Haenel Jaeger EVO: Jagdliche Repetierbüchse im Kaliber .308 Winchester – Praxistest im Revier und auf dem Schießstand

Mit der Jaeger EVO hatte ich schon lange für einen Test geliebäugelt, leider klappte es immer wieder nicht – bis jetzt. In diesem Jahr erstmalig in Bayern startete die Saison auf männliches Rehwild sowie Schmalrehe schon am 16. April und einen Tag zuvor, am 15.4., trudelte die Haenel ein. Wir hatten Glück und konnten am späten Nachmittag gleich den Schießstand unseres Vertrauens besuchen. Den Aufgang der Saison 2026 starte ich also mit der Jaeger EVO.

Mit der Jaeger EVO von Haenel auf dem Ansitz

Haenel Jaeger EVO: Jagdliche Repetierbüchse im Kaliber .308 Winchester – Praxistest im Revier und auf dem Schießstand
Modern, solide und qualitativ hochwertig, so präsentiert sich die Haenel Jaeger EVO. Auf dem Foto farblich eher grünlich schimmernd, ist der Composite-Schaft jedoch in „real life“ schwarz.

Ich versuche sogar, das Atmen einzustellen, damit der Bock, der direkt neben meinem Sitz steht, auch wirklich keine Bewegung wahrnimmt. Es gelingt mir nicht. Wir blicken uns in die Augen und mit zwei Sätzen verschwindet er im dichten Buchenlaub. 1:0 für ihn. An den nächsten Tagen passt der Wind nicht für diesen Platz, aber dann starte ich einen neuen Versuch. So fand ich mich also erneut auf dem Sitz und hoffte darauf, dass sich der Bock vielleicht nochmals zeigen würde und ich diesmal im Vorteil wäre. Bis auf einen Radfahrer, der plötzlich auftauchte und mitten durch den Bestand wieder verschwand, tat sich lange nichts. Meine Geduld war schon wieder aufgebraucht. Ein letztes Mal wollte ich noch die Umgebung abglasen und dann zusammenpacken. Ein Stück Rehwild machte sich doch noch auf den Weg zur Kirrung. Jetzt hieß es Daumen drücken, dass es auch dort ankam, bevor das Licht ein Ansprechen nicht mehr zuließ. Der Bock tat mir den Gefallen und zog ohne Umwege direkt an die Kirrung. Das Bild im Zielfernrohr verriet, dass es sich um das Stück von vor ein paar Tagen handelte. Irgendwas ließ ihn immer wieder nervös aufwerfen. Im letzten Büchsenlicht konnte ich ihm doch noch eine Kugel antragen. Waidmannsheil und Waidmannsdank.

C.G. Haenel Jaeger EVO:

Der königlich-preußische Gewehrfabrik-Kommissar Carl Gottlieb Haenel startet 1840 mit seiner Idee der industriellen Waffenfertigung in Suhl durch. Haenel hat den Anspruch, dass das Jagdgewehr unter allen Bedingungen funktionieren und dabei der jagdlichen Situation gerecht werden muss. Tradition und Innovation schließen sich dabei nicht aus und so werden Trends wie Schalldämpfer, variable Visierungen oder eigens an Frauen angepasste Schäfte selbstverständlich ins Portfolio integriert. Auf der IWA 2026 vorgestellt und bereits erhältlich ist der neue Repetierer nun auch in der fünften Kaliberoption: .223 Remington. Die üblichen anderen vier Verdächtigen sind ebenfalls Klassiker: .30-06 Springfield, .308 Winchester, 8x57 IS sowie .300 Winchester Magnum.

Haenel Jaeger EVO: Jagdliche Repetierbüchse im Kaliber .308 Winchester – Praxistest im Revier und auf dem Schießstand
Der Drei-Warzen-Verschluss der Haenel Jaeger EVO läuft angenehm samtweich. In das Polymer-Magazin können im Zick-Zack fünf Patronen geladen werden.

