Erst 2012 gegründet, gehört Fierce Firearms wahrlich zu den Newcomern in der Waffenwelt, kann aber dennoch mit einem breiten Produktportfolio aufwarten, bestehend aus Repetierern, Selbstladern, Flinten und sogar Vorderladern. Doch das Hauptstandbein sind sicherlich die Zylinderverschlussbüchsen aus eigener Fertigung. Hier bietet man die vier Baureihen „Rogue“ (5 Modelle), „Rival“ (6 Modelle), „Rage“ (7 Modelle) und „Reaper“ (2 Modelle) an. Gemeinsamer Nenner all dieser Mehrlader-Repetierbüchsen in einer üppigen Kaliberpalette sind die Leichtbauweise und Komponenten aus modernen Werkstoffen wie Systeme aus Titanlegierung, Karbonschäfte oder Karbonmantelläufe. Die Fierce Firearms Reaper H-Tac und Mountain (MTN) Reaper bauen auf einem Leichtmetall- beziehungsweise Magnesiumchassis auf. Unsere Testwaffe in Gestalt des Modells Mountain Reaper wird in folgenden Kalibern/Lauflängen offeriert: .22 Creedmoor (20“/22“), 6 mm Creedmoor, 6,5 Creedmoor und 6,5 PRC (alle drei Kaliber in 18“/20“/22“), 7 mm PRC (20“/22“), 7 mm Backcountry (18“/20“/22“), 7 mm Remington Magnum (20“/22“), .308 Winchester (18“/20“), .300 Winchester Magnum und .300 PRC (beide in 20“/22“). Für diesen Praxistest wurde uns dankenswerterweise von Lippejagd Brinkmann GmbH eine MTN Reaper im Kaliber 6,5 Creedmoor mit einem 18“/457 mm langen Lauf zur Verfügung gestellt.
Mit Montage und Optik unter 4 kg: Die Fierce Firearms MTN Reaper


Beim Auspacken des Gewehrs aufgrund des spürbaren Federgewichts gleich neugierig geworden, legten wir die MTN Reaper erst einmal auf die Waage. Mit soliden Montageringen und einem Leica Fortis 1,8-12x42i-Zielfernrohr brachte der Repetierer gerade mal 3.722 Gramm auf die Waage! Dass eine Büchse samt Optik unter vier Kilogramm wiegt, ist uns auch noch nicht so häufig untergekommen, was die MTN Reaper ihrer Modellbezeichnung entsprechend beispielsweise als Gebirgswaffe prädestiniert. In dieser Gewichtsklasse trifft man meistens auf Jagdbüchsen mit sehr einfachen Kunststoffschäften und extrem dünnen Läufen. Doch die Reaper, was frei übersetzt so viel wie „Sensenmann“ bedeutet, besitzt eine vielseitig verstellbare und darüber hinaus klappbare Schulterstütze. Zudem garantiert der Hersteller eine Schussleistung von 0,5 MOA. Das extrem niedrige Gewicht wird durch modernste, aufwendig zu fertigende Baukomponenten in Gestalt eines Magnesiumchassis, eines Systems aus Titanlegierung, eines Karbonmantellaufes und Anbauteilen (Schulterstütze, Handschutz) aus Kohlenstofffasern erreicht. Zudem entdeckt man bei der Komplettdemontage der Zylinderverschlussbüchse, dass es kaum ein Bauteil an der Waffe gibt, bei dem nicht durch Fräsoperationen das Gewicht auf ein Minimum reduziert wurde.
Fierce Firearms MTN Reaper: Ein Oldie lässt grüßen


Die Systemhülse samt innewohnender Verschlusskammer mit zwei Verriegelungswarzen und 70°-Öffnungswinkel ist eine Reminiszenz an das klassische Remington 700-System, das nun schon seit mehr als sechs Dekaden auf dem Markt ist. An der Systemhülsenunterseite befindet sich ein feiner, justierbarer Direktabzug des österreichischen Premiumherstellers „Bix’n Andy“. Bei sehr sauberer Charakteristik war er werksseitig auf 1.400 Gramm Abzugsgewicht eingestellt. Kombiniert wird die Abzugseinheit mit einer konventionellen Zwei-Positionen-Schiebesicherung am „Kolbenhals“ oberhalb des freistehenden, vertikalen Ergo-Grip-Pistolengriffs mit integraler Daumenauflage, die sich gut erreichen sowie sicher und leise bedienen lässt. Auf der Oberseite der Systemhülse sitzt eine aufgeschraubte MIL-STD-1913-Optikmontageschiene ohne Vorneigung, was Sinn macht, denn mit der kurzen Lauflänge ist diese MTN Reaper in dieser Konfiguration nicht für den Long-Range-Einsatz gedacht.
Das Design des Repetierers MTN Reaper

