Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Wer sich ein neues Jagdgewehr zulegt, der braucht (je nach Kaliberwahl) natürlich auch passende Munition. Niemand will ja direkt beim ersten Schießstandbesuch mit dem Neuzugang in eine noch im Schrank liegende, angebrochene Pappschachtel mit Patronenresten greifen, sondern (ein menschlicher Instinkt) auch die Patronensorte sollte "frisch" sein. Sofern ein Zielfernrohr montiert wurde und der Büchsenmacher dies direkt einschießt, wird er dafür die vom Kunden gewünschte und bevorzugte Laborierung wählen. Das mag praktisch und zeitsparend sein und das Vertrauen in das Können des Büchsenmachers grenzenlos.
Dennoch empfiehlt es sich aber, unbedingt und möglichst rasch eigene Erfahrungen mit der neuen Kombination von Jagdgewehr und Lieblingspatrone auf dem Schießstand zu machen und nicht erst bis zum Jagdeinsatz abzuwarten. Denn eventuell harmoniert dieses Duo doch nicht so perfekt wie erhofft. Was weder an der Waffenqualität noch an der Güte der Munition liegen mag, es klappt halt nicht optimal und vielleicht lässt sich noch eine andere Patronensorte finden, mit der die neue Büchse engere Schussbilder produziert.
Das Team von all4hunters.com bat daher den Büchsenmachermeister Gerd Mürmann, uns vor der Videokamera zu demonstrieren, wie sich aus einer neu erworbenen Büchse einfach, zeitsparend und effektiv bessere Schussbilder herauskitzeln lassen, wenn man einige Regeln beachtet. Los geht's:
Das Einschießen von Waffen: Zwei Ebenen, ein Ergebnis
Das Einschießen einer neuen Büchse erfolgt grundsätzlich in zwei Schritten:
1. Werkseitiges Einschießen durch den Büchsenmacher
Der Händler oder Büchsenmacher gibt, etwa nach der Montage eines Zielfernrohrs, in der Regel nur drei bis fünf Prüfschüsse ab. Damit wird sichergestellt, dass die Waffe das Haus „einschussfähig“ verlässt – mehr aber auch nicht.
2. Das jagdliche, praxisgerechte Einschießen
Erst der Schütze selbst ermittelt die tatsächlich beste Kombination aus:
- seinem individuellem Anschlag
- seiner persönlicher Schießtechnik
- seiner gewählten Munition
- dem Einsatzzweck im Revier
Nur wenn Munition und Waffe wirklich harmonieren, erreicht man höchste Präzision. Dieses Feintuning kann einem niemand abnehmen – und es ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem sicheren Schuss (und zum wachsenden Vertrauen in die Qualität der neuen Ausrüstung, einem nicht zu unterschätzenden Faktor).
Unsere eingangs genannte Annahme, dass viele Jäger ihre Waffe nie wirklich selbst einschießen, stützt sich auf eine kleine Umfrage: Auf die Frage „Haben Sie Ihre Waffe selbst eingeschossen?“ antworteten die meisten recht offen: „Das hat doch der Büchsenmacher gemacht.“

Der Test: 10 Fünfergruppen – und eine Menge Erkenntnisse

Für unseren Test nutzten wir eine Steyr Monobloc „MS Wild“ im Kaliber .30-06 Springfield, die Anfang 2025 präsentierte neue Jagd-Repetierbüchse des österreichischen Unternehmens. Die MS Wild wurde verwendet mit:
- einem Zielfernrohr 2-16x50i von German Precision Optics (GPO)
- einem Garmin v0-Messgerät
- verschiedenen Munitionssorten, sowohl bleihaltig als auch bleifrei
Geschossen wurde auf 100 Meter von stabiler Auflage (Vorderschaft- plus Hinterauflage). Zwischen den Schussgruppen ließn wir die Waffe jedesmal abkühlen und reinigten den Lauf regelmäßig mit einer "Boresnake". Für weitere Infos zur gewählten Testwaffe hier eine Kurzvorstellung der Steyr MS Wild auf der Jagd und Hund 2025.
Die Präzision im Schießtest entwickelt eine Eigendynamik
Wir gaben in aller Ruhe 10 Gruppen à 5 Schuss ab. Sehr schnell zeigte sich:
1. Die Waffe „arbeitet sich ein“

Die ersten Gruppen waren noch unruhig – einzelne Ausreißer, größere Streukreise, fühlbare Varianz in der Anfangsgeschwindigkeit (v0).
2. Mit zunehmender Schusszahl wurde die Gruppe enger
Ab der vierten oder fünften Gruppe stabilisierten sich sowohl:
- die Treffpunktlage
- die Konstanz der Mündungsgeschwindigkeit
- der Streukreis
Teilweise lagen drei Schüsse Loch in Loch.