Haenel Jaeger EVO – Verschluss und Lauf

Die Systemhülse ist plasma-nitrocarburiert. Gleich mit ausgefräst wurden die Picatinny-Basen auf der Oberseite. Der Verschluss mit drei Verriegelungswarzen hat einen 60-Grad Öffnungswinkel. Rechts neben der Hülsenbrücke findet sich eine Wippe für die Entnahme des Verschlusses. Obacht: Ist die Wangenauflage nicht ganz heruntergestellt, bekommt man ihn nicht heraus. Besonders auffällig ist der ultrageschmeidige Repetiervorgang des Verschlusses. Der Kammerstengel lässt sich sehr gut greifen und bedienen. Der Öffnungswinkel und die geschwungene Form des Kammerstengels sorgen dafür, dass man sich beim Repetieren nicht die Finger am Zielfernrohr stößt. Bei den Läufen setzt die Herstellerfirma Haenel auf kaltgehämmerte Suhler Präzisionsläufe. Vorn misst der Lauf der Jaeger EVO 18 Millimeter, die Mündung schließt ein M15x1-Gewinde ab. Die Lauflänge beträgt bei den Standardkalibern 52 cm, für Magnums werden 61 cm veranschlagt. Wer Kimme und Korn nachrüsten möchte: Der Lauf hat bereits eine entsprechende Vorbereitung für die Befestigung eines „iSight“-Systems.

Haenel Jaeger EVO: Sicherung und Abzug

Haenel Jaeger EVO: Jagdliche Repetierbüchse im Kaliber .308 Winchester – Praxistest im Revier und auf dem Schießstand
Sehr markant ist das breite Schlösschen der Haenel Jaeger EVO mit der seitlichen Drei-Stellungs-Sicherung. Abgeschlagen zieht sich die Spannanzeige zurück.

Ein sehr markantes Detail ist die seitlich angebrachte Drei-Stellungs-Flügelsicherung seitlich am Schlösschen. In der Mittelstellung ist der Schlagbolzen gesichert, die Waffe kann jedoch zum Laden oder Entladen geöffnet werden. Steht die Sicherung hinten, so ist der Schlagbolzen gesichert und zusätzlich der Verschluss blockiert. Dass die Waffe gespannt ist, sieht und fühlt man, denn die Schlagbolzenmutter schließt bündig mit dem Schlösschen ab. Hat man geschossen, zieht sich die Schlagbolzenmutter ins Schlösschen zurück. Die Sicherung lässt sich vollkommen lautlos bedienen. Bei der Testwaffe war der Übergang zwischen „Entsichert“ und der Mittelstellung etwas schwergängig. Laut Hersteller beträgt das Abzugsgewicht zirka 1.100 Gramm. An der heimischen Abzugswaage lagen zirka 900 Gramm am trocken auslösenden (und nicht verstellbaren) Direktabzug an. Das zweireihige Kunststoffmagazin nimmt fünf Patronen auf. Ein größeres Magazin für zehn Patronen ist als Zubehör zu haben. Während des Tests auf dem Schießstand und auch später im jagdlichen Einsatz fiel positiv auf, dass sich das Magazin besonders komfortabel und leicht laden ließ. Dennoch hatte man zu keiner Zeit den Eindruck, als säßen die Patronen vielleicht nicht fest genug. Ein praktisches Detail ist der Verriegelungsknopf für das Magazin: Schiebt man den Druckknopf nach rechts, kann das Magazin nicht mehr aus dem Schacht entnommen werden.

Haenel Jaeger EVO: Jagdliche Repetierbüchse im Kaliber .308 Winchester – Praxistest im Revier und auf dem Schießstand
Die Wangenauflage der Haenel Jaeger EVO lässt sich per Knopfdruck um bis zu 30  mm erhöhen. Die Länge des Hinterschaftes kann mit drei Verlängerungen ebenfalls angepasst werden. Diese müssen jedoch als Zubehör gekauft werden. 

Der Haenel Jaeger EVO Schaft

Der schwarze Composite-Schaft der Waffe schließt hinten mit einer 20 Millimeter starken Gummischaftkappe ab. Falls der Abzugsabstand nicht passen sollte: Der Hersteller offeriert als Zubehör weitere Schaftkappenstärken in lang (30 mm), mittel (25 mm) sowie kurz (18 mm). Der Wechsel der Schaftkappen geht einfach von der Hand: An den gerippten Stellen beidseitig zusammendrücken und nach oben schieben, schon hat man eine Kappe in der Hand und kann die neue verwenden. Per Knopfdruck erhöht sich die verstellbare Wangenauflage um maximal drei Zentimeter. Der Kolbenhals ist klassisch schlank gehalten. Der Pistolengriff steht steil und wurde anstatt einer Fischhaut mit Soft Touch-Einlagen versehen. Diese sorgen für ein gutes und sicheres Griffgefühl. Weitere Soft Touch-Einlagen finden sich auch am Vorderschaft. In der oberen Hälfte des Vorderschaftes ist eine breite Rille, in der prima die Fingerspitzen Platz finden.

