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Kleinkalibrige Gewehre von Mauser

Mauser kleinkalibrige Gewehre

Aus der Not heraus entwickelte die Firma Mauser eine Palette neuer Kleinkaliber-Gewehre für Freizeit und Wettkampf.

Nur ein bestimmtes Modell baute sie nie.

Michael Hammer / Fotos: Michael Schippers
Der Erste Weltkrieg mit seinem enormen Bedarf an Waffen brachte die Herstellung ziviler Jagd- und Sportwaffen ab etwa 1916 zum Erliegen. Große Waffenfabriken wie Mauser in Oberndorf  versuchten durch die Vergrößerung der Belegschaft, den unersättlichen Hunger des Militärs nach Handfeuerwaffen zu stillen. Der Bau von Jagdbüchsen wurde bis auf wenige Ausnahmen eingestellt. 
Dann die Wende: Das Kriegsende traf die Mauser-Fabrik wirtschaftlich mit ungeahnter Härte. Nahezu über Nacht stoppte die Rüstungsproduktion. Ein Großteil der 1918 in die militärische Fertigung eingebundenen Belegschaft von rund 4700 Arbeitern wurde entlassen, der Betrieb der Waffenfabrik im Schwarzwald wurde über den Winter 1919/1920 völlig eingestellt.
Zum Fortbestand der Waffenfabrik Mauser hieß es, neue Geschäftsfelder zu finden. Hochwertige Jagdwaffen ließen sich angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage Deutschlands Anfang der 1920er Jahre kaum noch verkaufen. 
Ein beliebter und kostengünstiger Zeitvertreib war bereits vor dem Ersten Weltkrieg das heute neudeutsch “plinking” genannte Schießen mit Flobert- und Kleinkalibergewehren. Auch so mancher Küchenhase fand sein Ende durch das Geschoss einer KK-Büchse. 
In nahezu jedem Katalog von Waffenherstellern und -händlern fanden sich entsprechende Waffen, vom einfachst gefertigten Modell bis zu hochwertig in Handarbeit hergestellten Blockbüchsen. 
Jedoch hatte sich die Waffenfabrik Mauser bis dato nie mit KK-Waffen beschäftigt. Durch die schlechte wirtschaftliche Lage sah man aber wohl in diesem Bereich ein lukratives Geschäftsfeld. 
Um 1923 nahm Mauser erste KK-Büchsen in das Vertriebsprogramm auf. Dies waren die Modelle Eb 300, En 310 und El 320. Alle drei Einzellader verwendeten die gleiche runde Systemhülse. Der Verschluss war als einfacher Schließ-Spanner konzipiert, die Verriegelung des Verschlusses in der Hülse übernahm der rechteckig ausgeführte Ansatz des Kammerstängels in einer entsprechenden Nut der Systemhülse. 
Vier Klassiker aus der KK-Produktion der Mauser-Werke in den 1920er und 30er Jahren (von oben): das einfach Eb300 mit 500-mm-Lauf, dann das Es 340 (1924-29). Die mit ZF ausgestatteten Gewehre sind das Ms420, ein ab 1930 gebauter Repetierer mit Zeiss-ZF "Zielmi", und das verbesserte Ex 340 N, das mit einem Zielfernrohr der Firma Walter Gerard ausgestattet wurde.
Vier Klassiker aus der KK-Produktion der Mauser-Werke in den 1920er und 30er Jahren (von oben): das einfach Eb300 mit 500-mm-Lauf, dann das Es 340 (1924-29). Die mit ZF ausgestatteten Gewehre sind das Ms420, ein ab 1930 gebauter Repetierer mit Zeiss-ZF "Zielmi", und das verbesserte Ex 340 N, das mit einem Zielfernrohr der Firma Walter Gerard ausgestattet wurde.
Diese Verriegelungsart reicht bei der recht geringen Verschlussbelastung der Patrone .22 long rifle völlig aus und wird in verschiedenen Formen bei einem Großteil von KK- Büchsen mit Zylinderverschluss noch heute verwendet. Durch eine ebenfalls am Verschluss angebrachte lange Leitschiene erreichte Mauser einen sehr weichen und verkantungsfreien Schlossgang. 
Zum Verriegeln genügte das Schwenken des Kammerstängels um nur rund 15 Grad. 
Im Gegensatz zu Konkurrenzmodellen lief der Kammerstängel seitlich in der Systemhülse. Dadurch wurde es möglich, die Hülse bis auf die Ladeöffnung geschlossen auszuführen. 
Der massiv gearbeitete Verschluss wurde im vorderen Bereich abgesetzt. 
Das Mauser-Quartett im Vergleich der Verschlüsse und der Kimmen, von links: Eb 300, Es 340, Ms 420 und Es 340 N (die letzten beiden hier ohne ZF). Der Öffnungswinkel der Verschlüsse beträgt lediglich 15 Grad, wie die seitlich gerade abstehenden Kammerstängel ("geöffnet") demonstrieren.
Das Mauser-Quartett im Vergleich der Verschlüsse und der Kimmen, von links: Eb 300, Es 340, Ms 420 und Es 340 N (die letzten beiden hier ohne ZF). Der Öffnungswinkel der Verschlüsse beträgt lediglich 15 Grad, wie die seitlich gerade abstehenden Kammerstängel ("geöffnet") demonstrieren.
Im Kopfstück befand sich der federnd gelagerte Auszieher. In Verbindung mit einem seitlich in die Systemhülse eingesetzten Auswerfer erreichte man ein schnelles und sicheres Auswerfen der leeren Patronenhülse. 
Alle drei Modelle verwendeten einen nicht verstellbaren Druckpunktabzug und verfügten über keinerlei Sicherung. Den Verschluss ließ sich nach dem Durchziehen des Abzugs aus der Systemhülse herausziehen, ein separater Schlosshalter wurde nicht verwendet.
Vom einfachen, festen Korn (Eb 300, v.l.) wechselte Mauser zum Kornsattel mit seitlich verschiebbarem Korn (Es 340, Ms 420), das auch beim Es 340 N gewechselt werden konnte, hier per Tastendruck.
Vom einfachen, festen Korn (Eb 300, v.l.) wechselte Mauser zum Kornsattel mit seitlich verschiebbarem Korn (Es 340, Ms 420), das auch beim Es 340 N gewechselt werden konnte, hier per Tastendruck.
Die Läufe waren in die Systemhülse eingeschraubt und verfügten über eine Drall-Länge von 450 mm bei 500 mm Lauflänge (600 mm beim Modell El 320). Die Modelle Eb 300 und En 310 hatten lediglich eine feststehende, in den Lauf eingeschwalbte Kimme sowie ein ebenfalls eingeschwalbtes einfaches Korn.
Abweichend dazu besaß das Modell El 320 ein in der Höhe verstellbares einfaches Federvisier. Befestigt wurde das System im Schaft mit nur einer Schraube. Als Besonderheit der ersten frühen Serie war diese nicht als übliche Schlitzschraube ausgeführt. Verwendet wurde eine Schraube mit einem vorstehenden abgerundeten Steg. Zum Drehen dieser Schraube besaß die Kugel des Kammerstängels eine Nut. Dies ermöglicht das Zerlegen der Waffe ohne weiteres Werkzeug. Die Systemschraube war durch ein unterbrochenes Gewinde gegen Herausfallen und Verlieren nach dem Lösen gesichert. 


