchpatrone mir HPBT-Geschoss. Lapua Lock Base FMJBT = Matchpatrone Full Metal Jacket Boat Tail (Vollmantelgeschoss mit Bootsheck). * = Handladungen: 6* = 100,7 grs Vihtavuori N560, PPU Hülse, Ginex XLRM Zündhütchen, Patronengesamtlänge (PGL) = 98,5 mm, 7* = 94,0 grs Rottweil R905, PPU Hülse, Ginex XLRM Zündhütchen, PGL = 99,1 mm, 8* = 144,0 grs Vihtavuori 24N41, Horneber Hülse, Ginex XLRM Zündhütchen, PGL = 107,4 mm, 9* = 143 grs Vihtavuori 24N41, Horneber Hülse, Ginex XLRM Zündhütchen, PGL = 106,7 mm. 

Alle Ladedaten ohne Gewähr!


Weitere Information: 

Von der Manufaktur HEINRICH FORTMEIER aus Delbrück (www.50bmg.de) kamen die Testwaffen und das IOR-Zielfernfohr.

HORST GRILLMAYER und REIMER JOHANNSEN (www.johannsen-jagd.de) lieferten Wiederladezubehör.

KAHLES (www.kahles.at) stellte das Zielfernrohr K 624i 6-24 x 56.

Die Unternehmen LAPUA (www.lapua.com/de), HELMUT HOFMANN (www.helmuthofmann.de), FRANKONIA (www.frankonia.de) und RUAG Ammotec GmbH (www.ruag.com/de/Ammotec) stellten Munition im Kaliber .308 Winchester bereit.

Wir bedanken uns bei allen.



Nachruf auf Horst Grillmayer (1940-2013)

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Horst Grillmayer verstarb plötzlich und unerwartet am 1. August 2013 im Alter von 74.

Sein Name ist Schützen, Jägern, Munitionsherstellern und -experten weltweit ein Begriff. Denn Horst Grillmayer steht für eine ganze Reihe neuer Kaliber wie 8 x 60 Grillmayer, 9 x 25 Super Auto G, 9 x 42 R Grillmayer, 9,3 x 66 R Grillmayer, .416 TYR, .458 Silent Death, .460 Steyr oder .375 TYR. Die letzte bedeutende Entwicklung des österreichischen Ballistikers war das Large-Rifle-Magnum Zündhütchen für das Kaliber 9,5 x 70 mm. Alle, die ihn persönlich kannten, beschreiben Horst Grillmayer als freundlichen Menschen und aufmerksamen Zuhörer. Wir werden ihn vermissen.

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