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Laser Rangefinder im Vergleich − Welche Laser-Entfernungsmesser eignen sich für Jäger?

2 Felder, dazwischen ein Feldweg, an dessen oberem Ende die Messtafel
Um durch hinter dem Ziel liegende Objekte bedingte Messfehler auszuschließen, wurden bei den ersten 3 Distanzen die Messtafeln auf 4 m langen Latten auf einer Hügelkuppe positioniert.

Das Gerät mit beiden Händen vors Auge halten, durch das Okular das gewünschte Ziel anvisieren und auf die Messtaste drücken. Schon ist der Laser-Strahl unterwegs und das Gerät errechnet anhand der Zeit, die das vom Zielobjekt reflektierte Laser-Licht zurück ins Messgerät benötigt, die genaue Distanz. 

Aber wie zuverlässig sind die nützlichen Helfer wirklich? Um dies herauszufinden, haben wir einige gängige Laser-Entfernungsmesser auf ihre Genauigkeit und somit ihre Eignung für den jagdlichen und sportlichen Einsatz überprüft. Dazu stellten wir Messziele in 6 Distanzen auf und maßen die Entfernung zu diesen mit einem hochgenauen Tachymeter aus dem Vermessungswesen exakt aus. Nachdem die Referenzdistanzen bekannt waren, traten insgesamt 14 Laser-Entfernungsmesser zum Vergleich an.

Der Testaufbau für unseren Laser-Entfernungsmesser-Vergleich:

SIG Sauer KILO 2000
Im Teilnehmerfeld ist der SIG Kilo 2000 der neueste Range Finder am Markt.

Um die Genauigkeit und vor allem die Wiederholgenauigkeit der Laser Rangefinder zu untersuchen, wurden je nach Reichweite der einzelnen Geräte bis zu 6 unterschiedliche Distanzen gemessen. Für jede Messdistanz und Zielfarbe wurden je Gerät 10 Messungen durchgeführt. Insgesamt ergaben sich somit über 1.000 Messungen. Die jeweils 10 Messungen sollten einerseits einen statistisch verwertbaren Mittelwert bilden, der dann mit der Realdistanz verglichen wird. Andererseits untersuchten wir auch, ob die Geräte innerhalb der Messgruppe bei gleicher Distanz Schwankungen im Messwert aufzeigten.

Alle Hersteller geben für ihre Geräte eine sogenannte Messgenauigkeit oder Messauflösung an. Diese ist jedoch entfernungsabhängig und somit nicht für den gesamten Messbereich konstant. Je nach Hersteller wird eine Messauflösung von +/- 1 m auf Distanzen zwischen 125 bis maximal 600 m und +/- 2 m oder 0,5 % der Distanz für Entfernungen größer 600 m angegeben.

ZEISS Victory 8x26 T* PRF
Der ZEISS Victory 8x26 T* PRF zeigte im Test die beste Bildqualität.

Neben der eigentlichen Zielgröße ist der Erfolg einer Messung auch von der Zielfarbe abhängig. Je dunkler eine Zielfläche, desto mehr Licht des ausgesendeten Lasers wird absorbiert. Bei hellen Zielen wird ein Großteil des auftreffenden Lichtes reflektiert. Die Geräte können nur dann einen Messwert anzeigen, wenn ein Teil des ausgesendeten Lichtes von der Zieloberfläche reflektiert und von dem Laser-Entfernungsmesser wieder empfangen wird. Über die Zeitspanne zwischen Aussenden und erneutem Empfangen wird die Distanz berechnet. Um dies zu überprüfen, wurden für die ersten Messdistanzen jeweils ein weißes und ein schwarzes Ziel von der Größe 50 x 80 cm angemessen. Da ein schwarzes Ziel fast komplett das einfallende Licht absorbiert, rechneten die Tester hier auch damit, entweder Fehlmessungen oder gar keine Messwerte zu erhalten. Aber dazu später mehr...

LEICA CRF 2000-B
Der LEICA CRF 2000-B zeigt Neigungswinkel, Luftdruck und Temperatur an.