3. Starke Schwankungen in der Mündungsgeschwindigkeit beeinflussen das Trefferbild deutlich
Insbesondere die zuerst genutzte Munition von Winchester zeigte teils deutliche Abweichungen von über 30 m/s in der Mündungsgeschwindigkeit (v0). Erst die Munition von Brenneke (147 gr) brachte:
- die geringsten Geschwindigkeitsunterschiede
- die engsten Gruppen
- das beste Gesamtbild
→ obwohl sie das leichteste Geschoss im Test trug - Ein Befund, der klar zeigt: Teure Munition ist nicht automatisch präziser. Entscheidend ist, was dein Lauf mag.

Die Zeugenscheibe: Dynamik im Testverlauf sichtbar machen

Ein wertvoller Tipp kam von dem Waffen- und Ballistikexperten Jens Tigges:
Wir nutzten daher eine durchgehend eingesetzte "Zeugenscheibe", also eine weitere Scheibe, die hinter die jeweilige Zielscheibe gesteckt wurde und auf der am Ende alle Treffer aller Gruppen identisch positioniert wurden.
Das Ergebnis:
- ein finaler Streukreis von 6–8 cm
- ein klar erkennbarer Trend: Die Waffe wurde präziser, je öfter wir mit ihr geschossen haben.
- es gab keine wandernde Trefferlage
Diese Methode zeigt eindrucksvoll, wie sich die Präzision über die Zeit entwickelt – und wie zuverlässig moderne Läufe arbeiten.
Die richtigen Schlüsse ziehen nach dem Einschießen von Jagdgewehren: Was tun bei Ausreißern?
Treffer außerhalb der Gruppe können verschiedene Ursachen haben:
- unsaubere Waffenauflage
- Verkantung der Waffe
- lose Montage
- Temperatur des Laufes
- unruhiger Anschlag
- Ausreißer durch Munitionsschwankung
- Ölschuss zu Beginn der Gruppe
Bevor man sich Sorgen macht:
Zuerst eigene Schießfehler ausschließen, dann alle Anbauteile prüfen – und im Zweifelsfall den Händler kontaktieren.

Die Waffe: Steyr MS Wild im Praxistest
Waffenhändler Gert Mürmann zeigt sich überzeugt:
- sehr angenehmes Schussverhalten
- sauberer, trockener Abzug
- ergonomische Schaftbackenverstellung
- vielseitige Picatinny-Schiene
- geringes Gewicht
- zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten (z. B. Zweibein)
Im jagdlichen Alltag sieht er die MS Wild als echten Allrounder.

Fazit: Eine Neuwaffe braucht Zeit – und genügend Munition
Eine Neuwaffe entfaltet ihr volles Potenzial erst, wenn der Schütze:
- verschiedene Munitionssorten testet
- 40 bis 50 Schuss oder mehr durch den Lauf schickt
- sich mit Rückstoß, Abzug und Optik vertraut macht
- sein Setup regelmäßig überprüft
Ein Bierdeckel als Streukreis – das ist durchaus realistisch. Aber das passiert nicht immer mit fünf Schuss. Wer seine Waffe wirklich beherrscht, wird auf der Jagd keine Überraschungen erleben.
Wer ist eigentlich AKAH? Ein Kurzportrait der Albrecht Kind GmbH

AKAH wurde bereits am 24. September 1853 von Albrecht Kind gegründet – damit zählt das Unternehmen zu den ältesten Großhändlern im Bereich Jagd, Schieß- und Waffenzubehör in Europa. Der Firmenname ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben von "Albrecht Kind Aus Hunstig", so heißt der kleine Vorort von Gummersbach, 50 km entfernt von Köln. AKAH ist bis heute im Besitz der Familie Kind, auch das ist ein Beleg für die Beständigkeit. Das Sortiment umfasst etwa 10.000 Artikel, davon etwa 1.000 aus eigener Herstellung, etwa der Lederartikelfertigung, die bereits 1865 aufgenommen wurde. Neben Lang- und Kurzwaffen (über Steyr Arms und weitere Hersteller), Optik (GPO), Munition und Jagdausrüstung bietet AKAH Bekleidung, Ausrüstung für Hundehaltung und Wildhege, sowie Zubehör für Outdoor und Outdoor-Freunde. Über die AKAH-Website können Sie online Waren bestellen, die dann wahlweise über Ihren Waffenfachhändler vor Ort ausgeliefert werden oder bequem nach Hause geschickt werden.









