Seit 2024 bietet der im sauerländischen Ense beheimatete Waffenhersteller German Sport Guns, kurz GSG, bereits eine Langwaffen-Baureihe namens GSG-9 im Kaliber 9 mm Luger an. Eines dieser 9-mm-Gewehre ist der Pistolenkarabiner GSG-9 Rifle. Blickt man auf die Historie des Unternehmens, das seinen heutigen Erfolg insbesondere der Produktion und dem Vertrieb von „freien Waffen“ verdankt, erscheint es nur Konsequent, dass es nun auch eine Airsoft-Variante der GSG-9 Rifle anbietet.
Geliefert wird die GSG-9 Airsoft in einer stabilen Polystyrolverpackung mit Kartondeckel, den ein großflächiges Foto von einem Eisatzszenario ziert, bei dem sich Spezialeinsatzkräfte vor der am Horizont aufgehenden Sonne aus einem Helikopter abseilenden. Die aufwendig gestaltete Verpackung zeigt, dass GSG hier nicht nur die reinen Airsoft-Spieler, sondern auch die Fans und Sammler solcher Waffen im Auge hat. Umso größer sind unsere Erwartungen an die Authentizität der GSG-9 im Kaliber 6 mm BB, die gut geschützt in den passgenau auf sie und das mitgelieferte Zubehör abgestimmten Fächern der Verpackung liegt. Auf das Thema Authentizität kommen wir später noch zurück. Jetzt erstmal zu dem, was mitgeliefert wird.
Lieferumfang, rechtliche Voraussetzungen und das Wichtigste zum Antriebssystem der GSG-9 Airsoft

Im Karton liegen neben der Waffe ein 250-Schuss-Magazin, ein Reinigungsstab, die Bedienungsanleitung und ein Tütchen mit ausreichend BBs die erste Magazinfüllung. Was jetzt noch zum Schießen fehlt, sind ein passender 7,4-V-LiPo-Akku und das dazugehörige Ladegerät – schließlich handelt es sich bei diesem frei ab 18 Jahren erwerbbaren halbautomatischen Airsoft-Nachbau um eine Waffe, bei der die Geschosse mithilfe eines S-AEG-Systems angetrieben werden. „AEG“ bedeutet hier Automatic Electric Gearbox und das „S“ davor steht für Semi – es handelt sich also um ein halbautomatisches System. Dieses wird von einem kleinen Elektromotor angetrieben und erzeugt den für das Verschießen der in diesem Falle 0,2 g schweren, BBs genannten, Plastikrundkugeln nötigen komprimierten Luftstrom. Dieser wird dabei über ein per Zahnradgetriebe forciertes Kolbensystem erzeugt, das hier quasi die Feder bei herkömmlichen Feder-/Kolben-Luftgewehren oder -Pistolen ersetzt. Das komplette System samt Zahnrädern bildet dann die sogenannte Gearbox, die bei der GSG-9 Airsoft als hochwertige Metallausführung daherkommt.
Die Testwaffe hat laut Hersteller eine maximale Geschossenergie von 1,3 Joule und unterliegt somit den Altersregularien des Waffengesetzes, das ein Mindestalter von 18 Jahren vorschreibt, für Waffen, bei denen die Geschosse mittels kalten Gasen durch einen Lauf getrieben werden und dabei mehr als 0,5 Geschossenergie erreichen. Wobei wir schon beim wesentlichen Unterschied zu der ebenfalls im Programm von GSG zu findenden Variante mit einer Mündungsenergie von unter 0,5 Joule wären: Diese gilt als Spielzeug, fällt damit nicht unter die einschlägigen Bestimmungen des Waffengesetz darf mit einen reinen AEG-System, also auch vollautomatisch, betrieben werden. Beiden GSG-9 Airsoft-Versionen fallen dann aber wiederrum unter den sogenannten Anscheinswaffen-Paragrafen im Waffengesetz, da sie ihrer äußeren Form nach im Gesamterscheinungsbild den Anschein einer „scharfen“ Schusswaffe hervorrufen. Anscheinswaffen dürfen ebenso wie Schusswaffen nicht in der Öffentlichkeit, also außerhalb der eigenen Wohnung, von Geschäftsräumen oder eines befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte, und bei den betreffenden Örtlichkeiten auch nicht ohne Zustimmung von deren Besitzer, geführt werden. Und dieses gilt wie gesagt auch für Airsoftwaffen mit einer Maximalenergie von unter 0,5 Joule, die in Deutschland bereits ab einem Alter von 14 Jahren erworben werden können. Aber zurück zur Testwaffe, der GSG-9 Airsoft in der Version „frei ab 18“. Beide Versionen werden jeweils zum Preis von 229,- Euro (UVP) angeboten.
Details zu weiteren elektronischen Komponenten der GSG-9 Airsoft

