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FORTMEIER M 2002
Scharfschützengewehr im Test

Zerlegen des FORTMEIER M 2002 ohne Werkzeug:

In der Vorderseite des Schaftträgerprofils finden sich die Nuten für die Vorderschaftaufnahme. Bei einem Kaliberwechsel tauscht der Schütze den gesamten Vorderschaft aus. Auch hier kam HEINRICH FORTMEIER bequemen Charakteren entgegen: Man drückt einen Schieber hinter dem Abzugszüngel etwa vier Millimeter nach vorn und dreht gleichzeitig den Abzugsbügel um etwa 290 Grad gegen den Uhrzeigersinn nach rechts. Über eine Gewindesteigung werden danach zwei Zentrier- respektive Haltezapfen nach unten gezogen. So geben sie die Verriegelung von Vorder- und Hinterschaft frei. Nun kann man beide Baugruppen entlang einer 115 Millimeter langen Führung auseinanderziehen. Beim Zurückdrehen des Abzugsbügels kommen die Zentrierzapfen wieder nach oben und greifen in die korrespondierenden Bohrungen auf der Vorderschaftunterseite ein. Diese Lösung verhindert radiales und axiales Spiel.

Zum werkzeuglosen Zerlegen der Waffe muss man den Schieber nach vorn drücken
Zum werkzeuglosen Zerlegen der Waffe muss man den Schieber nach vorn drücken
.... und dann um etwa 290° gegen den Uhrzeigersinn drehen (die Endposition).
.... und dann um etwa 290° gegen den Uhrzeigersinn drehen (die Endposition).

Druckpunktabzug: Feste Werte 

HEINRICH FORTMEIER verbaut in dem M 2002 einen von ihm selbst konstruierten Druckpunktabzug, der bei einem Abzugsgewicht zwischen 1.500 und 2.000 Gramm bricht. Allerdings kann der Kunde das Gewicht nicht selbst verstellen. Die Sicherung der Waffe blockiert den Abzugszüngel über einen Schieber auf der rechten Seite. Der Schütze kann rechts und links entsichern. 

Kurz vor der angenehm weichen Schaftkappe befindet sich ein sehr stabiler Bügel. Dieser dient primär als Hinterschaftauflage. In Verbindung mit dem montierten Zweibein erweist er sich leider als zu niedrig - in diesem Fall benötigt man eine zusätzliche Hinterschaftunterlage. Wie die Schaftkappe bietet auch der Bügel keine Verstellmöglichkeiten. Trotzdem kamen die Tester gut zurecht, da die Montagehöhe des Zielfernrohrs stimmte. Die ebenfalls nicht verstellbare Schaftbacke besteht aus Buchenholz. Der Hersteller beschichtet sie mit einem speziellen mattgrauen Lack, der der Backe eine fein aufgeraute Oberfläche verleiht.

Einfaches Verschlusszerlegen: Ein Schraubendreher dient beim Lösen des Kammerstengels als Hebel. Außerdem benötigt man das Werkzeug zum Eindrücken des Schlagbolzens.
Einfaches Verschlusszerlegen: Ein Schraubendreher dient beim Lösen des Kammerstengels als Hebel. Außerdem benötigt man das Werkzeug zum Eindrücken des Schlagbolzens.

Der eckige, mit zwei massiven Warzen ausgestattete Verschlusskopf verriegelt über eine Fläche von 77 Quadratmillimetern. Der O-Ring, der den Auszieher in seiner Führung hält, lässt sich leicht entfernen. So dauert das Ausbauen des Ausziehers ebenfalls nur wenige Sekunden. Auch das Zerlegen des Verschlusses gestaltet sich komfortabel. Mit einem stabilen Schraubendreher löst man zunächst den Kammerstengel und holt diesen aus dem Verschlussrohr. Nun drückt man das Werkzeug auf die Rückseite des Schlagbolzens und schiebt dessen Arretierung beiseite. Dann lässt sich der Verschluss komplett in Einzelteile zerlegen. 


Auf dem Schießstand mit dem FORTMEIER M 2002

Links die drei Testpatronen .308 Win., 9,5 x 70 und .375 Snype Tac. Die Verschlüsse unterscheiden sich nur im Stoßbodendurchmesser und durch die Auszieherkralle, welche mittels  Ring in ihrer Führung gehalten werden.
Links die drei Testpatronen .308 Win., 9,5 x 70 und .375 Snype Tac. Die Verschlüsse unterscheiden sich nur im Stoßbodendurchmesser und durch die Auszieherkralle, welche mittels Ring in ihrer Führung gehalten werden.

Das Design der Waffe gab keinen Anlass zum Mäkeln, zumal sich alle Teile erstklassig verarbeitet zeigten und auch das Finish stimmte. Um so gespannter waren die Tester auf das Schießen, gutes Aussehen ist schließlich nur die halbe Miete. Doch vor dem Spass mit dem M 2002 stand zunächst einmal Wiederladearbeit. Die Kalibern 9,5 x 70 und die .375 Snype Tac besitzen bis jetzt keine CIP-Zulassung, welche Ladedaten, Gasdruck und Abmessungen festlegt. Deshalb mussten die Tester zuerst mit einem Innenballistikprogramm sinnvolle Ladungen theoretisch berechnen. Um deren Sicherheit zu überprüfen, ging die Testwaffe samt der Probelaborierungen danach an das Beschussamt Köln. 

Das stellte nach erfolgreicher Überprüfung für beide Kaliber sechs „beschusstechnische Bescheinigungen“ aus. Sie enthalten jeweils die Pulversorte und -masse sowie das Geschossgewicht und die bei der Messung verwendeten Waffendaten. Damit ging die Verwendung der Laborierungen aus dem M 2002 rechtlich in Ordnung. Allerdings muss sich der Wiederlader strikt an die Vorgaben in den Bescheinigungen halten, es gibt also keinen Spielraum für Experimente. 

Für die 9,5 x 70 hatte GRILLMAYER bei PRIVI PARTIZAN ein kleines Los spezieller Hülsen mit größeren Zündglocken für die XLRM-Zündhütchen fertigen lassen. Da der Hülsenmund aber für das .338 Diameter ausgelegt war, musste zuerst mit einem Innenkalibrierer der Hülsenmund von .338 auf .375 respektive von 8,6 auf 9,5 Millimeter mit Forster-Matrizen der österreichischen Firma DORFNER aufgeweitet werden. Weit schwieriger gestaltete sich das Laden der .375 Snype Tac - große Hersteller wie RCBS bieten dafür keine Matrizen an. Eine extra in Auftrag gegebene Kalibrier- und Setzmatrize wurde nicht rechtzeitig für den Test fertig. So mussten die Tester mit Material für andere Kaliber improvisieren. 

Wie üblich ging der Präzisionsprüfung das Einschießen mit jeweils 50 Patronen voraus. Nach je fünf Schuss erhielten die drei Läufe eine chemische Reinigung. Als Zielhilfen dienten ein IOR 12-52 x 56 mit Leuchtabsehen und ein KAHLES K 624i 6-24 x 56. Es gab keine Funktionsstörungen. 

Die Streukreise konnten sich sehen lassen: 11 Millimeter mit einer .308er Laborierung auf 100 Meter - das ist sehr gut. Mit den beiden Hochleistungskalibern 9,5 x 70 und .375 Snype Tac ließen sich auf 500 Meter bei annehmbaren Windverhältnissen Ergebnisse zwischen 58 und 76 Millimeter erzielen. Nicht übel, doch sicher ist da noch mehr drin, wenn Wiederlader noch günstigere Laborierungen finden.
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