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Know-how: Wirkprinzipien von Schalldämpfern bei Waffen

Von links nach rechts: Schrägflächenblende, trichterförmiges Distanzstück dazu, K-Blende, Turbinenblende, Sternblenden (Alu, Stahl, ausgeklinkt, mit angearbeitetem Distanzstück) – ein Teilausschnitt auf die von Brügger & Thomet (B&T) um das Jahr 2000 verwendeten Blenden gibt eine Idee, wie vielfältig die verwendete Blendengeometrie ist.

15.04.2015 -

Ein Schalldämpfer alleine kann grundsätzlich nur den Mündungsknall dämpfen. Der akustische Effekt  der „Druckwelle“ wird reduziert, indem die Differenz zwischen dem Gasdruck der dem Geschoss folgenden Treibgase vor dem Eintritt in die Umgebung reduziert wird.

Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten und wir erklären Ihnen im Detail, wie ein Schalldämpfer bei einer Waffe funktioniert.

Das Team von all4shooters.com / Andreas Burth, Dr. Christian Neitzel

Wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob Sie den Unterschied zwischen dem Mündungsknall und dem Geschossknall kennen, klicken Sie bitte auf den Link, der bei den beiden Begriffen hinterlegt ist. Hier finden Sie die wichtigsten Details dazu.

Zur Reduzierung der Lärmentwicklung bei einem Schuss gibt es technisch folgende Möglichkeiten:

1. Die Entspannung des Gasdrucks in einem „Zwischenspeicher“
2. Die rasche Abkühlung  der Gastemperatur
3. Die Verwirbelung des Gasstroms und Drosselung der Gasstromgeschwindigkeit

Steigen wir in die Details zu jeder der drei Möglichkeiten ein:        

Unten: die Grundform eines Schalldämpfers ist ein geschlossenes Gehäuse, das einen Expansionsraum für die Gase bildet. Der nächste logische Schritt ist der Einsatz von Blenden im Inneren. Das können simple Planscheiben (Unterlegscheiben) sein. Um bessere Effekte zu erzielen, muss der Konstrukteur jedoch der Eigenschaft Rechnung tragen, dass Gase fließen. Der obere Dämpfer im Bild besitzt bereits eine etwas aufwändigere Blendenstruktur und nutzt kleine „Tauchrohre“.
Unten: die Grundform eines Schalldämpfers ist ein geschlossenes Gehäuse, das einen Expansionsraum für die Gase bildet. Der nächste logische Schritt ist der Einsatz von Blenden im Inneren. Das können simple Planscheiben (Unterlegscheiben) sein. Um bessere Effekte zu erzielen, muss der Konstrukteur jedoch der Eigenschaft Rechnung tragen, dass Gase fließen. Der obere Dämpfer im Bild besitzt bereits eine etwas aufwändigere Blendenstruktur und nutzt kleine „Tauchrohre“.

1. Die Entspannung des Gasdrucks durch mehr Raum:
Es klingt fast zu pragmatisch einfach, aber Expansionsraum als Zwischenspeicher für die Gase ist die simpelste Methode, um die Spitze des Gasdrucks bei einem Schuss zu senken. Eine erste, teilweise Entspannung findet noch in einem von der Umgebung abgekapselten Raum statt. Aus Filmen und Erzählungen bekannt ist eine einfache PET-Flasche auf der Waffenmündung. Bereits diese primitive Lösung alleine stellt schon einen recht effektiven „Schalldämpfer“ dar und sorgt für einen deutlich reduzierten Spitzenschalldruckpegel. 

Nach dem Entfernen des Dämpfergehäuses wurde zur Illustration die Metallgewebepackung aufgeschnitten und zurück über den angebohrten Lauf geschoben. Die Gase strömen beim Schuss durch das dicht gewickelte Drahtgewebe - dabei kühlen sie ab und entspannen. Das mindert den Knall.
Nach dem Entfernen des Dämpfergehäuses wurde zur Illustration die Metallgewebepackung aufgeschnitten und zurück über den angebohrten Lauf geschoben. Die Gase strömen beim Schuss durch das dicht gewickelte Drahtgewebe - dabei kühlen sie ab und entspannen. Das mindert den Knall.

2. Abkühlung der Gastemperatur:
Das Kühlen der Gase entzieht ihnen Energie und sorgt so ebenfalls für eine Reduzierung des Drucks. Das Innere des Schalldämpfers dient dabei als Wärmetauscher. Erreicht wird dies beispielsweise durch große Oberflächen (sehr gut eignet sich auch Metallgewebe und Metallwolle) oder ganz einfach durch Flüssigkeiten, die durch die heißen Gase verdampft oder zerstäubt werden können.

Von links nach rechts: Schrägflächenblende, trichterförmiges Distanzstück dazu, K-Blende, Turbinenblende, Sternblenden (Alu, Stahl, ausgeklinkt, mit angearbeitetem Distanzstück) – ein Teilausschnitt auf die von Brügger & Thomet (B&T) um das Jahr 2000 verwendeten Blenden gibt eine Idee, wie vielfältig die verwendete Blendengeometrie ist.
Von links nach rechts: Schrägflächenblende, trichterförmiges Distanzstück dazu, K-Blende, Turbinenblende, Sternblenden (Alu, Stahl, ausgeklinkt, mit angearbeitetem Distanzstück) – ein Teilausschnitt auf die von Brügger & Thomet (B&T) um das Jahr 2000 verwendeten Blenden gibt eine Idee, wie vielfältig die verwendete Blendengeometrie ist.

3. Verwirbelung des Gasstroms und Drosselung der Gasstromgeschwindigkeit:
Gase fließen. Die Blenden im Inneren eines Schalldämpfers dienen nicht einfach der Trennung der Expansionsräume eines Schalldämpfers, sondern sollen den Gasstrom „aufbrechen“, „umleiten“ und mit ihm „arbeiten“. Ziel ist es dabei, Geschwindigkeit und Strömungsrichtung abzusenken bzw. umzulenken. Die Vielfalt der Blendengeometrie kennt kaum Grenzen. Von der einfachen planen „Unterlegscheibe“ bis zum aufwendig gefrästen Monolithen reicht das Spektrum. 

Zusätzlich gibt es zudem die theoretische Möglichkeit zur Frequenzmodulation des Schussknalls:
Nicht jeder Schuss klingt gleich. Bei der Nutzung eines Schalldämpfers ist das „Hörerlebnis“ noch weit differenzierter. So klingen manche Modelle dumpfer und damit auch deutlich leiser als andere, obwohl der Spitzenschalldruckpegel eine vergleichbare Lärmbelastung anzeigt. Das liegt daran, dass Menschen niederfrequente Geräusche in der Regel angenehmer und daher auch subjektiv als „leiser“ empfinden als hochfrequente. Dieser Effekt tritt üblicherweise bei recht großvolumigen Schalldämpfern auf.


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