Schwarzwald-Holz?
Die einfach geformten Schäfte kamen ohne Schaftkappe, der Abzugsbügel war ein simpel geformtes Stanzteil aus Blech. Beim Eb 300 wählte Mauser Buche, beim En 310 und dem hochwertiger ausgeführten Modell El 320 griff man zu Nussbaum, bei letzterem sogar mit Riemenbügeln. 
Die "Mausertonne" als Firmenzeichen zierte auch die Schäfte in einfacher (Eb 300) oder ausgeprägter Form (Mitte). Beim Ms 420 (unteres Modell) ist die Tonne wegen der ausgeprägten Schaftbacke auf der rechten (nicht sichtbaren) Schaftseite.
Die "Mausertonne" als Firmenzeichen zierte auch die Schäfte in einfacher (Eb 300) oder ausgeprägter Form (Mitte). Beim Ms 420 (unteres Modell) ist die Tonne wegen der ausgeprägten Schaftbacke auf der rechten (nicht sichtbaren) Schaftseite.
Auf den Systemhülsen befand sich die berühmte “Mausertonne”, linksseitig wurde der Schriftzug “Mauser-Werke AG Oberndorf a. N.” angebracht. Als Beschusszeichen wurden die von 1924 bis 1934 üblichen Stempel B/U/G, jeweils unter Krone, angebracht. Auch findet sich die interne Kaliberbezeichnung des Beschussamtes “459” neben den Stempeln. Auf den Lauf stempelte man die Angabe zur Munition: “Patrone 22 Long Rifle”.
Alle drei Modelle befanden sich bis Anfang der 1930er Jahre im Vertriebsprogramm (eine schlüssige Erklärung für die Kürzel wie Eb, El oder En fehlt übrigens bis heute).
Betrachtet man jetzt diese drei Modelle, muss man einräumen, dass sie sich bis auf den zugkräftigen Namen “Mauser” kaum von den Konkurrenzmodellen anderer Hersteller unterschieden. 
Insbesondere die Modelle Eb 300 und En 310 rufen eher den Eindruck einfacher Hobbywaffen hervor. Heute zählen diese drei Gewehre zu den gesuchten Raritäten auf dem Sammlermarkt.
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