Unser Set-up für den Jaeger EVO-Test

Passend zur EVO gab es auch noch einen Schalldämpfer von Haenel, den JGR. Hergestellt wird dieser in Zusammenarbeit mit der Firma Bruegger & Thomet (B&T) aus der Schweiz. Im Referenzkaliber .308 Winchester soll nach Angabe des Herstellers der Mündungsknall um mindestens 30 Dezibel reduziert werden. Aus Sicherheitsgründen kann man den Dämpfer nicht zerlegen. Die Waffe wird nach vorn um 147 mm verlängert, die Gesamtlänge des Suppressors beträgt 200 Millimeter. Der JGR wiegt zirka 430 Gramm, der Durchmesser beträgt 49,5 mm. 

Haenel Jaeger EVO: Jagdliche Repetierbüchse im Kaliber .308 Winchester – Praxistest im Revier und auf dem Schießstand
Der Schalldämpfer JGR wurde von Haenel in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Hersteller B & T hergestellt. Der Lauf hat ein M15x1-Mündungsgewinde. 

Die Ranger-Zielfernrohre gibt es mittlerweile seit 2015. Hier fiel die Wahl auf ein Ranger 8 (2-16x50i) mit achtfachem Zoom. Das Steiner-Zielfernrohr wiegt 692 Gramm, bei einer Länge von 345 mm. Das Faserpunkt-Absehen 4-AI liegt in der zweiten Bildebene. Die Klickverstellung beträgt 1 Zentimeter auf 100 m Entfernung. Der linke Stellturm ist doppelt belegt (Parallaxe und Beleuchtung), der rechte und der obere Turm regulieren die Absehenverstellung in Höhe und Seite. Es gibt insgesamt elf Beleuchtungsstufen (sechs für die Nacht, fünf für den Tag). Das Glas hat eine Abschaltautomatik, die nach sechs Stunden einsetzt. Für den Test wurde das Ranger 8 mittels einer Dentler-Montage befestigt. Das Zielfernrohr macht sich gut auf der Haenel Jaeger EVO. Das 50er Glas liefert auch noch in der Dämmerung eine ordentliche Leistung ab. Wer es noch besser haben möchte, der muss einfach noch mehr Geld ausgeben – aber irgendwas ist ja immer. Ebenfalls zum Set der erprobten Büchse gehörte der (sehr gut verarbeitete) Gewehrriemen der Firma Sauenhammer. Als bequem beim Tragen erwies sich der breite obere Teil des Riemens. In die Aussparung fädelt man mit der Hand ein und bekommt so mehr Druck und besseren Halt im Anschlag. Inklusive Schalldämpfer wächst die Gesamtlänge der Waffe auf 1.190 mm. Mit allem Drum und Dran schleppt man 4,67 Kilogramm in den Wald auf den Sitz. „Ohne alles“ wiegt die Jaeger EVO dabei lediglich 3,1 Kilogramm.

Das Handling und die Schussleistung der Haenel Jaeger EVO

Mit dem Set bestehend aus Haenel Jaeger EVO, JGR-Schalldämpfer, dem Steiner-Zielfernrohr 2 -16x50 der Ranger 8-Modellreihe und dem Gewehrriemen von Sauenhammer ging es wie üblich auf den 100-Meter-Schießstand. Sowohl der Lauf als auch der Schalldämpfer wurden zwischen den einzelnen Schussserien immer wieder bestmöglich heruntergekühlt. Platz 1 im Präzisionstest belegt die RWS-Patronensorte Evo Green Short Rifle mit 11 Millimetern. Funktionsstörungen? Nichts dergleichen, die Patronenzuführung und der Hülsenauswurf funktionierten tadellos. 