Ein weiteres, smartes Konstruktionsdetail: Der Karbonhandschutz mit M-LOK-Schnittstellen ist nicht konzentrisch zur Laufseelenachse gelagert, sondern wurde tiefer gelegt, um die montierte Optik möglichst nahe der Laufseele positionieren zu können. Ebenso praxisnah ist die verlängerte Handschutzoberseite mit Picatinny-Profil, denn so kann man ein Zweibein bei weit vorne befindlichem Auflagepunkt montieren, wobei das Gewehr im Zweibein „hängt“. Daraus resultiert ein stabiler Anschlag, auch wenn man weit hinaus schießen möchte. Für eine wiederholgenaue Kopfposition und einem hohen Komfort im Anschlag sorgt die höhenverstellbare Wangenauflage. Hier gibt es aber keine großen Sterngriffschrauben oder Stellräder für die Schnellverstellung, denn die gewählte Schaftbackenposition wird mit vier Schrauben gesichert. Dies ist zwar aufwendiger in der Einstellung, spart aber Gewicht, was das Primärziel bei der Entwicklung dieses Gewehrs darstellte. Sicherlich variieren Jäger aber nicht so häufig ihre Schaftbackenposition wie Sportschützen, sodass man diese Art der Justiermechanik wohl verschmerzen kann. Die Betätigung eines Druckknopfes in der Mitte des Gelenks reicht aus, um die Karbonschulterstütze komplett zur Seite einklappen zu können. Ein durchaus begrüßenswertes Feature, denn so wird das Transportmaß der MTN Reaper im Revier auch mit montiertem Schalldämpfer deutlich reduziert.
Mit der MTN Reaper in 6,5 Creedmoor auf dem Schießstand

Üblicherweise geben Jagdgewehrhersteller eine Präzisionsgarantie von einem 1 MOA (29,1 mm auf 100 Meter) an. Fierce Firearms ist von seinen Waffen aber so überzeugt, dass man hier gleich mit einer 0,5 MOA (etwa 15 mm auf 100 Meter)-Schussleistungsgarantie bei drei Schuss auf 100 Yards protzt. Bei Verwendung von sieben 6,5 Creedmoor-Fabrikmunitionssorten mit Geschossgewichten von 95 bis 147 Grains gelang es uns sitzend aufgelegt unter Verwendung einer Benchrest-Auflage, mit zwei Patronen unterhalb dieser Garantie zu bleiben, wobei man bedenken muss, dass wir mit dem Leica Fortis mit vergleichsweise kleiner Vergrößerung von 12-fach arbeiteten und zudem fünf anstatt drei Schuss auf 100 Meter schossen. Mit der Lapua 123 Grains Scenar – ja, eine Match- keine Jagdpatrone – realisierten wir einen 13 mm und mit der Hornady 95 Grains V-Max-Jagdmunition einen 14 mm messenden Streukreis. Alle weiteren Resultate können der übersichtlichen Tabelle in der caliber 11-12/2025 (Bezug siehe unten) entnommen werden.
In der Schießpraxis gefielen uns die kleinen aber entscheidenden Details wie der sehr kultvierte Abzug von Bix’n Andy oder der ergonomisch gelungene Ergo-Grips-Pistolengriff mit seiner Daumenauflage, der ein entspanntes Anliegen der Schusshand an der Waffe ermöglicht. Der werksseitig montierte Kompensator trug zum sanften Schussverhalten des leichten Gewehrs bei, wird in der Praxis aber wohl eher einem Schalldämpfer weichen.
Technische Daten und Preis: Die Repetierbüche Fierce Firearms MTN Reaper
| Modell: | Fierce Firearms MTN Reaper |
| System: | Zylinderverschluss mit zwei Verriegelungswarzen, die in der Systemhülse verriegeln, Öffnungswinkel 70° |
| Kaliber: |
6,5 Creedmoor
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| Lauf: | 18“/457 mm langer Karbonmantellauf mit 1-8“-Drall und 5/8“x24 UNEF-Mündungsgewinde |
| Schaft: | Magnesium-Chassis mit klappbarer Karbon-Schulterstütze mit höhenjustierbarer Wangenauflage, freistehender Ergo-Grips-Vertikalpistolengriff, Karbon-Handschutz mit M-LOK-Schnittstellen |
| Magazin: | Kastenmagazin aus Stahlblech mit einer Kapazität für 5 Patronen |
| Abzug: | justierbarer Bix’n-Andy-Direktabzug, gemessenes Abzugsgewicht 1.400 Gramm |
| Sicherung: | Zwei-Positionen-Sicherung oberhalb des Pistolengriffs, wirkt auf Abzug |
| Länge: | 74 cm bis 102 cm (bei ein- und ausgeklappter Schulterstütze) |
| Gewicht: | 2,9 kg (Leergewicht) |
| Preis: | 4.546,- Euro |
Fazit: Das kann die von Lippejagd Brinkmann nach Deutschland importierte MTN Reaper von Fierce Firearms
Die MTN Reaper von Fierce Firearms repräsentiert eine Waffe für den modernen Jäger, der jenseits einer traditionellen Jagdbüchse mit Holzschaft ein Gewehr führen möchte, das in das Jahr 2025 gehört und nicht aus dem 19. Jahrhundert stammt. Hinsichtlich der Kaliber und Lauflängen gibt es das Ultraleichtgewicht aus Utah in vielen Konfigurationen, was einerseits Auswirkungen auf das Gesamtgewicht der einsatzbereiten Waffe und andererseits auf die Leistungsfähigkeit im Revier hat. Wer also einen leichten und kompakten Begleiter für die Jagd sucht, der hat mit der MTN Reaper, die für rund 4.550,- Euro den Besitzer wechselt, sicherlich die richtige Wahl getroffen.
Text: Stefan Perey und Michael Fischer
Dieser Artikel erschien auch in der caliber, Ausgabe 11-12/2025. Dort sind auch die detaillierten Schießergebnisse von 7 Laborierungen in der übersichtlichen Tabelle enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.