Der von den Geräten emittierte Laser-Strahl hat eine gewisse Streuung – auch als Laser-Strahl-Divergenz oder schlicht Divergenz bezeichnet. Diese Streuung wird in Milliradiant, kurz mrad, angegeben. Ein mrad entspricht 10 cm auf 100 m Distanz. Da es sich hier um ein Winkelmaß handelt, ist die Zu- und Abnahme mit der Entfernung proportional. Das LEICA CRF 2000-B hat eine Divergenz von etwa 0,5 x 1,2 mrad. Somit deckt der Laser-Strahl auf 1000 m Entfernung eine Fläche von etwa 50 x 120 cm ab. Je größer die Distanz, desto größer der Laser-Strahlquerschnitt. Mit zunehmendem Querschnitt sinkt die Leistungsdichte des Laser-Strahles pro Flächeneinheit und somit auch seine Rückstrahlleistung. Bei kleinen Zielgrößen stellt dies ein Problem dar. Angenommen, die Zielgröße beträgt 50 x 50 cm, so kann unter günstigsten Bedingungen auf die genannte Distanz von 1.000 m maximal knapp die Hälfte des Laser-Lichtes vom Ziel reflektiert werden. Mehr als die Hälfte geht am Ziel vorbei. Befindet sich nun auf der Achse des Laser-Strahls hinter dem eigentlich zu messenden Ziel eine deutlich größere Fläche, die womöglich bessere Reflektionseigenschaften besitzt, kann es daher zu Fehlmessungen kommen.

v.l. Nikon Monarch 7i VR, Nikon Prostaff 7i, Nikon Prostaff 3i, Nikon Aculon AL11, Nikon Forestry Pro
Für das Weitdistanz-Schießen bis 1.000 m bieten sich das NIKON Monarch 7i (l.) und das Prostaff 7i (2.v.l.) als zuverlässige Geräte an. Die 3 Geräte rechts daneben eignen sich durch ihre Winkelmessfunktionen, jedoch mit lediglich 500 respektive 590 m Messreichweite eher für den jagdlichen Bereich.

Wie erwartet, hatte keines der Testgeräte mit der 1. Messdistanz von 99,4 m ein Problem. Bereits bei der 2. Messdistanz von 211,15 m zeigten aber die ersten Geräte Schwächen. Während das helle Ziel auf diese Entfernung noch von allen Geräten sicher gemessen wurde, lieferten die beiden NIKON-Modelle Aculon AL11 und Prostaff 3i sowie der Walther LRF800 auf der schwarzen Zielfläche bereits keine Messwerte mehr. Besonders eindeutig fielen die Messungen bei "Messpunkt 3" auf 421,85 m aus. Die Geräte von Walther und HAWKE sowie das NIKON Aculon zeigten hier weder bei der hellen noch bei der dunklen Zielfläche einen Messwert an. Mit der dunklen Fläche hatten auf diese Distanz dann insgesamt sogar 10 Geräte Probleme. Hier zeigten nur noch der LEICA CRF 1600-R, NIKON Prostaff 7i, SIG Sauer Kilo 2000 und das ZEISS Victory 8x26 T* PRF Messergebnisse an.

Zur Messung am 4. Messpunkt auf 740,1 m Distanz traten schließlich nur noch 9 der 14 Laser Range Finder im Test an, da diese Distanz bereits außerhalb der maximalen Reichweite der übrigen 5 Modelle lag. 

Walther LRF800
Der Walther LRF800 blieb in puncto Reichweite hinter den Herstellerangaben zurück.

Obwohl der Walther LRF800 laut Hersteller eine maximale Messdistanz von 800 m haben sollte, zeigte das Gerät trotz der mit 120 x 160 cm eigentlich hinreichenden, in einem hellem Grau gehalten Rückstrahlfläche keine Werte an. Die restlichen 8 Modelle erbrachten hier bei jeder Messung einen Wert. Mit diesen 8 Geräten wurden die Messungen dann auf die 5. Distanz von 1.006,2 m weitergeführt. Das Ziel war ein gelbes Schild mit 200 x 150 cm Größe. Hier zeigte keiner der verbliebenen Testkandidaten Schwächen. Der letzte Messpunkt auf 1.211,1 m wurde dann mit den Laser-Strahlen von 4 Geräten beschossen. Auch bei dieser Distanz zeigten alle 4 Geräte jeweils 10 Messwerte an. 

Bei klarer Sicht und hellen Zielen konnten mit dem Leica CRF 2000-B Messungen bis 1.710 m und mit dem SIG Sauer Kilo 2000 sogar Messungen bis 2.570 m durchgeführt werden!