Haenel Jaeger EVO: Jagdliche Repetierbüchse im Kaliber .308 Winchester – Praxistest im Revier und auf dem Schießstand
Das Jaeger EVO-Magazin kann noch zusätzlich gegen Herausfallen gesichert werden. Dafür muss der Magazinsicherungsdrücker einfach nach rechts geschoben werden.

Unter dem Strich hat sich für mich das Warten auf die Jaeger EVO auf jeden Fall gelohnt. Obwohl sie doch inklusive allem Zubehör recht lang und schwer war, lag mir die Haenel. Schon auf dem Schießstand bereiteten die Ergebnisse hohes Maß an Zufriedenheit. Für mich war die Länge des Hinterschaftes subjektiv perfekt. Ein Extra, das ich sehr gern verwendet habe, war die Verstellung der Wangenauflage. Per Knopfdruck einfach anpassen und loslegen. Sowohl mit als auch ohne Handschuhe boten die Softtouch-Einlagen zuverlässigen Halt. Haptisch erscheinen sie zugleich weich, aber nicht wabbelig und zudem angenehm rutschfest. Die Länge und Form des Vorderschaftes spielten mir ebenfalls sehr in die Karten. Neben dem insgesamt sehr guten Gesamteindruck, sind zwei Details besonders positiv in Erinnerung geblieben. Das erste ist das Magazin. Ganz oft muss man sich ein bisschen quälen, um die Patronen zu laden, manchmal sind die Dinger laut und klapprig, dann wieder wackelig und schlecht verarbeitet. Dieses hier bereitet einfach Freude. Alles flutscht, alles klappt, egal ob so ins Magazin oder von oben durch die Waffe, alles funktionierte blendend. Durchdacht auch die Lösung mit der Magazinsperre. Mit einem Klick ist alles fest. Das zweite Detail ist der seidig weiche Schlossgang. Der Verschluss der EVO stammt von der Präzisionsbüchse Haenel LR/ONE, so macht Repetieren einfach Spaß. Optisch sehr auffällig ist das massive Schlösschen mit Sicherungsflügel. An der ansonsten eher klassisch schlanken und stilvollen Büchse wirkt diese Lösung eher klobig und extrem. Nachdem Haenel die Jaeger EVO selbst eher als nüchtern und funktionell beschreibt, ergeben diese Bausteine jedoch wieder ein stimmiges Gesamtbild. Ich habe die Sicherung immer mit Daumen und Zeigefinger bedient. Wie bereits beschrieben, war die Benutzung teils etwas schwerer, jedoch zu keiner Zeit störend.

Repetierbüchse Haenel Jaeger EVO: Technische Daten und Preis

Modell:

Haenel Jaeger EVO

Kaliber:

.308 Winchester

Kapazität:

5 + 1 Patronen

Länge

1.040 mm

Lauflänge:

520 mm

Drall:

1-12 mm

Abzugsgewicht:

ca 1.100 g

Gewicht:

3.100 g

Links-/Rechts-Ausführung:

Rechtsausführung

Preis: 1499,- Euro

Ausstattung:

M15x1 Gewinde, Kunststoffmagazin mit zusätzlicher Magazinsperre, Schaft mit Softtouch Inlays, Drei-Stellungs-Sicherung, zweireihiges Kunststoffmagazin.

Fazit: Das kann der jagdliche Repetierer Jaeger EVO von Haenel

Die Haenel Jaeger EVO ist modern, aber nicht modisch. Sie kommt ohne Schnörkel und Chichi aus. Ein Gewehr, das alles hat, was es braucht – „Nüchtern, aber nicht seelenlos“. Die EVO zu testen war nach langer Durststrecke endlich mal wieder von vorne bis hinten ein sauberer Durchmarsch. Ein solides Gewehr, das funktioniert, Spaß macht, von guter Qualität ist und mit der passenden Munition sehr gute Ergebnisse liefert.


Text: Carola Rathjens
Redaktion: Hamza Malalla

Dieser Test erschien auch in der VISIER Ausgabe 07/2026. Darin ist auch die ausführliche Schießtabelle mit allen Ergebnissen der sechs Testlaborierungen enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Haenel Jaeger EVO und dem Haenel JGR bekommen Sie auf der Webseite des Herstellers. Das gleiche gilt für mehr Informationen zum Test-Zielfernrohr, dem Steiner Ranger 8 2-16x50i.