Neben dem S-AEG System sorgt als weitere elektrische Komponente ein MOSFET-System für eine schnelle Reaktion des Abzuges. Zudem verfügt die Elektronik der GSG-9 Airsoft über eine Spannungsüberwachung, die eine Tiefenentladung des Akkus verhindern soll. Die Testwaffe wird mit einem 7,4-V-LiPo-Nunchuck-Akku mit Dean- Anschluss betrieben. Nunchuck bedeutet hier, dass der Akku aus zwei separaten stabförmigen Zellen besteht, die über das Anschlusskabel mit dem Dean-Stecker verbunden sind. Ein einteiliger 7,4-V-LiPo-Akku passt bei der GSG-9 nicht zwischen Lauf und Handschutz, der hier quasi als Batteriefach dient. Aber auch mit dem zweiteiliegen Akku bedarf es – wie bei vielen anderen solchen elektrisch angetriebenen Airsoftwaffen diverser Hersteller auch – noch einer gewissen Pfriemelei, bis der Akku so eingelegt ist, dass sich der Handschutz wieder anbringen lässt, ohne die Kabel irgendwo einzuquetschen.
Authentizität: Wie nah ist die GSG-9 Airsoft am Vorbild GSG-9 Rifle in 9 mm Luger?

Rein äußerlich und von den Abmessungen her könnten die GSG-9 Airsoft und ihr Vorbild in 9 mm Luger eineiige Zwillinge sein. Kein Wunder, da! German Sport Guns ja als deren Hersteller über die exakten Konstruktionsdaten der 9 mm-Version verfügt. Hier sind wirklich nur marginale Abweichungen bei den äußeren Abmessungen festzustellen, allerdings gibt es dann doch bei bestimmten Elementen einige Detailabweichungen, die erst beim zweiten Blick auffallen. So ist das Mantelrohr, das den glatten 6-mm-Messinglauf der Airsoft-Waffe umgibt, beispielsweise ein paar Zehntelmillimeter dünner als der Lauf der GSG-9 Rifle im Kaliber 9 mm Luger. Der Messinglauf für die BBs hat übrigens eine effektive Länge von knapp 23 cm (9“). Vorne wird das Mantelrohr von einer Mündungsfeuerdämpferattrappe abgeschlossen, die wiederum dem Flashhider der 9-mm-Version nachempfunden wurde.
Auch die weiteren Baugruppen wie Gehäuse, Handschutz, Magazinschacht, Griffstück und die zweiteilige, insgesamt 330 mm lange Picatinny-Schiene, die oben auf der Waffe thront, entsprechen der Vorlage – wobei allerdings beim Airsoftmodell das Gehäuse samt Magazinschacht und das Griffstück untrennbar miteinander verbunden aus der Kunststoffspritzgussform fallen. Dafür gleicht wiederum bei beiden Varianten die offene Visierung, die hier aus einer verstellbaren Lochkimme und einem von zwei Schutzbacken flankierten Perlkorn besteht, wie ein Ei dem anderen. Die Handhabe des Spannschiebers ist von der linken (werkseitige Position) auf die rechte Seite umsteckbar, und zwar im Gegensatz zum Vorbild bei der Replika auch ohne Werkzeugeinsatz. Allerdings unterscheidet sich das MIM-Teil der Airsoft-Version durch seine abgeflachte und griffige Kontur vom Spannhebel der 9-mm-Version. Auch dient der Spannschieber bei der Airsoft-Version nicht seiner namensgebenden Funktion, sondern bewegt vielmehr eine Blende im „Auswurffenster“, unter der sich der bequem per Fingernagel bedienbare Einstellschieber für das Hop-Up verbirgt. Mit dem Hop-Up kann die Flugbahnkurve und somit auch die Höhe der Treffpunktlage der BBs beeinflusst werden.

Zu den weiteren Detailunterschieden zählen auch die Art und Anzahl der umlaufenden Nuten am Mündungsfeuerdämpfer und die Markierungen am Sicherungs- respektive Feuerwahl- und Sicherungshebel. Hier nutzt der Hersteller offenbar die gleiche Spritzgussform für die AEG-Variante wie beim S-AEG-Modell, das hier ebenfalls über A-, F- und S-Stellung verfügt, aber sowohl in A- wie auch F-Stellung nur Einzelschüsse zulässt. Die 9-mm-Version besitzt bekanntermaßen nur die Positionen „S“ wie sicher und „F“ wie feuerbereit.
Von der Konstruktion her gleich ist dann wieder die ausziehbare und eigentlich in vier Positionen rastbare Schulterstütze. Eigentlich, weil diese sich nur beim Airsoft-Modell komplett einschieben lässt und die Schulterstütze der GSG-9 in 9 mm Luger sich nur bis zu einer Mindestlänge der Waffe von 613 mm von einschieben lässt, damit die „Rifle“ rechtlich ihre Langwaffeneigenschaft nicht gefährdet. Zur Erläuterung: Schusswaffen unter einer Länge von 60 cm gelten laut Waffengesetzt als Kurzwaffen. Das hat für die Erwerbsvoraussetzungen einer Airsoftwaffe keine Auswirkungen – spielt aber eine große Rolle bei „scharfen“ Schusswaffen, wenn es um das zum Erwerb erforderliche Bedürfnis geht.