Mess- und Wiederholgenauigkeit der getesteten Laser Rangefinder:

v.l. Leupold RX-1200i DNA, Leupold RX-650, Leupold RX-1200i TBR/W DNA
Die Leupold-Modelle geben die Messdistanz in 0,1-Meter- oder 0,1-Yard-Schritten an. Die RX-1200i-Modelle (rechts und links) besitzen einen integrierten Ballistikrechner zum Ermitteln von Haltepunktkorrekturen für das angemessene Ziel.

Die Messgenauigkeit der meisten Geräte lag innerhalb der vom Hersteller angegeben Toleranzen. In den Fällen, in denen diese Angaben überschritten wurden, lag die gemessene Entfernung, bezogen auf die Realdistanz, maximal im Bereich des doppelten Wertes der Toleranzangabe. 

Die jeweils 10 durchgeführten Messungen sollten, wie erwähnt, Schwankungen innerhalb der (angezeigten) Messwerte eines Gerätes bei identischen Messbedingungen aufzeigen. In diesem Bereich zeigte keines der Geräte bedenkliche Schwächen, unabhängig von Zielfarbe und Zieldistanz. Die Schwankungen innerhalb aller durchgeführten Messreihen betrugen nur maximal 3 Promille der Realdistanz. Somit ist die Genauigkeit aller Geräte in dem Distanzbereich (in dem sie Messwerte liefern können), für das sportliche, jagdliche und selbst für das Long-Range-Schießen hoch genug, um die aufgrund der Messtoleranzen gegebenenfalls erforderlichen Korrekturen am Zielfernrohr mit nur jeweils einem Klick an der Höhenjustierung zu erledigen.

Wo könnten die Laser-Entfernungsmesser verbessert werden?

HAWKE LRF 600
Der HAWKE LRF 600 kann neben der Entfernung auch den Vertikalwinkel zum Zielpunkt messen und damit auch dessen Höhe bestimmen.

Für alle durchgeführten Messungen wurden die Geräte in einer speziellen Aufnahme geklemmt, die ein exaktes Ausrichten aufs Ziel ermöglichte und sich arretieren lies. Beim sportlichen oder jagdlichen Einsatz werden die Messinstrumente jedoch meist nur in der Hand gehalten. Allenfalls steht hier noch ein Sandsack zum Auflegen oder ein Baum zum Anlegen zur Verfügung. Um das Messobjekt mit dem Zielmarker anzuvisieren, muss eine Taste betätigt werden. Dabei wandert auf größeren Distanzen fast immer der Zielmarker aus dem Messbereich. Es empfiehlt sich daher, kleinere Objekte oder auf großen Entfernungen mit dem Scan-Modus zu messen. Dazu muss nur der Messknopf gedrückt bleiben, dann messen die Geräte kontinuierlich die Distanz. Wünschenswert für exaktere punktuelle Messungen, vor allem für das Weitdistanzschießen, wäre eine in das Gerätegehäuse integrierte ¼-Standard-Stativgewindebuchse. Leider bietet keines der 14 Testgeräte bislang diese Option, die bei den – allerdings auch teureren – militärisch genutzten Laser-Entfernungsmessern schon gang und gäbe sind.

Unser Test-Fazit zu den Laser Rangefindern:

Leica CRF 1600-R
Auch der Leica CRF 1600-R misst den für Steilschüsse wichtigen Neigungswinkel.

Dank der rasanten Entwicklung in der Elektronik bieten auch die günstigen Geräte eine nahezu gleichwertige Messgenauigkeiten im Vergleich zu den hochpreisigen Mitbewerbern. Müssen jedoch nicht nur helle und gut reflektierende Ziele angemessen werden, lohnt es sich allemal, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Vor allem die preisgünstigen Geräte haben mit stark lichtabsorbierenden Zielfarben ihre Probleme. 

Für den ambitionierten Long-Range-Schützen bleiben aus dieser Übersicht nur 8 Apparate übrig, die sicher bis 1.000 m und teilweise darüber hinaus messen. Für den Jäger oder Jagdparcours-Schützen mit Entfernungen bis 300 m eignen sich nahezu alle Geräte.


Die Tabellen mit allen technischen Daten und unseren Messergebnissen sowie den kompletten Test finden Sie in VISIER Special 88 − Optronik.

Übrigens gibt es auch Laser-Entfernungsmesser, die mit Zielfernrohren kommunizieren können, wie das SIG Sauer BDX-System.

Einige der Laser Range Finder aus unserem Vergleich, haben wir auch schon im Einzel-/User-Test vorgestellt:

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