Technische Daten und Preis der GSG-9 Airsoft mit S-AEG-System
Modell: | GSG-9 Airsoft |
Kaliber: | 6 mm BB |
System: | S-AEG |
Magazinkapazität: | 250 BBs |
Lauflänge: | 9“ (228,6 mm) |
Laufmaterial/-profil: | Messing/glatt |
Visierung: | Lochkimme und Perlkorn |
Visierlänge: | 352 mm |
Abzug: | elektrisch |
Hop-Up | einstellbar |
Gesamtlänge: | 556 bis 706 mm |
Gewicht: | 650 g (mit Magazin) |
Energie: | max. 1,3 Joule |
Altersbeschränkung: | Frei ab 18 Jahren |
Material Schaft/Gehäuse | Polymer |
Preis (UVP): | 179,95 Euro |
Test-Schießen mit der frei ab 18 Jahren erwerbbaren GSG-9 Airsoft im Kaliber 6 mm BB von German Sport Guns
Da es sich hier um eine mit dem „F im Fünfeck“ gekennzeichnete Waffe mit einer Geschossenergie von unter 7,5 Joule handelt, konnten wir die Testwaffe innerhalb eines befriedeten Besitztums mit Zustimmung des Eigentümers schießen. Damit keine Projektile das Gelände unbeabsichtigt verlassen konnten, befestigten wir den Kugelfangkasten an der rund sechs Meter breiten Stirnwand einer überdachten Terrasse.
Anschließend füllten wir das Magazin aus der 2.000er Schüttflasche mit einem ordentliche Schwung 0,2 g Bio BBs aus der GSG-9-Serie. Dank einer kleinen Klappe an der Oberseite des Magazins geht das Problemlos und man braucht auch keinen Schnelllader dazu. Um die BBs vor die Zubringeröffnung zu bringen, muss man hier allerdings noch ein paar Mal einem Rädchen an der Unterseite des Magazins drehen, bis man einen Widerstand spürt und die BBs oben angekommen sind.

Schließlich schossen wir vom auf einem rund siebeneinhalb Meter entfernt stehenden Tisch liegenden Bulls Bag, sitzend aufgelegt auf eine 10er Diana-Ringscheibe aus dem GSG-Sortiment im Kugelfang. Zu unserer Freude passte die Seiteneinstellung der offenen Visierung bereits auf Anhieb, die ersten Schüsse lagen lediglich etwas tief. Dieses ließ sich aber durch eine Änderung der Hop-Up-einstellung schnell kompensieren, sodass die Treffer im Zentrum der Scheibe lagen. Diese lagen dann stets innerhalb des 25 mm durchmessenden 9er Rings, die meisten davon hätten sogar als 10 gewertet werden können, da sie entweder innerhalb des 12 m großen Rings waren oder diesen zumindest angerissen hatten. Eine Überprüfung der v0-Werte mit einem Garmin Xero- C1Chronograph von 10 schnell nacheinander abgegeben Schüssen ergab Mündungsgeschwindigkeiten, die zwischen 353,0 und 357,9 fps (feets per second) lagen, was in kontinentalen Angeben 107,6 m/s und 109,1 m/s entspricht. Der Durchschnitt aller 10 Messchüsse lag dann bei 108 m/s (354,4 fps), was umgerechnet einer Mündungsenergie von 1,17 Joule entspricht. Das sind Werte mit, denen man sich auf jedem Airsoftfeld sehen lassen dürfte.
Das all4shooters-Testfazit zur GSG-9 Airsoft:
Bei der GSG-9 Airsoft hat der Hersteller nicht nur viel Wert auf die Authentizität, sondern auch auf ein möglichst vorbildgetreues Handling gelegt. Zum Preis von 299,- Euro bekommt der Airsoft-Spieler und -Fan hier eine weitgehend detailgetreue Replika der GSG-9 Rifle. Die bei der Airsoft-Variante verbauten Teile wirken hochwertig verarbeitet und robust. Picatinny-Toprail und M-LOK-Handguard bieten hinreichend Möglichkeiten, die GSG-9 Airsoft nach dem eigenen Gusto mit optionalem Zubehör und weiteren Anbauteilen auszustatten. Ein Hingucker ist der handliche Airsoft-Pistolenkarabiner nach dem Vorbild der GSG-9 Rifle sicher nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch als Teil einer WBK-freien Waffensammlung.
Weitere Infos zur Testwaffe finden Sie auch auf dieser Produktseite zur GSG-9 Airsoft im Online-Shop von German Sport Guns.










